Google Ranking Faktoren 2017

03. Rankingfaktor Links – Externe Links

Mit Anke Probst, Hanns Kronenberg, Jonas Weber, Prof. Dr. Mario Fischer, Michael Janssen und Nicolas Sacotte.


Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Sprechen wir über externe Links – also Links die von anderen Websites auf die Eigene verlinken – wie wichtig sind sie und worauf sollte man dabei achten?

Nicolas Sacotte
Gründer & Berater contentking.de

Also externe Links sind nach wie vor, definitiv ein sehr sehr wichtiger Rankingfaktor. Wobei man sagen muss, dass es nicht mehr unbedingt auf die Quantität ankommt, sondern vielmehr auf die Qualität von diesen Links. Da gibt’s verschiedene Faktoren die man ansetzen kann und die man auch ganz gut messen kann, in der Bewertung eines Linkprofils.

Also, ist der Linkgeber selber sichtbar? Wird über die linkgebende Quelle vielleicht auch der ein oder andere Besucher über den Link kommen? Wird der Link geklickt? Was macht der Traffic, der über diesen Link kommt, auf meiner Webseite? Und natürlich Faktoren wie, “wie ist die link-gebene Quelle selber aufgestellt?”, also wie viele Backlinks hat die selber und wie ist dieses Linkprofil. Früher war die schiere Masse ein Rankingkriterium, da konnte man mit vielen Links viel erreichen, das hat sich relativ zügig geändert in den letzten Jahren.

Jonas Weber
Google & SEO Berater seo-kurs.de

Heutzutage kann man auch viel erreichen in die negative Richtung, wenn man es übertreibt. Das war früher eben noch nicht der Fall. Da war es eher ein Spiel: Ich gehe raus, kaufe viele Links, 100 Stück, vielleicht zählen heute noch 80, morgen 60, vielleicht irgendwann 40. Aber Sie zählen nicht negativ und das hat Google spätestens mit dem Penguin Update relativ gut hinbekommen. Natürlich hat Google das mit manuellen Penalties auch schon davor hinbekommen genau das zu unterbinden, aber nicht auf skalierbarer Weise.

Und das hat natürlich schon ein bisschen ein umdenken gebracht: Soll ich überhaupt Links aufbauen? Alle sind sehr vorsichtig geworden, kriegen sogar Angst und haben sogar Angst davor. Aber am Ende des Tages, da waren paar richtige wichtige Argumente auch dabei, klar muss eine Domain selbst Sichtbarkeit haben. Das Vertrauen von Google bekommen, selbst gerankt zu werden, dass man so ein Link überhaupt zählen kann.

Ich denke, das hat Google sehr gut hinbekommen und selbst ein Unternehmen wie ein SEO-Tool, wie z.B. SISTRIX, wäre ja theoretisch in der Lage, anhand aller Domains, die überhaupt keine Sichtbarkeit haben, relativ einfach, sage ich mal, den “Penguin” zu entwickeln. Nämlich wenn ich einen zu hohen Anteil von Seiten habe, die selbst überhaupt keine Sichtbarkeit, überhaupt kein Vertrauen bei Google haben, dass dann solche Links eben nicht mehr zählen.

Aber das heißt nicht im Umkehrschluss dass Links gar nicht mehr zählen, das ist definitiv nicht der Fall!

Anke Probst
Senior SEO Managerin, XING AG

Ich stimme euch beiden da total zu. Links sind immer noch wichtig. Leider. Weil Linkaufbau war ja schon immer ein sehr gespaltenes Thema. Nico hat einen ganz wichtiges Kriterium genannt. Für mich wäre immer das Wichtigste: ist der Link für den User sinnvoll und besteht die Möglichkeit, dass tatsächlich ein echter User über diesen Link auf meine Seite kommt?

Das wäre so das Hauptkriterium auf das ich Wert legen würde, jetzt mal von anderen Faktoren abgesehen, die vielleicht durch irgendwelche Tools noch messbar sind. Ich würde tatsächlich auch die Werthaltigkeit meines Backlink-Profils anhand von Referral-Daten messen. Also wie viele Besucher kommen über den Link oder steigt mein Referral-Traffic über meinen externen Link? Das wäre meine herangehensweise.

Und ja, natürlich Autorität der Seite ist wichtig und ich glaube da spielt einfach auch der gesunde Menschenverstand mit rein. Wenn ich selber auf eine Seite gucke und sehe einen Link woanders hin, dann kann ich, glaube ich, schon mit einem gesunden Menschenverstand bewerten: ist der Link jetzt gut oder ist er einfach wirklich nur für eine Suchmaschine gesetzt? Sprich: Links im Footer, die man sonst nicht sehen würde, oder irgendwo ganz verquer im Text gesetzt mit harten Anchor Links. Das sind halt Sachen auf die man heutzutage wirklich nicht mehr gucken sollte.

Michael Janssen
Digital Analyst, zedwoo.de & BeyondPageviews Podcast

Ja auf jeden Fall. Also ich finde es auch noch wichtig, dass Google ja immer wieder versucht von Links wegzukommen als Rankingsignal. Dass es da einfach auch langfristig eventuell nicht der richtige Weg ist, aber dass wir aktuell halt nicht drum herumkommen.

Und da wir auch wirklich Links haben, die einfach schön sind, wo ich selber überlege, ”Den würde ich klicken”. Ich würde, wenn ich auf der Seite wäre, den Link klicken. Das sind halt nicht die Footer Links oder irgendwo versteckt oder irgendwo gesetzt. Das sind die Links, die auch nicht mehr wirklich funktionieren, dafür kriegt Google inzwischen zu viele Signale über die Qualität von Links.

Prof. Dr. Mario Fischer
Studiengangsleiter E-Commerce, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH) Würzburg

Ja, kann ich vollumfänglich zustimmen. Ich würde auch noch als Unternehmen, wenn ich anfange mich mit solchen Themen zu beschäftigen – mit SEO natürlich auch – erstmal gucken und versuchen da vielleicht mal feucht durch zu wischen. Weil viele Unternehmen oder Shops, die vielleicht schon seit acht oder zehn Jahren oder noch länger am Netz sind, da ist es dann tatsächlich oft so, dass vor vielen vielen Jahren eine Agentur oder ein ambitionierter Webmaster mal Links aufgebaut hat. Und was eben früher funktioniert hat, wo man mal in irgendwelchen Foren oder in irgendwelchen Blog Systemen einen Beitrag geschrieben hat: “toll, toller Beitrag, weiter so” und als Kommentator dann der “Schlüsseldienst Harry” oder so, mit dem Link auf die Webseite.

Da auch einfach mal gucken und sagen: welche Links zeigen denn überhaupt auf mich? Da brauche ich dann natürlich Tools dafür, um es zu messen. Um einmal den Altbestand zu sehen, den Google ja natürlich auch kennt und mit bewertet – wie du ja auch sagtest – und vielleicht auch negativ wertet.

Dass ich versuche den abzubauen oder aber über die Möglichkeit die es ja bei Google gibt, solche Links entwerten zu lassen. Die in so eine Datei zu übernehmen und zu sagen: ich distanziere mich mittlerweile von diesen Links. Einfach, um die Negativpunkte wegzukriegen. Das kann schon mal ein besseres Ranking bringen, ohne dass man neue Links aufbaut.

Und zum Zweiten, habe ich natürlich dann auch mehr Sicherheit, dass, wenn Google mal die Algorithmen Schrauben mal ein bisschen anzieht, ich dann eine Strafe vermeiden kann. Weil ich im Vorfeld einfach mal sauber mache und nicht warte bis es knallt. Denn dann ist es natürlich immer schlimmer, unabhängig davon dass dann Umsätze und so weiter wegbrechen. Aber da muss man dann natürlich auch sehr viel mehr agieren, um die Strafe wieder aufzuheben, als wenn man sich im Vorfeld darum kümmert.

Es wird häufig vernachlässigt zu gucken und die Firmen sagen dann immer: ”Das war doch vor fünf oder zehn Jahren, das ist doch ewig her!”. Aber wenn die noch im Netz stehen, dann muss man sich darum kümmern. Das ist dann keine Entschuldigung und auch das sollte man auch nicht vernachlässigen.

Also nicht nur Links aufbauen, sondern auch gucken und sagen: ”Von welchen Links muss ich mich denn mittlerweile distanzieren?” und wahrscheinlich behindern sie mich sogar im Ranking, weil einfach was abgezogen wird.

Jonas Weber
Google & SEO Berater seo-kurs.de

Absolut – Du hast es doch gerade gesagt – viele haben gar nicht gekehrt und haben, bevor realtime Penguin kam, eben bei dem Penguin Update davor genau deswegen darunter gelitten. Und leider hat Google den Algo so später wieder aktualisiert, aber das war genau das Problem, dass man eben die Altlasten hier nicht entfernt hatte und hier auch nicht aufgeräumt hat, definitiv.

Nicolas Sacotte
Gründer & Berater contentking.de

Ja, ich glaube es ist auch sehr wichtig einfach diese zwei Ebenen zu unterscheiden. Also das was ich im Linkbuilding tun will, in der Zukunft, und das was ich historisch an Linkprofil schon gewachsen mitgebracht habe, auch für die persönliche Planungssicherheit für die Kampagnen.

Wenn ich mich um Linkbuilding kümmer und irgendwas sollte schiefgehen, ich kriege vielleicht eine Warnmeldung, oder meine Sichtbarkeit geht drastisch nach unten, dann ist es halt extrem schwer herauszufinden: lag das jetzt an den neuen Links die aufgebaut wurden oder ist es tatsächlich irgend etwas das in meinem Linkbestand eben schon vorhanden war?

Jonas Weber
Google & SEO Berater seo-kurs.de

Lag es überhaupt an Links?

Nicolas Sacotte
Gründer & Berater contentking.de

Ja. Deswegen stimme ich Mario vollkommen zu. Erst mal aufräumen macht halt definitiv Sinn. Weil dann das was man dann danach eben im Linkbuilding tut einfach sicherer aufgestellt ist.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Vielleicht kurz noch eine Frage, weil ich glaube dass dort oft Unsicherheit besteht: sollte jede rankende URL mit externen Links versorgt werden?

Also wenn ich beispielsweise eine Shopseite habe, damit ich dort Sachen verkaufe, dass die Seite gut rankt, oder können es andere Seiten sein, die die Links einsammeln? Welche damit die Domain im Prinzip aufladen und durch interne Links die Power weitergeben? Wie seht ihr das?

Prof. Dr. Mario Fischer
Studiengangsleiter E-Commerce, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH) Würzburg

Also, ich glaube nicht, dass du jede einzelne Seite, die du zum Ranken bringen willst, mit externen Links bestücken musst. Das kann mal helfen. Und wenn man gute Produkte und guten Content hat, kann man das gar nicht vermeiden, dass die angelinkt werden, das ist ja eigentlich das natürliche Prinzip.

Aber ich glaube, Google ist mittlerweile auch schon so schlau nicht zu sagen, die Seite hat so viele Backlinks, die rankt und die daneben hat sie eben nicht und die rankt nicht. Sondern, dass sie einfach rauskommen und sagen, thematisch sind das ähnliche Dinge, und es wird einfach insgesamt mit hochgehoben. Weil die Power, die über Links auf eine eigene Seite fließt, die wird ja auch wieder weiterverteilt auf intern verlinkte Seiten.

Also es hebt eigentlich die anderen Seiten mit und ist wahrscheinlich eher sogar ein schwieriges Signal. Vor allem wenn man es mechanisch macht und sagt: ”Jede meiner Produktseite kriegt jetzt fünf externe Links”. Wenn Google eines gut kann, dann Mustererkennung und wenn man solche Muster erzeugt, ist es natürlich auch immer nicht gut. Es soll ja immer natürlich wirken und es ist eigentlich sehr unnatürlich, dass, gerade wenn Du einen Shop hast, jede Produktseite jede Menge Links von draußen kriegt.

Anke Probst
Senior SEO Managerin, XING AG

Es hängt auch total vom Webseitentyp ab. Wenn ich einen starken Brand hab, der auf natürliche Weise in Zeitungen oder von anderen großen Portalen verlinkt wird, dann wird meistens schon auf den Brand verlinkt. Und das ist auch ganz normal.

Es kann aber natürlich auch sein, dass ich eine Seite hab deren Brand völlig unbekannt ist. Ich habe aber einen coolen Artikel, der halt total viral geht und dadurch Links einsammelt, dann ist das eben so.

Und im Shop muss man sich auch immer die Frage stellen: was wird in einem Shop verlinkt? Im Modebereich gibt es dann die ganzen Modeblogger, die verlinken halt dann eher auf einzelne Produkte, weil sie ihre Outfits zusammenstellen. Aber wie natürlich ist es dann wirklich noch, wenn die auf Kategorieseiten verlinken, wo sich das Produktsortiment sowieso immer ändert. Ist das noch natürlich oder ist das was wo man sagen muss: “eher unwahrscheinlich, dass sowas passiert”.

Jonas Weber
Google & SEO Berater seo-kurs.de

Wenn man sich Linkbuilding-Strategien überlegt die hauptsächlich darauf abzielen, dass die Startseite verlinkt wird, dann ist man meistens auf natürlichem Wege und es ist auch der nachhaltigste Weg.

Das Problem fängt ja dann im Prinzip beim nächsten Relaunch an. Ich weiß nicht bei wie vielen Relaunchen ich dieses Jahr dabei war und die alle schief gingen – ich bin dann danach gekommen.

Das Problem ist, dass wenn viele Unterseiten angelinkt werden, kriege ich hier z.B. die Linkkraft dann nicht mehr mit. Weil die Seiten verändern sich, dann wird über den 301er vielleicht nicht mehr komplett die Linkkraft rübergezogen. Des Weiteren bleibt viel Linkkraft auf der Strecke und ich kann nicht komplett kontrollieren wie es fließt.

Und wenn alles in die Startseite reingeht – das ist die zeitloseste Seite der Domain, wenn sich die Domain nicht ändert – kann ich da immer über die interne Verlinkung steuern wo es jetzt hingehen soll, selbst wenn sich die URL-Struktur verändert. Und ich kenn fast kein Unternehmen, wo es die URL-Struktur noch nicht verändert hat. Auch wenn es schön wäre, es ist aber nicht so.

Es ist natürlich sehr zeitlos und ich kann dann auch intern mit dem Linktext steuern, wie ich die Relevanz wohin schiebe. Das ist komplett natürlich, das ist komplett Google konform. Das kriege ich mit externen Links gar nicht mehr hin. Da ist Google inzwischen viel zu gut in der Mustererkennung.

Prof. Dr. Mario Fischer
Studiengangsleiter E-Commerce, Hochschule für angewandte Wissenschaften (FH) Würzburg

Man kann sich vielleicht auch ganz gut als Gebäude vorstellen. Man hat ein Firmengebäude und ich habe einen möglichst großen Eingang, wo ein großer Teerweg hingeht. Wo ich sage, “Da kommen eigentlich die Besucherströme rein”. Es gibt ein paar Nebeneingänge die Sinn machen bei einem großen Gebäude, aber ich habe dann eben genau den Stream durch die Haupttür und verteile es über Wegweiser, über Aufzüge, über Treppenhäuser, da wo der Nutzer hin muss. Und wenn sich was verändert kann ich das auch wieder verändern.

Wenn ich 50 Nebeneingänge baue, muss ich die wieder wegreissen, muss sie woanders hinbauen. Es ist eigentlich ein ganz gutes Bild einem auch zu sagen, verlinke auf die Startseite, auf den Haupteingang und es stärkt ja dann auch die Markenbedeutung.

Nicolas Sacotte
Gründer & Berater contentking.de

Ja oder in spezielle Bereiche, die man extra für sowas aufgebaut hat. Also irgendwie ein Blog oder ein Magazin. Eine entkommerzialisierte Zone in einem Onlineshop, in der man tatsächlich wirklich informative Inhalte, verlinkungswürdige Inhalte präsentiert und von dort aus den Linkjuice intern weiterleitet.

Und intern kann man schön hart verlinken, um wirklich die Priorisierung zu zeigen und zu sagen: ”Google, ich möchte, dass diese Kategorieseite halt für dieses Keyword rankt.” Ohne die Kategorieseite direkt von außen anzulinken, sonder über diesen Umweg.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Ja, vielen Dank!