Chartmuster im Sichtbarkeitsindex: Abwärts-Gap

Die zeitliche Entwicklung des Sichtbarkeitsindex wird in der SISTRIX Toolbox für jede Website als Chart dargestellt. Die Sichtbarkeitsindex-Kurven setzen sich dabei aus typischen Mustern und Formationen zusammen.

Aus der Analyse der einzelnen Formationen (technische Analyse) lassen sich wertvolle Rückschlüsse für die Optimierung der Website gewinnen. Oftmals verraten typische Muster im Chartverlauf direkt die Ursachen für Veränderungen im Sichtbarkeitsindex oder geben zumindest hilfreiche Hinweise für die Ursachensuche (Fundamentalanalyse).

In diesem Artikel möchten wir Dir zeigen, was einen Abwärts-Gap im Sichtbarkeitsindex ausmacht.

Abwärts-Gap im Sichtbarkeitsverlauf erklärt

Wir sprechen von einem Abwärts-Gap im Sichtbarkeitsindex, wenn die Sichtbarkeit einer Domain schlagartig von einer Woche zur nächsten stark einbricht und nachhaltig den bisherigen Trendkanal verlässt.

Chartmuster eines Abwärts-Gaps im SISTRIX Sichtbarkeitindex

Wenn wir ein solches Chartmuster sehen, sollten insbesondere drei Punkte als mögliche Ursachen überprüft werden:

  1. bei der Domain könnten technische Probleme oder Fehler auf der Website vorliegen, beziehungsweise es wurden Inhalte gelöschte oder von der Indexierung ausgeschlossen
     
  2. die Domain hat eine Google-Penalty erhalten oder ist in einen Filter geraten
     
  3. es gab einen aus SEO-Sicht schlecht durchgeführten Relaunch der Website

Urache: Probleme beim Website-Relaunch

Der dritte Punkt ist wahrscheinlich der einfachste und zugleich häufigste Fall. Daher sollte er zuerst geprüft werden.

Hier sehen wir z.B. im Frühjahr 2014 ein Abwärts-Gap bei der Website von Greenpeace.

Abwärts-Gap bei greenpeace.de in 2014

Wenn man selbst für die Website arbeitet, weiß man natürlich, ob ein Relaunch durchgeführt wurde. Als Außenstehender kann man eine Google-Suche wie zum Beispiel „relaunch greenpeace.de 2014“ durchführen.

Über diesen Weg finden wir dann schnell eine Pressemitteilung vom 24. Februar 2014, die uns informiert, dass eine neue Homepage von Greenpeace online gegangen ist. Das kann den Verlust der Sichtbarkeit eine Woche später zum Stichtag 3. März 2014 sehr gut erklären.

Die SEO-Probleme bei einem Relaunch einer Website sind immer die gleichen und praktisch jede Woche irgendwo zu beobachten. Bei einem Relaunch wird häufig ein neues CMS-System oder eine neue Shop-Software eingesetzt. Neue CMS-Systeme haben die dumme Eigenschaft, dass sie neue URLs generieren. Aber die alten URLs besitzen die Rankings. An den URLs identifiziert Google eine Seite und verknüpft sie mit den Ranking-Signalen.

Wenn man jetzt neue URLs erzeugt, schmeißt man erst einmal die alten Rankings weg. Und die neuen URLs verfügen noch nicht über gleichwertige Signale und Rankings. Auf diese Weise entsteht ein Abwärts-Gap.

Man kann das Problem sehr einfach lösen, indem man 301-Weiterleitungen von den alten URLs auf die jeweils passenden neuen URLs einrichtet. Das versteht Google sehr gut und die Rankings bleiben erhalten.

Wenn man gezwungen ist die Weiterleitungen händisch einzurichten, scheut man manchmal in der Relaunch-Hektik die Arbeit. Doch diese Arbeit ist unverzichtbar. Notfalls sollte man sich eine Aushilfe organisieren und zumindest die wichtigsten Eintausend Seiten per 301 weiterleiten. Damit rettet man meist schon sehr viel. Bei sehr großen Websites müssen entsprechend mehr Weiterleitungen eingerichtet werden.

Um diese Seiten zu identifizieren und priorisieren kann man die Daten aus der SISTRIX Toolbox und den Google Search Console (ehemals Webmaster Tools) nutzen. Die wichtigsten Seiten sind die Seiten mit den besten Rankings und die Seiten mit den meisten externen Links.

Wir können uns die Probleme vom Greenpeace-Relaunch in der Toolbox auch im Detail anschauen. Dazu klicken wir links in der Navigation auf Keywords und wählen dann ein Datum vor dem Relaunchtermin aus.

Datumsauswahl bei SEO -> Keywords

Wenn wir dann die rankende URL zu einem Keyword anklicken, werden wir in vielen Fällen feststellen, dass die Website von Greenpeace eine 404-Fehlerseite ausliefert.

Verlinkung zur Zielseite

Die Seite mit der jeweiligen URL ist also nicht mehr vorhanden und wurde auch nicht auf eine neue URL weitergeleitet. Die Rankings und die Backlinks der URL gingen damit verloren.

Wenn keine Pressemitteilung über einen Relaunch gefunden wird, kann man auch die Wayback-Machine unter archive.org nutzen, um herauszufinden, ob es Änderungen auf der Website gab.

wayback-machine

Ursache: Google-Update oder manuelle Penalty

Kann hingegen kein Relaunch als Ursache für ein Abwärts-Gap identifiziert werden, sollte als nächstes ein Google-Update oder eine Penalty als Ursache geprüft werden.

Die offiziellen Google-Updates kennzeichnet die Toolbox automatisch mit einem Ereignis-Pin wie hier bei kreuzfahrt.de. Bei Pin A gab es ein Penguin-Update von Google, das unbedingt als Ursache für das Abwärts-Gap in Betracht gezogen werden sollte.

Abwärts-Gap infolge eines Google Updates

Was das Pinguin-Update ist und wie man überprüfen kann, ob eine Website davon betroffen ist, kannst Du wie immer bei Frag SISTRIX nachlesen.

Bei kreuzfahrt.de war in der Tat das Penguin-Update für den Einbruch verantwortlich. Bei dieser Domain wird hingegen beim Abwärts-Gap kein Pin angezeigt, da es sich nicht um ein offizielles Google-Update gehandelt hat, sondern um eine manuelle Penalty, die nur gegen diese Domain verhängt wurde. Die Penalty wurde vermutlich verhängt, weil viele externe Links zur Manipulation der Rankings gekauft wurden.

Abwärts-Gap infolge einer manuellen Maßnahme durch Google

Informationen über manuelle Penaltys erhält man als Websitebetreiber als Nachrichten in der Google Search Console (ehemals Webmaster Tools), sofern man die Domain dort angemeldet hat.

Hat man für eine Domain keinen Zugang zu der Google Search Console, kann man von außen auf eine manuelle Penalty schließen, wenn man sich die Rankingverteilung anschaut.

Dazu klickt man in der Toolbox hier links auf den Menüpunkt „Rankingverteilung“.

Pro Suchergebnisseite zeigt Google normalerweise 10 organische Treffer an. Hier in der Grafiken sehen wir, wie sich die Rankings der Domain innerhalb der Top 100, also auf den ersten 10 Suchergebnisseiten, verteilen.

Wenn wie bei diesem Beispiel die Domain zum fraglichen Zeitpunkt auf den ersten vier Suchergebnisseiten zu keinem einzigen Keyword Rankings besitzt, sondern erst ab der fünften Suchergebnisseite, dann kann man ziemlich sicher von einer manuellen Penalty ausgehen.

Ranking-Verteilung bei einer manuellen Abstrafung

Das ist aber schon ein extremes Bilderbuch-Beispiel für eine manuelle Penalty. Meist ranken abgestrafte Domains zumindest noch für ihren Markennamen auf der ersten Seite.

Wenn die Verteilung bei einer Domain nach einem Abwärts-Gap weniger als 3 Prozent der Rankings auf der ersten Suchergebnisseite anzeigt, ist das Vorhandensein einer manuelle Penalty bereits sehr wahrscheinlich.

Bei großen Domains muss man versuchen diesen Schritt für einzelne Verzeichnisse und Bereiche durchführen, da bei einer sehr breiten Basis der Effekt sonst nicht zu erkennen ist.

Ursache: Technische Probleme

Die dritte Ursache von Abwärts-Gaps sind technische Probleme oder weggefallene Inhalte wie hier bei Apple zu beobachten. Streng genommen kann man hier eine Vielzahl von Abwärts-Gaps direkt hintereinander beobachten. Die Website hat damit innerhalb weniger Wochen rund zwei Drittel ihrer Sichtbarkeit in den Suchergebnissen bei Google eingebüßt.

Abwärts-Gaps bei Apple.com

Die Überprüfung auf einen Relaunch oder eine Penalty führte bei Apple zu keinem Ergebnis.
In einem solchen Fall ist es in einem ersten Schritt sinnvoll, die Sichtbarkeit der Domain nach Verzeichnissen oder Hostnamen aufzuschlüsseln, um das Problem einzugrenzen.

Man macht das in der Toolbox, indem man hier links im Menü auf Verzeichnisse oder Hostnamen klickt.

Bei apple.com bekommt man die aussagekräftigsten Ergebnisse bei Hostnamen.

Sichtbarkeitsverläufe der einzelnen Hostnamen auf Apple.com

Man sieht deutlich, dass der Einbruch nur bei der roten Linie zu beobachten ist. Das ist die Subdomain iTunes auf apple-dot-com. Hier liegen Millionen Seiten zu Apps, Songs, Alben, Filmen, Hörbüchern usw., die es bei iTunes gibt.

Die blaue Linie www.apple.com und die grüne Linie store.apple.com sind von dem Einbruch nicht betroffen.

Somit kann man das Problem schon einmal auf die Inhalte von iTunes eingrenzen. Jetzt muss man nur noch herausfinden, welche Probleme es in diesem Bereich gibt.

Am einfachsten macht man das mit dem SISTRIX Optimizer. Er überprüft die Website gezielt nach technischen und typischen SEO-Fehlern.

Wir haben die Subdomain iTunes zum fraglichen Zeitpunkt mit einem Projekt im Optimizer überprüft und erhielten auch prompt die Antwort auf die Frage nach dem Problem.

Nach einer gewissen Anzahl Seitenaufrufe erhielt der Crawler nur noch einen 403-Statuscode vom Apple-Server. Der Server verbietet dem Crawler also die Anforderung der URL und der Crawler geht folglich leer aus. Der Crawler-Zugriff war serverseitig von Apple stark beschränkt worden.

Man kann nur spekulieren, warum Apple das gemacht hat, aber was Apple dabei nicht bedacht hatte, ist die Tatsache, dass mit dieser Maßnahme auch der Google-Crawler ausgesperrt wurde. Wenn Google die Inhalte nicht crawlen kann, kann Google sie auch nicht indexieren und in den Rankings anzeigen.

Da war die einfache Ursache für die massiven Rankingverluste.

Solche technischen Fehler lassen sich meist nur identifizieren, solange sie akut sind. Werden die technischen Fehler beseitigt, kann ein Außenstehender nicht mehr erkennen, aus welchem Grund genau die Rankings eingebrochen sind. Die Spuren sind dann verwischt. Man kann nur noch sehen, dass die Sichtbarkeit eingebrochen ist, aber nicht warum.

Aus diesem Grund ist es empfehlenswert für wichtige Websites ein automatisches Monitoring aufzusetzen und die Reports zu archivieren. So kann man technische Fehler dokumentieren und sie analysieren, selbst wenn sie zwischenzeitlich beseitigt wurden. Der SISTRIX Optimizer erledigt das vollautomatisch und das Anlegen eines Projektes dauert nur wenige Minuten.

Weitere Gründe für einen Abwärts-Gap

Es gibt weitere Fehler, die im Zusammenhang mit einem Abwärts-Gap häufig beobachtet werden können.

So kommt es häufiger vor, dass durch einen Eintrag in die robots.txt-Datei das Crawlen von Inhalten untersagt wird.

Oder Google wird durch eine No-Index-Anweisung das Indexieren von Seiten verboten. Das passiert häufiger, wenn man eine Test-Seite live stellt und vergessen hat die No-Index-Anweisungen zu entfernen.

Probleme kann es auch bei einer falschen Anwendung des Canonical-Tags geben.

Diese Punkte sollten unbedingt überprüft werden, falls technische Probleme als Ursache für ein Abwärts-Gap vermutet werden.

Abschließende Hinweise

Zum Schluss möchten wir noch Hinweise geben, wann kein typisches Abwärts-Gap vorliegt.

Wenn wie hier bei scopevisio.com die Sichtbarkeit relativ stark einbricht, der Einbruch aber noch innerhalb des mittelfristigen Trendkanals liegt, sollte man nicht gleich eine Penalty oder starke technische Probleme vermuten.

Trendkanal für die Domain Scopevisio.com

Eventuelle passt Google nur ein paar Rankings an oder auf der Website gab es einige Änderungen, die kurzfristig ein paar Rankings gekostet haben.

Erst wenn die mittelfristige Trendlinie nicht als Widerstand hält und nach unten durchbrochen wird, wie an diesem Punkt einige Monate später, handelt es sich um ein richtiges Abwärts-Gap, dessen Ursachen man unbedingt genau erforschen sollte.

abwaerts-gap-scopevisio

Bei neuen oder sehr kleinen Domains, sehr lokalen Websites oder Nischenseiten, zu denen die Toolbox kaum Rankings finden konnte, sollte man grundsätzlich keine Zeit mit der Chartanalyse verbringen. In solchen Fällen wie bei diesem Beispiel mit 2 indexierten Seiten ist die Datenbasis einfach zu gering, um sinnvolle Analysen durchführen zu können.

Sichtbarkeitsverlauf der Domain Galactic.de

Ohne eine breitere Basis können Rankingveränderungen bei wenigen Keywords schon starke Ausschläge in der Sichtbarkeit bewirken.

Hier wäre die Zeit besser investiert, überhaupt erst einmal eine ausreichende und halbwegs stabile Sichtbarkeit der Website aufzubauen. Alternativ kann man auch ein eigenes Keyword-Set im Optimizer anlegen, um eine breitere Datenbasis für die Website zu erhalten.

Als kleiner Tipp am Ende möchten wir auch bei der Analyse von Abwärts-Gaps auf die Funktion Ranking-Veränderungen in der linken Navigation der Toolbox hinweisen. Oftmals gibt die Liste der Keywords, zu denen man Rankings verloren hat, hilfreiche Hinweise auf die Ursache.

Video-Erklärung: Chartmuster Abwärts-Gap

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