Google: Idealo klagt auf 500 Millionen Euro, EU-Wettbewerbskommissarin stellt Zerschlagung in den Raum

Johannes Beus
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16. April 2019
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Auch außerhalb der SERPs gibt es aktuell Wirbel bei Google: der Preisvergleich Idealo hat Google auf mindestens 500 Millionen Euro verklagt und die EU-Wettbewerbskommissarin überlegt in einem Gespräch mit der F.A.Z. offen, Google den Betrieb eigener vertikaler Angebote zu verbieten.

Idealo, der erfolgreichste deutsche Preisvergleich hat Google vor dem Landgericht Berlin auf rund 500 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Die Klage basiert auf der EU-Entscheidung aus dem Jahr 2017, in der die EU-Kommission festgestellt hat, dass Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Google hat gegen diese Entscheidung Berufung eingelegt. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren hauptsächlich Juristen an diesem Thema verdienen und eine finale Entscheidung in eher ferner Zukunft liegt.

Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat in einem Gespräch mit der FAZ verschiedene Optionen in den Raum gestellt, um den von der Kommission so gesehenen Machtmissbrauch von Internet-Konzernen wie Google oder Amazon zu verhindern. Eine Option wäre, Google den Betrieb eigener vertikaler Produkte auf ihrer Plattform zu verbieten. Google dürfte damit keine Services wie Shopping oder Maps anbieten. Eine andere Option wäre, Internet-Konzerne dazu zu verpflichten, die zugrundeliegenden Daten offenlegen zu müssen, um Wettbewerb damit zu ermöglichen.

Beide Ereignisse zeigen: das Europa-Geschäft wird für Google (und Amazon/Facebook) künftig ungemütlicher. Auch wenn die Ideen der EU-Kommission aus Sicht von Insidern häufig leicht unbeholfen wirken, ist die Idee dahinter nachvollziehbar: ohne geänderte, externe Rahmenbedingungen wird es in Europa auf absehbare Zeit keinen echten Wettbewerb geben. Als SEOs können wir uns also darauf einstellen, dass mit der EU-Kommission vermutlich bald ein weiterer und eher ungewohnter Ranking-Faktor in den Ring steigt.

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Kommentare
Yasin   
16. April 2019, 11:12

Die Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber muss das sein, dass man sich permanent mit Google und Amazon beschäftigt. Keiner zwingt uns, Googles Dienste zu nutzen. Jeder tippt selbst auf die Tastatur. Oder werden Googles Dienste genutzt, weil sie einfach geil sind? Kann in keinsterweise den Einwand nachvollziehen. Die Politik sollte sich, wie früher auch, aus dem Netz fernhalten. Stattdessen werden Wahlkampagnen gestartet mit Slogans wie „Google und Amazon sollen mehr Steuern zahlen“. Vermutlich wird aber idealo diesen Rechtsstreit gewinnen, damit sie mehr Umsätze generieren können, um dann mehr Steuern zahlen zu dürfen. Da freut sich der Staat natürlich auch. Was ist aus dem Internet geworden…

Tim Tics   
16. April 2019, 12:19

Bekommt ihr etwa Geld dafür andere mit einem harten Anker zu verlinken, wie etwa Idealo? Auffälliger geht es kaum.

Johannes Beus   
16. April 2019, 13:21

Ich bekomme dafür selbstverständlich kein Geld, bin aber überzeugter Nutzer und Fan von Idealo seit 2002 🙂

so   
16. April 2019, 14:52

Ja, der Beus ist dafür bekannt, dass er für Geld ALLES macht 😛

Michael   
16. April 2019, 15:58

Idealo boykottiere ich seit Axel Springer mit drin ist. Ich bevorzuge Geizhals.de. aber das nur am Rande.

Wenn der EU so viel daran gelegen ist europäische Anbieter zu fördern, dann sollten sie der europäischen digitalen Industrie nicht so viele Steine in den Weg legen (DSGVO, Urheberrechtsreform usw.).

Carsten   
16. April 2019, 18:15

Idealo boykottieren, Google boykottieren, am Ende alles egal weil die Masse den Mehrwert der Services der Anbieter trotzdem gerne nutzt. Alle verdienen dadurch am Ende, die Anbieter vor allem großes Geld und jetzt wollen auch die Anwälte, wie Johannes schreibt, etwas vom Kuchen abbekommen.

Axel Jack Metayer   
16. April 2019, 20:46

Oh je das wird ja immer krasser.
Auf der anderen Seite müsste idealo ganz schön viel rödeln um soviel über die Seite einzuspielen. Das könnte sich fast lohnen ein paar Jahre juristisch daran rumzubasteln. Wahrscheinlich eine neue Möglichkeit für sehr große Unternehmen doch noch an Geld zu kommen…

Artur   
17. April 2019, 17:18

Vergesst Idealo und Geizhals … geht lieber wieder zurück zum guten und alten guenstiger.de! Ihr wisst schon, die mit dem Tiger 😉

Michael Werner   
21. April 2019, 18:54

Die EU wir immer mehr zu einer sozialitisch planwirtsc haftlichen Krake die sich in alle belange einmischt, die mit der „freier Handel“ nichts mehr zu tun hat. Die EU ist auf dem Weg einer zentralistisch gesteuerten DDR 2.0. Was geht diesen Bürokraten das bitte an. Jeder kann sich hinsetzen und eine bessere Suchmaschine entwickeln und bessere Dienste.
Netscape gibst nicht mehr Yahoo eigentlich auch nur noch ein Witz, warum? Weil sie einfach mies waren. Im Hintergrund geht es um belange bestimmter Marktteilnehmer die diese EU benutzen um ihrer miesen Produkte zwangsweise auf den Markt zu bringen.
Bestes Beispiel ist der Uploadfilter, der eine Auftragsarbeit deutscher Verleger ist.
Ich bin für einen freien Markt für freie Bürger. Ich versuche auch meine Konkurrenten durch ein besseres Angebot zu besiegen und ich wende mich nicht an einen Beamten damit er Verbote aufstellt die mir nützen.
ich finde die ganzen Entwicklungen sehr bedenklich. Auch Google könnte mit einem genialen Suchalgorithmus besiegt werden nur die Europäer haben gepennt.

Ralf   
22. April 2019, 12:39

Google ist ein Monopol!

Google ist keine Suchmaschine, sondern nur noch eine Werbemaschine. Für Webmasters bedeut es – Pay to play.

Leider gelingt es einem Monopolisten wie Google, mögliche neue Wettbewerber auszuschalten, bevor sie gefährlich werden.

Hier ein Bespiel:

When Adam and Shivaun Raff’s company was destroyed by Google…
http://www.wired.co.uk/article/fine-google-competition-eu-shivaun-adam-raff

Google ist zum Internet-Diktator mutiert. Inzwischen wünschen sich fast alle Webmaster, dass ein Riesenmeteorit in der Googlezentrale einschlägt.

SW Huber   
22. April 2019, 19:18

Google, Amazon und Co. haben sich in vielen Bereichen zur einer nicht kontrollierbaren Marktmacht gemausert. Mit Wettbewerb hat das nicht mehr viel zu tun. Aber mal ehrlich, sind die deutschen Anbieter nicht selbst schuld? Seit Jahrzehnten verdienen Idealo, Check 24 und wie sie nicht alle heißen sehr viel Geld durch das kostenlose „Traffic Vehikel“ Google Suchmaschine. Und ja, in den Anfängen (und auch heute noch) haben alle gerne Google als kostenlosen Traffic-Bringer genutzt und mit schlussendlich ja auch mit Suchmaschinenoptimierung forciert. War es in den End 90ern schon beinahe unverschämt einfach (aus heutiger Sicht betrachtet) gute Positionen in den Serps zu bekommen und entsprechend Besucher auf seine Seite zu lenken, wurde es in den Jahren danach immer aufwändiger und schwieriger. Viele von den heute großen Seiten haben sich in den letzten Jahren durch Investoren zu kapitalen Anbietern gemausert und dominieren oft alleine schon durch ihre meist in die Mio. gehenden indexierten Seiten den Markt in D-A-CH. Kleinere oder neuere Anbieter haben in vielen Bereichen kaum noch Chancen. Schon kurios, wenn sich eine Google.de – Marktmacht darüber aufregt, das sie durch eine Weltmacht behindert wird. Da vergisst wohl der ein oder andere, das der eigene Geldbeutel immer noch am nächsten ist. Wie dem auch sei, die Sprachsuche wird alle ändern. Microsoft/ Amazon steht mit Alexa/ Cortana schon in den Startlöchern und haben auch Facebook derzeit mit im Boot. Siri wird in naher Zukunft nicht umhinkommen, eine Kooperation einzugehen und wenn Apple sich den beiden großen anschließt, wird es ziemlich eng für Google. Bei einem Zuwachs an Suchanfragen alleine in Deutschland von mehr als 20% innerhalb von 3 Jahren, braucht sich BING nicht länger verstecken. Bleibt abzuwarten ob die EU da noch ein Wörtchen mitredet, damit man die Daten und Geräte dann auch für „staatliche Zwecke“ nutzen kann ( siehe Interview Seehofer). Bis die Klage von Idealo durch ist, sind die Kartensehr wahrscheinlich längst neu gemischt. Könnte ja sein, das sich die Idealo-Investoren mit einem Blick in die Zukunft entschlossen haben, noch einen goldenen Handschlag für den „Wechsel“ zu zukünftigen Suchroutinen (Sprache/ View) zu sichern. 😉 Schlau wäre es allemal.

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