Im Oktober hat sich bei ChatGPT viel verändert, das meiste davon in einer einzigen Nacht. Drei dieser Änderungen sind für die Sichtbarkeit in ChatGPT und für die Webanalyse wichtig.
OpenAI rollt GPT-6 seit dem 7. Oktober in ChatGPT aus, zuerst für zahlende Nutzer. Wir haben in unseren täglichen ChatGPT-Abfragen nachgesehen, was davon bei Nutzern ohne Login ankommt und was sich dabei sonst geändert hat.
Am 9. Oktober stellte ChatGPT über Nacht um
Bis zum 8. Oktober kamen alle Antworten in unseren Daten in der gewohnten Form: Fließtext mit Zitaten und einer Quellenliste am Ende. In der Nacht zum 9. Oktober änderte sich das innerhalb weniger Stunden. Bis 14 Uhr am 8. Oktober zeigte keine einzige Antwort die neue Form, am 9. Oktober ab 3 Uhr fast jede. In den Tagen danach lag der Anteil bei 69 bis 95 %, seit dem 23. Oktober bei 97 bis 100 %.
In der neuen Form schreibt ChatGPT nicht nur Text, sondern baut die Antwort aus Bausteinen zusammen: Abschnitte, Bilder, Vergleichszeilen und Quellen-Kacheln, die sich aufklappen lassen. Der Wechsel kam am selben Tag in allen sechs Ländern, die wir dafür ausgewertet haben: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Großbritannien, die USA und Spanien.

Ob dahinter GPT-6 steckt, lässt sich nur indirekt zeigen. Bis Ende September stand an jeder Antwort, welches Modell sie geschrieben hat: in 92,2 % der Fälle GPT-5.6, in 7,8 % GPT-5.6 mini. Seit Anfang Oktober fehlt diese Angabe. Einen Modellnamen nennt die Seite aber weiterhin, wenn eine Sitzung ihr Kontingent erreicht hat. Bis zum 30. September war das an jedem Tag GPT-5.6. In der ersten Oktoberwoche taucht gar kein Modellname auf. Seit dem 9. Oktober steht dort an jedem Tag gpt-6-auto, mit dem Hinweis „Du nutzt unser Basismodell. Melde dich an oder registriere dich für mehr Leistung“. Das spricht dafür, dass auch Nutzer ohne Login seit dem 9. Oktober GPT-6 bekommen, zwei Tage nach dem Start für zahlende Nutzer.
So haben wir gemessen
SISTRIX fragt für AI Check und das Prompt Tracking jeden Tag Hunderttausende Prompts in ChatGPT ab, ohne Login, so wie ihn jemand ohne Account sieht. Für diese Auswertung haben wir eine Zufallsstichprobe daraus für den Zeitraum vom 15. September bis zum 28. Oktober 2026 ausgewertet.
Eine Woche lang fehlte der UTM-Parameter
ChatGPT hängt an jeden Link, auf den ein Nutzer aus einer Antwort heraus klickt, den Parameter utm_source=chatgpt.com an. Daran erkennen Analysetools wie Google Analytics, dass ein Besuch aus ChatGPT kommt. Bis zum 8. Oktober trug in unseren Daten jeder Quellenlink diesen Parameter. Vom 9. bis zum 15. Oktober waren es je nach Tag nur noch 1 bis 24 %, am 16. Oktober 42 %. Seit dem 17. Oktober steht er wieder an 99 bis 100 % der Links. Das deckt sich mit Berichten aus der Branche, die die Lücke auf den 8. bis 15. Oktober datiert hatten. In unseren Daten beginnt und endet sie jeweils einen Tag später.

Betroffen waren nur Antworten in der neuen Form. Deren Links sind außerdem mit rel=“noopener noreferrer“ versehen, der Browser übergibt beim Klick also keinen Referrer. Ohne UTM-Parameter bleibt der Webanalyse damit nichts, woran sie einen Besuch aus ChatGPT erkennen kann. Solche Besuche erscheinen als direkte Zugriffe.
Wer zwischen dem 9. und dem 16. Oktober weniger Besuche aus ChatGPT und gleichzeitig mehr direkte Zugriffe sieht, hat deshalb sehr wahrscheinlich keine Sichtbarkeit verloren. Es lohnt sich, diese Tage in den Berichten zu kennzeichnen, bevor jemand daraus einen Trend ableitet.
Die Quellenliste verschwand für zwei Wochen
Mit der neuen Form änderte sich auch, wie ChatGPT seine Quellen zeigt. Die Zitate im Text blieben: Vor dem Wechsel enthielten 72,4 % der Antworten mindestens eine Quelle, danach 76,2 %. Die Quellenliste am Ende der Antwort verschwand dagegen fast vollständig. Vom 9. bis zum 22. Oktober hatten nur noch 1 bis 19 % der Antworten eine solche Liste, vorher waren es rund 72 %. Seit dem 23. Oktober ist sie zurück und steht unter 70 bis 84 % der Antworten. Wer zitiert wurde, blieb also sichtbar, nur an anderer Stelle: in Kacheln direkt am jeweiligen Absatz.

Mehrere Beobachter berichten außerdem, dass ChatGPT seit dem Modellwechsel häufiger verlinkt. In unseren Daten steigt die Zahl der verlinkten Seiten je Antwort von 3,3 auf 4,1, die Zahl der verschiedenen Websites von 2,3 auf 2,9. Prompts, die im ganzen Zeitraum abgefragt wurden, zeigen dieselbe Bewegung, an einer veränderten Auswahl der Fragen liegt es also nicht. Ob es am Modell liegt, können wir trotzdem nicht sicher sagen: Der Anstieg kam in zwei Stufen, am 9. Oktober und noch einmal um den 22. Oktober, und beide Male fällt er auf Tage, an denen ChatGPT die Darstellung umgebaut hat. Bei der Art der zitierten Websites hat sich wenig verschoben. Hersteller und Institutionen werden etwas häufiger zitiert, Verlage etwas seltener, die Abstände liegen bei zwei bis vier Prozentpunkten.
Ob und mit welchen Seiten die eigene Marke in ChatGPT genannt und zitiert wird, zeigt SISTRIX AI Check, für eigene Fragen täglich das Prompt Tracking. Beides lässt sich mit einem kostenlosen Testaccount ausprobieren.
