Chartmuster im Sichtbarkeitsindex: Zick-Zack-Muster

Die zeitliche Entwicklung des Sichtbarkeitsindex wird in der SISTRIX Toolbox für jede Website als Chart dargestellt. Die Sichtbarkeitsindex-Kurven setzen sich dabei aus typischen Mustern und Formationen zusammen.

Aus der Analyse der einzelnen Formationen (technische Analyse) lassen sich wertvolle Rückschlüsse für die Optimierung der Website gewinnen. Oftmals verraten typische Muster im Chartverlauf direkt die Ursachen für Veränderungen im Sichtbarkeitsindex oder geben zumindest hilfreiche Hinweise für die Ursachensuche (Fundamentalanalyse).

In diesem Artikel möchten wir Dir zeigen, was ein Zick-Zack-Muster im Sichtbarkeitsindex ausmacht.

Der Autovermieter Hertz mit Zick-Zack-Muster

Der Sichtbarkeitsindex von Hertz.de zeigt über eine lange Periode starke Schwankungen. Man erkennt eine Aneinanderreihung von vielen Gaps und Spikes, die man als Zick-Zack-Muster beschreiben kann.

Zick-Zack-Muster im Sichtbarkeitsverlauf der Domain Hertz.de

Durch die Vielzahl von starken Bewegungen im Sichtbarkeitsindex zeigt die Toolbox auch viele Ereignis-Pins von zeitgleich durchgeführten Google-Updates an.

Jedoch gerät keine Domain so häufig hintereinander in einen Google-Filter, um ihm kurze Zeit später zu entfliehen. Auch wird keine Website so häufig einen Relaunch oder gravierende Änderungen an der Informationsarchitektur durchführen. Hier muss eine andere Ursache vorliegen.

Wenn man erst einmal etwas Erfahrung mit der Toolbox gesammelt hat, lassen sich diese typischen Zick-Zack-Muster schnell erkennen. Ihre Ursache ist fast immer externer Duplicate Content.

Der Inhalt der Domain ist in einer sehr ähnlichen Form über mindestens eine weitere Domain erreichbar. Daher wollen wir auch bei Hertz.de prüfen, ob wir eine zweite Domain mit fast identischen Inhalten finden. Wenn man selbst die Domain betreut, ist einem das Domain-Portfolio wahrscheinlich bekannt und man findet leicht mögliche Klone. Für einen Außenstehenden ist manchmal etwas Detektivarbeit notwendig.

Dazu suchen wir uns eine Woche mit einem einzelnen Abwärts-Spike heraus, in der Hertz.de gegenüber der Vorwoche stark an Sichtbarkeit verloren hat. Für dieses Beispiel verwenden wir die Woche vom 30.04.2012.

Als nächsten Schritt filtern wir über den Menüpunkt „Ranking-Veränderungen“ die verlorenen Keywords dieser Woche in der Toolbox heraus.

Verlorene Keywords der Domain Hertz.de für die Woche des 30.04.2012

Aus der Liste wählen wir ein Keyword aus, bei dem es sehr ungewöhnlich ist, wenn man die Domain Hertz.de nicht in den Top-100 findet. Hier ist das Keyword „autovermietung“ z.B. sehr gut geeignet.

Als größter Autovermieter der Welt sollte die deutsche Website von Hertz eigentlich in den Top-100 der deutschen Suchergebnisse auftauchen. Wir schauen uns also als nächstes die Top-100 zu „autovermietung“ für das Datum im SERP-Archiv der Toolbox an. Dazu geben wir das Keyword „autovermietung“ einfach oben rechts in die Toolbox ein und wählen dann das Datum 30.04.2012 aus. Eventuell hat ein Duplikat von Hertz.de ja das verlorene Ranking übernommen.

Suchergebnisse für das Keyword "autovermietung" für den 30.04.2012

Und in der Tat finden wir dort als Neueinsteiger auf Platz 4 die Domain Hertz.ch.

Die Startseiten beider Domains sind sich sehr ähnlich, auch wenn sie nicht hundertprozentig identisch sind. Um zu überprüfen, ob das „Duplikat“ Hertz.ch für die Einbrüche bei Hertz.de verantwortlich ist, vergleichen wir in der Toolbox, mit der Funktion „Diagramm vergleichen“, einfach die Sichtbarkeitsindizes miteinander.

Sichtbarkeitsvergleich der Domains Hertz.de und Hertz.ch

Der Vergleich zeigt eindrucksvoll, dass die Sichtbarkeit von Hertz.de, dargestellt durch die rote Linie, immer deutlich abfällt, wenn die Sichtbarkeit von Hertz.ch steigt und umgekehrt. Hier ist eine direkte Wechselwirkung klar erkennbar. Offenbar fällt es Google schwer, die beiden Websites dem richtigen Land zuzuordnen, und filtert eine der beiden Domains in den deutschen Suchergebnissen abwechselnd aus. Daraus ergibt sich dann das beobachtete Zick-Zack-Muster im Sichtbarkeitsindex.

Normalerweise sollte man vermuten, dass Google anhand der länderspezifischen Top-Level-Domain, oder kurz TLD, mit der Endung DE in der Lage sein sollte, die richtige Domain für Deutschland auszuwählen.

Während man für internationale TLDs, wie .com oder .org, in der Google Search Console (ehemals Webmaster Tools) das Zielland und die Zielsprache einstellen kann, ist das für länderspezifische ccTLDs nicht möglich.

Offensichtlich kann es vorkommen, dass Google aber trotz länderspezifischer TLDs die falsche Domain in einem Land anzeigt. In solchen Fällen ist es ratsam, Google weitere Hinweise über die Beziehung der einzelnen Domains untereinander zu liefern. Mithilfe der hreflang-Attribute können Google die korrekte Sprache und Region alternativer Versionen einer Website mitgeteilt werden.

Eine ausführliche Erläuterung für die Verwendung der Auszeichnungen hreflang findest Du bei „Frag SISTRIX“ und in unserem hreflang-Guide für internationales SEO.

Über das Geotargeting-Problem von Hertz.de haben wir am 16.04.2012 auch einen Blogpost auf Sistrix.de geschrieben. Seit dem 04.06.2012 ist das Problem nicht mehr zu beobachten. Vielleicht haben sich Google oder die Dienstleister von Hertz des Problems angenommen.

Externer Duplicate Content auf mehr als zwei Domains

Ein sehr schwankender Verlauf des Sichtbarkeitsindex durch weitere Domains mit Duplicate Content kann auch mehr als zwei Domains betreffen. Hier sehen wir ein Beispiel vom Sturmwellensender Norderney.

Sichtbarkeitsvergleich der Domains radio-sws.de, ngv-rass.de, radiosws.de und norderney-radiosws.de

Die Website des Radiosenders ist unter mindestens vier verschiedenen Domains erreichbar, die sich gegenseitig behindern. Entsprechend chaotisch verläuft die Sichtbarkeit der einzelnen Domains.

Video-Erklärung: Zick-Zack Chartmuster