Visualisierung von Linknetzwerken

SISTRIX LabsIm Zuge der Weiterentwicklung der Toolbox machen wir uns auch Gedanken über die bestmögliche Darstellung neuer Features – die besten Daten nützen nichts, wenn Sie nicht einfach analysiert werden können. Gerade im Backlink-Modul wachsen die Datenmengen und die Visualisierung der Verknüpfungen untereinander ist in Tabellenform nur noch schlecht möglich. In den SISTRIX Labs möchte ich deswegen heute eine Alternative vorstellen: inspiriert vom Java-Applet Touchgraph, mit dem auf Basis der Google-Informationen zu „ähnlichen Seiten“ Seitenverbindungen angezeigt werden können, testen wir das mit Links als Grundlage. Nach der Eingabe einer Domain werden 10 Domains angezeigt, die auf diese Domain verlinken. Durch den Klick auf das grüne Plus jeder Domain lässt sich die Anzeige erweitern und das Linknetzwerk somit vergrößern. Zusätzlich zeigen die Domains, wenn man mit der Maus über das Icon geht, jeweils die Anzahl der ausgehenden Links zu anderen Domains an. Im unteren Bereich des Tools lässt sich die Anzeige auf den kompletten Bildschirm vergrößern sowie skalieren. Die Umsetzung basiert auf JavaScript – das hat den Vorteil, dass es ohne extra Plugins in den meisten aktuellen Browsern direkt läuft, nur der Internet Explorer spielt da leider nicht mit. Ich stelle das Tool auch nicht Toolbox-Kunden bis Ende der Woche kostenlos zur Verfügung und würde mich im Gegenzug über Feedback freuen.

Johannes Beus - 21.11.2010 12:04 - Kommentare 27 Kommentare


Wie Google Regelungslücken ausnutzt

Heute ist Google Street View dann endlich und nach monatelangem Gezerre auch in Deutschland online gegangen. Viel ist zu den Vor- und Nachteilen geschrieben wurden, noch mehr wurde über die Rechtmäßigkeit des Dienstes diskutiert. Interessant finde ich an Street View, dass es ein gutes Beispiel dafür ist, wie Google Regelungslücken ausnutzt. Als der Gesetzgeber die Panoramafreiheit im Urheberrecht verankerte, kam es bestimmt niemandem in den Sinn, dass ein Monopolist aus den USA irgendwann mal Autos mit digitalen Kameras ausrüsten werde und damit die ganze Welt ablichten wolle – es ging vielmehr darum, dass man das, was man von der öffentlichen Straße aus sieht, auch problemlos fotografieren könne. Ein ähnliches Vorgehen ist bei der Google Buchsuche zu beobachten: Google hat einfach angefangen, eine Menge Bücher zu digitalisieren und kümmert sich dann irgendwann später darum, dass die rechtlichen Gegebenheiten dafür geschaffen werden. Auch YouTube wäre, wenn dort ausschließlich private Urlaubsfilme verfügbar gewesen wären, vermutlich nicht so ein Erfolg geworden – heute muss sich die Film- und Musikindustrie ob der Marktmacht irgendwie mit dem Dienst arrangieren.

Allen Fällen ist gemein, dass mittlerweile Anwendungen möglich sind, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Die Rechenleistung der Serverfarmen von Google und Facebook macht vieles erst überhaupt möglich. Wenn dann Verbraucherschutzministerin Aigner ihr Facebook-Profil löscht, mag das zwar die ein oder andere öffentlichkeitswirksame Nennung in einer Tageszeitung bringen, verkennt aber die Realität: Internetriesen treiben den Gesetzgeber eindeutig vor sich her und dieser wird erst mit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten Verspätung reagieren. Als Nerd, der in einer Zeit computer-sozialisiert wurde, zu der Microsoft der Inbegriff des Bösen war, betrachte ich diese Entwicklung mit Sorge. Microsoft hatte damals zwar ein Monopol – aber keine persönlichen Daten in dem Umfang, wie sie heute Google und Facebook besitzen.

Johannes Beus - 18.11.2010 19:41 - Kommentare 34 Kommentare


Googles Interface Iterationen

In den letzten Wochen hat Google erneut zahlreiche Änderungen an der Darstellung der Suchergebnisse vorgenommen. Nach der Einführung von Google Instant sind jetzt Screenshots der Treffer sowie eine deutlich veränderte Integration der lokalen Ergebnisse in die SERPs hinzugekommen. Über die Gründe kann man nur spekulieren, es kommt mir aber so vor, als ob man bei der inhaltlichen Qualität der Suchergebnisse keine großen Fortschritte mehr mache und sich deswegen auf die Präsentation verlege.

Screenshots
Google ScreenshotsVon der Unverfrorenheit von Google, für die Einbindung der Screenshots einfach auf mein Favicon zurückzugreifen, will ich nun gar nicht anfangen, ein anderer Aspekt der Sache ist in meinen Augen interessanter: die meisten dieser Screenshots liegen offensichtlich bereits komplett gerendert auf Google-Servern. Im Umkehrschluss heißt das, dass Google diese Seiten „auf Vorrat“ durch einen HTML-Parser schickt und abspeichert. Wer schon mal etwas in diese Richtung gemacht hat, wird wissen, dass zwischen dem reinen Crawlen und Extrahieren von Text sowie dem kompletten Parsen einer HTML-Seite Welten im Verbrauch von Rechenpower liegen. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass Google diesen Schritt lediglich zur Verschönerung der SERPs geht, sondern denke, dass die Screenshots ein Abfallprodukt der Seitenauswertung ist. Google weiß nun also unabhängig von der Position im HTML-Quelltext recht genau, wo auf der Seite Texte und Links angezeigt werden und kann dies für die Gewichtung als Ranking-Faktor nutzen. SEO-Empfehlungen, die sich darum drehen, wichtige Links möglichst weit oben im Quelltext unterzubringen, sie aber mit CSS am Ende erst anzuzeigen, dürften damit zwar nicht aussterben, doch aber weiter an effektiver Wirkung verlieren.

Google Maps Places
Google MapsDie Veränderungen bei vielen lokalen Suchbegriffen sind auch ganz interessant. Bislang war die Sache recht einfach: es gab 10 organische Treffer aus dem Google-Index und es gab die Ergebnisse der lokalen Universal Search. Zweitere wurden, wenn Google es für angemessen hielt, in einer Box (die Maps-Karte sowie die Treffer) eingeblendet. Jetzt ist die Sache etwas komplexer geworden – Google hat die strikte Trennung zwischen organischen Treffern sowie der vertikalen Suche in der Darstellung teilweise aufgehoben. Mit einem Beispiel wird das etwas deutlicher: ich habe hier für das Keyword „feinkost köln“ einen Screenshot von Ende September, also noch vor der Änderung. Oben sieht man die Integration der Universal Search, danach kommen die 10 organischen Treffer. Es fällt aber auch auf, dass eine Domain wie „hoss-delikatessen.de“ in beiden Trefferlisten vertreten ist. Dieser Screenshot für das Keyword ist jetzt von heute und zeigt die neue Darstellung: die Karte ist nach rechts gerückt und legt sich über die AdWords-Anzeigen, wenn man nach unten scrollt und die Universal-Search-Treffer haben ein Bild erhalten, so dass sie prominenter in den SERPs sichtbar sind. Der eigentliche Unterschied ist jedoch die Zusammenführung der beiden Trefferlisten. Schaut man auf Position #4, so ist die Domain „hoss-delikatessen.de“ weiterhin dort vertreten – der Treffer wird jetzt aber durch die zusätzlichen Informationen aus der vertikalen Suche angereichert und damit aufgewertet. Die Anzahl der Treffer auf der ersten Seite hat sich durch die Umestellung eher verkleinert, die verbliebenen sind allerdings prominenter eingebunden – die Konkurrenz bei Keywords mit einem lokalen Bezug dürfte dadurch eher steigen.

Johannes Beus - 14.11.2010 13:29 - Kommentare 15 Kommentare


IndexWatch 10/2010

Die ersten Tage des Monats sind zwar bereits vorbei, da Martin aber so charmant in seinem Blog nach dem aktuellen IndexWatch gefragt hier, hier die neuen Werte. Wie immer werte ich auf Basis des SISTRIX Sichtbarkeitsindex die Auf- und Absteiger im Googleindex des letzten Monats aus. Los geht es wie üblich mit den Gewinnern:



Zwischen den Seiten, die wegen einer von Google aufgehobenen Penalty in diesen Monat stark gewonnen haben, sind auch noch ein paar andere interessante Fundstücke. Webnews.de hat letzten Monat zum Beispiel einen Relaunch hingelegt und die Sichtbarkeit der Domain in den Google-SERPs damit recht deutlich steigern können. Schaut man sich den ehemals überstarken Konkurrenten Yigg.de dazu im Vergleich an, so zeigt sich, dass sich das Blatt auch nach längerer Zeit noch wenden kann und nicht unbedingt erste Mitspieler in einem Markt auch bei Google gewinnt.

Mit tjaereborg.de, attika.de und jahnreisen.de sind drei Reiseveranstalter unter den Gewinner. Die Seiten scheinen auf dem gleichen System zu laufen und dort hat man anscheinend ein SEO-Basis-PDF in die Finger bekommen. Die Kunden dürfte es freuen.


Bei den Verlierern finde ich janolaw.de ganz interessant: nachdem es Anfang des Jahres schon mal einen ordentlichen Satz nach unten ging, ist die Seite seit rund 2 Wochen fast gar nicht mehr zu finden. An der Domain, der alten Verlinkung sowie der Seite selber scheint es auf den ersten Blick nicht zu liegen – allerdings ist der Betreiber (branchentypisch) recht großzügig mit den Auszügen seiner Verträge und Muster. Dass www1 und www2.janolaw.de da noch im Index sind, ist eher eine Randnotiz.

Johannes Beus - 10.11.2010 21:43 - Kommentare 16 Kommentare


SEO-Stammtisch Bonn

Nachdem die Sommerpause vorbei ist, die massenweisen Termine im September auch rum sind, wird es mal wieder Zeit für einen SEO-Stammtisch in Bonn. Der 28.10.2010 hat mich in meinem Terminkalender angelächelt, los gehen wird’s wie immer gegen 19:00 Uhr. Wer Lust hat teilzunehmen, meldet sich bitte über dieses Formular an. Weitere Informationen dann per E-Mail.

Johannes Beus - 04.10.2010 20:43 - Kommentare 14 Kommentare


IndexWatch 09/2010

Ein ereignisreicher September ist vorbei: wir sind in ein neues Büro gezogen, haben die internationalen Versionen der Toolbox gestartet, mit dem SEOktoberfest gab das das Veranstaltungshighlight des Jahres. Damit die Arbeit nicht zu kurz kommt, hier die Auf- und Absteiger im Googleindex des vergangenen Monats. Los geht es wie üblich mit den Gewinnern:

Gewinner
#DomainVeränderung
1website.org+98.604%Domaininfo
2misterinfo.com+2.069%Domaininfo
3ehotel.com+1.273%Domaininfo
4antag.de+838%Domaininfo
5angelfire.com+609%Domaininfo
6meinprospekt.de+302%Domaininfo
7tripod.com+270%Domaininfo
8babycenter.de+141%Domaininfo
9kaufland.de+117%Domaininfo
10yelp.de+102%Domaininfo
11promipranger.de+102%Domaininfo
12preisvergleich.de+98%Domaininfo
13windowslive.de+84%Domaininfo
14sportscheck.com+83%Domaininfo
15shopwiki.de+82%Domaininfo

Auf website.org, tripod.com und angelfire.com läuft eine recht großangelegte Spam-Serie. Dürfte Google aber recht schnell in den Griff bekommen (bei tripod.com scheint es schon soweit zu sein) und die Domain wird kommenden Monat recht wahrscheinlich zu den Verlierern gehören. Interessant finde ich, dass sowas überhaupt noch in den Index kommen kann - da ist der Fortschritt seit 2005 offenbar geringer, als angenommen.

Antag.de ist - mal wieder - aus einer Penalty zurück. Finde ich insofern ganz interessant, als dass dieses System nicht nur in Deutschland gefahren wird, sondern LeGuide, der französische Betreiber dahinter, versucht, die Seiten jeweils in ganz Europa in den Index zu drücken - mit unterschiedlichem Erfolg. Schreibe ich später mal etwas detaillierteres zu.

Yelp ist nun auch in Deutschland gestartet und versucht, auf yelp.de dem großen Vorbild Qype ein paar Besucher abzunehmen. Sieht bislang ganz gut aus, ich glaube aber nicht so richtig an den großen Erfolg in den SERPs, da sich viele Vorgehensweisen, die in den USA funktionieren mögen, in Europa so nicht eins zu ein umsetzen lassen. Lasse mich aber natürlich gerne überraschen.


Celeb.ag ist auf die Celeb.to umgezogen und hat mit dem Umzug seine Sichtbarkeit in Google in etwa sauber halbiert, date-seiten.de scheint eine Penalty verpasst bekommen zu haben und auch joinr.de ist mal wieder weg von der Sonne des Google-Traffics.

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat es durch einen Relaunch geschafft, bei zahlreichen relevanten Keywords nicht mehr im Index vertreten zu sein: autobahn, führerschein, heizkostenverordnung, mautgebühr - alles Begriffe, für die man das Ministerium vorher gefunden hat; jetzt ist die Domain nicht mehr unter den Top-100 zu finden. Schauen wir mal, ob beim nächsten Relaunch noch immer von der „reichweitenstarken Internetplattform“ gesprochen werden kann ...

Mit guenstiger.de musste ein alter und eigentlich etabliertet Preisvergleich massiv Federn lassen. Von fast 120 Punkten auf einen Sichtbarkeitsindex von rund 50 zurückgefallen, dürfte sich das in den Besucherzahlen recht deutlich zeigen. Interessant in dem Zusammenhang ist, dass die Domain im gleichen Zeitraum sehr viele, neue Seiten in den Index geschoben hat.

Johannes Beus - 04.10.2010 11:28 - Kommentare 7 Kommentare


Hello, Bonjour, Hola, Ciao

Seit der Einführung der SISTRIX Toolbox habe ich in diesem Blog nichts zu neuen Features und Weiterentwicklungen geschrieben, möchte diese Chance jetzt aber gerne nutzen. Ab heute sind die Toolbox-Daten nicht mehr nur für Deutschland, sondern ebenfalls für England, Frankreich, Spanien und Italien verfügbar. Damit decken wir die fünf wichtigsten europäischen Märkte ab und bieten einen einzigartigen Überblick über Onlinemarketing-Entwicklungen in Europa.

Den Sichtbarkeitsindex gibt es ab sofort nicht nur für Deutschland, sondern auch für die vier neuen Länder. Der Indexwert ist dabei so aufgebaut, dass die Werte zwischen den Ländern vergleichbar sind: ein Wert von 10 entspricht also in allen Ländern der gleichen Sichtbarkeit in den Suchergebnissen. Recht gut kann man das beispielsweise bei Wikipedia.org sehen:

Sichtbarkeitsindex Wikipedia.org

Die Domain ist in England nochmals stärker als bei uns im Index vertreten, in Spanien etwa auf gleichem Niveau und in Frankreich und Italien seltener so prominent zu finden. Wenn man sich die Anzahl der Artikel in der jeweiligen Länderversion von Wikipedia.org ansieht, entspricht das übrigens in etwa diesem Ranking. Interessant sind diese Zahlen auch, wenn man sie als Grundlage für den Vergleich von ähnlichen Seiten nimmt, die jeweils lokale Versionen anbieten. Hier habe ich den Sichtbarkeitsindex von vier bekannten Preisvergleichen in einem Diagramm eingezeichnet:

Preisvergleich in Europa

Bei Twenga fällt ein starkes Nord-Süd-Gefälle auf: in Frankreich, Italien und Spanien sehr stark, bekommt der Preisvergleich in Deutschland und England nicht so richtig einen Fuß auf den Boden – das liegt in England allerdings offenbar auch daran, dass es Preisvergleiche in dem dortigen Index generell schwerer haben. Im gesamt-europäischen Vergleich am erfolgreichsten ist derzeit Ciao. Mal sehen, wie lange das nach dem Kauf durch Microsoft und der Kartellrechtsbeschwerde gegen Google noch so bleibt. Neben den Daten aus dem SEO-Modul sind natürlich auch die für das SEM- und Universal-Search-Modul verfügbar. In folgendem Diagramm habe ich den Anteil der SERPs mit mindestens einer Universal-Search-Integration ausgewertet:

Universal-Search

So wird deutlich, dass Google in England nochmal stärker auf Universal-Search setzt, als dies bei uns bereits der Fall ist. Spanien liegt in etwa auf dem deutschen Niveau, während in Italien und Frankreich derzeit noch deutlich weniger Universal-Search-Integrationen zu finden sind. Zum Abschluss will ich noch einen praktischen Anwendungsfall von solchen Daten zeigen. In diesem Diagramm ist auf der einen Achse die Anzahl der Keywords mit einer Integration der Bildersuche zu sehen, auf der anderen Achse ist die Zahl der unterschiedlichen Domains, die sich dort finden, eingezeichnet. Während in Deutschland und England recht viele unterschiedliche Domains um das Ranking konkurrieren, sind es in Spanien deutlich weniger – und das bei einer nochmal höheren Zahl von Einblendungen. Wenn man sich also auf Bilderoptimierung spezialisiert hat, scheint Spanien derzeit ein dankbarer Markt zu sein. Informationen über die Nutzung der neuen Toolbox-Daten sowie ein paar Hintergrund-Informationen gibt es im entsprechenden Changelog-Eintrag, viel Spaß!

Johannes Beus - 13.09.2010 07:15 - Kommentare 12 Kommentare


Irgendwie und SEO

Die letzten zwei Tage war ich in München: gestern hat uns Bing in einer dem künftigen Marktanteil angemessenen Atmosphäre in der Allianz-Arena künftige Features und Veränderungen vorgestellt, heute hat Stefan (Dank kräftiger Unterstützung von Bing) mit rund 300 Leuten das 10-jährige Jubiläum von suchmaschinentricks.de gefeiert. Als Forennutzer der ersten Stunde habe ich natürlich gerne zugesagt und zusammen mit Uwe Tippmann von Abakus das Thema Backlink-Bewertung beleuchtet. Da aus dem Publikum der Wunsch der Veröffentlichung der Zahlen und Ideen kam, möchte ich das gerne hier in dem Posting machen.

Mein Vortrag drehte sich um das Thema Linkbewertungsfaktoren und was SEOs daraus machen. Das häufig genutzte Wort „Trust“ hat seinen Ursprung in dem Paper „Combating Web Spam with TrustRank“. Google erklärt dort, wie man auf Basis einer manuell ausgewählten Seed-Liste mit vertrauenswürdigen Seiten Spam erkennen kann. Im Groben wird der Klickabstand zwischen den URLs der Seed-Liste sowie der betreffenden URL ermittelt. Es wird vermutet, dass auf dieser Liste relativ viele Domains mit einer .edu-Top-Level-Domain stehen – dies sind nun mal mit die ältesten und vertrauenswürdigsten Domains im Internet.

Sowie die öffentlichen Informationen. Überraschend viele SEOs verallgemeinern dies nun dahingehend, dass .edu-Domains generell ein hohes Vertrauen bei Google genießen und setzen viel Energie und Geld in die Beschaffung von obskuren Links – Hauptsache, sie kommen von einer .edu-Domain. In unserer Datenbank habe ich 4.824 .edu-Domains gefunden. Die IP-Popularity, also die Anzahl unterschiedlicher IP-Adressen, von denen Links auf diese Domains zeigen, als grober Indikator genommen, offenbart, dass nur 472 dieser Domains eine IP-Pop von über 1.000 haben – das sind weniger als 10%. Oder nochmal etwas deutlicher als Bild:



Als zweites Beispiel habe ich die Zusammensetzung der Backlink-Struktur genommen. Im Patent „Methods and systems for identifying manipulated articles” (US Patent 7,302,645) beschreibt Google, wie die starke Abweichung unterschiedlicher Signale von Normalwerten für die Erkennung von unnatürlichen Backlink-Profilen genutzt werden kann. Eigentlich SEO-Allgemeinwissen und es würde vermutlich auch kein SEO den Ausführungen widersprechen. Schaut man sich dann allerdings ein paar Backlink-Strukturen genauer an, so wird deutlich, dass Ziel und Realität häufig nicht komplett übereinstimmen. Bei diesem Beispiel hat die Domain zwar mehr als 1 Millionen Backlinks – diese kommen aber nur von 11 unterschiedlichen IP-Adresse. Hier sind es zwar nicht ganz so viele Links, aber jeder Link kommt von genau einer Domain. Natürlichkeit ist anders, wie die Basis-Zahlen von spiegel.de hoffentlich verdeutlicht haben.

Uwe hat eine Auswertung eines Backlinksets von 10 Millionen Links gezeigt und dabei interessante Durchschnittswerte präsentiert und damit den zweiten Teil meines Vortrags im Detail fortgeführt. Ich hatte das Gefühl, dass es auch den meisten Teilnehmern gefallen hat und freue mich auf die 20-Jahr-Feier.

Johannes Beus - 10.09.2010 19:45 - Kommentare 11 Kommentare


Google Instant Search

Zwei Tage mussten wir uns mit nervigen, interaktiven Doodles abgeben, jetzt hat Google die Marissa aus dem Sack gelassen: die „Instant Search“ getaufte Neuerung zeigt Suchergebnisse bereits an, während man das Keyword noch in die Suchbox tippt. Ist technisch sehr gut umgesetzt und macht in den ersten Minuten der Nutzung ordentlich Eindruck. Wer es ausprobieren will, sollte bei Google mit seinem Account eingeloggt sein und klickt dann hier. Ziel der ganzen Aktion ist, dass man schneller zu den gewünschten Ergebnissen findet. Laut Google soll das zwischen 2 und 5 Sekunden bringen. Das Feature ist übrigens komplett jugendfrei, sobald es in die Adult-Richtung geht, werden keine SERPs mehr automatisch ausgeliefert.

Zur Frage, wie nun Impressions gezählt werden, habe ich bei Greg etwas gefunden: Google zählt eine Ad-Impression wenn entweder a) ein Nutzer auf einen Treffer klickt, b) der Nutzer den Suchvorschlag annimmt (Klick auf Keyword, Enter drücken oder Klick auf Such-Button) oder c) die Ergebnisse für mindestens 3 Sekunden angezeigt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass besonders der letzte Faktor die Anzahl der Impressions in den kommenden Tagen erhöhen wird.

Bei dem Thema, welche Auswirkungen das Feature auf das Suchverhalten hat, gibt es unterschiedliche Ansichten. Die einen glauben, dass der Long-Tail durch die Vorschläge eher gestärkt werden (quasi als Erweiterung von Google Suggest), die anderen sind vom Gegenteil überzeugt. Ich bin mir da noch unsicher, glaube aber, dass ein anderer Punkt wichtiger ist: Google kann Suchverhalten von Nutzern jetzt zum einen noch deutlich genauer analysieren (ab welchem Buchstaben des Keywords findet der Nutzer, was er will) und – das erscheint mir spannender – kann Google das Suchverhalten auch gezielt steuern. So ist der Short-Tail bekanntermaßen für Google deutlich lukrativer, mehr Suchtraffic in diesem Bereich macht sich als Börsenkonzern also bestimmt gut …

Johannes Beus - 08.09.2010 22:14 - Kommentare 22 Kommentare


IndexWatch 08/2010

Zum Start in den mit SEO-Events vollgepackten September gibt es heute die aktuellen IndexWatch-Zahlen für den letzten Monat. Wie üblich habe ich auf Basis des Sichtbarkeitsindex die Gewinner und Verlierer im Googleindex ermittelt und stelle sie kurz vor. Los geht es mit den Gewinnern:


Drei recht neue Domains konnten letzten Monat stark gewinnen: unternehmen-db.de, gutschein-codes.de und hochzeitsplaza.de. Bei ersterer glaube ich nicht, dass der Zuwachs lange halten wird: zum einen hat die Domain in den letzten Wochen schon starke Schwankungen gezeigt, zum anderen will Google das Geschäft in dem Bereich lieber selber machen. Auch für die Gutschein-Seite wird es vermutlich nicht so ganz einfach, ist der Bereich doch recht stark umkämpft und nicht komplett natürlich gewachsene Links sind entsprechend schnell verpetzt.

Ganz interessant ist die Entwicklung von billiger.de - war die Domain in den letzten Jahren er unauffällig und pendelte zwischen einem Wert von 3 und 10, geht es in den letzten Wochen auf einmal stark nach oben und der Sichtbarkeitsindex hat sich mehr als verdreifacht. Ich hatte leider noch keine Zeit, mir das etwas genauer anzusehen, man scheint da aber die richtige Stellschraube gefunden zu haben.

Dass Duplicate Content weiterhin kein Problem darstellt und von Google perfekt erkannt wird, zeigt sich mal wieder an scinexx.de/g-o.de und deichmann.de/deichmann.com.

Verlierer
#DomainVeränderung
1g-o.de-94%Domaininfo
2nauticexpo.de-93%Domaininfo
3t35.com-88%Domaininfo
4deichmann.de-83%Domaininfo
5winhelpline.info-82%Domaininfo
6reise.de-79%Domaininfo
7avira.de-71%Domaininfo
8melsungen-online.de-70%Domaininfo
9connect.de-59%Domaininfo
10sun.com-58%Domaininfo
11magnus.de-57%Domaininfo
12pixmania.com-54%Domaininfo
13edelight.de-52%Domaininfo
14gq-magazin.de-46%Domaininfo
15kelkoo.de-43%Domaininfo

Nauticexpo.de hat es geschafft, seine Sichtbarkeit in Google fast komplett zu vernichten. War die Seite Anfang des Monats noch bei Keywords wie „schlauchboot“ oder „segelboot“ in den Top-10, sind diese Rankings nun fast alle weg. Ohne genauer informiert zu sein, würde ich auf einen verpatzten Relaunch als Grund tippen. Weiß jemand mehr? Auch Connect.de hat wichtige Rankings verloren: bei Handy von 7 auf 12, bei zahlreichen Handybezeichnungen von der ersten Seite auf Plätze jenseits der 50. Das dürfte sich auch im Traffic bemerkbar machen.

Winhelpline.info scheint in eine Penalty gefallen zu sein. Interessant, dass das Anfang 2008 bereits schon mal der Fall war, die Domain seitdem aber stabil in Google vertreten war. Bei Sun.com sind zahlreiche Inhalte auf die Domain des neuen Eigentümers (oracle.com) gewechselt, daher der Verlust von Sichtbarkeit.

Johannes Beus - 03.09.2010 10:32 - Kommentare 10 Kommentare


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