Johannes Beus
Seit einiger Zeit wiederholt sich das Spiel jeden Monat: Twitter
verkündet, wie viele Suchanfragen im letzten Monat bearbeitet wurden und irgendwelche
Qualitätsjournalisten setzen diese Zahlen in Relation zu Daten von Google, Yahoo und Bing. Danach wird Twitter als Google-Killer gekürt. Irgendwas stimmt da doch nicht, oder?
Das erste Problem ist, dass die Daten aus völlig unterschiedlichen Quellen stammen. So wird für die Anzahl der Suchanfragen der großen Suchmaschinen üblicherweise auf die Auswertung von comScore oder vergleichbaren, externen Dienstleister zurückgegriffen. Die messen über ein hoffentlich aussagekräftiges eigenes Panel und ermitteln damit Daten, die untereinander vergleichbar sind - nicht aber mit externen Zahlen.
Das zweite Problem ist die komplett unterschiedliche Definition von „Suchanfrage“: bei den Suchmaschinen ist es recht klar - der Nutzer gibt ein Keyword ein, findet was er sucht und fertig ist die Suchanfrage. Twitter zählt da leider komplett anders. Wenn Spiegel Online bei einem Deutschland-WM-Spiel links in der Navigation eine Box mit dem Twitter-Stream einbindet, so zählt Twitter jeden Aufruf der Spiegel-Seite als Suchanfrage. Das gleiche gilt für die unzähligen API-Clients: mein Tweetdeck „sucht“ alle 5 Minuten nach „sistrix“, führt also jeden Tag rund 250 Suchanfragen aus, jeden Monat über 8.000. Und diese Zahlen soll man jetzt vergleichen können?
Ich denke wenn man die reinen "Suchanfragen" - wenn es bei Twitter sowas überhaupt gibt - als Kennzahl verwendet steht man mit Twitter hinter jeder derzeit am Markt erhältlichen Suchmaschine.
Was nützt es mit denn wenn ich bei Twitter "Fussball" suche und dann als Ergebnis bekomme: "Systemische Blutgrätsche - Weblog über Fußballspiel aus systemischer Sicht ..." oder Platz 2: "Es gibt offizielle Fan Shops von Fussball Bundesligisten, die liefern GAR nicht in die Schweiz...."
Wenn ich überhaupt mal durch Zufall bei Twitter was suchen sollte, dann wohl nur 1x und nie wieder.