Johannes Beus

Google Suggest, also der Ajax-getriebene Vorschlag alternativer Suchanfragen, während man seine eigentlich Idee in den Google-Suchschlitzt tippt, ist jetzt seit gut einem Monat online: am 31. März legte Google auch in Deutschland den Schalter um und hat das Feature aktiviert. Zeit, Bilanz zu ziehen und Auswirkungen zu analysieren.
Ron 'der Pate' Hillmann hat die Diskussion im
SEO-BH-Chat dazu vor einigen Tagen angestoßen. Die zugrundeliegende Idee ist, dass Domains, die bei trafficstarken Keywords als einer der ersten Vorschläge ausgeliefert werden seit dem Datum der Aktivierung von Suggest im Vergleich zu den Wettbewerbern erkennbar an Traffic zugelegt haben müssten.
Als gutes Beispiel hierfür kann das Keyword 'wetter' dienen – seit Jahren mit ordentlich Traffic ausgestattet und die Dynamik des Traffic der üblichen Wettbewerber untereinander dürfte relativ gering sein. Bei der Eingabe von Wetter auf der Google Startseite werden wetter.de und wetter.com als ersten Vorschläge geliefert. Guckt man sich jetzt bei
Google Insights die Trafficwerte der beiden Domains an, so fällt auf, dass just zu dem Datum, an dem Google Suggest aktiviert wurde der Traffic sprunghaft angestiegen ist. Als Gegencheck noch ein Blick auf die Werte von
Wetteronline.de, die nicht so prominent „beworben“ werden – hier ist kein Sprung zum Datum der Suggest-Einführung zu sehen. Diese Beobachtung gibt es auch bei zahlenreichen weiteren Keywords, ist also nicht nur auf das eine Keyword gemünzt.
Welche Rückschlüsse lassen sich daraus nun ziehen? Projekte, die einen signifikanten Teil ihres Traffics durch SEO erzielen und in einem Markt tätig sind, der sich (auch) durch einige, klar identifizierbare „Short-Head“-Keywords auszeichnet, sollten darüber nachdenken, eine Domain zu wählen, die dieses Keyword am Anfang beinhaltet. Nur so kann man derzeit vom „Suggest-Boost“ profitieren und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die bei Startups derzeit so beliebten
Phantasienamen mit „r“ und Doppel-Vokal am Ende der richtige Weg sind. Man könnte fast glauben, eine erfolgreiche Internetfirma aus Leipzig hätte die Entwicklung einige Jahre voraus geahnt und deswegen auf starke Keyword-Domains gesetzt …
Wie zu sehen ist, geht der Traffic klar in die Richtung der gut positionierten und wer nicht an der Sonne steht, geht leer aus. Wenn man dann in Erwägung zieht, dass die oben aufgeführten Treffer unter Umständen gar nicht die dem Benutzer am meisten nützenden sind, sondern die am besten optimierten, dann führt sich Google meiner Meinung nach langsam selbst ad absurdum. Mach Seiten für Benutzer, nicht für Suchmaschinen - aber dann sollten die Seiten auch eine Chance bekommen.
Kurz gesagt: Eine Stimme gegen "Google Suggest".