Google Ranking Faktoren 2017

01. Wie funktioniert die Google Suche und was sind Rankingfaktoren?

Mit Dominik Schwarz, Hanns Kronenberg, Jens Fauldrath, Prof. Dr. Mario Fischer, Sebastian Erlhofer und Tobias Schwarz.


Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Google Ranking Faktoren 2017. Welche Faktoren sind wichtig und welche werden überschätzt? Diese Fragen wollen wir heute hier beantworten in einer Reihe von Videos, dazu haben wir 16 der besten und bekanntesten SEOs aus Deutschland eingeladen.

Herzlich willkommen hier in der Runde, und wir wollen beginnen mit dem Thema, “Wie funktioniert überhaupt die Google-Suche?”, magst Du uns das mal erklären und was sind auch überhaupt Rankingfaktoren?

Tobias Schwarz
Geschäftsführender Gesellschafter, Audisto GmbH

Ja, gerne. Also im wesentlichen funktioniert die Google-Suche wie jede andere Suche auch, ich muss zunächst mal einen Suchindex aufbauen, das heißt es ist letztendlich der Datenspeicher wo die ganzen Dokumente vorgehalten werden und diesen befülle ich. Das mache ich mit einem Crawler. Das ist der zweite Bestandteil.

Und der dritte wichtige Bestandteil bei einer Suche, ist letztendlich das Front-End, mit dem man als User dann die eigentlichen Abfragen machen kann. Beim Front-End werden die Eingaben getätigt und das führt letztendlich dazu, dass der Index durchsucht wird. Und dieses Durchsuchen passiert nach irgendwelchen Rankingkriterien und der Index wird durch den Crawler befüllt, das ist letztendlich der eigentliche Crawling-Prozess.

Für das Crawling sind vor allem Links relevant. Ich brauche die Links um die ganzen Dokumente zu finden. Für das eigentliche Ranking nachher geht es um inhaltliche Relevanz, um irgendwelche User-Faktoren und um Freshness.

Prof. Dr. Mario Fischer,
Studiengangsleiter E-Commerce, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH) Würzburg

Und man muss sich natürlich auch mal die Dimensionen vorstellen, die da bei Google laufen. Die haben aktuell – so die letzte Zahl die ich kenne – 80 Trillionen Dokumente im Index und jede Minute kommen so 80 Millionen neue Dokumente dazu, die mit reingenommen werden.

Also wenn wenigstens die Hälfte des ganzen Datenbestandes der da ist einmal im Jahr aktualisiert wird, dann haben wir es in der Sekunde mit so 40 bis 50 Millionen Webseiten zu tun, die Google crawlen muss um den Index zu aktualisieren. Das ist schon eine ganze Menge, ja.

Jens Fauldrath
Geschäftsführender Gesellschafter, get:traction GmbH & termfrequenz Podcast

Ich vergleiche das immer ganz gerne mit einer Bibliothek. Da ist der Einkauf der definiert welche Bücher überhaupt in der Bibliothek sind. Wenn er mich nicht kauft kann mein Buch nicht gefunden werden. Dann gibt es Menschen die Bibliothekar studiert haben, die wissen wie man Bücher inhaltlich erschließt, und Themen so sortiert und so aufstellt dass man sie finden kann.

Und dann gibt es Bibliothekare die sitzen vorne am Empfang und dann kommt da ein normaler Mensch rein, der weder weiß wie man etwas inhaltlich erschließt noch wie Sachen sortiert werden. Der stellt natürlich eine Frage an diesen Menschen, und sagt etwas wie “Ich brauche etwas zum Thema xyz, was mir ungefähr diese Frage beantwortet“ oder “Für eine wissenschaftliche Arbeit brauche ich Unterlagen zu xyz”.

Der Bibliothekar übersetzt das in seinem Kopf, weil er eben das kann, das ist dann das was ich das Query-Processing nenne, und läuft los und sagt ihm “Drittes Regal, zweites Fach in der Ecke findest Du den Kram”. Und das ist das was eine Suchmaschine einfach in Algorithmen abbildet und zwar genau diese 3 Aufgaben: zu erschließen, was ist bei mir drin? Wie ist es sortiert? Und wie habe ich Fragen zu interpretieren? Das sind die drei Kernaufgaben die eine Suchmaschine erfüllt.

Sebastian Erlhofer
Gründer & Geschäftsführer, mindshape GmbH

Das spannende an der Suchmaschinen-Optimierung ist ja auch dass Google niemals gesagt hat welche Rankingfaktoren eigentlich relevant sind, oder in welcher Form die zusammen spielen. Es ist schon seit Jahren immer die Rede von über 200 Rankingfaktoren, sowohl auf der Seite selbst als auch im Linknetzwerk. Da gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten wie man die dann auch interpretieren kann.

Und in den letzten Jahren ist ja auch ganz wichtig geworden, dass es nicht mehr nur „die“ Rankingfaktoren-Zusammenstellung gibt, sondern dass, je nach Branche, je nach Webseite, je nach Suchanfrage, auch unterschiedliche Rankingfaktoren unterschiedlich viel Gewicht haben.

Dominik Schwarz
VP Marketing & Communications, HomeToGo

Und dass sich die Rankingfaktoren möglicherweise sogar gegenseitig überschreiben. Was für die eine Seite, für die eine Branche, wichtig sein kann, muss nicht zwangsläufig auch für eine andere Seite wichtig sein…

Jens Fauldrath
Geschäftsführender Gesellschafter, get:traction GmbH & termfrequenz Podcast

…und wiederum von der Suchintention abhängig ist. Auch da bleibe ich in der Bibliothek, ich hab da nämlich Bücher, das hat man jetzt verstanden, und ich habe Zeitschriften. Diese werden natürlich ganz anders erschlossen, weil sie nicht monothematisch sind.

Man kennt Google mit 2 unterschiedlichen Indizes – eben einen News-Index der ganz anders als die Standard-Websuche funktioniert – und früher, vor vielen Jahren, war es so, dass ich wissen musste ob ich im Standardindex oder im Newsindex suchen muss. Das ist natürlich eine Entscheidung, die möchte man nicht haben.

Als Nutzer möchte ich auch den Bibliothekar fragen. ich möchte nicht wissen in welcher Abteilung ich suchen muss? Das soll er mir sagen. Und so hat es Google auch gemacht, die sind jetzt einfach in dieser Anfrageinterpretation so schlau geworden zu wissen, das ist eine Anfrage die eine News-Relevanz hat, also muss ich meine gesamten Inhalte anders sortieren.

Das ist das schöne an einer Maschine, ich muss nicht einmal ein Buch, oder eine Zeitschrift, wohin stellen, ich kann sie halt beliebig oft umsortieren und verschiedene Logiken verwenden, und das sehr schnell. Das ist das schöne. Das macht heute das Thema sehr komplex, weil es sich jedes Mal anders verhalten kann.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Sind für euch Rankingfaktoren Faktoren, die den gesamten Prozess beeinflussen? Also wenn Du bei einer Bibliothek bist, die praktisch schon den Einkauf beeinflussen? Also dass ich überhaupt eingekauft werde?

Und die vielleicht noch irgendwie das Gehirn des Bibliothekars beeinflussen, dass er die Sache auswählt? Oder sind Rankingfaktoren für euch wirklich nur der Sortieralgorithmus, in welcher Reihenfolge die indexierten Dokumente dargestellt werden?

Jens Fauldrath
Geschäftsführender Gesellschafter, get:traction GmbH & termfrequenz Podcast

Wir benutzen das Wort nicht sauber. Also hart ist es natürlich, wie das Wort sagt: das wie man es sortiert. Wir benutzen es allerdings relativ wild. Wir wissen ja auch, dass eine Bibliothek mehr von einem bekannten Verlag kauft und sich bei irgendeinem Open Access Ding ein bisschen schwerer tut.

Und ähnlich ist es bei auch bei Google. Also die Entscheidung, was überhaupt in den Index genommen wird ist schon etwas wichtiges. Und das nehmen wir in unsere Definition von Rankingfaktor mit rein. Genauso wie wir Sachen berücksichtigen, bei der es eben um die Anfrageinterpretation geht.

Also im Weitesten fällt unsere Definition von Rankingfaktoren in alle 3 Bereiche, und das muss man wissen, wenn man mit SEOs spricht. Wir trennen das eigentlich nicht scharf, ausser wenn man in die einzelnen Aufgaben reingeht. Aber wenn man so im Allgemeinen spricht, so untereinander beim Bier, dann sind wir da ein bisschen grober in der Auslegung.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Aber Mario, sieht Google das enger? Beschreibt Google das eigentlich nur technisch? Wenn von denen eine Aussage kommt, “das ist kein Rankingfaktor”, meinen sie dann wirklich nur den Sortieralgorithmus? Und gibt es deswegen manchmal ein Missverständnis zwischen Google und SEOs?

Prof. Dr. Mario Fischer
Studiengangsleiter E-Commerce, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH) Würzburg

Ja das ist eine relativ gute Frage. Ich meine, ein Missverständnis ist ja schon, das viele immer glauben es gäbe „einen“ Rankingalgorithmus. Es gibt ja viele 1000 Algorithmen die Sachen abfragen, welche quasi parallel, nacheinander, aufeinander aufbauen. Dann kommen da natürlich auch noch Dinge mit dazu, um das Bild mit dem Bibliothekar noch mal aufzugreifen, dass wenn 2 unterschiedliche Leute den Bibliothekar nach “Wo finde ich denn was über Jaguar?” fragen und der Bibliothekar weiß, der eine studiert Biologie und der andere ist ein Autofan, dann schickt er sie zu zwei verschiedenen Regalen. Das heißt wir kriegen heute auch schon individualisierte Ergebnisse. Wir haben nicht bestimmte Rankingfaktoren die für alle gleich sind.

Und da muss man dann immer ein Bisschen aufpassen, weil Google spricht dann auch immer von Signalen, das heißt welche Signale sendet eine Webseite, und ich glaube da gibt es auch relativ viele Missverständnisse. Google sagt ja auch selber, sie können heute gar nicht mehr nachvollziehen warum ein Ergebnis jetzt auf 1 oder 2 oder 3 rankt, weil es einfach so komplex geworden ist, dass man an der Maschine eigentlich nur an den Rädchen schraubt und nun mehr guckt ob die Ergebnisse insgesamt besser werden oder ob weniger Spam-Ergebnisse gefunden werden.

Aber keiner kann mehr nachvollziehen warum letztendlich ein bestimmtes Ergebnis oben steht. So stellen wir uns das ja immer vor, es gibt eine Liste von Faktoren und die hakt die Maschine einfach ab, und dann steht was oben. So ist es aber schon lange nicht mehr, es ist so komplex geworden, dass es ein Mensch gar nicht mehr verstehen kann warum das vorne steht. Man kann nur noch die Qualität prüfen und versuchen an den Schrauben zu drehen, dass die Suche einfach immer besser wird. Aber warum letztendlich ein Ergebnis oben steht kann eigentlich auch bei Google keiner mehr sagen.

Jens Fauldrath
Geschäftsführender Gesellschafter, get:traction GmbH & termfrequenz Podcast

Ich habe ja mal Suchen gebaut und man konnte es schon vor 10 Jahren nicht. Das Problem ist, sobald Du viele Faktoren drin hast und nicht hart im Code sagst, „Du bist auf 1, irgendwo an allen vorbei, reingeknuddelt“, hast Du da überhaupt keine Möglichkeit vorherzusagen was passiert.

Du misst deswegen halt auch eher das Nutzerverhalten auf der Suchergebnisseite. Bei 100 Millionen Suchanfragen kann man mal gucken, bei wie vielen Suchanfragen klickt der Nutzer gar nichts? Du hast also übergreifende Messgrößen an denen Du das versuchst festzumachen. Und ganz schlimm ist natürlich die Personalisierung. Wie schon gesagt – und das fand ich von dir jetzt grade sehr wichtig – welcher Mensch fragt?

Und genau das – und deswegen ist das Bibliotheksbild so schön – macht Google halt auch. Wir haben eine Personalisierung drin, was einfach die Gewichtung und die Art der Rankingfaktoren komplett ändern kann. Und wir haben kontextuelle Suchen, also “wo bin ich?”, “mit welchem Device bin ich?”. Also das Thema lokalisierte Suchergebnisse, ich glaube 30-40% aller Suchanfragen sind durchlokalisiert, da hab ich in Bonn andere Ergebnisse als in Berlin zur gleichen Suchanfrage und das schon bevor es personalisiert worden ist.

Also, das Thema ist wirklich hochkomplex, man muss da immer sehr aufpassen wenn man redet, über was redet man grad und in welchem Kontext befindet man sich gerade und trifft das auf mich persönlich zu? Also immer hinterfragen, aus welcher Art kontext wird hier grade argumentiert, trifft der auf mich zu? Wenn nicht, kann das bei mir komplett anders sein.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Prima, dann würde ich sagen beenden wir an dieser Stelle dieses Thema und werden in den nächsten Videos schauen, was sind denn die Räder an denen man drehen kann und wie wichtig und Groß sind sie denn?

Vielen Dank.