Ist der Zenit der keyword-zentrierten Optimierung überschritten?

· 19. September 2008 · 19 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Vor einigen Jahren war die Sache noch einfach: wer einen Gebrauchtwagen wollte, gab bei Lycos, Altavista oder was zu der Zeit auch immer die Suchmaschine des geringsten Misstrauens war „gebrauchtwagen“ ein und klickte auf eines der ersten drei Ergebnisse. Dieses Suchverhalten war hauptsächlich dadurch begründet, dass die Indexgröße damals noch extrem übersichtlich war und verfeinerte, genauer definierte Suchphrasen deutlich weniger und (somit) qualitativ schlechtere Ergebnisse lieferten. In der Zwischenzeit hat sich viel verändert: der Index der Suchmaschinen von Google ist enorm gewachsen, die Qualität der Ergebnisse auch bei langen Suchphrasen, die aus mehr als 2 oder 3 Worten bestehen deutlich besser geworden.

Interessant finde ich, dass sich die Arbeitsweisen in weiten Teilen der SEO-Branche nicht entsprechend angepasst haben. Keywordrecherche, die als Ergebnis eine Liste mit einer Handvoll Keywords hat, ist noch immer gängige Vorgehensweise – so auch das Ergebnis meines (inkognito) OMD-Rundganges bei SEO-Agenturen. So wird suggeriert, auch weite Themenfelder seien mit der Abarbeitung dieser Keywords abzudecken. Verschwiegen wird dabei, dass so weite und steigende (!) Teile des Publikums ignoriert werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in vielen Bereichen gilt: je „longtailiger“, desto besser konvertierend.

Sicherlich, es gibt nach wie vor Seiten, für die ist die Optimierung auf eine überschaubare Menge unterschiedlicher Keywords der richtige Weg und gute Platzierungen bei Keywords wie „Poker“ oder „Kredit“ haben ihren Reiz. Trotzdem glaube ich, dass eine Strategie zur allgemeine, nicht unmittelbar keywordbezogenen Stärkung einer Domain heute gerade bei umfangreichen Webseiten enorm wichtig ist und vielfach vernachlässigt wird.

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Kommentare

Luigi   
20. September 2008, 08:54

Hallo Johannes.
Sicherlich hast Du mit Deinem Artikel Recht.
Allerdings ist es sehr sehr schwer, auf Longtail Keywords zu optimieren.
Wie willst du eine Webseite mit mehreren tausend Longtails optimieren? Da stoßen die meisten SEOs an ihre Grenzen.

Gretus   
20. September 2008, 10:08

Hallo,

andererseits suchen die Leute immer gezielter, jeder weiß mittlerweile mit Google umzugehen. Unter gut recherchierten tatsächlich eine Konversation initiierenden Keywords gut gelistet zu sein wird immer wichtiger…

Es ist wohlt der Mix. Eine gute Listung unter relevanten Keys verbunden mit möglichst usergenerierten Content der den Lontail abdeckt…

Grüße

Gretus

Inhouse-SEO   
20. September 2008, 10:47

Frag mal meine Studenten, die durften nicht mit 20 oder 30 Keywords erscheinen 😉

Aber im Ernst, die Art der Verteilung der Merhwortanfragen kann einem sowohl etwas über die grundsätzliche Intention der Suchenden sagen als auch bei der Erstellung von Subnavigationspunkten hilfreich sein. Ähnlich sieht es mit Synonymen oder Quasisynonymen aus. Auch hier werden unterschiedliche Suchmotivationen gerade erst durch Mehrwortanfragen offensichtlich.

Interessant sind hier auch die Vorschläge von Google unter Verwandte Suchvorgänge.

lg, Jens

Kim   
20. September 2008, 10:53

Naja, was will man erwarten, wenn die meisten Anbieter auch immer noch Doorway- oder Landingpages bauen wollen, anstatt die eigentliche Seite zu optimieren.

Michael Janik   
20. September 2008, 10:53

Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Longtail sich lohnt und zwar extrem. Ich habe vorher nur auf eine handvoll Begriffe optimiert und das hat sich praktisch nicht ausbezahlt. Ganz zu Schweigen vom Keywordkanibalismus, wo einzelne Unterseiten in Konkurenz zueinander stehen, wenn man nur auf wenige Begriffe optimiert.

Steward   
20. September 2008, 12:05

Johannes du machst es spannend mit dem letzten Satz. Skizziere bitte die Eckpunkte der angesprochenen Strategie.

Webseiter   
20. September 2008, 15:28

SEO hat seinen zweifelhaften Ruf von vielen zweifelhaften Anbietern, die, wie Kim schon schrieb, mehr auf kurzfristige Effekte durch Tweaking abzielen. Kurzfrisitge Effekte kann man kurfzfristig belegen und damit kurzfristig dem Kunden Geld abnehmen.

Mit der Weiterentwicklung seitens der Suchmaschinenbetreiber und dem weiteren Wachstum des Netzes rechne ich mit einer Normalisierung, die früher oder später wieder guten Content belohnt. SEOs sollten also Strategien für qualitativ hochwertigen Content liefern.

Johannes   
20. September 2008, 18:40

Luigi, aber genau das ist es ja, was SEO in diesem Bereich spannend macht. Bei Einzelkeywords läuft es ja letztendlich immer nach dem gleichen Schema ab und wer die besten/meisten Links hat, gewinnt. Das sieht im Longtail glücklicherweise komplett anders aus.

Steward, ich glaube nicht, dass ich hier mit Komplettlösungen dienen kann, die den Umfang des Blogs nicht sprengen.

Luigi   
20. September 2008, 19:07

Jep @ Johannes.
Das ist es, was SEO spannend und auch lukrativ macht. 🙂

hannes   
20. September 2008, 19:26

Wohl war, Jens hat auch vollkommen recht, gerade bei der Suche nach Quasi-Synonymen muss man seine User und Suchanfragen schon ziemlich genau kennen oder sehr gute Datenbasen haben.

Was mich aber viel mehr interessiert Johannes: Wie kannst Du (persönlich?) inkognito bei Agenturen vorsprechen? Wenn die Dein Gesicht kennen, dürften die etwas falsch gemacht haben würde ich behaupten..

Johannes   
20. September 2008, 19:32

hannes, ich bin in der SEO-Agentur-Szene weitgehend unbekannt und habe auch nahezu keine Verbindungen dahin. Wird wohl daran liegen, dass ich mich mit der Arbeitsweise dort nicht identifizieren kann und „Agenturmenschen“ recht selten auf SEO-Events sind – ist für die halt nen 9to5-Job 😉

Maddin   
21. September 2008, 11:52

Ich will mal noch nen weiteren Aspekt in den Raum werfen…
Gerade im Long-Tail ist es aus meiner Sicht sinnvoll, sich zunächst zu überlegen in welcher Phase man den „Kunden“ abfangen will (Informations- oder Kaufphase) und dann entsprechend darauf zu optimieren bzw. die KWs drauf abzustimmen.

@Luigi
Klar, es ist schwieriger auf viele KWs zu optimieren… allerdings ist die Konkurrenz im Long-Tail (noch) nicht allzu groß. Da kann man mit hochwertigem Content schon ganz gute Ergebnisse erzielen – vorausgesetzt die Seite ist einigermaßen optimiert (und man ist nicht grad im Bereich Vers. und Co unterwegs ;)).

Ralph   
21. September 2008, 12:38

@Maddin: Der Gedanke, sich zu überlegen, in welcher Phase man einen Kunden „abfangen“ will finde ich sehr interessant und bedarf schon sehr gute Vorarbeit während der Konzepterstellung einer Website.

Ralph

Andreas   
21. September 2008, 13:41

Meines Erachtens liegt es daran, dass die Optimierung auf Long Tail von Haus aus weniger Traffic bringt. Um aber den Traffic zu steigern, bedarf es vieler Long Tail Keywords – dementsprechend mächtig muss auch die Website sein.

Viele Seiten auf einer Website bedeuten aber auch (sofern sie nicht aus der Datenbank erstellt werden) auch viel Arbeit. Und das ist das schwierige… Arbeit = Zeit = Geld. Also nix mit dem schnellen Dollar.

Inhouse-SEO   
21. September 2008, 14:08

Das mit dem schnellen Dollar ist immer so eine Sache…

Aber im Ernst, für Synonyme kann man sehr schön über Bande spielen. Vor allem wenn es um Fehlschreibungen geht die man selbst nicht verwenden will.

Und eine Site zu einem Thema besteht idR immer aus mehreren Seiten, oder? Und wie tief man geht bzw. welche Themen man abdeckt kann eine Keywordanalyse schon beantworten. Long-Tail kann auch Regional oder zeitlich sein. Und wer sich mit Siloing beschäftigt sollte immer wissen wie ein Thema in die Breite geht…

lg, Jens

Internetszene.de   
22. September 2008, 10:41

Sistrix hat sich der Frage angenommen, ob die Optimierung von Einzelkeywords überhaupt noch die Beachtung verdient, die sie derzeit durch die meisten SEO-Agenturen erhält.

Gero   
22. September 2008, 11:19

Hallo Johannes,

Du sprichst mir aus dem Herzen. Man trifft gerade, wenn man im Kundenauftrag arbeitet, viele Entscheider, denen Long-Tail Ansätze supsekt sind („Glauben sie mir, „IhrProdukt kaufen“ konvertiert besser als „IhreBranche“…).

Spannend finde ich auch vor allem SEO für die eigene Reputation oder umgekehrte Ansätze zu lasten der Wettbewerber… ich mache sowas aber natürlich nicht 🙂

Viele Grüße
Gero

Mein Blog ist gerade down   
22. September 2008, 13:12

Keine wirklich neuen Infos, umso merkwürdiger das manche tatsächlich nur auf eine handvoll Keys optimieren. Ich finde es sinnvoll mit mehreren hundert affinen Keywords pro Projekt ranzugehen. Diese werden natürlich auf den Unterseiten unterschiedlich prominent im Content gesetzt. Dabei gibt es aber immer eine Handvoll Top Keys und der Rest ist eben Long Tail und stützt die Tops mit. Das die Suche bei Google „immer feiner“ wird ist klar, mit generischen Suchbegriffen findet der (erfahrene) User ja kaum noch was – zuviel SEOs und Spammer müssen da wohl am Werke sein…

luzie   
24. September 2008, 19:24

nun gut … wem die longtail-erkenntnis bis jetzt noch nicht aufgegangen ist, der braucht ja nur seine referer durchsehen, wer’s dann immer noch nicht von alleine begreift, dem ist auch durch ein blogpost darüber wenig geholfen? 😉 was allerdings stimmt, ist, dass überall und immer weiterhin die ‚optimierung‘ auf dieses oder jenes einzelne wort gefordert oder propagiert wird. wahrscheinlich wollen das viele, die’s eigentlich besser wissen gar nicht verbreiten …

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