Google Ranking Faktoren 2017

14. Rankingfaktor Domain – Keyword-unabhängige Faktoren auf Domain-Ebene

Mit Dominik Schwarz, Hanns Kronenberg, Johannes Beus, Michael Janssen, Raphael Raue und Tobias Schwarz.


Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Welche Eigenschaften kann eine Domain aus Google-Sicht haben, damit die Treffer von dieser Domain besser oder schlechter ranken?

Dominik Schwarz
VP Marketing & Communications, HomeToGo

Also ich denke, insgesamt, hat die Wichtigkeit der Domain-weiten Faktoren in den letzten Jahren und letzten Monaten auf jeden Fall nochmal abgenommen. Die URL-spezifischen Kriterien, also wie gut ist wirklich eine Einzelseite auf einen Nutzer Intent optimiert, ist sicherlich nochmal höher.

Trotzdem gibt es natürlich einige Faktoren die sich auch auf die gesamte Domain auswirken. Sicherlich die Zuordnung auf ein gewisses Land, auf eine gewisse Region, ist da ein Faktor. Und alles, was sich eigentlich über die Search Console einstellen lässt.

Michael Janssen
Digital Analyst, zedwoo.de & BeyondPageviews Podcast

Ja, also wir hatten ja früher relativ schöne Faktoren. Wir hatten früher, glaube ich, so Sachen wie IP-Adresse, das man darauf gehen sollte. Oder dass halt mal gemutmaßt wurde, dass WHOIS Daten ausgewertet werden, damit man sieht wer die Domain hat.

Und ich glaube, das ist inzwischen alles weg. Also das, was gerankt wird, sind halt einzelne URLs und nicht mehr Domains. Und da wird einzeln entschieden was eigentlich rankt und was nicht. Und die Domain sind halt nur noch aggregierte Daten, die zwar helfen können die Domain zu bewerten, aber nicht fürs Ranking zählen.

Tobias Schwarz
Geschäftsführender Gesellschafter, Audisto GmbH

Ich glaube, es gibt einfach Faktoren die du gar nicht auf URL-Ebene erheben kannst. Also wenn du einzelne URLs hast die sehr wenig Traffic haben, dann wirst du mit den Daten, die du dort messen kannst, nicht viel anfangen können. Das bedeutet, dass du, wenn du das als Google in den Kontext einsortieren möchtest, das dann in irgendwelchen anderen, größeren Segmenten machen musst.

Du kannst, zum Beispiel, alle Seiten eines Typs zusammenfassen, oder alle Seiten auf einer Subdomain, oder alle Seiten auf einer Domain. Um dann gegebenenfalls zu sagen, so sind aber Klickraten, Verweildauern et cetera. Und deshalb denke ich schon, dass es noch Faktoren gibt die immer noch für eine einzelne Domain gelten. Nur das mögen heute wahrscheinlich andere sein.

Bei IP-Adressen bin ich voll und ganz dabei. Und wenn ich mir so CDN-Anbieter wie Cloudflare oder GoDaddy und so weiter anschaue – die hunderte oder teils Millionen von Domains auf denselben IPs liegen haben – da wird man sowas sicherlich nicht mehr heranziehen können, um da gut von schlecht zu trennen.

Raphael Raue
Head of SEO & Analytics, Spiegel Online

Ich sehe das auch so. Also ich glaube auch, sehr viele Faktoren von vor 10 Jahren sind mittlerweile passé. Es sind aber auch viele Neue dazugekommen. Und ich glaube tatsächlich die sowohl thematische als auch intentionale Einordnung deiner Domain ist immer noch wahnsinnig wichtig. Um gerade die URLs zu bewerten, die, wie du gesagt hast, nicht so wahnsinnig viel oder häufig Traffic bekommen oder bei denen Nutzer vorbei kommen. Selbst der Crawler kommt da nicht so häufig vorbei.

Und es gibt ja aber auch noch einen Faktor den wir häufig so ein bisschen vergessen: das Branding. Wenn wenn man sich wirklich die letzten 10 Jahre in den SERPs anschaut, dann sieht man dass wahnsinnig viele Domains groß geworden sind, die ein Thema voll umfänglich besetzt haben. Und das eben nicht nur bei SEO, nicht nur bei Google, sondern auch bei Social, die haben Fernsehwerbung geschaltet, die sind Experten in dem Thema geworden.

Und diese Faktoren sind schwierig zu benennen. Also ob das jetzt WDF*IDF ist – was ja auch eine Dokumentenbewertung ist, aber mehrere Dokumente mindestens mit einbezieht – oder eben, dass Nutzer sich deine Brand rausgreifen. Spiegel Online rankt häufiger auch nicht auf 1 und wird trotzdem höher geklickt als andere und dann rankst du ja eben auch wiederum besser. Also der Wiedererkennungswert.

Wir haben ja viele, auch gerade psychologische Faktoren in den Nutzersignalen drin: Was ich kenne, klicke ich. Oder ich kenne es schon und klicke es deswegen nicht, das kann dir auch passieren – das ist dann aber ein anderes Thema als SEO. Das sind ja alles Faktoren die beziehen sich irgendwie auf deinen Domainnamen.

Also mit einer Keyword-Domain muss ich heute glaube ich nicht mehr um die Ecke kommen, außer in ganz ganz kleinen Nischen. Aber wenn ich meinen Keywordnamen zu einer Marke gemacht habe, wenn ich eben für Tempo Taschentücher stehe – und da gibt es noch mehr Beispiele – dann hab ich es natürlich auch bei SEO viel leichter. Weil die Einschätzung der einzelnen URL für Google wieder wichtiger oder einfacher wird.

Johannes Beus
Gründer & Geschäftsführer, SISTRIX

Ja, ich glaub dass es generell halt so ist, dass, je weiter man in den Long Tail kommt, desto schwieriger wird es für Google. Das ist jetzt sowohl bei Keywords so, ich glaube Google hat mal gesagt, dass 30% der Keywords nur einmalig eingegeben werden. Da ist es für Google einfach wahnsinnig schwer bei so einem Keyword irgendwie sinnvolle Signale zu finden, weil es einfach keine gibt. Dann geht Google hin und guckt sich verwandte Suchbegriffe an, für die sie Signale haben, das heißt dann irgendwie RankBrain.

Aber es ist natürlich auch so, dass es ganz viele URLs gibt, wo es kaum Signale gibt. Also ich meine, wir gucken uns ja schon regelmäßig an: wieviele unterschiedliche Links zeigen auf einzelne URLs oder wie viele Social Signals gibt’s eigentlich auf einzelne URLs? Und dabei kommt dann immer raus, dass die meisten URLs überhaupt keine Signale haben. Die stehen irgendwie auf der Seite, die haben vielleicht interne Links, die haben natürlich eventuell mal ein bisschen Suchtraffic. Aber halt dieser ganze Long Tail an URLs, für den wird Google, in der Regel, keine Signale haben.

Von daher glaube ich schon, dass diese zusammenfassenden Geschichten – das, was wir so ein bisschen unter Vertrauen in Domains, in Trust und so weiter subsumieren und wo wir selber ,glaube ich, gar nicht wissen was es genau ist – für Google immer noch ein wichtiger Punkt ist. Ich glaube das sieht man dadurch, wenn Domain A auf Domain B umzieht dann dauert es meistens irgendwie ein paar Monate, bis dieser Trust mit umzieht.

Es gibt einfach viele Beispiele: beim Guardian hat man es bei dem Umzug von der einen auf die andere Domain gesehen. Es dauert ein paar Monate, bis Google diesen Trust mit umzieht. Und das ist glaube ich das was wir so als Domain-übergreifend oder als URL-übergreifende Domain-Faktoren sehen.

Tobias Schwarz
Geschäftsführender Gesellschafter, Audisto GmbH

Ich glaube, sie haben auch ein starkes Interesse daran in den Suchergebnissen Diversity zu erzeugen. Das bedeutet, sie versuchen Seiten aus unterschiedlichen Bereichen oder die Themen von unterschiedlichen Ansichten aus beleuchtet gleichzeitig darzustellen. Damit für den Nutzer alles abgedeckt wird.

Und das bedeutet wahrscheinlich dass sie versuchen werden, diese unterschiedlichen Arten von Seiten die es gibt – also ich sag mal Informationsseiten, transaktionale Seite, eine Nachrichtenseite – irgendwie zu katalogisieren. Wenn es geht auf Domain-Ebene oder auf Verzeichnis-Ebene, um dort einfach leichter Diversity erzeugen zu können.

Raphael Raue
Head of SEO & Analytics, Spiegel Online

Und das ist eben auch eine riesige Chance. Grade irgendwie so bei Verkaufskeywords haben wir mit unserer Domain, so stark sie auch ist, eigentlich wenig Chancen. Weil wir verkaufen nichts, das weiß Google.

Wir verkaufen auf unserer Seite keine iPhones. Trotzdem sind wir, wenn man nach iPhone sucht, eigentlich immer dabei. Genau wegen dieser Diversity. Eine News-Seite ist immer mit dabei, eine lexikalische Seite ist immer dabei. Und das ist dann auch nochmal eine Möglichkeit in SERPs reinzukommen, in denen du “eigentlich” nichts zu suchen hast, wenn man das eben so durchclustert und sagt “hier will jemand kaufen”.

Aber es erzeugt natürlich auch wiederum Trust in die Suchergebnisse, wenn man eben auch noch Hintergrundinformationen – meinetwegen auch Neuigkeiten oder nochmal eine Map oder was auch immer – bekommt. Und man darf dabei ja auch nicht vergessen, es geht nicht immer nur darum unsere Seiten zu verstehen. Sondern Google hat selbst einen Auftrag an seine Nutzer und das ist der Wichtigste: nämlich erstmal das Suchinteresse zu befriedigen und in ihre eigene Marke zu investieren.

Und genau da bieten sich wahnsinnig viele Möglichkeiten, die man sonst eben nicht hätte. Da muss man halt testen und beobachten. Und das sind häufig Domainfaktoren, das kann nicht eine einzelne URL sein. Also unsere iPhone-Seite ist dann auch nicht so stark, dass sie da was zu suchen hätte. Aber weil wir eine News-Domain sind kommen wir dann eben halt trotzdem da mit rein.

Hanns Kronenberg
Head of Marketing, SISTRIX

Prima, vielen Dank.