Alexa – Hokuspokus oder brauchbare Daten?

Johannes Beus
Johannes Beus
9. August 2007
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die Daten von Alexa scheinen seit einiger Zeit wieder eine Renaissance zu erleben. Nachdem jahrelang ziemliche Ruhe um diese höchst umstrittenen Besucherzahlen war, sehe ich sie jetzt häufiger in Blogpostings und es soll sogar schon Leute gegeben haben, die sich an die Optimierung dieser Kenngröße gewagt haben – höchste Zeit also, mal zu gucken, was es damit auf sich hat. Was macht Alexa eigentlich? Alexa wurde bereit 1996 gegründet und gehört seit 1999 zu Amazon. Als Anbieter der Alexa-Browser-Toolbar werden Informationen zu Webseiten gesammelt, die User dieser Toolbar besuchen. Alexa errechnet daraus jetzt eine Rangfolge, den Alexa-Traffic-Rang. Dabei steht die Seite mit den meisten Besuchen auf Position eins, je weniger Besucher eine Seite hat, desto größer wird dieser Wert.

Wie genau sind die Daten?
Allerdings ist in der Vergangenheit immer wieder die Frage aufgekommen, wie zuverlässig diese Daten überhaupt sind. Peter Norvig hat beispielsweise die Alexa- sowie reale Besucherzahlen einiger Seiten, von denen er diese Daten hatte verglichen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zahlen mit gebotener Vorsicht zu genießen sind. Die Idee, reale und Alexazahlen zu vergleichen ist gut und da einige größere Counterdienste dankenswerterweise öffentliche Toplisten führen, habe ich das für rund 1000, bunt gemischte deutsche Seiten gemacht. Im folgenden Diagramm wurde der durchschnittliche Alexa-Traffic-Rang für Intervalle von realen, als durch den Counterdienst gezählten, Besuchern aufgetragen.

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Wie man sieht, scheint der Traffic-Rang eher einer Zufallsfunktion als einer verlässlichen Grundlage zu entstammen und keine Beziehung zu den wirklichen Zahlen aufzuweisen – allenfalls bei sehr gut besuchten Seiten mit über 40.000 Visits pro Tag scheint die Tendenz des Traffic-Rangs in die richtige Richtung zu gehen.

Garbage in, Garbage out?
Das Problem von Alexa besteht im systematischen Fehler, der bereits bei der Sammlung der Daten gemacht wird. Jeder, der will, kann sich die Alexa-Toolbar installieren und damit zu den Alexadaten beitragen – dabei erfolgt keine Kontrolle, ob die zuliefernden Toolbars überhaupt ein realistisches Abbild der Internetteilnehmer darstellen. So hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass gerade SEOs und Webentwickler die Toolbar installiert haben und die Statistik somit stark verfälschen. Abakus wird derzeit etwa auf Position 1.250 geführt, dieses Blog bei rund 50.000. Beides Positionen, die die Realität nicht im Geringsten wiederspiegeln. Heißt das nun, dass man die Alexadaten komplett vergessen kann? Am einfachsten wäre es, leider bietet sonst kein kostenloser Dienst bessere Daten an. Wenn man jetzt um die Probleme bei der Datenerhebung weiß und sie bei der Auswertung entsprechend berücksichtigt, so kann man trotzdem häufig Aussagen aus den Alexazahlen ziehen. So ist der Graph hier rechts ein Vergleich von zwei Preisvergleichsportalen über das letzte Jahr. Beide dürften in etwa den gleichen Mix aus Besuchern haben und bleiben somit, zu mindestens grob, vergleichbar. Auch die Entwicklung der Besucher einzelner Seite kann sich häufig bei Alexa ablesen lassen.

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Kommentare
uwselbst   
9. August 2007, 20:32

alle drei monate kurz vor dem pr-update, überlegen sich irgendwelche webmaster immer neue möglichkeiten eine seite zu bewerten … und dieses jahr ist es mal wieder der alexarank. man kann mit dem alexarank eventuell zwei seiten mit dem selben thema vergleichen, aber sobald das thema und somit die zielgruppe sich verschiebt, ist der blaue balken recht nutzlos …

ich find diesen wert so ganz nett, aber mehr leider nicht …

Johannes   
10. August 2007, 07:43

Das Problem ist einfach, dass es derzeit keine bessere und kostenlose Quelle gibt, die einem einen Anhaltspunkt zum Traffic einer Webseite, die einem nicht gehört, gibt. Solange da nichts kommt werden wir uns mit Alexa und dessen Schwächen weiter rumschlagen müssen …

Peer Wandiger - Selbständig im Netz   
10. August 2007, 08:30

Ja leider muss ich Johannes zustimmen. Es gibt leider kaum einen Anhaltspunkt. Der einzige, der wirklich verlässliche Daten über Traffic hat, rückt sie nicht raus. Google könnte schon relativ genau die Popularität von Websites bekanntgeben, will aber nicht. Was man auch verstehen kann.

Johannes   
10. August 2007, 08:38

Hitwise hat gute Daten. Die kaufen komplette Logfiles von US-Providern auf und generieren daraus ihre Statistiken. Hat den Vorteil, das die Datenbasis wirklich breit und repräsentativ ist. Wie das in Deutschland mit dem Datenschutz bei sowas aussieht, weiss ich allerdings nicht. Ausserdem sind die Zugänge zu Hitwise nicht gerade günstig.

Olaf   
10. August 2007, 10:02

Ich denke, dass man die Alexa-Daten nicht unbedingt fürs Ranking aber für die Besucherentwicklung benutzen kann. Auch das ist nicht hundertprozentig wasserdicht, siehe Alexa-Optimierungen, aber es gibt so grob die Entwicklung von Sites an.

Uwe   
10. August 2007, 10:59

Schöner Beitrag, dem evtl. noch hinzuzufügen ist, dass das Alexa-Panel in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ist und man zB. die Bewertung der Daten in DE nicht zwangläufig mit der Bewertung in US vergleichen kann. Vergleicht man branchengleiche Seiten mit einem Rank < 10.000 miteinander, kommen in der Regel ähnliche Daten wie von Comscore oder Nielsen raus. Vielleicht kannst du die gleiche Analyse mal mit Netcraft Trafficrank Daten durch laufen lassen, um Netcraft Daten mit Alexa Daten zu vergleichen. Das Netcraft-Panel ist nicht ganz so marketinglastig und wir mehr von Technikern genutzt… da diese Userschicht Alexa seit je her als Malware einstuft und aus Prinzip nicht nutzt.

Adgo   
10. August 2007, 21:19

Die Frage ist, positionieren Webseiten in den Suchergebnissen von Alexa auch besser, mit höherem Alexa-Rank, oder ist es lediglich eine Aussage (bzw. keine Aussage) über den Traffic einer Seite.

Johannes   
10. August 2007, 21:29

Eine Rückklopplung zu den Google-SERPs kann definitiv ausgeschlossen werden – da besteht absolut kein Zusammenhang.

tingeltangeltill   
10. August 2007, 22:14

Bei mir ist der Alexa-Rank ein Zusatz in einem Firefox Addon. Ich habe eine neue, noch niemals registrierte Domain seit ca. 1,5 Monate, auf der max 3 Pcs/User waren, hauptsächlich bin ich dort unterwegs…die Seite hat dadurch einen Rank von 1,2 Mio bekommen….

Christian Schmidt   
11. August 2007, 00:40

Tja so leicht kann man den Alexa Rank verändern einfach selber drauf surfen 😉

Adgo   
11. August 2007, 01:31

Kein Zusammenhang zu den Google-SERPs. Aber wie schaut es mit den Alexa-SERPs aus?

Somasundaram   
11. August 2007, 09:18

Schade, dass Compete in Deutschland kaum verbreitet ist. Hat für mich die eindeutig bessere Technik.

Johannes   
11. August 2007, 10:30

Ja, Compete hat sicherlich auch einen interessanten Ansatz dadurch, dass sie viele, unterschiedliche Datenquellen nutzen. Leider, wie so häufig, nur auf den US-Markt bezogen und für Deutschland nahezu wertlos.

Johannes   
11. August 2007, 10:31

Adgo, mag sein, dass der Alexa-Rank in die SERPs von Alexa selber eingehen (seit Ende letzten Jahres haben die ja einen eigenen Index) aber ehrlich gesagt ist das vollkommen uninteressant, da der Marktanteil von Alexa, was Suchen angeht, nahe null liegen dürfte.

Georg Grohs   
14. August 2007, 08:37

Alexa hat für mich NULL praktische Bedeutung. Was für einheimische Angebote zählt, sind die SERPs in den deutschen Ausgaben sowie die daraus resultierenden Zugriffe. Alexa hilft dabei nicht die Bohne, zumal die Toolbar hierzulande gegen Google, Yahoo, etc. keine Chance hat, sogar Firefox im Original ist besser.

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