Google Ranking Faktoren 2017

10. Rankingfaktor Nutzersignale – Bedeutung

Mit Hanns Kronenberg, Johannes Beus, Nicolas Sacotte, Sebastian Erlhofer, Simon Pokorny und Tobias Schwarz.


Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Welche Bedeutung spielen Nutzersignale für die Rankings und wie kann Google das überhaupt messen?

Sebastian Erlhofer
Gründer & Geschäftsführer, mindshape GmbH

Ich glaube, Nutzersignale spielen mittlerweile eine ganz ganz wichtige Rolle. Vielleicht gar nicht als primärer Rankingfaktor, aber zumindest für die ganzen Tests, die Google macht. Um zu schauen, funktioniert das, was sie nachher vielleicht über andere Faktoren bewertet haben, dann auch bei den Nutzern? Kommt das da an?

Und es gab eine lange Zeit, in der Google die Nutzer direkt von den Suchergebnislisten, per Klick, auf die Seite geschickt hat. Mittlerweile, wenn man in den Quellcode der Suchergebnislisten reinguckt, ist eine Menge JavaScript mit drin, eine Menge Tracking Code. Und gemeinhin ist es im Augenblick so, dass angenommen wird, dass die eben dann testen, wann klicke ich drauf? zu welcher Seite gehe ich und komme ich wieder zurück? oder wie lange bleibe ich da? Und wenn ich zurück komme, klicke ich auf welchen anderen Eintrag?

Also da gibt es dann eben die CTR, die spätestens vor zwei Jahren auch mit der Google Search Console, mit den Search Query Daten, auch bei den SEOs angekommen ist. Google stellt quasi Originaldaten zur Verfügung. Wie ist die Click-Through-Rate?

Und da unterscheidet man dann eben zwischen Long Clicks – also das heißt, ich gehe auf eine Seite und bleib da relativ lange und komme vielleicht gar nicht wieder zurück, finde also vermutlich das, was ich da irgendwo gesucht habe – und Short Click – was also gewissermaßen eher schädlich ist als Rankingsignal; also ich klicke drauf, finde nicht das, was ich will oder was ich erwartet habe und bin schnell wieder zurück und klicke auf den virtuellen Konkurrenten.

Tobias Schwarz
Geschäftsführender Gesellschafter, Audisto GmbH

Wichtig ist da aber auch zu verstehen, dass zum Beispiel Bounce Rate oder Time-on-Site eigentlich gar nicht zu gebrauchen sind. Weil eine Bounce Rate, also der Nutzer springt ab und interagiert nicht mit dem Content, das kann der Webmaster ja sehen. Die kann zwei komplett gegensätzliche Ursachen haben: Entweder hat der Nutzer halt direkt gefunden was er gesucht hat, dann wird er sofort wieder gehen, oder er hat halt gar nicht gefunden was er gesucht hat, dann wird er auch gehen. Also er hat direkt gefunden oder er hat gar nicht gefunden, was er gesucht hat. Diese beiden konträren Geschichten. Für den Webmaster in seinem Analytics ist das erstmal dasselbe Signal: der Nutzer geht direkt wieder.

Selbiges bei Time-on-Site. Eine kurze Aufenthaltszeit kann halt zustande kommen, weil der Nutzer abspringt oder weil er direkt gefunden hat was er sucht. Und eine lange Antwortzeit kann ich auch nicht wirklich verwenden, weil er könnte ja morgens den Tab öffnen, hat ihn vergessen und schließt ihn abends. Dann war er unter Umständen auch sehr sehr lange auf der Seite.

Weiterhin ist es so, dass viele von diesen Signalen eigentlich für Einzelseiten nicht zu gebrauchen sind. Wenn ich eine Seite habe, die sehr wenig Traffic hat, kann ich das vielleicht gar nicht verwenden. Die Frage ist halt, ob Google dann solche Werte nicht auch domainweit heranzieht oder eben für gewisse Segmente, wie zum Beispiel ein Verzeichnis oder eine Subdomain?

Simon Pokorny
SEO Consultant, simon-pokorny.com

Es kommt halt immer sehr hart auf das Mitbewerberumfeld an. Also, je nach Themenbereich habe ich ja ganz andere Leute die vorne mit mir ranken. Und da wird Google schon schauen, “Okay, wie ist das Nutzerverhalten mit deiner Seite im Vergleich zu deinen direkten Mitbewerbern?” und misst dann auch und versucht natürlich diese Daten heranzuziehen.

Und das Google da relativ viel misst, sieht man ja schon, wenn man einfach mal ein bisschen reinschaut. Was überträgt denn Chrome zum Beispiel alles an Daten, an Benutzerdaten? Was du gerade aufrufst, was du gemacht hast, wie weit du gescrollt hast, et cetera. Das ist schon eine ganze Menge, das mit übergeben wird. Und wenn das übergeben wird, wird es auch irgendwo genutzt. Ist ja auch klar, wenn ich die Daten habe, nutze ich sie.

Nicolas Sarcotte
Gründer & Berater, contentking.de

Genau und ich glaube das ist auch die Herausforderung an die Unternehmen und an die SEOs. Tatsächlich Content zu produzieren, Inhalte und Webseiten bereitzustellen, die eben diese Rankingfaktoren optimieren – beziehungsweise die Kennzahlen optimieren, die Google da rausziehen kann.

Also wenn wir Time-on-Site mal betrachten, macht das natürlich Sinn, gewisse Content-Elemente, vielleicht auch Formate, zu integrieren, die eine höhere Aufenthaltsdauer auf der Seite ermöglichen beziehungsweise bewirken. Im Rahmen von Content-Produktion ist es glaube ich ganz ganz wichtig diesen Hebel und diese Nutzungsfaktoren und Aufenthaltsdauern dieser Webseitenbesucher, in positiver Art und Weise, zu beeinflussen.

Johannes Beus
Gründer & Geschäftsführer, SISTRIX

Ja ich finde dieses Ding ganz ganz spannend, dass Google eigentlich sagt “Wir nutzen das nicht im Ranking”, aber viele SEOs sind überzeugt davon, dass es irgendwie reinfließt. Und ich könnte mir vorstellen, dass die mögliche Brücke die ist, dass Google machine-learning oder künstliche Intelligenz mit diesen Daten füttert und daraus testet, was funktioniert gut für uns und was funktioniert nicht. Und dass es gar nicht direkt in den Algo einfließt, aber dass der Algo auf Basis davon gebaut wird. Sowas könnte ich mir gut vorstellen.

Simon Pokorny
SEO Consultant, simon-pokorny.com

Es fließt irgendwie in RankBrain mit ein.

Johannes Beus
Gründer & Geschäftsführer, SISTRIX

Das es irgendwie da mit rein geht, genau. Aber ich meine, wenn man sich halt anguckt, was Google alles hat, Google hat Chrome. Google hat die ganzen Android Daten es gibt die DNS-Server, bei Android sieht man jetzt irgendwie bei jedem Geschäft, wann da gerade viele Leute sind und ob das überdurchschnittlich viele sind, und so weiter.

Das sind ja alles Daten, die Google irgendwie hat und genau diese Daten wird Google auch von allen möglichen Webseiten haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Google das irgendwie sinnvoll verwendet.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Vielen Dank.