Warum der Sichtbarkeitsindex kein SEO-Trafficindex sein will


Hanns Kronenberg 17.05.2013 14:37 Uhr

Häufig wird der SISTRIX Sichtbarkeitsindex mit einem SEO-Trafficindex verwechselt. Infolge dessen erscheinen in regelmäßigen Abständen Blogposts mit Beispielen, wie gut oder weniger gut die Entwicklung des Sichtbarkeitsindex mit dem tatsächlichen SEO-Traffic der Domain korreliert. Die meisten dieser Beiträge beruhen auf einem grundlegenden Missverständnis. Denn der SISTRIX Sichtbarkeitsindex ist kein SEO-Trafficindex und will es auch nicht sein. Warum das so ist, möchte ich in diesem Beitrag anhand eines einfachen Beispiels erläutern.

Was soll der Sichtbarkeitsindex messen?

Der SISTRIX Sichtbarkeitsindex wurde geschaffen, um die Veränderungen der Rankings einer Domain in den organischen Suchergebnissen von Google in einer einzigen Kennzahl zu verdichten. Mit dem Sichtbarkeitsindex lassen sich so Rankingveränderungen in Summe schnell und übersichtlich erfassen. Bei starken Änderungen oder dem Bruch eines Trends erkennt man auf einen Blick, zu welchem Datum man tiefer in die Datenanalyse einsteigen muss, um die genauen Ursachen zu erforschen.

Ebenfalls kann man die Werte und die Entwicklung einer Domain mit den Wettbewerber vergleichen und somit wertvolle Informationen für eine Wettbewerbsanalyse gewinnen.

Detaillierte Informationen wie der SISTRIX Sichtbarkeitsindex berechnet wird und warum man die Verläufe nicht mit den Sichtbarkeitskurven anderer Tools vergleichen kann, findet man in unserem kostenlosen E-Book „SEO-Analysen mit dem SISTRIX Sichtbarkeitsindex“ in Kapitel 2 (Seite 6–16).

Beispiel „Wetter“ – Vergleich Sichtbarkeitsindex und SEO-Trafficindex

Mit einem bewusst einfach gehaltenem Beispiel möchte ich zeigen, warum es zu Abweichungen zwischen dem Verlauf des Sichtbarkeitsindex und dem SEO-Traffic kommen kann und warum diese Abweichungen gewollt sind. Als Beispiel nehmen wir das Keyword „Wetter“.

Die folgende Grafik zeig die Entwicklung des Suchinteresses in Deutschland nach „Wetter“ bei Google Trends.

Entwicklung Suchinteresse "Wetter" bei Google Trends

Entwicklung Suchinteresse “Wetter” bei Google Trends

Google Trends liefert keine Daten über das absolute Suchvolumen, sondern nur über das anteilige und berechnet daraus einen Indexwert. Um das Beispiel möglichst anschaulich zu halten, möchte ich Daten verwenden, die öffentlich zugänglich sind. Daher nehmen wir einfach mal die Daten von Google Trends als Suchvolumen für die letzten 12 Monate und tragen sie in eine Tabelle weiter unten ein.

Als nächstes betrachten wir als Fallbeispiel eine fiktive Website A. Website A beginnt im September 2012 erfolgreich SEO-Maßnahmen durchzuführen. Die Rankings für „Wetter“ steigen bei Google und damit die angenommene Click-Through-Rate (CTR) in den Suchergebnissen. In den nächsten Monaten steigen die Rankings weiter. Im Januar 2013 haben die Rankings ihren Höchststand erreicht und Website A kann diese Rankings in den folgenden Monaten erfolgreich halten.

Die angenommenen Werte für die CTR tragen wir ebenfalls in die folgende Tabelle ein. Würde man mit den vorhandenen Daten eine SEO-Trafficindex der Website A für „Wetter“ berechnen wollen, würde man die einzelnen Monatswerte von Google Trends (Spalte A) mit der angenommenen CTR (Spalte C) multiplizieren und somit die Werte in Spalte D erhalten.

Tabelle Berechnung SEO-Trafficindex und Sichtbarkeitsindex

Tabelle Berechnung SEO-Trafficindex und Sichtbarkeitsindex

Für die Berechnung eines Sichtbarkeitsindex soll jedoch der stark schwankende Verlauf des Suchvolumens bereinigt werden, um unverfälscht die Rankingveränderungen als Kennzahl darzustellen. Dazu wird einfach ein Jahresdurchschnitt des Suchvolumens berechnet. In unserem Beispiel ist das der Wert 65,75. Dieser Wert wird dann in allen Monaten als Suchvolumen verwendet (Spalte B). Auf diese Weise können die Rankingveränderungen ceteris paribus, also unter der Voraussetzung, dass alle anderen Variablen gleich bleiben, isoliert als Indexwert dargestellt werden.

In diesem vereinfachten Beispiel könnte man für den Sichtbarkeitsindex auch ganz auf das Suchvolumen verzichten und nur die angenommene CTR verwenden. Da der Sichtbarkeitsindex jedoch üblicherweise auf Grundlage vieler Keywords berechnet wird, ist ein Wert für das Suchvolumen notwendig, um die einzelnen Keywords untereinander gewichten zu können.

Den Unterschied der beiden Berechnungsarten von SEO-Trafficindex und Sichtbarkeitsindex veranschaulicht die folgende Grafik. Der SEO-Trafficindex wird sicherlich den tatsächlichen SEO-Traffic besser darstellen, während der Sichtbarkeitsindex viel deutlicher die Rankingveränderungen zeigt.

Grafik Vergleich SEO-Trafficindex und Sichtbarkeitsindex

Grafik Vergleich SEO-Trafficindex und Sichtbarkeitsindex

Grundsätzlich haben beide Kennzahlen je nach Anwendungszweck ihre Berechtigung. Um die Rankingentwicklung gezielt zu steuern, ist der SEO-Trafficindex jedoch ungeeignet. Obwohl die Rankings in unserem Beispiel ab September 2012 steigen, fällt der SEO-Trafficindex bis November 2012. Im März 2013 steigt er stark an, obwohl sich die Rankings nicht mehr verändert haben. Da sich beim SEO-Trafficindex die Effekte des temporären Suchvolumens und der Rankings miteinander vermischen, liefert die Kennzahl keine verlässlichen Signale für die SEO-Steuerung. Die Gefahr wäre groß, dass man die falschen Schlüsse aus den Daten zieht und Fehlentscheidungen trifft.

Der SISTRIX Sichtbarkeitsindex wurde hingegen exakt für die gezielte Steuerung der Suchmaschinenoptimierung konzipiert und liefert punktgenau zu den richtigen Zeitpunkten aussagekräftige Signale.

Hanns hat Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Marketing und Statistik in Münster studiert. Er beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Thema Suchmaschinen. Nach beruflichen Stationen in Leitungsfunktionen bei Unternehmen wie RTL, Deutsche Telekom, TOMORROW FOCUS, muenchen.de und meinestadt.de arbeitete Hanns bis zu seinem Wechsel zu SISTRIX als selbstständiger SEO-Unternehmensberater.

 



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Dieser Unterhaltung fehlt Deine Stimme.

 
Super Beitrag, anschaulich und sachlich wie immer. Jetzt hat es auch bei mir Klick gemacht.
 
Hallo Hanns,

selbstverständlich muss Sistrix "Beweise" für die Daseinsberechtigung des Tools in Form solcher Artikel liefern.

Ich halte jedoch dagegen:

Vor ein paar Jahren, als die Suchergebnisse noch als langweilige, standarisierte 10er-Pakete daherkamen, mag es teilweise einen Sinn gehabt haben, die Ergebnisse seiner "SEO-Massnahmen" anhand eines starren Index zu bewerten.

Seitdem sind allerdings einige Jahre vergangen und die Suchergebnisse sind nun:

a) personalisiert
b) lokalisiert
c) je nach Branche und Keyword unterschiedlich dargestellt
d) unmengen neuer, beim Anlegen des Sistrix-KW-Sets noch unbekannter, doch mittlerweile mit hohen Suchvolumina beschenkten Keywords, hinzugekommen sind

Die Entwicklung der letzten Monate zeigt zudem, dass Google mit einer immer höheren Schlagzahl Test durchführt, die eines gemeinsam haben: möglichst viele persönliche, lokale und nicht zuletzt soziale Faktoren in die Suchergebnisse einfliessen zu lassen.

Mag sein, dass heute eine anonyme Ranking-Messung noch relativ repräsentativ ist, mit der Zeit werden anonyme User, denen man auf keinste Weise personalisierten Suchergebnisse präsentieren kann, zu einer immer kleiner werdenden Minderheit werden.

Ihr dagegen versucht anhand eines starren Kontingents an Keywords und einer anonymen Ranking-Messung einen Indexwert zu liefern, das immer mehr an Bedeutung verlieren wird.

Ich empfehle einen Blick über den grossen Teich, wo es um Traffic, Conversions und Umsätze geht.

Und nicht um einen abstrakten Wert, der davon abhängt ob meine Webseite bei einem generischen Shorthead-Keyword und nur für einige wenige, anonyme User sichtbar, gestiegen oder gefallen ist.

Gruss

David
 
@David: Die Lokalisierung ist nur eine Untergruppe der Personalisierung bei Google, aber das nur am Rande. Ich verstehe was Du meinst, aber Du hast noch nicht zu Ende gedacht. Wenn eine Website Rankings gewinnt, gewinnt sie die Rankings sowohl bei neutralen als auch bei personalisierten Suchergebnissen. Das hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Aussagekkraft des Sichtbarkeitsindex. Wie oben beschrieben ist er kein SEO-Trafficindex. Deinen Punkt d) habe ich nicht ganz verstanden. Die von den Nutzern angelegten Keywords fließen bei SISTRIX nicht in das allgemeine Keywordset und beeinflussen daher auch nicht den SISTRIX Sichtbarkeitsindex. Das ist bei SISTRIX anders als z.B. bei Xovi, wo man den OVI leicht durch das Hochladen von Keywords manipulieren kann. Vielelicht hast Du da was verwechselt?
 
Mein Beispiel: Wir hatten mal einen Onpage-Fehler auf unserer Seite was zu einem schnellen Verlust einiger wichtiger Keywords geführt hat. Der Sichtbarkeitsindex sank damals von 7 auf 0,5, der Traffic auf der Seite laut Analytics jedoch nur um ~30%.

Auch aus Peaks von +/-20% innerhalb einer Woche (Suchvolumen bleibt ja nahezu konstant) kann man überhaupt nichts lesen. Genau bei solchen Beispielen frage ich mich (und wohl viele andere) wie der Algo überhaupt funktioniert.

https://tools.sistrix.de/domain/gutscheinsammler.de/
 
Hallo Hanns. Wir sind schon lange leidenschaftlicher Verfechter von SIO, der, Sichtbarkeitsindexoptimierung ;o) Denn viele "SEO´s" glotzen unreflektiert darauf, und ziehen ihre (meist) falschen Schlüsse. Was ich persönlich aber auch seit jeher für SEHR problematisch halte, ist das kleine Keywordset im riesigen Ozean aller Begrifflichkeiten.
 
[...] SEO work. Give it a try, I’ll promise it’s worth the time. And in addition, also make sure to grab this read as [...]
 
Danke für den Tollen Artikel. Sehr gut und verständlich geschrieben.
 
[…] Zuge der diesjährigen Kritik an Sichtbarkeitsindizes wie dem „Sistrix Sichtbarkeitsindex“ zählt auch die Integration von Google Analytics zu den […]
 
Hi,
Wir arbeiten hier (UK) mit SEOMoz, dem Toolbar und berechnen die Authorität von Seiten anhand der Domain Authority. Was ist der Vor-/Nachteil an der Sache gegenüber Sistrix? Ich persönlich finde es einfacher mit SEOMoz zu arbeiten, liegt aber wohl daran das Ich mich erst seit dieser Woche mit Sistrix beschäftige.
 
[…] SISTRIX Sichtbarkeitsindex Kurzbeschreibung: Der Sichtbarkeitsindex des Tool-Anbieters ist eine zentrale Kennzahl bzw. ein Indexwert, der die Sichtbarkeit der Domain in den organischen Google Suchergebnissen anzeigt. Er basiert auf den gefundenen Rankings der Domain in den Top-100 zu einem repräsentativen Keyword-Set. Die Rankings werden nach Suchvolumen und Position pro Keyword gewichtet. - Aktualisierung: wöchentlich - Angabe der Veränderung im Vergleich zur Vorwoche in Prozent Detaillierte Beschreibung: Der Wert dient dazu, die Veränderungen der Rankings in den organischen Suchergebnissen von Google in einer einzigen Kennzahl zu verdichten und messen zu können. Bei starken Änderungen oder dem Bruch eines Trends erkennt man auf einen Blick, zu welchem Datum man tiefer in die Datenanalyse einsteigen sollte, um die genauen Ursachen zu erforschen. Durch ihn können SEO-Einflüsse und -Maßnahmen sinnvoll bewertet werden. Temporäre Einflüsse wie das Wetter, Saisonverläufe, Urlaubszeiten usw. beeinflussen zwar den Traffic stark, aber nicht unbedingt die Rankings. Ebenfalls kann man die Werte und die Entwicklung einer Domain mit den Wettbewerbern vergleichen und somit wertvolle Informationen für eine Wettbewerbsanalyse gewinnen. Detaillierte Informationen dazu wie der Sichtbarkeitsindex berechnet wird und warum man die Verläufe nicht mit den Sichtbarkeitskurven anderer Tools vergleichen kann, findet man im kostenlosen E-Book SEO-Analysen mit dem SISTRIX Sichtbarkeitsindex in Kapitel 2 (Seite 6-16). Weiterführende Informationen: sistrix.de/news/warum-der-sichtbarkeitsindex-kein-seo-trafficindex-sein-will/ […]
 
[…] Genau deshalb ist der Sichtbarkeitsindex auch kein Trafficindex, wie Hanns Kronenberg in seinem Artikel darlegt. Ein Trafficindex berechnet sich nämlich aus der Multiplikation von Suchvolumen-Indexwert […]
 
[…] darauf, dass der Sichtbarkeitsindex ein Index für den Traffic sein soll, sondern nur ein Trend (http://www.sistrix.de/news/warum-der-sichtbarkeitsindex-kein-seo-trafficindex-sein-will/). Davon abgesehen, was im SEO-Bereich Standard ist gilt auch hier: Intransparenz. Beim […]
 
[…] Hat sich die Sichtbarkeit in letzter Zeit stark verändert? Hierbei sollte man unbedingt im Auge behalten, dass der Sichtbarkeitsindex nicht immer direkt den Google Traffic widerspiegelt. […]