Search Wikia – so sieht kein „Google Killer“ aus


Johannes Beus 07.01.2008 07:00 Uhr

Ich hatte die letzten Tage Gelegenheit, mich durch eine Einladung von Jimmy Wales bereits etwas mit der Alphaversion von Search Wikia zu beschäftigen. Aufgrund der Bitte, erst nachdem Search Wikia am heutigen Montag in die öffentliche Betaversion überführt wurde, über das Thema zu bloggen, kann dieser Blogbeitrag leider erst jetzt erscheinen. Seit Wales vor gut einem Jahr angekündigt hat, eine eigene Suchmaschine auf die Beine zu stellen, hat er weltweit für ein massives Presseecho gesorgt. Damals noch unter dem Namen „Wikiasari“ wurde vielfach bereits der bevorstehende Untergang von Google angekündigt. Über ein Jahr hat die Entwicklung der ersten vorzeigbaren Betaversion gedauert, Zeit sich den künftigen Googlebezwinger genauer anzusehen.

Ein erster Eindruck
Die Startseite von Search Wikia ist ähnlich aufgeräumt wie die von Google, hier scheint man sich deutlich am Marktführer orientiert zu haben: ein Eingabefeld sowie der „Go“-Button. Nach Eingabe des Suchbegriffes geht es in die Ergebnislisten (SERPs „Suchmaschinenoptimierung“). Wie auch sonst üblich, werden die ersten zehn Treffer direkt angezeigt, weitere werden nach Bedarf dynamisch nachgeladen – eine Lösung, die ich schon mal bei Microsoft gesehen habe. Hier wird auch schnell deutlich, dass sogar die Bezeichnung als „Alpha“ in Wahrheit noch ein Euphemismus ist – sowohl Qualität als auch Quantität der Ergebnisse liegen deutlich hinter vielen Suchmaschinen, die als Hobbyprojekt betrieben werden zurück. Einen Vergleich mit Microsoft, Yahoo oder gar Google will ich hier aus Gründen der Höflichkeit gar nicht erst ziehen. Rund 10.000 Treffer zum Suchbegriff „Suchmaschinenoptimierung“ (Google hat 600.000) sowie eine Seite wie diese auf Position 1, erinnern eher an das bei Fireball im letzten Jahrtausend erfolgreiche Keywordstuffing als an den künftigen Googleherausforderer 2008. Und die soziale Komponente, auf die soviel Hoffnung gesetzt wurde? Im Prinzip besteht sie aus einem simplen sozialen Netzwerk: Angaben zur Person machen, mit Freunden verknüpfen und Bilder hochladen. Wenn man nun eingeloggt ist, kann man über die Ergebnisse diskutieren, oberhalb des ersten Treffers einen „Mini“ genannten, kurzen Text in das interne Wikisystem schreiben und sich mit seinem Profilphoto rechts der Ergebnisse anzeigen lassen. Eine Möglichkeit, auf die Ergebnisse Einfluß zu nehmen besteht nicht. Das wars, wirklich.

Die Technik
Search Wikia baut auf zwei bekannten Projekten auf, um seinen Suchindex zu erstellen. Durch den Kauf der Distributed-Crawling-Technik „Grub“ von Looksmart für 50.000 US-Dollar Mitte des Jahres, versucht Wikia den Crawlvorgang auf viele Rechner freiwilliger Mitstreiter zu verteilen. Eine Lösung, die früher nicht funktioniert hat und die, wie ich glaube, auch jetzt nicht funktionieren wird. Zum einen ist Bandbreite heute kein limitierender Kostenfaktor mehr, als dass man den deutlich erhöhten Verwaltungsaufwand deswegen rechtfertigen kann. Zum anderen ist somit potentieller Manipulation Tür und Tor geöffnet – Cloaking direkt bei der Übermittlung der Daten an die Suchmaschinen ist praktischer, als die jetzigen Wege. Bezeichnend auch, dass nicht einmal darauf geachtet wurde, den Grub-Useragent gegen einen eigene und neuen auszutauschen. So findet man die Zugriffe von Search Wikia auch im Dezember 2007 als „Grub/2.0 (Grub.org crawler; http://www.grub.org/; bot@grub.org)“. Die durch die Grub-Clients zusammengetragenen Daten werden in ein Format gebracht, das Nutch, eine auf Lucene aufbauende, offene Suchmaschine lesen und durchsuchen kann. Die Grundzüge von Nutch kommen auch derzeit noch an allen Ecken und Enden der Suchmaschine durch. So scheint nicht mal an den Default-Ranking-Faktoren von Nutch gearbeitet worden zu sein – zu stark ist sowohl bei Nutch als auch bei Search Wikia der Rankingvorteil, wenn das Keyword in der URL vorkommt. Auch die Cacheversion sowie die „Erklärung“ des Rankings sind direkt von Nutch übernommen.

Wie will man das vorliegende Ergebnis nun beurteilen? Wohlwollend könnte man Search Wikia viel Potential für Verbesserungen attestieren. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Entwickler an der vorliegenden Version ein ganzes Jahr gearbeitet haben, so möchte ich nicht extrapolieren, wann damit gerechnet werden kann, dass einen Variante vorliegt, die in ernsthafter Konkurrenz zu bestehenden Suchmaschinen treten kann. Vielleicht hätte der Gründer besser daran getan, nicht bereits vor einem Jahr den Untergang von Google anzukündigen, sondern in Ruhe und unter Ausschluss der fordernden Medien eine wirkliche Alternative zu entwickeln – in Search Wikia sehe ich jedenfalls in absehbarer Zeit keinen „Google Killer“.

Johannes Beus, Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX, beschäftigt sich seit 2001 mit der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen. Auf einem der ältesten deutschsprachigen SEO-Blog veröffentlicht er seit 2003 regelmäßig Zusammenfassungen eigener Auswertungen und Einschätzungen des SEO-Marktes.

 



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Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.

 
Oh!
Man soll ja nie zu viel erwarten, aber die Screenshots sind dann schon erschreckend mau.
>>Eine Möglichkeit, auf die Ergebnisse Einfluß zu nehmen besteht nicht.
Oh oh
Da dachte ich liegt der mögliche Ansatz für interessante neue Suchformen, aber wenn da so gar nix ist... nach einem Jahr ...
oh oh oh
 
Wer im Internet Reiseangebote verkaufen will und nicht auf Affiliate-Netzwerke zurückgreifen möchte muß in den Suchmaschinen auf den vordersten Positionen mitspielen. Ansonsten ist der Absatz so gering das man kaum, wenn überhaupt von leben kann. I...
 
Schade eigentlich. Aber dafür passt das Logo ja genau auf den Punkt.
Blaues Wölkchen ;) Ein kleine Windhauch und schon sind sie wech und die (G)Sonne scheint.
 
Ich glaube, dass die inoffizielle Ausrichtung von Wikia-Search im vergangenen Jahr modifiziert wurde, und das heutige Ziel des Projekts nicht mehr das selbe ist wie jenes beim Projektstart.

Was letztes Jahr als Google-Killer angedacht war, ist heute als MFA-Site mit vom Grub-Scraper und von willigen Freiwilligen mit Helfersyndrom (aka Wikipedians und "Socialites") gemeinschaftlich erarbeiteten Indexinhalten positioniert. Wales wird es einfach satt haben, dass Wikipedia den ganzen recherche-orientierten Google-Traffic abfackeln muss, ohne dafür entlohnt zu werden.
 
Jeder fängt mal klein an. Gibt den Jung und Mädels etwas Zeit, damit Sie sich etablieren können oder auch nicht. Aber den Grafiker/in sollten sie schnellsten los werden :)
 
Das geht mindestens noch ein Jahr, bis Wikia einigermaßen vernüftige Suchergebnisse liefert. Ist ja bis dato auch nur ne Alpha-Version.
 
Also ich hatte mir da auch ein wenig mehr erwartet. Gut Suchergebnisse gibt es schon ein paar in der frühen Alpha und da wird sich sicher auch noch einiges tun, aber "gehofft" hatte ich auf den sozialen Faktor bei Wikia. Das scheint echt in den Hintergrund gerückt zu sein.

Umso besser für unsere Entwicklung, die sich noch langsam aufbaut :P
 
Für mich ist derzeit die einzige Alternative ask.com - da finde ich bei meinem Lieblingskeyword genau die Reihenfolge, die ich mag :)
Nett ist natürlich die Möglichkeit der Minis. Mal schauen, wann dort der erste Edit-War ausbricht.
 
Die Wikia Search Suchmaschine in der Suchmaschinenbewertung - es werden Design, Anzahl der Suchergebnisse, Werbung und Qualität der Suchergebnisse zwischen einigen Suchmaschinen verglichen.
 
Wer suchet, der findet ... nichts!

So muss man wohl ein paar erste Versuche bewerten, die ich heute mit der Alpha Version der neuen Suchmaschine Wikia Search gemacht habe.
 
Ich verstehe wirklich nicht, wieso Jimbo überhaupt soviel Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es handelt sich bei Wikia um die kommerzielle Firma des Gründers eines extrem erfolgreichen Nonprofits - in der Berichterstattung sieht es aber immer so aus, als ob hier ein Tochterprojekt der Wikimedia / Wikipedia gestartet würde. Ich vermute hier geht es eher um eine Legitimation Jimbos für das VC, dass ihm vor einiger Zeit in den Hintern gepustet worden, als um einen ernsthaften Versuch MS/Y/G! Konkurrenz zu machen...
 


So, mein Vorsatz für 2008 war: Mal mehr sinnvolles zu bloggen, abseits vom Geld! So soll dieser Post der erste Schritt in die neue Richtung werden!
Während Sistrix bereits seine Meinung und sein Wissen zum Thema “Wikia Search” im Blo...
 
Nun, alles richtig, einen Index wie G** und Yah++ hatte ich nicht wirklich erwartet, den sollte ja die Community schaffen bzw. ordnen.
Ob aber sich eine solche Community entwickeln wird, darf bezweifelt werden. Da fehlt doch jeder Anreiz. Was ist für den Einzelnen den
wirklich bedeutend an einem Serp Index. Ich hatte einfache G** Feature wie:"feeling Lucky" und ein reiches Instrumentarium zur Verfeinerung der Suche selbst erwartet. Hmm....

Ich will ebenfalls höflich bleiben.

Oliver
 
also ganz ehrlich. ich hätte mir mehr erwartet. Wenn schonmal eine Webservice ein Jahr im Voraus als Googlekiller gehandhabt wird, sollte man doch etwas mehr schaffen. Mal sehen vielleicht war das erst der erste Streich und die echte Version geht erst online :)
Wer weiß wer weiß... könnte auch Taktik sein.
 
@Jone

Jeder fängt mal klein an? 14 Mille (sie dazu auch http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/25/0,3672,7142009,00.html )sind aber mal eine ganze Stange mehr Geld als das was so manchen "hobby search coder" zu Verfügung stehen...! Man würde es sich ja wünschen das Wikia sich am Markt etablieren kann, aber das was ich heute gehesehen habe lässt in der Tat nicht viel Hoffnung zu...! :-(
 
Huhu, naja mir ist das auch schon zu sehr web2.0 lastig. Einigst die "Weiterblätterfunktion" ist schick ... aber funktionell?? Naja ich denke wir dürfen uns mal überraschen lassen wie das weitergeht. Die Sozial-Komponente fehlt komplett :-(
 
@loewenherz

arbeitsteilung, genau da geht der trend hin, vermutlich auch im www und somit auch bei suchmaschinen.

 
Hmm - hier meine fünf Cent...

Layout: Hmm, Wikipedia hat auch super-hässlich angefangen und ist es in meinen Augen weitestgehend immer noch. Es ist höchstens etwas funktioneller geworden - das kann man von Wikia Search wohl auch als Entwicklung erwarten. Und im Vergleich mit Yahoo, Live und Ask ist Google heute noch grottenhässlich.

Suchergebnisse: Hmm, garnicht mal so schlecht, also zumindest nicht irrelevant - übers Ranking muss man sicher nochmal nachdenken, aber zumindest werden die Nutch-Werte ausgeworfen und man kann ja selber mit Nutch testen und darauf optimieren - solange die Community-Funktionen noch keinen (großen) Einfluss haben.

Web 2.0: Oh graus, dass Weiterblättern. Wenn man schon weiterblättert, dann sollte man wenigstens auch entsprechend weitergescrollt WERDEN, sonst nervt das. Wie genau die Bewertungsfunktionen funktionieren werden (nur mit Account oder auch anonym) muss man erst mal sehen - da selbst Google sowas jedoch schon testet, kanns nicht ganz verkehrt sein.

Verteiltes Crawlen: Ja an sich erstmal 'ne gute Idee - Sicherheit usw. muss man natürlich wasserdicht bekommen. Aber selbst wenn nur sehr wenige das tun werden, ist es eine Hilfe für die Index. Was ich mir wünschen würde wäre, dass man dediziert auch Seiten über den eigenen Crawler indizieren kann, die dann auch in den Index aufgenommen werden. Also eine Art Fast lane für Leute, die dem Projekt was Beisteuern. Außerdem würde man sich wünschen, dass man den Crawler auf bestimmte Websites einschränken kann. So könnte man z.B. dafür sorgen, dass die eigenen Sites immer sehr aktuell im Index sind, der Projekt-Crawler kann sich den Weg zur Site dann sparen. Ich denke, dass sowas auch früher oder später kommt. Und schon kann man das auch als eigene Site-Search benutzen bzw. für Gruppen von Sites.
 
Das hätte ich auch geschafft. Kurz nutch installieren. Laufen lassen und fertig.

Vermutlich wird das aber noch besser :-)
 
Michael, schlechter kann es wirklich nicht mehr werden ...
 
Gut ist es meiner Meinung nach wirklich nicht.
Suchmaschine hin oder her,man findet nichts.
 
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