Johannes Beus
Fraglos hat Google in den letzten Jahren eine tolle Suchmaschine entwickelt. Die Qualität ist nahezu durchgehend deutlich besser als die der Konkurrenz, die Bedienung der Basisfunktionen ist selbsterklärend und der Marktanteil wächst – zumindest in den westlichen Märkten, in denen noch keine 90 Prozent erreicht sind – beständig.

Was haben die SERPs für die folgenden Keywords gemeinsam:
Berlin,
Hamburg,
München,
Köln,
Frankfurt oder auch
Deutschland,
Frankreich,
Italien,
USA? – Richtig, Google blendet zu allererst einen „Treffer“ von Google Maps ein. Damit es nicht zu unauffällig ist, auch direkt mit einer verkleinerten Kartengrafik und einem Formularfeld, um den Google Routenplaner zu benutzen. Wie Karstadt übrigens dazu steht, dass bei der
Suche nach dem Firmennamen die Karte der rund 6.000 Einwohner zählenden Stadt „Karstädt“ eingeblendet wird, ist bis dato übrigens noch nicht überliefert.
Das Problem an der Sache ist nun, dass der Nutzer der Objektivität von Google vertraut. Eine Seite steht in den Google-SERPS üblicherweise vorne, weil der Algorithmus von Google so entschieden hat – und nicht, weil ein Editor die Hintergrundfarbe schöner fand oder das Werbebudget des Seitenbetreibers besonders groß ist. Wenn Google jetzt von diesem Grundsatz abkehrt und seine SERPs zu Promotion eigener Dienste nutzt, so könnte das längerfristig dazu führen, dass das Vertrauen der Nutzer in Google schwindet. Erweiterungen wie „Universal Search“, mit der die SERPs etwas aufgehübscht und multimedialer gestaltet werden sind eine Sache. Hierbei verändert Google lediglich die Darstellungsform der Resultate. Ein manueller Eingriff, wie er bei nahezu allen deutschen Städtenamen sowie einer Vielzahl von Ländernamen jetzt allerdings vorliegt, hat da schon eine andere Klasse.
Google hat ein Interesse daran, die Suchenden glücklich zu machen, nicht die Seitenbetreiber. Als Suchender habe ich schon ein gewisses Grundinteresse, eine Karte einer Stadt zu erhalten, wenn ich den Städtenamen eingebe. Wenn ich eine Adresse eingebe, sogar noch mehr.
Da man früher gerne mal 3-4 Seiten "Städteportale" bekommen hat, die teilweise mehr als grenzwertig am Spam lagen, ist GoogleMaps ganz klar eine Verbesserung.
Im Prinzip handelt es sich dabei ja nicht um eine Promotion eines eigenen Produktes, sondern um einen Zusatzdienst, analog zum Taschenrechner, zur Währungsumrechnung oder zur automatischen Verlinkung zur Deutschen Bahn, wenn man zwei Bahnstationen eingegeben hat ("Berlin München"). Alles Mehrwert, nützliche kleine Tools für den Poweruser.
Klar ärgert das den Seitenbetreiber, aber ganz ehrlich: Wer könnte das im Beispiel "Berlin" sein? berlin.de? Die stehen auf Platz 1 dahinter. Wikipedia?
Wer hat denn tatsächlich ein sinnvolles Content-Projekt, daß für einen reinen Städte- oder Ländernamen relevant ist? Wenn ich "Birma" eingebe, muss ich mich ja z.B. nicht zwangsläufig für Tourismus interesieren, sondern könnte auch die politische Lage einzuschätzen versuchen, den aktuellen Stand der Rettungseinsätze, oder ich könnte einfach nur wissen wollen, wo Birma liegt - in jedem Fall fände ich auch hier die Karte sinnvoller als eine der überoptimierten "Fahr hin, buche über meine Seite"-Schrotprojekte.
"Echte" Promotion wäre IMHO das bevorzugte Anzeigen von Adwords für eigene Produkte, was mir als konkurierender AdWords-Betreiber ganz übel aufstoßen würde.