Das schwarze Gold – Wie der Vinyl-Boom die Suchergebnisse dominiert

Vom staubigen Dachbodenfund zum Lifestyle-Objekt: Die Schallplatte hat das Comeback des Jahrzehnts hingelegt. Doch wer kauft heute Vinyl, und was suchen diese Menschen online? In diesem SectorWatch analysieren wir, wie ein analoges Medium die digitale Suche erobert, welche Händler bei transaktionalen Keywords („Do“) führen und warum Community-Wissen („Know“) in dieser Nische so wichtig ist.

Der Physische Anker im Digitalen Zeitalter: Ein Marktüberblick

Um zu verstehen, warum Keywords wie Schallplatten kaufen (4.550) oder Schallplatten reinigen (900) oder Vinyl Player (1.650) trotz aller Streaming-Anbieter weiter in Relevanz zulegen, muss man auf die nackten Zahlen der Musikindustrie blicken. Was fast verschwunden und dann lange als Liebhaber-Nische galt, ist heute wieder voll im Trend.

Grafik, die die Umsatzentwicklung der deutschen Musikindustrie von 1984 bis 2024 in Euro zeigt.

Ein Blick in den Jahresreport des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) aus 2024 macht den Trend unmissverständlich klar:

  • Umsatztreiber Vinyl: Im Jahr 2023 wuchs der Umsatz mit Schallplatten in Deutschland um beachtliche 12,6 Prozent auf rund 162 Millionen Euro.
  • Wachablösung: Damit hat die Schallplatte die CD (Umsatzrückgang auf ca. 192 Mio. Euro) fast eingeholt und ist auf dem besten Weg, erstmals seit Ende der 80er Jahre wieder das umsatzstärkste physische Format zu werden. Grund hierfür ist vor allem die hohe Preisstabilität. Während CDs meistens für unter 20 EUR zu haben sind, kosten Vinyls nicht selten 30 und mehr.
  • Langzeittrend: In den letzten zehn Jahren hat sich der Absatz von Vinyl mehr als verfünffacht. Wurden 2013 noch knapp eine Million Platten verkauft, gingen 2024 bereits 4,9 Mio. LPs über die deutschen Ladentheken.

Diese Renaissance wird nicht nur von Nostalgikern getrieben. Zwar ist die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen im Jahr 2024 mit 36 Prozent die größte unter den Vinyl-Fans, aber auch jüngere Zielgruppen begeistern sich mehr und mehr für “das schwarze Gold”.

Ein Blick auf die Offiziellen Deutschen Vinyl-Charts (ermittelt von GfK Entertainment) zeigt, dass neben Klassikern wie Pink Floyd („The Dark Side Of The Moon“, “Wish You Were Here”) vor allem aktuelle Superstars wie Taylor Swift (“The Life of a Showgirl”, “The Tortured Poets Department”) oder Billie Eilish (“Hit me Hard and Soft”) die Verkäufe befeuern. Vinyl ist zum festen Merchandise-Bestandteil und Sammlerobjekt für die Gen Z geworden, wo sich Re-Entries und Neue Releases die Klinke in die Hand geben.

Dieser physische Konsum erzeugt einen massiven digitalen Informationsbedarf. Ein Medium, das Pflege benötigt, Platz verbraucht und technisches Verständnis erfordert, generiert komplexe Suchanfragen. Wer heute eine Platte für 35 und mehr Euro kauft, will wissen, wie man sie lagert, womit sie am besten abgespielt wird und wie man ihren Wert lagfristig erhält.

Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen in den Suchergebnissen (SERPs). Wir haben analysiert, welche Domains den Spagat zwischen „Kaufen“ und „Verstehen“ meistern, welche Domains bei einzelnen Clustern auffallen und wie sich Independent-Shops und die Big Player positionieren. Immerhin ist Europa der Kontinent mit den meisten physischen Plattenläden (ca. 4.000), während die USA das Land mit der größten Dichte (2.800) sind. Tokio ist hingegen die Stadt der Vinyl-Liebenden. In Deutschland führen Berlin, Hamburg und Köln diese Liste an. 

Wie bestimmen wir die Top-Domains zum Thema Schallplatten & Vinyl?

Um die führenden Domains im Bereich Schallplatten zu identifizieren, haben wir zunächst ein vollständiges Keyword-Set erstellt, das manuell strikt bereinigt wurde: Begriffe, die sich auf Vinyl-Bodenbeläge beziehen, wurden aussortiert, um den Fokus exklusiv auf das Musikmedium zu legen.
Dabei haben wir dieses Mal bewusst auf eine Untergrenze beim monatlichen Suchvolumen verzichtet, um auch hochspezifische Sammleranfragen (Long-Tail) vollständig zu erfassen. Bei Anlage der transaktionalen und informationalen Suchen konnten wir frühzeitig sehen, dass der Markt zwar eine spezifische Nische abdeckt, diese aber durch teils sehr spezifische Suchanfragen definiert ist, die kein regelmäßiges Suchvolumen pro Monat vermuten lassen.

Jedes Keyword haben wir anschließend einem klaren Suchintent zugeordnet: transaktional (z. B. „schallplatten kaufen“, „rare vinyl shops“, „beatles erstpressung wert“) oder informational (z. B. „plattenspieler justieren“, „schallplatten richtig reinigen“, „vinyl grading system erklärung“).
Auf dieser Basis erstellten wir zwei separate Keyword-Listen und werteten die SERPs getrennt aus. So wird ersichtlich, welche Domains den „Do“-Intent systematisch besetzen – etwa Plattenläden, Marktplätze oder HiFi-Händler – und wer im „Know“-Bereich als Autorität für Pflegehinweise, Katalogisierung oder Hardware-Tipps fungiert.

Für beide Listen gewichten wir die Rankings anhand der Position und des spezifischen Traffic-Potenzials und analysieren ergänzend SEO-Qualitätsfaktoren wie die Tiefe der thematischen Abdeckung (Genres, Pressungen, Zubehör), die Logik der Informationsarchitektur (Filterung nach Labels, Zuständen oder Jahren) und die interne Verlinkung.

Diese Trennung von transaktionalen und informationalen Clustern ist entscheidend, um zu erkennen, welche Domains die „Collector’s Journey“ ganzheitlich abdecken – und wo in der eigenen Strategie noch Lücken zwischen reinem Verkauf und thematischer Expertise bestehen.

Domain-Analyse: Wer sind die Top-Wettbewerber am Markt?

Erst die Trennung nach „Do“ und „Know“ offenbart, dass wir es in diesem Fall faktisch mit zwei unterschiedlichen Wettbewerbsfeldern zu tun haben in dem es kaum Überschneidungen bei den Domains gibt, die beide Intents abbilden. Dazu aber gleich mehr.

Im transaktionalen Bereich (Keyword-Cluster wie Schallplatten kaufen (20.280), JPC Vinyl (5.950)) zeigt sich ein Wettbewerb zwischen den uns bekannten E-Commerce-Riesen und einigen sehr starken Nischen-Domains, die sich vorwiegend auf physische Bild- und Tonträger spezialisiert haben sowie einigen Pure-Playern.

Keyword-Cluster "Schallplatten kaufen" mit Traffic, Klicks, CPC und Wettbewerbern.
  • Die Generalisten: Erwartungsgemäß dominieren Amazon und eBay durch ihre Autorität und Sortimentsbreite das Feld. Auch Kleinanzeigen.de spielt in unserem transaktionalen Set eine massive Rolle im Second-Hand-Markt.
  • Die Spezialisten: Bemerkenswert ist jedoch die Stärke der Fachhändler. Domains wie jpc.de, recordsale.de und vinylpladen.de behaupten sich mit enormer Sichtbarkeit in spezifischen Clustern.
    Die gute Kuration des Sortiments und Fachexpertise (z. B. genaue Zustandsbeschreibungen, spezielle Pressungen) sind hier ein entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber dem „Alles-Verkäufer“ Amazon.

Der informationale Bereich (Keywords wie „wertvolle schallplatten“, „plattenspieler einstellen“) bietet ein anderes Bild. Hier dominieren nicht mehr die Shops, sondern Plattformen, die Austausch und Wissen bieten:

  • User Generated Content (UGC): Die Spitzenplätze belegen mit  Reddit und dem Analog-Forum zwei UGC-Formate. Nutzer vertrauen bei Fachfragen massiv auf die „Schwarmintelligenz“ der Community. Auch Wikipedia und Discogs sind als Datenbanken führend in unserer Wettbewerberliste.
  • Content-Marketing-Maschinen: Spannend sind aber auch einige eher kommerziellen Player, die es schaffen, in diesen Bereich einzudringen. TeufelDE (eigentlich Hardware-Hersteller) rankt stark mit Ratgebern (z. B. zur Justierung von Plattenspielern) um den eigenen Käufern ein besseres Klangerlebnis zu bieten. Ebenso nutzt das Auktionshaus Von Bruehl seine Expertise für „Wertermittlungen“ im Vinyl-Bereich, um Traffic im oberen Funnel abzugreifen, bevor eine Transaktion stattfindet.

Einige Domains in unseren Listen schaffen es beide Intents zu verbinden und decken sowohl den informationalen Upper-Funnel als auch den transaktionalen Lower- und Lowest-Funnel ab.

  • Ein herausragendes Beispiel aus den Listen ist recordsaleDE. Der Anbieter ist nicht nur ein Top-Shop (Transaktional), sondern rankt auch mit Landingpages wie seltene Schallplatten (150) oder wertvolle Schallplatten (1.610) im informationalen Bereich sehr hoch.
  • Auch Discogs gelingt dieser Spagat perfekt, indem die Datenbank (Know) mit dem Marktplatz (Do) vernetzt wurde.
Keyword-Cluster "wertvolle schallplatten" mit Traffic, Klicks, CPC und Wettbewerbern.

Für Marktteilnehmer bedeutet dies: Wer nur Produkte listet, konkurriert in einem harten Preiskampf mit Amazon. Wer jedoch – wie Discods oder Recordsale – investiert, um Fragen zu beantworten (Pflege, Wert, Technik), baut einen vertrauensvollen Zugang zum Kunden auf, lange bevor der Kaufabschluss getätigt wird.

SectorWatch Vinyl - Top Domains der Do- und Know-Listen
#Domain (Do-Liste)Projekt-Sichtbarkeitsindex (Do-Liste)Domain (Know-Liste)Projekt-Sichtbarkeitsindex (Know-Liste)
1amazon.de273.68reddit.com189.04
2jpc.de142.91wikipedia.org82.06
3ebay.de138.3analog-forum.de79.38
4vinylpladen.de137.96amazon.de46.19
5recordsale.de136.48discogs.com43.63
6kleinanzeigen.de124.46teufel.de41.68
7reddit.com85.23recordsale.de32.83
8imusic.de65.99good-vinyl.de32.05
9discogs.com61.77gutefrage.net30.55
10medimops.de43.66momox.de29.43

Top 3 Domains für „Do” (transaktionaler Intent)-Suchen, basierend auf 382 Keywords:

  1. Amazon.de
  2. JPC.de
  3. Ebay.de

Top 3 Domains für „Know” (informationaler Intent)-Suchen, basierend auf 408 Keywords:

  1. reddit.com
  2. wikipedia.org
  3. Analog-Forum.de

Die Top „Do” Domains

Starten wollen wir die Do-Analyse mit einem Phänomen namens jpc.de. In den 1970ern mit zwei Tapeziertischen ins Platten-Geschäft gestartet, ist JPC auch im Online-Business seit 1996 zu Hause.

Von vielen vielleicht nicht als visuell modernste Website angesehen, dominiert JPC im audiophilen Bereich und rankt deutlich vor den Wettbewerbern in den wichtigsten Kategorien.

Der Erfolg der spezifischen Vinyl-Startseite basiert auf einem historisch gewachsenen, technischen Fundament, das von Google aufgrund seiner Beständigkeit und klaren Struktur positiv bewertet wird. 

Rankingverteilung für https://www.jpc.de/jpcng/vinyl/home.

Mit einer Historie, die selbst den SISTRIX Sichtbarkeitsindex vor Herausforderungen stellt (Ergänzung SISTRIX: Die Domain können wir mit Hilfe der Wayback Machine bis ins Jahr 2012 zurückverfolgen), schafft es die Übersichtsseite mit 19% aller Keywords auf die erste Seite der Suchergebnisse.

Die URL fungiert dabei als mächtiger Verteiler, der seine Link-Power effizient in eine enorme Sortimentstiefe weiterleitet. Google erkennt hier die historische „Bibliotheks-Struktur“, in der fast jede erdenkliche Variation einer Schallplatte indexierbar ist, was die Domain zur ultimativen Antwort für unzählige Long-Tail-Suchanfragen macht.

Vinyl-Bereich der Seite jpc.de.

Ein entscheidender strategischer Vorteil gegenüber Amazon und Co. ist zudem die aggressive Vorbesteller-Mechanik. JPC legt Produktseiten oft vor der Konkurrenz an, indem die URL generiert wird, sobald eine Platte angekündigt wird. Dadurch sammelt die URL historische Rankingsignale, noch bevor das Produkt überhaupt physisch auf dem Markt ist und Sammler können sie sich auf die Merkliste setzen bzw. teilweise auch vorbestellen. Aktuell sind LPs aufgefüllt, die einen Release-Termin Ende Juni 2026 haben und somit ein halbes Jahr im Voraus existieren.

Kaufangebot der Schallplatte "Selig: Selig auf 2 LPs" im Pop/Rock-Bereich der Seite jpc.de.

On-Page greifen dabei präzise optimierte Elemente, wie der exakt justierte Seitentitel, der die Haupt-Keywords „Vinyl-Shop“, „Schallplatten“ und „kaufen“ abdeckt, sowie eine Navigationsstruktur, die durch Filter nach Labels und Besonderheiten wie „180g Pressung“ wertvolle, statische Landingpages für Sammler erzeugt.

Nahezu alle dieser Landingpages sind Suchergebnisseiten (?searchtype), was vermuten lässt, dass JPC hier gezielt steuert, welche Seiten indexiert und nicht-indexiert werden sollen und welche Ergebnisse dort ausgespielt werden sollen. Ähnliches konnten wir z.B. schon bei den vergangenen SectorWatches erkennen, wenn OBI zu den stärksten Domains gehörte (vgl. Rasenmäher). Auch hier liegt der Fokus auf einer performanten Suche.

Auffällig ist, dass JPC keine Sub-Navi oder spezifische Unterkategorien bietet. Die gesamte Navigation im Shop wird, ähnlich wie bei Amazon, über die Suche im oberen Bereich gesteuert. Unterstützend gibt es auf der linken Seite bei größeren Viewports die Filter und Facetten, um auf die dort verlinkten Suchergebnisseiten zu gelangen.
Was zunächst irritierend wirkt, ist durch die Suchintention der Nutzenden erklärbar. Innerhalb der Haupt-Navigation kann sich für die gängigsten Musik-Richtungen (z.B. Rock/Pop) und die Art des Datenträgers (Vinyl, BluRay) entschieden werden. Anschließend wäre jede Form der Navigation unhandlicher und zeitintensiver als das Eingeben des Interpreten oder Albumtitels, das durch Autocomplete und weitere Vorschläge noch weiter vereinfacht wird.

Insgesamt schafft es die Seite mit über 4.000 Keywords weltweit sowie 2.822 innerhalb von Deutschland in die Top-100, während fast 600 in den Top 10 platziert sind, wovon wiederum 26% 3-Wort Kombinationen sind, was die Bedeutung des verlinkten Longtail ebenfalls stützt.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass JPC eine verdiente Top-Domain in diesem Segment ist. Die schiere Masse an Produktseiten, die sehr lange Historie der Domain und der Brand, sowie die saubere Datenstruktur ermöglichen den Besuchenden das zu finden, was sie suchen. Sei es ein seltener Import einer japanischen Pressung eines Indi-Künstlers oder die neue LP eines aufkommenden Pop-Sternchens. Wie eine gut aufgeräumte Uni-Bibliothek ist zwar nicht alles sexy gelöst, aber für jedes noch so kleine Thema lässt sich die passende Platte finden. 

Die besten „Know“-Content Beispiele

Die besten “Know”-Contents lassen sich in diesem SectorWatch in vier Kategorien gliedern:

  1. Tutorials & How-Tos (z.B. Teufel)
  2. Best-of Listen (z.B. VonBruehl)
  3. Vertrauensaufbau (z.B. Momox, Medimops)
  4. Nischen-Themen und UGC (z.B. Foren & Aggregatoren)

Fangen wir daher bei dem vermeintlichen Exoten unter den Top-URLs an. Das Auktionshaus von Brühl

Von Andreas Graf von Brühl 2015 gegründet, hat das Auktionshaus eine Historie, die in die 1970er zurückreicht. Wie gut das Unternehmen die Vorteile des Online Businesses versteht, lässt sich am Blog und dem Shop erkennen. Hier werden Auktionen von historischen Andenken bis LEGO und Fußballtrikots angeboten, während sie im Blog beschrieben oder im Zeitgeschehen eingeordnet werden. Schließlich ist Sammeln zuallererst ein sentimentaler Wert.

Mit der URL der wertvollsten Schallplatten schafft es von Brühl auf Rang 1 bei den informationalen URLs. Alle acht high-intent Keywords schaffen es in die Top-10 und zeigen, wie relevant diese URL innerhalb des Clusters für wertvolle Schallplatten ist. Besonders mobil überzeugt die Seite:

Startseite der Domain Von Brühl.

Das Thema des Beitrages ist aus psychologischer Sicht ein interessanter Trigger. Herauszufinden, ob Omas Schätze auch für andere Personen einen Wert haben oder zu schauen, was sich tatsächlich auf dem Dachboden an spannenden Dingen befindet, ist der Ausgangspunkt dieser informationalen Suche. 

Zudem liefert diese Art an Topseller-Liste auch immer eine Motivation, sich eingehender mit dem eigenen Besitz auseinanderzusetzen: Ist das Beatles “White Album” im heimischen Plattenschrank mit einer Matrizennummer oder ohne? Ist das ein Kuli-Strich oder könnte es die Signatur von Ringo Starr sein?

Fragen über Fragen und die Aussicht auf sechsstellige Beträge machen diese Listen zu einem spannenden Ausgangspunkt um sich mit Platten zu beschäftigen. 

Rankingverteilung für https://vonbruehl.com/die-wertvollsten-schallplatten/.

Über 33% Seite 1 Rankings und 533 Keyword-Platzierungen in Deutschland sprechen hier eine deutliche Sprache. 

Kern dieser Top-URL ist die Tabelle mit den 50 teuersten Schallplatten-Verkäufen der Welt. Die teuerste, je verkaufte LP ist nebenbei “Once Upon A Time In Shaolin” vom Wu-Tang-Clan, welche 2015 für fast 2 Mio. EUR auf einer Auktion gekauft wurde. Auf Rang drei befindet sich das von Ringo Starr unterzeichnete “White Album” der Beatles mit der Seriennummer 0000001. Beides eher Alben, die man nicht im Schrank hat und die auch ein JPC nicht anbietet. 

Handwerklich ist die Seite gut aufgestellt und überzeugt durch viele weiterführende Links zu Datenbanken und Preislisten sowie Erklärungen, warum dasselbe Album eines Interpreten einerseits sehr viel und dann wieder gar nichts wert sein kann. 

Aus Sicht des Auktionshauses von Brühl macht so eine Liste ebenfalls Sinn, da sie bei der Filterung der Zielgruppe hilft. In erster Linie ziehen sie damit Interessenten an, die sich vorab informieren wollen und denen sie dann an verschiedenen Stellen im Text die Möglichkeit der Ansprache geben. Zudem kann hierdurch gut der transaktionale Zweck der Seite (wir sprechen schließlich von einem Auktionshaus) in den Hintergrund rücken und eine Vorqualifikation der Besuchenden stattfinden. 

Der holistische Content ist zudem informativ, aber leicht pflegbar. Die Tabelle kann, sofern sich in den 2000ern ein zweiter Plattenverkauf dieser Größenordnung anbahnen sollte, jederzeit angepasst werden. Der Rest ist weitestgehend Evergreen Content und bestätigt die wichtigsten Merkmale für wirklich wertvolle LPs. 

Startseite der Domain analog-forum.de.

Auf Rang drei der informationalen Liste befindet sich mit dem Analog-Forum.de ebenfalls eine spannende Domain. Hervorgegangen aus dem “Analogue Audio Association – Verein zur Erhaltung und Förderung der analogen Musikaufnahme und -wiedergabe e.V.” ist das Forum, ähnlich wie die Schallplatte, ein scheinbares Relikt aus vergangenen Zeiten, das sich neuer Beliebtheit erfreut. 

Seit Ende 2022 konnte das Forum in der Sichtbarkeit von 0,25 auf teilweise 1,02 zunehmen. Ein Umstand, der nur wenigen Foren in einer Post-Panda Ära zuteil wurde. 

Sichtbarkeitsindex für die Domain analog-forum.de seit 2016.

Das Analog-Forum ist der Gegenpol zu den glatten Hochglanz-Magazinen und Blogs sowie den optimierten Ratgebern, die es für gewöhnlich in diese Listen schaffen. Hier rankt keine redaktionelle Strategie oder systematisch recherchierte Content-Cluster sondern geballte, oft sehr spezifisches Leidens-und Erfahrungswissen einer homogenen Community. Mit einer Projekt-Sichtbarkeit von 79,38 im informationalen Bereich ist das Forum ein echtes Schwergewicht und besitzt fast das Doppelte von Discogs (43,14), Good-Vinyl (32,37) oder Gutefrage (30,55). 

Analog-Forum dominiert dort, wo Nutzer echte Probleme haben und offizielle Anleitungen versagen oder wo sie das Schwarmwissen von vermeintlichen Experten benötigen. Longtail-Kombinationen wie:

  • Schallplatte knistert (80)
  • Schallplatten Reinigungsmittel selber machen (30)
  • Led Zeppelin Schallplatten Wert (40)
  • Schallplatten Kratzer entfernen (10)
  • Schallplattennadel einstellen (100)
  • Schallplatte eiert (30)

haben zwar nur ein geringes monatliches Suchvolumen, bedienen aber emotionale Bereiche der Sammler: Diagnose, Restaurierung, Materialkunde, um nur drei zu nennen. Hier hat das Forum neben der langen Historie den Vorteil, dass sie die ganze semantische Breite der Suchenden abdecken. Während die meisten anderen Wettbewerber die sauberen Begriffe wie “Antiskating justieren” arbeiten, bedient das Forum die direkte Suchintention bei der Frage: “Hilfe, meine Nadel rutscht immer nach innen weg”.

Mittlerweile erkennt Google diese umgangssprachliche Beschreibung im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt des Forums und kann die direkte, von anderen Nutzern generierte Antwort auf diese Frage liefern. 22.728 Mitglieder sowie über 360 Beiträge pro Tage zeigen zudem, dass das Forum aktiv genutzt und gepflegt wird.

Fazit

Die Analyse des Schallplatten-Marktes in Deutschland zeigt, dass auch Nischenthemen ein spannendes Wettbewerbsumfeld bieten können. Es gibt kaum Überschneidungen zwischen transaktionalen und informationalen Domains, da kaum eine in beiden Listen unter den Wettbewerbern auftaucht. 

Im “Do”-Bereich (Kaufen) zeigt sich, dass kleine Spezialisten die Generalisten herausfordern können. Spezialisten wie JPC, HHV & Recordsale zeigen, wie man nicht nur überlebt sondern auch führend in diesem Gebiet sein kann. Der Schlüssel für diese Spezialisten liegt in der Daten-Tiefe (Katalogisierung, Pressungen, Zustände) und der Geschwindigkeit (Vorbesteller-Management) und den Kenntnissen des Marktes. 

Der “Know”-Bereich lebt von Marken, Experten und Foren, welche die Themen rund um LPs behandeln. Von sehr spitzen Themengebieten über eine vollumfängliche Wissensdatenbank rund um das Thema Vinyl ist alles vertreten. 

Zusammenfassend liefert der SectorWatch dieses Mal die Erkenntnis, dass auch ein kleines Thema eine große Bandbreite an Domains bedient, die großen Mehrwert für Fans und Liebhaber generieren kann. Unabhängig davon, ob es darum geht, ein neues Lieblingsstück zu erwerben oder das alte zu retten.

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