Chartmuster im Sichtbarkeitsindex: Abwärts-Spike

Die zeitliche Entwicklung des Sichtbarkeitsindex wird in der SISTRIX Toolbox für jede Website als Chart dargestellt. Die Sichtbarkeitsindex-Kurven setzen sich dabei aus typischen Mustern und Formationen zusammen.

Aus der Analyse der einzelnen Formationen (technische Analyse) lassen sich wertvolle Rückschlüsse für die Optimierung der Website gewinnen. Oftmals verraten typische Muster im Chartverlauf direkt die Ursachen für Veränderungen im Sichtbarkeitsindex oder geben zumindest hilfreiche Hinweise für die Ursachensuche (Fundamentalanalyse).

In diesem Artikel möchten wir Dir zeigen, was einen Abwärts-Spike im Sichtbarkeitsindex ausmacht.

Abwärts-Spike in der Sichtbarkeit von Stuttgart.de

Wenn der Sichtbarkeitsindex kurzfristiger stark fällt, wie hier bei stuttgart.de, und kurz danach wieder auf sein altes Niveau steigt, sprechen wir von einem Abwärts-Spike.

abwaerts-spike-stuttgart-de

Die Formation, die sich dabei im Chart bildet, ähnelt einem nach unten gerichteten Stachel, daher der Begriff Spike.

Bei einem Abwärts-Spike kommen grundsätzlich die gleichen Punkte als Ursache in Frage wie bei einem Abwärts-Gap. Der große Unterschied zum Abwärts-Gap besteht aber darin, dass sich die Sichtbarkeit schnell wieder erholt und auf das alte Niveau zurückkehrt. Das ist bei Google Penaltys und Filtern, oder einem schlecht durchgeführten Relaunch der Website selten der Fall.

Daher sind bei einem Abwärts-Spike meist technische Probleme und neu hinzugekommene SEO-Fehler auf der Website für den kurzfristigen Einbruch verantwortlich. Im Unterschied zu einem Abwärts-Gap wurden die Fehler jedoch relativ zügig beseitigt, so dass die Sichtbarkeit schnell wieder angestiegen ist.

Um bei unserem Beispiel zu verstehen, was bei stuttgart.de passiert ist, schauen wir uns die Rankingveränderungen in dem fraglichen Zeitraum an. Dazu klicken wir in der Toolbox den Menüpunkt „Rankingveränderungen“ an.

ranking-veraenderungen

Deutliche Ergebnisse erhalten wir bei den „Verlorenen Keywords“. Das sind Keywords zu denen die Domain Rankings in den Top 100 besessen hat, dann aber aus den Top 100 herausgefallen ist. Als erstes Datum wählen wir mit dem 22. April 2013 den Zeitpunkt eine Woche vor dem Einbruch und als zweites Datum mit dem 6 Mai 2013 die Spitze des Abwärts-Spikes und lassen uns die Ergebnisse anzeigen.

verlorene-keywords-stuttgart-de

Wir haben hier gleich eine ganze Liste von Keywords, bei denen stuttgart.de auf Platz 1 stand und plötzlich nicht einmal mehr in den Top 100 vertreten ist. Bei vielen Keywords wie „apotheken Notdienst stuttgart“, „gymnasium stuttgart“ oder auch „museum in stuttgart“ ist es äußerst ungewöhnlich, dass das offizielle Stadtportal nicht mehr in den Top 100 vertreten ist.

So etwas passiert nur, wenn eine harte Google Penalty verhängt wurde oder die Seite aus irgendeinem Grund für Google nicht mehr zugänglich ist. Eine harte Google Penalty wäre bei einem offiziellen Stadtportal einer Großstadt äußerst ungewöhnlich. Solche Seiten verstoßen selten gegen die Richtlinien von Google. Ein technisches Problem scheint die wesentlich wahrscheinlichere Alternative zu sein.

Daher haben wir nach dem Einbruch mit dem SISTRIX Optimizer die Domain stuttgart.de analysiert und 10.000 Seiten crawlen lassen. Bei der Optimizer-Auswertung fiel sofort eine hohe Anzahl von Serverfehler auf. Der Server von stuttgart.de lieferte sehr häufig den HTTP-Status-Code 503 aus, der für „Service Unavailable“ steht.

serverfehler-stuttgart-de

Hat man jedoch eine einzelne dieser Seiten manuell mit dem Browser aufgerufen, trat dieses Problem nicht auf. Dieses Verhalten des Servers scheint nur beim Crawlen einer größeren Anzahl Seiten aufzutreten und konnte nur mit einem entsprechenden Tools entdeckt werden. Es ist zu vermuten, dass auch der Googlebot auf das gleiche Probleme gestoßen ist. Das wäre eine plausible Erklärung dafür, warum stuttgart.de für seine ureigensten Keywords komplett aus den Top 100 Rankings verschwunden ist.

Kurz nachdem wir im SISTRIX Blog einen Beitrag über den Fall veröffentlicht haben, wurde das Problem behoben und stuttgart.de erreichte wieder das alte Niveau im Sichtbarkeitsindex. Wie schon bei den Abwärts-Gaps beschrieben, werden auch bei den Abwärts-Spikes die Spuren für die Analyse der Ursachen verwischt, wenn die hausgemachten Probleme beseitigt werden.

Abhilfe schafft hier der SISTRIX Optimizer, mit dem man seine Websites vollautomatisch regelmäßig crawlen und analysieren kann. Die Analysen können in Reports archiviert werden, so dass man auch nach Beseitigung eine Fehlers die Ursachen für den Absturz nachvollziehen kann.

Fallbeispiel tamaris.de mit einem Abwärts-Spike

Als zweites Beispiel für einen Abwärts-Spike können wir uns hier noch den Sichtbarkeitsverlauf von tamaris.de anschauen.

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An dieser Stelle ist nach einem längeren Seitwärtstrend die Sichtbarkeit plötzlich praktisch komplett weggebrochen.

Bei den weggefallenen Keywords zum 29.09.2012 finden wir bei den ehemaligen Top-10-Rankings insbesondere Suchphrasen in Kombination mit dem Markennamen wie „tamaris schuhe“, „tamaris damenschuhe“, „tamaris online shop“ usw.

verlorene-keywords-tamaris-de

Für diese Keywords gehört tamaris.de in die Top-10. Wenn das wie im Fall unseres Abwärts-Gaps nicht der Fall ist, deutet das ganz stark auf hausgemachte Probleme hin.

Eine Website müsste die Google-Richtlinien schon eklatant verletzen, damit Google sie zu den eigenen Markenbegriffen nicht einmal mehr in den Top-100 ranken lässt. Hausgemachte Probleme könnten hingegen z.B. durch Serverausfälle oder Änderungen auf der 
Website verursacht werden. Auch im Fall von tamaris.de haben wir die Website kurz mit dem SISTRIX Optimizer analysiert.

Die Startseite und weitere Unterseiten wurden auf NoIndex gesetzt. Das geschah vermutlich nicht absichtlich, sondern aus Versehen. Google wurde so jedoch die Indexierung der Seiten verboten und der Verlust der wichtigsten Rankings war die logisch Konsequenz.

Der Abwärts-Spike wurde demzufolge vom Websitebetreiber bzw. seinem Dienstleister selbst verursacht. Nachdem der Fehler bemerkt und behoben wurde, hatte tamaris.de zwei Wochen später die alten Rankings zurückgewonnen.

Neben der NoIndex-Anweisung und Serverkonfigurationen sind die robots.txt-Datei und der falsche Einsatz von Canonical-Tags beliebte Fehlerquellen, die bei einem plötzlichen Einbruch geprüft werden sollten.

Video-Erklärung: Chartmuster Abwärts-Spike