Google hat Wikipedia wieder lieb

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
9. März 2009 19 Kommentare

Anfang Dezember sah‘ es so aus, als hätte die innige Freundschaft zwischen Google und Wikipedia erste Risse bekommen. Von einer Woche auf die andere ging es für eine ganze Reihe unterschiedlicher (und zumeist stark umkämpfter) Keywords für die Inhalte von Wikipedia deutlich nach hinten in den SERPs – Marcus hatte damals dazu etwas auf Linkvendor geschrieben. Letzte Woche konnte ich nun beobachten, dass man bei Google in der Angelegenheit offenbar nachjustiert hat. Beispielhaft sieht man das hier für das Keyword „Tagesgeld“:

SERPS Tagesgeld
Ein sehr ähnlicher Verlauf lässt sich für unzählige weitere Keywords beobachten: Anfang Dezember ging es runter, jetzt wieder deutlich nach vorne auf die alten Plätze. Ich habe die Liste mit diesen Keywords mal durchgesehen – allen gemeinsam ist, dass es in der Regel Einzelkeywords mit einer Menge Traffic und kommerziellem Hintergrund sind. Weitere Beispiele wären „apotheke“, „fliesen“ oder auch „arbeitszeugnis“.

Dass das sehr gute Ranking von Wikipedia nicht gottalgorithmus-gegeben ist, sondern manuell etwas nachgeholfen wird, hat Google bereits vor einiger Zeit bestätigt. Obwohl ich zu den Hintergründen der Aktion nichts Genaueres weiß, finde ich sie aus zwei Gründen interessant. Zum einen hat Aaron Wall vor einer Woche auf Seobook.com in einem Posting gezeigt, dass bei ähnlichen Keywords wie denen da oben in den USA seit einigen Wochen starke (Offline)-Marken extrem gut ranken. Matt Cutts hat daraufhin verkündet, dass man bei sehr wenigen, aber offenbar trafficstarken Keywords Änderungen am Algorithmus vorgenommen habe, die Sachen wie „Trust“ weiter in den Vordergrund stellen. Das kann ich in Deutschland zwar (noch) nicht beobachten, aber vielleicht ist die Wikipedia-Geschichte ein Vorbote davon. Zum anderen könnte ich mir vorstellen, dass Google einen – zugegebenermaßen recht umfangreichen – Test zur Nutzerzufriedenheit gefahren hat. Auf der Ranking-Faktoren-Session auf der übrigens richtig guten SEO-Campixx letztes Wochenende in Berlin war der mögliche Einfluß des Nutzerverhaltens auf die SERPs in einer gemeinsamen Session mit Stefan und Mediadonis und mir noch ein Thema – vielleicht konnte man sowas hier beobachten. Gerade, da nicht alle Keywords, bei denen Wikipedia abgefallen ist jetzt zurückgekommen sind, könnte ich mir das vorstellen.

9. März 2009, 22:56

Interessante These, bin gespannt, wie sich das weiterhin entwickelt. Da Stefan in seiner (sehr geilen) Session unter anderem aufzeigte, dass bei gleichbleibender Keyworddichte im Schnitt die Seiten mit haeufigerem Vorkommen des Keywords besser ranken, lese ich daraus, dass diese Seiten mehr Inhalte haben, also laengere Texte. Klar, bei gleicher Keyworddichte aber haeufigerem Vorkommen der Woerter. Das resultiert dann recht klar – so zumindest meine Deutung der Statistiken – in „Content is king“. Da laengere (gute) Texte auch meistens den Nutzer dazu bewegen, laenger auf der Seite zu verweilen, koennte das durchaus ein Signal fuer die in den letzten beiden Saetzen erwaehnten Faktoren (Nutzerverhalten) sein. Bleib dran!

10. März 2009, 07:18

Warum Wikipedia von Google so hochgelobt wird, ist mir unbegreiflich. Das ganze Projekte wimmelt nur so von gezielten oder zufälligen Fehlinformationen. Gehört man nicht zum erlesenen Kreis der Stammautoren hat man meist keine Chance die Fakten richtigzustellen.

Gut, Wikipedia ist kein Konkurrent, aber dass es für fast jedes Keyword ganz oben steht halte ich doch für mächtig übertrieben. Was soll der Sinn dahinter sein?

Dass Content King ist, konnte ich bei meinen Projekten auch schon feststellen – nur kann Google halt nicht unterscheiden ob der Content auch korrekt ist. Da gilt dann wieder das alte Prinzip: „Wer am lautesten schreit hat Recht“ – vielleicht schreit Wikipedia nur am lautesten 🙂

Gerhard Zirkel

chrheu
10. März 2009, 10:18

Wenn ich mich über Themen informieren will, fallen mir wenige Seiten ein, die bei einem bestimmten Keyword unbedingt an erster Stelle stehen müssen. Wikipedia ist erstmal ein Aggregat von Wissen und schafft einen ersten Überblick. Wenn man sich dann genauer informieren will, kann man exakter googlen und findet detailliertere Ergebnisse.

„Informationsseiten“ (nennen wir sie besser Affiliateseiten oder SEO-Projekte) zu bestimmten Themen sind nicht sachlich, da sie meist in eine gezielte Richtung informieren. Zudem ist es wohl unstrittig, dass die erste Anlaufstelle von solchen Webmastern Wikipedia ist. Und noch weniger strittig ist, dass sich die Autoren der Seite oft genauso wenig mit dem Thema ihrer Seite auskennen und die Informationen lediglich erlesen und zusammengetragen haben.

Ich habe daher kein Problem mit den Wikipedia-Platzierungen in den Suchergebnissen.

PS:
Bisher wurden meine Korrekturen in der Wikipedia immer akzeptiert, obwohl ich nur einen unbekannten Account benutze.

10. März 2009, 11:55

Gab es nicht irgendwo mal ein Statement von M.C., dass es das Ziel von Google sei, bei jeder Suchanfrage den entsprechenden Wikipedia-Eintrag, notfalls durch manuelle Eingriffe, auf der ersten Seite zu präsentieren? Habe sowas im Hinterkopf, finde es aber grad nicht mehr…

10. März 2009, 13:06

Google hat Wikipedia wieder lieb – SISTRIX Suchmaschinen- & SEO-Blog (via FriendFeed) http://tinyurl.com/cgcxqg

10. März 2009, 17:28

Daran erkennt man sehr geldlastige Keywords; wenn Wiki in den Top 10 nicht vertreten ist. 🙂

10. März 2009, 19:32

@sissilogger: Sehr interessanter Gedanke. Sollte man jetzt die Keywords suchen, wo Wikipedia nicht unter den Top 10 platziert ist, damit man weiß, welche die geldlastigen Keywords sind 😉

Ralph

10. März 2009, 19:55

Naja. Wenn man ehrlich ist, hätte man auch nicht erwartet, dass Google Wiki lange an der langen Leine halten würde. Dafür hat Wiki einfach zu viel Mehrwert!

10. März 2009, 20:09

Ich frage mich nur, warum Google Wikipedia nicht gleich ganz aus dem normalen Index ausgliedert und einfach darüber anzeigt. Das wäre konsequent, denn entweder ich habe einen auf Algorithmen basierenden Index oder nicht.

Aber dieser Mischmasch hat doch auf Dauer auch keine Zukunft.

Gerhard Zirkel

10. März 2009, 22:04

Ich würde mich da sissilogger anschließen. Traffic-starke Moneykeywords erkenne ich demnach daran, dass Wikipedia nicht in den Top-10 vertreten sind…Es bleibt also spannend.

sissilogger
10. März 2009, 23:35

@ Ralph: Ob man das sollte, oder einen Nutzen daraus genießen will, kann jeder für sich selber entscheiden :o) Aber es ist jedenfalls so.

P.S.: Man kann auch mit Nischen Erfolg haben, bei denen Wiki auf Platz 2 steht ;o)

12. März 2009, 02:07

Ich will keine Alexa-Diskussion vom Zaun brechen, aber der dramatisch aussehende Verlauf oben dargestellter Kurve relativiert sich hier (Kurven fallen darüber hinaus nicht gut zusammen):

http://www.alexa.com/data/details/traffic_details/wikipedia.org?site0=wikipedia.org&y=r&z=3&h=300&w=470&c=1&u%5B%5D=wikipedia.org&x=2009-03-12T01%3A07%3A47.000Z&check=www.alexa.com&signature=dch%2BvxcV8PgB2Rk65Bh%2Fnh%2FQ1vU%3D&range=6m&size=Medium

Ob das wirklich ein „Wikipedia-Phänomen“ ist – oder eher eins der jeweiligen Keywords an denen sie rumgespielt haben mögen?

-luzie-

12. März 2009, 17:05

Das Nutzerverhalten könnte deutlich für Wikipedia sprechen, da Wikipedia oftmals lange Texte mit vielen Informationen liefert. Dies bedeutet hohe Anzahl Keywords und hohe Aufenthaltszeit der User.
Daher passt Wikipedia ideal in das von Johannes dargestellte Kriterium.

17. März 2009, 11:55

Beobachtung kann ich für meinen bereich zauberer auch bestätigen. Lange Zeit war Wikipedia dort nicht vertreten. Auf einmal verdrängt es seiten von den vorderen Plätzen.

Ich frage mich allerdings was für einen Sinn macht es wenn Wikipedia die ersten 5 Plätze die wirklich geklickt werden belegt, wo doch jeder halbwegs mündige Internetuser von sich aus bei Wikipedia sucht bevor er zu Google geht wenn er eine Begriffserklärung sucht.

Vielleicht sollten solche Einträge als „Deinitions“ getrennt aufgelistet werden die die Auszüge aus dem Shopping-Verzeichnis von Google.

Gruß

Tom

17. März 2009, 19:42

>>> Was für einen Sinn machen Wikipediaeinträge
>>> auf den ersten fünf Plätzen … ?

Sie beugen so’n bisschen der Konkurrenz vor, nicht dass jemand auf die Idee kommen muss, direkt zu Wikipedia zu gehen – solange der Google-Umweg noch so bequem funktioniert …

-luzie-

17. März 2009, 22:00

>>> Was für einen Sinn machen Wikipediaeinträge
>>> auf den ersten fünf Plätzen … ?

Na 1. haben die Wikiseiten viel guten Content, 2. bieten sie viele nützliche Informationen und wenn man 3. davon ausgeht, dass man sich zuerst einmal gut informieren sollte, bevor man etwas kauft oder abonniert, dann haben doch gute Plätze für Wiki durchaus ihre Berechtigung. Dazu kommt noch 4. die höchst freiwillige Linkpower und 5. der Trust von Wikipedia, sowie keinerlei SEO-Out-Linkcharakter, da alle Out-Links Nofollow sind. Goggle wäre bescheuert, das nicht zu honorieren, das ist doch genau das was sie wollen.

🙂

sissilogger
31. März 2009, 11:10

<<>>

Das liegt daran, dass die anderen zu schwach sind und „Hosen“ nicht als geldlastig eingestuft ist. Bei „Jacken“ ist das anders.

Es ist also nichts „Jacke wie Hose“ 🙂

31. März 2009, 09:12

Ich benutze auch immer google um auf wikipedia zu kommen. Man weiß ja das es normalerweise immer oben steht. Und ich denke das ganze hat schon eine Berechtigung. Immerhin ist Wikipedia nicht komeriell und versucht kein Geld mit seinen Benutzer zu machen.

Sollten das halt noch ein bisschen ändern wenn man nach „Hosen“ sucht steht Wikk ganz vorne und jeder weiß wohl was ne Hose ist 😉

2. Oktober 2009, 06:40

Joa ich suche Wiki auch immer über google…warum auch nicht? Normalerweise stehts immer irgendwo oben…aber interessant, wie google mit Wikipedia umspringt. Die wollten doch vor kurzem auch adsense auf Wiki einbinden hab ich gehört? was isn daraus schon wieder geworden?