Googles Interface Iterationen

Johannes Beus
Johannes Beus
14. November 2010
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

In den letzten Wochen hat Google erneut zahlreiche Änderungen an der Darstellung der Suchergebnisse vorgenommen. Nach der Einführung von Google Instant sind jetzt Screenshots der Treffer sowie eine deutlich veränderte Integration der lokalen Ergebnisse in die SERPs hinzugekommen. Über die Gründe kann man nur spekulieren, es kommt mir aber so vor, als ob man bei der inhaltlichen Qualität der Suchergebnisse keine großen Fortschritte mehr mache und sich deswegen auf die Präsentation verlege.

Screenshots
Google ScreenshotsVon der Unverfrorenheit von Google, für die Einbindung der Screenshots einfach auf mein Favicon zurückzugreifen, will ich nun gar nicht anfangen, ein anderer Aspekt der Sache ist in meinen Augen interessanter: die meisten dieser Screenshots liegen offensichtlich bereits komplett gerendert auf Google-Servern. Im Umkehrschluss heißt das, dass Google diese Seiten „auf Vorrat“ durch einen HTML-Parser schickt und abspeichert. Wer schon mal etwas in diese Richtung gemacht hat, wird wissen, dass zwischen dem reinen Crawlen und Extrahieren von Text sowie dem kompletten Parsen einer HTML-Seite Welten im Verbrauch von Rechenpower liegen. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass Google diesen Schritt lediglich zur Verschönerung der SERPs geht, sondern denke, dass die Screenshots ein Abfallprodukt der Seitenauswertung ist. Google weiß nun also unabhängig von der Position im HTML-Quelltext recht genau, wo auf der Seite Texte und Links angezeigt werden und kann dies für die Gewichtung als Ranking-Faktor nutzen. SEO-Empfehlungen, die sich darum drehen, wichtige Links möglichst weit oben im Quelltext unterzubringen, sie aber mit CSS am Ende erst anzuzeigen, dürften damit zwar nicht aussterben, doch aber weiter an effektiver Wirkung verlieren.

Google Maps Places
Google MapsDie Veränderungen bei vielen lokalen Suchbegriffen sind auch ganz interessant. Bislang war die Sache recht einfach: es gab 10 organische Treffer aus dem Google-Index und es gab die Ergebnisse der lokalen Universal Search. Zweitere wurden, wenn Google es für angemessen hielt, in einer Box (die Maps-Karte sowie die Treffer) eingeblendet. Jetzt ist die Sache etwas komplexer geworden – Google hat die strikte Trennung zwischen organischen Treffern sowie der vertikalen Suche in der Darstellung teilweise aufgehoben. Mit einem Beispiel wird das etwas deutlicher: ich habe hier für das Keyword „feinkost köln“ einen Screenshot von Ende September, also noch vor der Änderung. Oben sieht man die Integration der Universal Search, danach kommen die 10 organischen Treffer. Es fällt aber auch auf, dass eine Domain wie „hoss-delikatessen.de“ in beiden Trefferlisten vertreten ist. Dieser Screenshot für das Keyword ist jetzt von heute und zeigt die neue Darstellung: die Karte ist nach rechts gerückt und legt sich über die AdWords-Anzeigen, wenn man nach unten scrollt und die Universal-Search-Treffer haben ein Bild erhalten, so dass sie prominenter in den SERPs sichtbar sind. Der eigentliche Unterschied ist jedoch die Zusammenführung der beiden Trefferlisten. Schaut man auf Position #4, so ist die Domain „hoss-delikatessen.de“ weiterhin dort vertreten – der Treffer wird jetzt aber durch die zusätzlichen Informationen aus der vertikalen Suche angereichert und damit aufgewertet. Die Anzahl der Treffer auf der ersten Seite hat sich durch die Umestellung eher verkleinert, die verbliebenen sind allerdings prominenter eingebunden – die Konkurrenz bei Keywords mit einem lokalen Bezug dürfte dadurch eher steigen.

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Kommentare
andre.roesti   
14. November 2010, 13:54

Ich fand es auch sehr erstaunlich, dass Google die exakte Position des Excerpts der Seite auf dem Screenshot anzeigen konnte. Anscheinend rendert Google tatsächlich das CSS und HTML der Seiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch einen Einfluss auf’s Ranking hat; Per CSS versteckte Inhalte haben dadurch bestimmt weniger „Wert“ als prominent plazierte.

Gruss
André

Pascal   
14. November 2010, 14:38

Gerade der Aspekt mit den Screenshots bringt mich wieder auf meine Artikel zum Eyetracking und der Möglichkeit diese Informationen auch algorithmisch simulieren zu lassen. Google hat also sowohl die visuellen Informationen der Webseiten als auch „Technologien“, die automatisch die Prominenz des Keywords an Hand dieser Simulation annähernd erkennen können.

Dieses CSS gehacke habe ich schon immer für eine Art mildes Cloaking gehalten. Eigentlich nur konsequent, dass Google das erkennen kann.

Grüße
Pascal

Igor   
14. November 2010, 16:13

Ich bin schon gespannt, welche Auswirkung die Screenshots auf die CTR haben werden. Optimal wäre es, wenn es sich bei den Usern so etablieren würde, dass qualitiv bessere Seiten öfters besucht werden und je nach dem welche Gewichtung die CTR bei der Listung in den SERPs hat, sich das Ranking verbessert…

lorenz   
14. November 2010, 17:26

Das Google Maps Phänomen tritt bei anderen Queries ebenso auf, und die haben eines mit Deinem hoss-delikatessen.de – Beispiel gemein: Wer in der Google Maps „One Box“ (Box kann man das eigentlich schon gar nicht mehr nennen) nach dem Update geblieben ist, hat zwar den Vorteil besserer Sichtbarkeit – aber scheint aus den Nachfolgenden rein organischen Ergebnissen zu verschwinden. Insofern ist es auch inhaltlich keine reine Box mehr, weil die Ergebnisse zusammenwachsen.
Das würde aber bedeuten, dass es einen Index-Abgleich zwischen Places und organischen Treffern gibt, um die wenigen verbliebenen Plätze im Sinne des Users mit maximaler Vielfalt zu nutzen? Hatte man es bei Maps UND organisch auf die erste Seite geschafft, muss man sich künftig mit einem Platz begnügen (immerhin dem prominenteren)? Unterstellt man, dass das mittelfristig mit anderen Universal Einblendungen auch geschieht, würde das in Zukunft für doe Optimierungsstrategie bedeuten: „Universal First!“ (falls man content für die entsprechende Universal Search hat), und dann erst die klassische SEO Lehre. Alleine mit letzterer komme ich ja nie an die künftig besten Plätze, da werden zunehmend immer besser integrierte Ergebnisse aus anderen Spezialsuchen erscheinen.

André Richter   
14. November 2010, 17:27

Die Screenshot-Vorschau halte ich aus Usersicht für durchaus sinnvoll. Allerdings dürfte die Option an den meisten Usern – zumindest derzeit – einfach noch vorbeigehen. Die User werden erst mit der Zeit mitbekommen, dass man durch einen Klick auf die Lupe bzw. den rechten Bereich der Suchtreffer entsprechende Screenshots angezeigt bekommt. Finde ich auch gut so, denn sonst würden die User wohl ihr Augenmerk mehr auf die Screenshots denn auf die Snippets legen – die Folge wären vermutlich massenweise Startseiten mit großflächigen Abbildungen lächelnder Babys, possierlicher Kätzchen oder gar aufreizender und leicht oder gar nicht bekleideter junger Damen…

Ob die prominentere Darstellung der Google Places Treffer aus Usersicht der große Wurf ist, wage ich hingegen zu bezweifeln. Wirkt auf mich ziemlich unruhig und zusammengewürfelt. Aber ich werd’s eh nicht ändern können.

Für Sites und SEOs, die sich stark mit dem lokalen Longtail beschäftigen, hat die neue Darstellung jedoch stärkere Auswirkungen. Generell nehmen die Google Places Einträge jetzt sehr viel mehr Raum und Aufmerksamkeit ein als zuvor. Meist tauchen nur noch zwei bis max. drei Ergebnisse aus der organischen Suche above the fold auf – manchmal auch nur einer. Die anderen folgen inmitten der Places-Einträge oder meist darunter. Zudem werden jetzt nicht mehr 10 organische Suchergebnisse auf der ersten Ergebnisseite angezeigt, sondern in der Regel nur noch sieben.

Fazit: Zum einen dürfte das jetzt deutlich sichtbarere Places insgesamt ordentlich Traffic von den organischen Ergebnissen abziehen, zum anderen wird eine Platzierung unter den Top 3 in der organischen Suche jetzt noch wichtiger als zuvor. Wer sich hingegen auf den Plätzen 8 bis 10 tummelte, hat ein Problem.

Momentan ist Google Places aber noch längst nicht für alle lokalen Suchanfragen so prominent umgesetzt wie im Beispiel „feinkost köln“. Aber das ist ggf. nur eine Frage der Zeit…

Andre Richter   
14. November 2010, 17:43

@lorenz: „Universal first“ würde ich nicht unbedingt unterstreichen. Für diejenigen, die sich bislang auf den Plätzen 3 bis 10 tummelten, sehe ich das auch so. Bei den meisten Suchanfragen platziert Google aber zumindest die ersten beiden Ergebnisse aus der organischen Suche noch ganz oben. Wer also bereits dermaßen gut platziert ist, dem würde ich nicht empfehlen, sich beispielsweise um Google Places Einträge zu bemühen.

Wie Du ja geschrieben hast, führt Google jetzt die Places Einträge und die Listings aus der organischen Suche zusammen. Es bestünde also möglicherweise die Gefahr, dass man sein schönes Top1-Ergebnis für einen weniger prominenten, da weiter unten platzierten Places-Eintrag aufs Spiel setzt.

Falls Google jetzt auch für andere Universal Ergebnisse eine Zusammenführung mit der organischen Suche macht (d.h. einen Anbieter nur noch Universal anstatt organisch anzeigt), gilt das analog. Weiss ich aber nicht, weil ich mich damit noch nicht beschäftigt habe.

Falls Google aber irgendwann Lust bekommen sollte, Universal immer über organisch anzuzeigen (würde mich nicht wundern), dann liegst Du mit „Universal first“ aber absolut richtig…

Volksbank   
15. November 2010, 08:46

Ich bedauer, dass sich Google immer weiter von seinen Wurzeln entfernt. Früher gab es gute Suchergbnisse und ein sehr aufgeräumtes Layout. Heute werden die Nutzer mit immer mehr Zusatzgimiks konfrontiert. Darunter leidet die Usability.

booming   
15. November 2010, 10:42

@Igor: Mein Tipp ist ja, dass Bilder auf der Zielseite für die CTR eine neue Bedeutung bekommen, weil der Text sich im Screenshot nicht vernünftig lesen lässt.

@Andre: Für eine Menge lokaler Suchergebnisse ( z.B. „$aktivitaetX $KreisStadt“ ) liefert Google in meinen Stichproben schmerzlos die Maps-Ergebnisse von weit entfernten Orten. Gleich danach kommen viel relevantere Ergebnisse von lokal ausgerichteten Websites. Ich bin gespannt, ob Google solche qualitative Probleme kurzfristig lösen wird.

Was mich übrigens auch interessieren würde: Was bedeutet die Map über den Adwords-Anzeigen für deren CTR?

David   
15. November 2010, 13:42

@Johannes:

„offensichtlich bereits komplett gerendert auf Google-Servern.“….

Bezieht sich diese Aussage darauf, dass google teilweise Fundstellen der Keywords an der richtigen Stelle des Screenshots hervorhebt, z.B. beim Screenshot zum 1. Treffer dieser Suche: http://www.google.de/#&q=ich+heisse+johannes+beus&fp=1
?
Oder legen die „einfach“ ungefähr die Ergebnisse des HTML-Crawls über die wahrscheinliche Browser-Darstellung?

Heiko   
15. November 2010, 22:09

Wirklich interessant an den Screenshots finde ich, was man oben auf deinem Screen leider nicht sehen kann, das teilweise für das Suchwort relevante Texte von Google in den Screenshots vergrößert werden und in einer separaten Box innerhalb des Bildes gezeigt werden

André Richter   
16. November 2010, 20:11

@booming: „Ich bin gespannt, ob Google solche qualitative Probleme kurzfristig lösen wird.“.

Nö, den Glauben daran hab ich mittlerweile verloren. Das mit den schmerzlosen Einblendungen von wenig bis gar nicht relevanten Ergebnissen geschieht ja schon, seitdem es das Branchencenter gibt. Aber anstatt hieran mit der Einführung von Google Places was zu ändern, geht Google den entgegengesetzten Weg und verschafft derartigen Einträgen noch mehr Sichtbarkeit.

Sollte ja eigentlich nicht so schwer sein, zu weit entfernt gelegene Datensätze nicht anzuzeigen. Aber mir scheint es so, als wenn Google sein lokales Branchenverzeichnis mit aller Macht pushen will und im Zuge dessen eine teilweise mindere Qualität bewusst in Kauf nimmt. Vielleicht mit dem Kalkül, dass eine gute Sichtbarkeit mehr Einträge bewirkt und damit auch die Qualität steigt. Vielleicht will Google auch nur den Branchenverzeichnissen das Wasser abgraben und den Traffic möglichst lange auf der eigenen Plattform halten. Oder vielleicht werden Google Places Einträge irgendwann auch kostenpflichtig. Je mehr dann schon drin sind, desto größer die Verdienstchancen. Keine Ahnung. Werden sich schon was dabei gedacht haben, sind ja alles so schlaue Leute.

Ben Moll   
18. November 2010, 10:49

Sehr interessant ist aber, wenn man eine z.B. eine Attention Analyse durchführt, dass die Anzeigen auf Platz 4 hier deutlich mehr Aufmerksamkeit durch die Einblendung der Google Maps auf der rechten Seite erhalten.

Ich habe zware derzeit über meine betreuten Google AdWords Accounts noch keine signifikante Änderung bemerkt aber ich denke, dass man dies einfach mal abwarten muß.
Die Tatsache dass die Map-Einblendung jedoch die Anzeige überlagert und die Anzeigen dann darunter verschwinden finde ich jedoch nicht sehr positiv und hoffe darauf, dass dies noch geändert wird.

Hier nur als Beispiel ein kleiner Test:

http://performance-marketing-online.de/wp-content/uploads/heatmap-google-suchergebnisse.jpg

Ben Moll   
18. November 2010, 10:52

Sorry, ich wollte mich selbstverständlich nicht als Sistrix Mitarbeiter ausgeben. Tut mir leid wegen der falschen URL bei meinem Namen.

Steffi   
18. November 2010, 15:49

Die Änderungen mit den Screenshots sind mir auch direkt ins Auge gesprungen. Allerdings habe ich nicht auf die Lupe geklickt (die ist mir erst nach Lesen verschiedener Beiträge zu dem Thema aufgefallen), sondern auf den Snippet-Text.

Ich habe aber fest gestellt, dass noch nicht alle Seiten so einen Screen haben und auch bei längst nicht allen das Bild aktuell ist (was das Aktualisieren angeht, wird sich Google wohl Zeit lassen).

Auch brauchen die Screens immer einen Moment zum Laden (erst Recht, wenn der Screen etwas länger ist, weil halt die Seite länger ist). Aus dem Grund finde ich die Screens für meine Suchen derzeit wenig hilfreich. Außerdem habe ich noch das FF Add-On Search Preview, das auch erst durch ein Update wieder die Bilder anzeigt (Google war so frech mit Einführern seiner Screens die von dem Add-On zu entfernen).

Wird wohl eine Zeitfrage sein ob die User sich immer erst die Vorschau anzeigen lassen oder doch weiter nach dem Text gehen. Außerdem wird man für sich heraus finden müssen, dass nicht immer die schönsten Seiten die Informativsten sind.

SEOgor   
20. November 2010, 02:43

Scheinbar zerbrechen sich nun viele Webmaster den Kopf, nur weil die Screenshots nicht zu 100 Prozent richtig dargestellt werden. Die Frage ist aber, ob ein User wirklich nicht auf eine Zielseite klickt, nur weil diese nicht zu 100 Prozent richtig dargestellt wird.

Da Google ja Flash ignoriert, wird es wohl unvermeidlich sein, dass viele Seiten nicht richtig in den Screenshots dargestellt werden. Bei solch einem Fall wäre es wohl besser, die Previews zu blockieren, was sich aber möglicherweise wiederum negativ auswirken kann, wenn sich die Previews bei den Usern tatsächlich durchsetzen.

Aus meiner Sicht versucht Google nun verzweifelt die eigene „Time on Site“ zu verbessern, damit den Adwords-Anzeigen seit Einführung von Google Instant wieder mehr Beachtung geschenkt wird. Ein Indiz dafür ist (aus meiner Sicht), dass das Suchfeld unten bei Google Instant entfernt wurde, so dass man wieder nach oben scrollen muss.

Warum entfernt Google so eine praktische Funktion, wenn sie doch wissen, dass die Musik oben sowie unten spielt? Ich persönlich fand das zweite Suchfeld wirklich klasse. Wie @Volksbank ansprach, sind die Änderungen nicht gerade ein Pluspunkt für die Usability, zumindest nicht die Screenshots und das entfernte Suchfeld. Oder was meint ihr?

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