Twitter: Nutzung


Johannes Beus 06.11.2009 10:21 Uhr

Ging es in den Auswertungen gestern eher um das (mittlerweile abgeflachte oder vielleicht sogar leicht rückläufige) Wachstum von Twitter, will ich mir heute ansehen, wie Twitter von den User genutzt wird. Wie auch gestern schon, beruhen die folgenden Diagramme auf den Daten von rund 10% aller Twitter-Accounts:

Friends und Follower
Fangen wir direkt mit der Kernfunktion von Twitter an: Accounts, denen man selber folgt (Friends) sowie Accounts, die sich für die eigenen Statusmeldungen interessieren (Follower). Im folgenden Diagramm sind diese Zahlen in Klassen aufgeteilt und mit dem Prozentsatz der passenden Twitteraccounts versehen:

Follower & Friends

Wenn man mal davon ausgeht, dass Twitter mit 2 oder 3 verfolgten Streams in der Regel eher wenig Spaß macht, zeigt sich auch an diesen Zahlen, dass man die reine Anzahl an bestehenden Twitter-Accounts nicht überbewerten sollte. Wirklich genutzt werden offenbar nur überraschend wenige davon.

Tweets pro Monat
In diesem Diagramm ist die durchschnittliche Anzahl der Tweets pro Monat nach dem Datum der Accountanmeldung aufgetragen:

Tweets pro Monat

Hatte sich der Wert bis vor wenigen Monaten bei rund 15 Tweets pro Account und Monat eingependelt, ist er in den letzten Monaten des rasanten Account-Wachstums stark zurückgegangen und geht aktuell gegen 5. In den Kommentaren des letzten Postings wird die geringe Nutzung der neuen Accounts damit erklärt, dass diese möglicherweise eher passiv, also als reiner Leseaccount genutzt werden. Ist von außen schwer zu sagen, diese Zahlen hat wohl nur Twitter.

Genutzte Clients
Dass Twitter nicht nur über das Webinterface, sondern auch über eine Vielzahl von unterschiedlichen Clients genutzt werden kann und wird, zeigt diese Auswertung:

Twitter Clients

Das Webinterface ist zwar immer noch mit Abstand die am häufigsten genutzte Schnittstelle, die anderen Möglichkeiten holen allerdings auf. Überraschend war für mich die Anzahl unterschiedlicher Clients: in der Datenbank zähle ich knapp 2.800 verschiedene Applikationsnamen.

Inhalte von Tweets
Was steht in diesen ominösen Tweets denn nun eigentlich drin? Da sich kein Praktikant bereit erklärt hat, die Handvoll Daten sauber zu kategorisieren, muss es folgende Auswertung tun. Dabei wurde ermittelt, bei wie viel Prozent aller Nachrichten vier, im Twitter-Universum übliche, Features genutzt werden:

Inhalte

Die Ansprache anderer Nutzer durch das @-Zeichen vor dem Username ist dabei mit etwas über 20 Prozent noch die häufigste Nutzung, ReTweets, also die Wiederholung der Nachricht eines anderen Nutzers zur Weiterverbreitung sind nur etwa 1% aller Tweets.

Verbreitete Domains & genutzt URL-Shortener
Da Twitter lediglich 140 Zeichen pro Tweet spendiert, sind Dienste, die längliche URLs kürzen und so mehr Platz für die eigentlich Nachricht lassen, wieder in Mode gekommen. In diesem Diagramm wurden alle Tweets mit einer URL auf die Domain untersucht:

Domains

Gut zu sehen, dass Bit.ly (nicht zuletzt durch die enge Kooperation mit Twitter) deutlich an der Spitze liegt: fast 40 Prozent aller auf Twitter genutzten URLs laufen über diesen Dienst. Tinyurl.com, vor nicht allzu langer Zeit noch führend, ist mittlerweile weit abgeschlagen.

Das war es für heute. Das dritte und letzte Posting aus der Twitter-Serie wird erst Montag kommen. Dann möchte ich gucken, wie sich Twitter in Deutschland entwickelt, muss die ganzen Tweets aus der Datenbank dafür aber erst noch durch einen Service zur Erkennung der genutzten Sprache pressen.

Teil I: Twitter: Wachstum
Teil II: Twitter: Nutzung
Teil III: Twitter: Internationale Nutzung


Johannes Beus, Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX, beschäftigt sich seit 2001 mit der Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen. Auf einem der ältesten deutschsprachigen SEO-Blog veröffentlicht er seit 2003 regelmäßig Zusammenfassungen eigener Auswertungen und Einschätzungen des SEO-Marktes.


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nur 1% ReTweets? Wie ist das denn ermittelt worden? Es gibt ja verschiedene Syntaxen wie z. B. RT@user, (via @user) und weitere. Manchmal ist der Übergang zwischen Mentions und RTs auch fließend, wenn der Originaltext z. B. stark verändert wurde.
 
Sebastian Gebhard, das sind alle Nachrichten in denen "RT " vorkommt, also schon recht großzügig ermittelt. Hat mich auch etwas erstaunt, zeigt aber, wie klein der Anteil der Twitter-Poweruser eigentlich ist.
 
Zuerst mal wieder ein lob für die ausführlichen und guten Auswertungen.

Das mit dem Retweet wunderte mich nicht wirklich. Was mich wunderte ist, dass Hootsuite und cli.gs (Url Shortener) die ich einsetze nicht auftauchen. Da wirds wohl Zeit, dass ich die Hootsuite Videos veröffentliche ;)

Wie beim letzten Twitter Post bereits als Frank angemerkt, sind viele der wenig verwendeten Accounts für Recherchen verwendet werden. Leider kann man ja nicht auswerten, wieviel Querys per RSS-Feed abonniert werden.

Es ist dennoch klar, dass viele sich Twitter aufgrund der Presse anschauen und dann denken: "Was soll denn der Sch...."

Einer der wichtigsten Punkte, die ich gestern vergessen habe, sind die Accounts, die nur erstellt wurden um einen Namen zu reservieren (Firmenname-Marke usw.). Dies wird ja immer wieder empfohlen. So kann es durchaus sein, dass ein Unternehmen 4 Twitter-Accounts hat, wovon jedoch nur einer wirklich aktiv genutzt wird.
 
Hallo,

interessant wäre z.B. auch mal wie lang der durchschnittliche Retweet ist, ob z.B. twitpic öfters retweetet wird und welche Themen (Bio) die Top-Nutzer bedienen. Naja, weiß man im Prinzip auch alles schon...

Grüße

Gretus
 
"Da sich kein Praktikant bereit erklärt hat, die Handvoll Daten sauber zu kategorisieren" - war für mich der erste große Lacher des Tages ;-)
 
Danke, ich habe zuvor noch nie so tiefgründiges über twitter gelesen. Es zeigt sich ganz deutlich, dass dort viel Wind im Sack ist. Auch dieser Dienst wird das Web nicht revolutionieren.
Schönes Wochenende wünscht Alex
 
Haben Sie den ersten Teil auch gelesen? Die Wachstumsraten zum Beispiel?

Mir ist es ja egal ob Sie Twitter einsetzen oder nicht, aber die Aussagen von Sistrix sagen nicht aus, dass Twitter unnötig ist.

Was revolutioniert schon das Internet. Google Wave könnte das schaffen, Twitter weniger. Aber Social Media an sich hat das Internet bereits massiv beeinflusst und wird es verstärkter tun. Dass alle großen Social Media Seiten Twitter eingebaut haben zeigt nicht gerade, dass Twitter nicht die Social Media Welt prägt. Ob Twitter, Facebook oder wer auch immer. Das Microblogging wird sicher nicht aufgehalten und macht den Presseagenturen so viel Sorgen, dass sie es selbst für Recherchezwecke verwenden.
 
Das die ReTweets kaum genutzt werden, wundert mich wenig. Bei 140 Zeichen ist einfach zu wenig platz, um noch die nachricht eines anderen zu zitieren.
 
Das ist teilweise richtig. Es wird aber wohl hauptsächlich deshalb selten verwendet, weil Sie viele nicht kennen oder das RT nicht verstehen. Dies liegt unter anderem daran, dass Twitter keine solche Funktion anbietet. Zur Zeit ist diese ja in einem Betatest und wird wohl bald kommen, dann wird sich die Häufigkeit auch ändern.
 
Sehr interessanter Artikel. Ich glaube aber die letzte Aussage (vorheriger Kommentar) bezüglich der RT's stimmt nicht. Bisher habe ich ebenfalls sehr viele Accounts beobachtet - meinen eingeschlossen die hauptsächlich durch ReTweets arbeiten.
 
Das mit den RT´s wundert mich schon - durch Retweets verbreiten sich doch Nachrichten, die von der Community als wichtig bzw. interessant eingestuft werden wie ein Lauffeuer durch Twitter, oder nicht?
 
Die geringe Anzahl der aktiven Nutzer ist umso erstaunlicher, wenn man sich mal ansieht was twitter den Webseiten-Nutzern tatsächlich bringt. Ich betreue mehrere Webauftritte unterschiedlicher Größe und bei diesen Seiten (die übrigens alls twitter nutzen), liegt twitter inzwischen meist auf Platz 5 der eingehenden, traffic-generierenden Links. Und dort liegt demnach dann doch erheblich mehr Potential als nur 'heisse' Luft. Es stellt sich mithin deutlich die Frage nach den 'Passiv'-Lesern, die wohlmöglich auch über andere Seiten 'mitlesen', weil twitter z.B. in Facebook oder LinkedIn etc. integriert wurde. Das wäre eine durchaus spannende Untersuchung.
 
An der Tatsache, dass Twitter eher was für "Nerds" wie uns ist, wird sich wohl nie was ändern. Für den Ottonormalbürger ist das doch viel zu abgefahren oder?!
 
Die Nutzerzahlen sagen was anderes. Alle voran die Hotelerie- und Journalismus-Branche sind in Twitter bereits regelrecht "massiv" vorhanden. Andere werden nachziehen. Ein Blogger ohne Twitter Account ist sowieso "fragwürdig".
 

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