Mittelmaß ist nicht genug

Johannes Beus
Bei meinen Streifzügen durch das deutschsprachige Internet stoße ich immer wieder auf Projekte, über die ich mich wundern muss. Da werden Webkataloge gestartet, die schon vor drei Jahren nach Made-for-Adsense gerochen hätten, Blogs mit Pseudocontent ausgestattet, den manche Maschine besser schreiben könnte und Soziale Netzwerke gegründet, die weder jemand aussprechen kann noch von einem der 6 Milliarden Menschen benötigt werden. Das Internet wandelt sich in rasender Geschwindigkeit, wer heute auf Ideen baut, die bereits vor einigen Jahren fragwürdig waren, verliert sowohl kostbare Zeit als auch Geld.

Wenn heute jemand groß in die Produktion von Schwarz/Weiß-Fernsehern einsteigen möchte, würde er vermutlich schneller therapeutische Behandlung erfahren, als ihm lieb ist. Wenn man nun die Entwicklungsgeschwindigkeit von Fernsehtechnik mit der des Internets vergleicht, so ist es heute ebenso unsinnig, 5 Jahre alte Internet-Konzepte, die bereits hundertfach gescheitert oder drastisch verändert wurde, damit sie funktionieren, neu aufzusetzen.

Wie für die Projektidee, gelten ähnliche Regeln für die Inhalte. „Unique Content“, häufig und zu Recht als wesentlicher Schritt für ein gutes Ranking genannt, wird häufig falsch ausgelegt. Es geht nicht nur darum, dass Copyscape keine anderen Seiten findet, die exakt die gleichen Sätze haben sondern darum, Content zu erschaffen, der inhaltlich einzigartig ist. Umgeschriebene Wikipedia-Artikel fallen da ebenso wenig drunter wie neugetextete Pressemitteilungen für langweilige „Gadget-Blogs“. Der berühmte Long-Tail der Suchanfragen, der früher mit Pseudosuchemaschinen, Fakeblogs oder ähnlichen Spielereien abzugreifen war, wird mittlerweile von vielen „Großen“, die diese Möglichkeit erkannt haben und gleichzeitig im Besitz riesiger Mengen von altem und gutem Content sind, regiert.

Wer heute Mittelmaß online stellt, wird morgen damit Probleme bekommen und übermorgen wieder bei null stehen.

Johannes Beus

Johannes Beus, Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX, beschäftigt sich seit 2001 mit der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen. Auf einem der ältesten deutschsprachigen SEO-Blog veröffentlicht er seit 2003 regelmäßig Zusammenfassungen eigener Auswertungen und Einschätzungen des SEO-Marktes.
Eintrag geschrieben am 12.09.2007 um 11:15 Uhr - Trackback setzen - Tags:
tba
1
schrieb am 12.09.2007 um 12:12 Uhr
Weise Worte!

Robert
2
schrieb am 12.09.2007 um 13:12 Uhr
Ach, fürs Abschöpfen von AdSense ist Qualität nicht nützlich, eher hinderlich.

Und was anderes haben die von dir angeführten Negativbeispiele doch nicht im Sinn. Wenn das Projekt in sechs Monaten untergeht, wird auf eine neuen Domain mit erwürfeltem Namen das selbe wieder hochgezogen: Webverzeichnis, Artikelverzeichnis, Link- oder Repost-Blog, Pseudosuchmaschine mit Keyword-Subdomains (das funktioniert bei Google immer noch blendend).

Das ist ja keine signifikante Arbeit, sondern erfordert nur einige Knopfdrücke im Webformular. Siehe Elis gestrigen Post hier: http://www.bluehatseo.com/seo-empire-part-1/

sistrix
3
schrieb am 12.09.2007 um 13:35 Uhr
Robert, dass im Blackhat-Bereich komplett andere Regeln gelten ist klar aber ich hätte vielleicht im Beitrag erwähnen sollen, dass es mir um die saubere bis "halbsaubere" Seite der Geschichte geht. Aber auch dort sehe ich, dass es immer enger wird. Google kickt schneller per Hand und auch die Erkennung scheint mittlerweile ganz gut zu laufen ...

Abababakus
4
Abababakus
schrieb am 12.09.2007 um 23:01 Uhr
damit beleidigst du alle profi-SEOs ausm abakus forum!

klixi
5
klixi
schrieb am 13.09.2007 um 11:26 Uhr
Sehr gut gesprochen. Ich mache zur Zeit die gleich Erfahrung und wird auch bestätigt bei der Show am Dienstag bei webmasterradio.

Weblike
6
Weblike
schrieb am 18.09.2007 um 02:10 Uhr
Nun ja also ich möchte euch gerne das Gegenteil beweisen, www.oktoberfest-info.de neu und bestens zu gewissen Keywords gelistet! :D

Daniel
7
schrieb am 09.10.2007 um 21:59 Uhr
Ein Artikel, der mir aus der Seele spricht. Solange Google aber nur von Hand durch tausende eifriger Helfer die Qualität der Inhalte einer Seite überprüfen kann, werden sich immer mehr Webmaster auf AVs stürzen und auch weiterhin täglich frische AVs aus dem Boden schießen. Den meisten fehlt dann sowieso die Linkpower und das technische Verständis (ich sage nur der More-Tag bei Wordpress), um mit einer größeren Anzahl von Artikeln fertig zu werden, was ja wunderbar zu beobachten war, als Google den Supplemental Index noch vollständig angezeigt hat.

Jürgen Schönbrod
8
Jürgen Schönbrod
schrieb am 20.01.2008 um 00:54 Uhr
Google arbeitet an entsprechenden Verbesserungen. Wofür braucht Google den PR? Na damit genügend Leute die Toolbar installieren, PR Anzeige aktivieren und (im Kleingedrukten steht, daß Google hierbei Informationen sammelt!) so Informationen über das Surfverhalten bekommt. Mit solchen Daten + Cookies kann man in Zukunft Seiten ganz anders bewerten... Nebenbei kann man bei Adsense Eigenklicks sehr schnell identifizieren.

Ralph
9
schrieb am 01.03.2008 um 14:05 Uhr
Warum bezieht sich dieser Artikel nur auf das Internet?

In jedem Bereich sollte der Kunde im Mittelpunkt stehen und an zweiter Stelle das eigene Ego. Das Problem ist aber, dass jeder in den Medien lesen kann, dass man mit einer eigenen Website viel Geld verdienen kann und dies lockt natürlich :)

In diesem Sinne auf ein qualitativ hochwertiges Internet, dass wir vielleicht eines Tages zu sehen und zu lesen bekommen werden.

Ralph


Kommentieren?

mehr
Die Kommentare für diesen Beitrag wurden geschlossen. Angemeldete Benutzer haben weiterhin die Möglichkeit, auch ältere Beiträge zu kommentieren. Jetzt kostenlos anmelden