Google Jobs in Deutschland: Marktführer über Nacht

Johannes Beus
Johannes Beus
28. Mai 2019
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Nach kurzer Testphase ist Google letzte Woche mit der eigenen Jobsuche in Deutschland gestartet - und auf Anhieb Sichtbarkeits-Marktführer. Was Google Jobs ist, wie sich die Einführung auswirkt und wie du damit umgehst, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Die eigentliche Jobs-Integration in den SERPs besteht aus zwei Bestandteilen: einer eher unauffälligen Box mit Direktlinks zu großen Stellenbörsen und der eigentlichen Job-Suche mit jeweils 3 hervorgehobenen Stellenanzeigen. In den Google-Ergebnissen sieht das dann beispielsweise so aus:

Integration Google for Jobs in die SERPs

Während die eigentliche Job-Integration immer zu sehen ist, wird der Hinweis auf weitere Portale (diese als vermutlich zuvorkommendes Entgegenkommen für die EU-Wettbewerber) nicht in allen Fällen ausgespielt.

Die Jobs-Integration verdrängt einen organischen Treffer: waren für ein Keyword vor der Einführung noch 10 organische Treffer zu sehen, gibt es nun neun organische Treffer sowie die Jobs-Integration. Entgegen der meisten anderen Integrationen vertikaler Suchmaschinen verlinken die Treffer nicht auf eine externe Seite, sondern der Nutzer bleibt im Google-Produkt und erhält die Stellenanzeige direkt in Google Jobs angezeigt (Daher hier zum Karma-Ausgleich die Direktlinks zu den drei empfehlenswerten Jobs aus der Region: Chefkoch, Morefire, VNR Fachverlag).

Für 92,9 Prozent aller von uns gefundener Integrationen von Google Jobs rankt diese Box auf der organischen Position 1. Die restlichen Rankings der Box sind ebenfalls weit vorne: auf Position 2 entfallen noch 3,4%, auf Position 3 sind es 1,5%. Auf der zweiten Google Ergebnisseite, also eine Position ab 11, ist diese Box nur in 0,05 Prozent aller Fälle zu finden.

Keywords: Klasse, nicht Masse

Stand heute (28.05.2019) finden wir die Google Jobs-Integration für 13.957 Keywords aus unserem Keyword-Pool von einer Millionen Keywords. Doch ist es nicht die Anzahl an unterschiedlichen Suchanfragen, für die Google diese Box ausspielt, sondern das Gesamtsuchvolumen auf den ausgewählten Keywords, das den großen Einfluss hat. Die Keywords selber lassen sich grob in drei Klassen unterteilen:

  • Jobsuchen: die naheliegensten Keywords kommen aus dem Bereich der Suche nach Stellenanzeigen. Beispiele: stellenangebote, jobs berlin, arzthelferin gesucht, nebenjob mannheim.
  • Berufe & Ausbildung: die Integration taucht ebenfalls bei vielen Berufsbezeichnungen und Ausbildungssuchen auf. Beispiele: ausbildung, verkäuferin, technischer zeichner, bootsbauer.
  • Firmennamen: die dritte Klasse sind Firmennamen. Hier spielt Google diese Integration aus, wenn aus Googles Sicht ein Jobs-Intent vorliegt. Beispiele: bundeswehr karriere, jobscout, rewe jobs, airbus bremen.

Eine vollständige Liste der Keywords kannst du dir auch in der Toolbox ansehen. Die täglichen Daten enthalten die Google Jobs-Integration seit dem letzten Samstag für alle Länder.

Sichtbarkeit: Marktführer über Nacht

Da die Google Jobs-Integration einen organischen Treffer von der ersten Seite verdrängt, haben wir sie in der Toolbox den Universal-Search-Integrationen zugeordnet, die sich ähnlich verhalten (Bilder, News, Maps). Im folgenden Chart ist ein Vergleich der organischen Sichtbarkeit der neuen Google Job-Box mit großen Marktteilnehmern aus dem Umfeld zu sehen:

Seit dem 25.05. erkennen wir die Google Jobs-Integration – und seit Anfang der Messung ist Google auf Anhieb Sichtbarkeits-Marktführer in dieser Branche. Die Google-Box ist organisch stärker als etablierte Marktteilnehmer wie Stepstone.de, Indeed.com oder auch Arbeitsagentur.de

Ebenfalls interessant: dadurch, dass die Google Jobs-Integration eine organische Position einnimmt und zeitgleich in der Regel auf Position #1 rankt, sinkt dadurch die organische Sichtbarkeit der Wettbewerber. Die größten organischen Wettbewerber der Google Jobs-Integration sind:

In England und Spanien zeigt sich ein ähnliches Bild wie in Deutschland. In Frankreich ist die Jobs-Box nur teilweise zu sehen, dort wird offenbar noch getestet. In Italien ist aktuell keine Integration zu messen.

Datenquellen: noch Stellenbörsen, bald Webseiten

Im Blogpost zur Ankündigung von Google Jobs in Deutschland betont Google noch die enge Zusammenarbeit mit vielen großen Stellenbörsen. Und in der Tat kommen die meisten der Stellenanzeigen aktuell über diese Stellenbörsen. Google zieht sie als Meta-Suchmaschine zusammen, versucht die Anzeigen bestmöglich zu deduplizieren und darzustellen.

Und doch braucht es nur wenig Vorstellungskraft um zu erkennen, dass diese Jobportale für Google nur der Weg zum Ziel sind. Die Definition für strukturierte Daten von Stellenanzeigen ist schon länger online und Google stellt für diese URLs sogar eine Push-API zur Indexierung zur Verfügung. Google möchte direkt an die Quelle und Stellenanzeigen künftig von den Firmen erhalten – nicht über die „Zwischenhändler“ der Stellenbörsen.

Fazit

So richtig überraschen dürfte die Einführung von Google for Jobs niemanden. Und doch wird Google Jobs die Dynamik in dem Markt deutlich ändern. Stellenbörsen, die aktuell noch größtenteils von ihrem organischen Traffic leben, werden es in Zukunft schwerer haben.

Glaubt man den Zahlen von Similarweb, sind es bei Indeed.com rund 37% der Besucher organisch über Google, bei Stepstone.de aber nur rund 21% – und Stepstone.de hält sich aus der Datenfreigabe für Google Jobs raus. Ein interessantes Experiment. Wenn es gelingt, werden auch Anbieter aus anderen Verticals ein Vorbild für den Umgang mit Googles Forderung (klassisches Gefangenendilemma) nach strukturierten Daten haben.

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Kommentare
Mario Jung   
28. Mai 2019, 11:07

Ein in meinen Augen ganz spannendes Thema, vor allem bei einem derartig arbeitnehmerfreundlichen Jobmarkt, in dem quasi alle ambitionierten Firmen aktuell gute Mitarbeiter suchen.

ich bin sehr gespannt, wie die Jobbörsen darauf reagieren!

Ach so… Das Team vom Sebastian Erlhofer hat bei uns auch einen Artikel zu dem Thema online gestellt, falls jemand interessiert ist: https://www.omt.de/suchmaschinenoptimierung/job-listings-kostenlose-stellenanzeigen-direkt-bei-google-schalten/

personalmarketing2null   
28. Mai 2019, 17:16

Moin Johannes,
das sind krasse Zahlen! Dass Google for Jobs ordentlich für Wirbel sorgen würde, war klar. Aber dass es nach wenigen Tagen so eindeutig sein würde, damit hätte ich (und wohl viele der Betroffenen) nicht gerechnet. Danke für die spannenden Insights!
Beste Grüße
Henner

Google Jobs in Deutschland gestartet - was bedeutet das für den Job-Markt? #213 - Digitales Unternehmertum   
4. Juni 2019, 09:54

[…] Sistrix in einer ersten Analyse ermittelt hat, sind knapp 93 Prozent der gefundenen Job-Anzeigen auf […]

Jeremy Walter   
4. Juni 2019, 10:47

Hallo Johannes,
danke erst einmal für die interessanten Neuigkeiten. Ich bin in den letzten Tagen nicht auf die Google-Jobanzeigen gestoßen, insofern war das für mich gerade etwas ganz Neues. Dass Mutter Google damit so durch die Decke geht, hätte ich mir dennoch denken können – ich bin gespannt wie Indeed & Co. da gegensteuern möchten. Wie dem auch sei, irgendwie schon angsteinflößend wie Amazon, Google & Co. sukzessiv die digitale Welt einnehmen.
Liebe Grüße und viele Grüße aus Vietnam,
Jeremy

Andreas Müller   
6. Juni 2019, 08:06

Hallo Johannes,
vielen Dank für den fundiert geschriebenen Artikel. Ich bin beruflich mit meiner http://www.trm-academy.com viel im Convenience Sektor unterwegs. Die Unternehmen dort sind häufig Franchisenehmer. Wird Google4Jobs diesen Kleinunternehmen helfen, besser sichtbar zu werden oder lenkt Google das dann eher zu den „großen“ Marken, sprich den Franchisegebern? Was würdest Du den „Kleinen“ raten?
Beste Grüße aus dem ICE nach Nürnberg
Andreas

Google’s German jobs product anti-competitive, says Springer unit – Bharatiya Media   
6. Juni 2019, 16:11

[…] A typical jobs search typed right into a Google browser window returns three prime ‘hits’, with hyperlinks to outcomes from different portals pushed decrease down the web page, Sistrix’s Johannes Beus mentioned in a weblog submit here […]

Joerg (Ideenfabrik-Team)   
9. Juni 2019, 19:23

Hallo Johannes,
zu deiner Punkt „Datenquellen: noch Stellenbörsen, bald Webseiten“, haben wir festgestellt, dass die Websites inzwischen durchaus gut auftauchen. Wir selbst haben in unserer Website umgesetzt, was Google so erwartet und die Jobangebote tauchen auch ordentlich in der blauen Box im Index auf. Bei bestimmten Suchen bzw. in der regionalen Eingrenzung sogar generell vor den Stellenangeboten, die aus Portalen kommen. Wir haben die Chancen für KMU in einem unserer Blogbeiträge beleuchtet: https://www.ihre-ideenfabrik.de/google-for-jobs-in-deutschland-wo-liegen-die-chancen-fuer-kmu/

Richard Albrecht   
17. Juni 2019, 16:07

Danke für den promten und ausführlichen Einblick in das neue Feature.
Einerseits ist es erschreckend wie weit Google in die Domäne anderer Branchen (Jobsuche) eindringt, andererseits ist es naheliegend mit genau solchen Features dem Endkunden die Suche zu erleichtern.

Es bleibt spannend wie Google diesen Spagat meistern wird – Suchinteressen zu befriedigen ohne dabei Dienste wie Jobportale, Reise-Suchmaschinen, News-Portale, Branchenbücher langfristig komplett überflüssig oder einfach unrentabel zu machen. Vielleicht ist es ja auch unvermeidlich.

Laut Googles Blogpost haben Große Anbieter wie z.B. Monster.de oder XING an dem Feature mitgearbeitet. Interessanterweise waren Stepstone und Indeed als „Marktführer“ in der Liste der Helfer nicht vertreten. Wäre ich CEO von Stepstone würde mir dieses Thema große Kopfschmerzen bereiten. Ist das nicht quasi eine Umverteilung des Traffics von den den großen Portalen auf die Breite Masse?
Im Idealfall profitieren nicht nur die anderen Job-Portale und Konzerne von der neuen Jobsuche, sondern es werden die normalen (und vor allem) kleinen Firmen bei der effizienten Jobsuche unterstützt – ohne dafür unerhörte Summen zu löhnen. Dann würde Google seine Marktmacht in Robin-Hood-Manier zumindest für die gute Seite der Macht einsetzen. Google nähme dann die Vermittlungshoheit aus den Händen der wenigen Großen und gäbe Sie in die Hände vieler Kleiner… unter eigener monopolistischer Kontrolle. Don’t-be-evil natürlich vorausgesetzt.

Offensichtlich kann es nur eine Frage der Zeit sein bis Google Ads auf Jobangebote geschaltet werden können, dieser Markt lässt sich offensichtlich monetarisieren.

Btw. die oben genannte Sichtbarkeitsgrafik ist aus meiner Sicht irreführend, die die Universal Search kein eigenes Portal ist. Es sind aggregierte Suchergebnisse anderer Portale, die auch zuvor schon in der Suchergebnissen vertreten waren, nur die Form und Menge auf Seite 1 hat sich gewandelt. D.h. die Sichtbarkeit war auch vor dem Release der neuen Jobsuche größer Null und wir können nicht die Sichtbarkeit aller Portale (innerhalb der Job-Suche Box) mit der Sichtbarkeit einzelner Portale innerhalb der SERPs (außerhalb der Job-Suche Box) vergleichen. Um vergleichbare Daten zu erhalten müsste man den jobspezifischen Suchtraffic auf Google der nun durch das neue Feature bedient wird, dem direkten Suchtraffic der einzelnen Portale gegenüberstellen. Dann vergliche man Äpfel mit Äpfeln.

Da Google mit dem Release nicht einfach mengenweise Suchanfragen aus dem Hut gezaubert hat, kann wohl der Einruch der Sichtbarkeit der anderen Portale seit Release am ehesten als Indikator für die Sichtbarkeit des neuen Features gelten. Dann sieht die Welt aber schon etwas ausgewogener aus.

Aber aus der Sistrix Datenbank ist dies ein guter Anfang.

Thorsten Piening   
18. Juni 2019, 10:41

Hallo Johannes,

vielen Dank für den spannenden Beitrag und die Daten! Es ist aber ein wenig erschreckend, wie wenig sich die Verantwortlichen aus dem Personalbereich bisher mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Nur einen Tag vor dem Start der Testphase von Google for Jobs habe ich auf der TALENTpro 2019 in München zum Thema vor entsprechendem Fachpublikum referiert vor ca. 100 Teilnehmer. Auf meine Frage, wer sich denn bisher mit Google for Jobs auseinandergesetzt hat, habe ich nur zwei positive Rückmeldungen erhalten. Wirklich vorbereitet war niemand.

Man setzt immer noch auf die eigene Karrierewebsite, wobei die einzelnen Stellen wegen der Duplicated Content-Thematik schon nicht gefunden werden sowie auf Jobbörsen, Social Media und sogar Tageszeitungen. Active Sourcing und Headhunting sind natürlich auch noch beliebt.

Wir haben uns einmal die Top DAX Unternehmen angeschaut und aktuell scheint es nur ein einziges Unternehmen zu geben, was hinsichtlich Google for Jobs / strukturierte Daten gut aufgestellt ist.

Es wird sicherlich noch einige Zeit dauern, bis Google for Jobs auch in den Personalabteilungen angekommen ist. Aber ich denke es sollte allen klar sein, das Google hier klar die Marktführerschaft übernimmt / übernommen hat und das Geschäftsfeld auch in den nächsten Jahren erfolgreich monetarisieren wird.

Google For Jobs - Alles was Sie darüber wissen müssen | u-form Testsysteme   
18. Juni 2019, 15:30

[…] 21. Mai 2019 ist das Tool in Deutschland ausgerollt und für alle Nutzer verfügbar. Im Blogbeitrag „Marktführer über Nacht“ legen die Experten von Sistrix dar, dass die Job-Box seit ihrer Einführung bei 92,9 % der […]

Deutschlands Jobbörsen Top 10, Google for Jobs in Frankreich, etc   
25. Juni 2019, 11:43

[…] Schema des “neuen Jobbörsen Marktführer über Nacht“, wie sistrix es in einer Sichtbarkeitsanalyse betitelte, […]

Warum Ihre Stellen bei Google for Jobs nicht gelistet werden und welche Auswirkungen Googles Jobsuche jetzt schon zeigt   
27. Juni 2019, 08:04

[…] überraschend ist es eigentlich nicht, nein, sogar logisch und naheliegend. Google hat in puncto Sichtbarkeit allen anderen Jobbörsen das Wasser abgegraben (wie sollen die auch eine Chance haben, steht Google doch bei den organischen Suchergebnissen […]

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