Manipulationsmöglichkeiten bei Social-Media-Portalen

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Yigg, Webnews und die weiteren Digg-Kopien habe ein großes Problem: Sie haben zu wenig User. Eine Startseitenplazierung bringt selbst bei Yigg selten mehr als 300 Klicks, bei Webnews ist der Traffic kaum messbar. Neidisch schauen die Betreiber da vermutlich in die USA zum großen Vorbild und hoffen auf die Zukunft. Um die paar Benutzer der Dienste jetzt aber nicht noch zu vergraulen, ist die Bewertung bei Yigg und Webnews auch ohne Account möglich. Manipulationsversuchen ist somit Tür und Tor geöffnet. Als Beispiel dafür wurde dieser Beitrag bei Yigg durch ein paar zufällig ausgewählte Proxys „geyiggt“ – das gleiche dürfte bei Webnews ebenso problemlos möglich sein.

Damit stehen die Betreiber der Seiten jetzt vor ähnlichen Problemen wie PPC-Programmbetreiber: Klickbetrug. Auch Yigg und Webnews müssen sich überlegen, ob sie aufwände Klickbetrugerkennungs-Algorithmen implementieren oder den US-Vorbild entsprechend die Anmeldung erzwingen wollen – damit wäre die Schwelle für Eingriff in das Ranking dieser Dienste immerhin etwas höher gelegt.

Nette Anekdote zum Schluss: Beim Digg-Clone Yigg, der ja eigentlich keiner sein will, heißt das Script, das die Stimmen für einen Beitrag entgegennimmt „diggit.php“ …

[Update] Ein Yigg-Administrator hat diesen Beitrag sowie meinen Account gelöscht und diese Domain auf die Blacklist gesetzt. Ob Security through obscurity funktioniert, wird sich zeigen.

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Kommentare
Avatar Tadeusz Szewczyk   
8. März 2007, 12:51

Naja, selbst wenn mal die YiGG-Moderation offline ist, fliegt so ein Beitrag mit 6 mal „melden“ raus. Da Stimmen mit Namen angezeigt und die Zahl der anonymen Stimmen ebenfalls kommt so eine große Zahl anonymer Stimmen wie hier, also 50 nur bei aktuellen Topthemen, DSDS, Saddam Husseins Hinrichtung oder Britney Spears Pussy 😉
Es brauchen also schlimmstenfalls ganze 6 Leute kurz drauf schauen und schon ist es vorbe mit Startseite.

Ist übrigens schon unsichtbar.

Avatar Johannes   
8. März 2007, 12:55

Tadeusz, es gibt ja auch eher darum, zu zeigen, dass diese Manipulation grundsätzlich möglich ist. Leute, die das einsetzen, werde dann garantiert nicht so offensiv damit umgehen sondern das etwas „natürlicher“ gestalten.

Dass Yigg den Beitrag von Hand gelöscht hat, sehe ich aber als Zeichen dafür, dass es grundsätlich funktioniert.

Avatar Enrico   
8. März 2007, 13:02

Du bekommst nur weil Du ein SEO (der zumindest gerade eben mit unlauteren Methoden gearbeitet hat) bist doch keine Extrawurst.

Du hast Betrogen und wurdest genauso behandelt wie jeder andere der das tut auch, das heist Beitrag entfernt, User entfernt, URL in globale Blacklist eingefügt.

Die anonymen Stimmen werden auch vorläufig erhalten bleiben zumal die Gewichtigung eh kleiner ist, die Mehrzahl der Punkte hat dein Artikel nicht wegen den anonymen Bewertungen erhalten sondern wegen anderen Kriterien…

Natürlich ist Manipulation möglich, es bringt Dir nur nichts. Und es gibt durchaus Mechanismen die das bei uns überprüfen und normalerweise auch fassen. Hier wurde das jetzt nochmal angepasst weils ja offensichtlich nicht funktioniert hat.

Und das Script heist lustigerweise diggit.php weil yigg eine ganze Zeitlang 2005 bis Mitte 2006 unter digg.de zu erreichen war…

Avatar Michael   
8. März 2007, 13:03

Wir haben uns entschieden, das YiGGen auch nicht-registrierten Nutzern zu ermöglichen und haben damit bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Zu dem warum, wieso, weshalb können wir gern auf YiGG in der YiGG-Gruppe diskutieren.

Den hier eingestellten Beitrag haben wir eben manuell unsichtbar gesetzt (und den user gesperrt) – nach 34 Minuten. Wir nehmen den Beitrag zum Anlass, diese Frist auf max 15min zu begrenzen. Daher danke für den Beitrag 😉

Ansonsten ist Tadeusz‘ Comment richtig, dass wahrscheinlch nach etwa weiteren 10-15 min der Beitrag von Nutzern gemüllt worden wäre. Insofern ist die „Manipulationsmöglichkeit“ in ihrer Wirkung begrenzt. Aber – wie gesagt – es gibt auch Argumente gegen die YiGG-Möglichkeit nicht-registrierter Nutzer. Wenn in einer anschliessenden Diskussion diese Argumente überweigen sollten, müssten wir unsere heutige Einstellung überdenken.

Cheers, Michael
(YiGG-Mitbetreiber)

Avatar Johannes   
8. März 2007, 13:35

Enrico, also zuerst finde ich das Wort „Betrug“ etwas unangebracht. Es ging hier nicht darum, mir irgendwelche Vorteile zu verschaffen sondern eher um eine Art unkonventionellen Bugreport 🙂 Wär‘ es mir darum gegangen, irgendwelche (nicht-existenten) Blogs von mir zu pushen, wär das bestimmt anders gelaufen …

Das Problem sehe ich darin, dass Seiten wie eure auf der Kraft der breiten Masse beruhen. Damit sollen sich Manipulations- und Betrugsversuche automatisch aus dem System heraushalten lassen. Leider habt ihr die Masse, die dafür notwendig ist aber noch nicht.

Dass das System funktioniert hat, kann ich ehrlich gesagt nicht erkennen. Die Meldung war immerhin auf der Startseite. Ihr als Admins habt sie dann manuell entfernt – hat also eher etwas von einem vormoderiertem Nachrichtenüberblick als von der Idee, die User entscheiden zu lassen.

Also, nicht ganz so verbissen sehen. Ich glaube, wenn ihr versucht, hier ein Exempel zu statuieren, hilft das weder euch noch mir.

Avatar stereophone   
8. März 2007, 13:38

Michael schrieb: „Wenn in einer anschliessenden Diskussion diese Argumente überweigen sollten, müssten wir unsere heutige Einstellung überdenken.“

eure user können aufjedenfall schlecht mit diskutieren und sich ne eigene meinung bilden, da ihr den beitrag ja gelöscht habt 🙂

Avatar Don Farrago   
8. März 2007, 13:48

Ich war gerade dabei, einen Kommentar zum Thema „Rote Karte“ abzusetzen, und wusch – schon war die Seite auf unsichtbar gesetzt.

Michael schreibt: „Wenn in einer anschliessenden Diskussion diese Argumente (d.h. gegen das YIGGen durch nicht-registrierte Nutzer) überwiegen sollten, müssten wir unsere heutige Einstellung überdenken.“

Ich persönlich hätte mir allerdings gewünscht, dass der Beitrag von Johannes drinbleibt, das hätte die Diskussion zeitnah vorangebracht. So verpufft der Effekt wahrscheinlich bald wieder.

Lg, Don Farrago

Avatar yankee   
9. März 2007, 06:03

Na ein wenig kann ich die Jungs von Yigg ja verstehen. Der Ablauf war vielleicht etwas unglücklich. Solche Beinflussungen sollten sofort selbst angezeigt werden. Naja. Ich finde solche immer gut, also Danke Sis, dass Du Deinen Account „geopfert“ hast.

… und noch eine Sache an die Yigg Jungs. Den ganzen Account zu sperren ist Schwachsinn. Sorry. Gerade wenn es einer „gut“ mit Euch meint.

Avatar Georg   
9. März 2007, 07:16

Ja Löschen ist keine Lösung, zumindest nicht gleich beim ersten Mal – irgendwer hat doch mal gesagt: „egal was sie über mich sagen, Hauptsache sie schreiben meinen Namen richtig“ …
Yigg kann jede Diskussion gebrauchen – negativ oder positiv …

Avatar Johannes   
9. März 2007, 10:11

Die Löschung des Accounts sowie Blacklistung dieser Domain wurde ja mittlerweile zurückgenommen – die beiden im Temperament doch recht unterschiedlichen Pole von Yigg scheinen sich da geeinigt zu haben 🙂

Avatar Markus   
9. März 2007, 11:16

Hallo Johannes,

wir finden deine Arbeit hilfreich und konstruktiv. Könntest du bitte den Trick auch bei http://www.colivia.de ausprobieren? Es ist eine neue Nachrichtenseite, die inhaltlich noch im Aufbau, aber bereits funktionsfähig ist. Wenn du uns das Ergebnis als News auf Colivia mitteilst, werden wir es GARANTIERT nicht löschen, auch wenn es kritisch ausfällt. Im Web 2.0 soll man ja voneinader lernen.

Avatar Johannes   
9. März 2007, 18:23

Hallo Markus,

der „Trick“ funktioniert natürlich nur, wenn anonyme Stimmen – wie bei Yigg oder auch Webnews – zugelassen werden. Da das bei euch anscheinend nicht der Fall ist, habt ihr nochmal Glück gehabt 🙂

Avatar Harald   
10. März 2007, 00:21

Yigg ist eh fürn Arsch. Da rennen nur Kinder rum und man kommt sich vor wie bei Winfuture.

Avatar Sabrina   
15. März 2007, 15:32

Also ich finde es doch recht unangemessen, den Account und den Beitrag zu löschen und sogar die Seite auf eine Blacklist zu setzen. Dann müsste halt irgendwo stehen „und über Yigg bitte immer nur Lobeshymden und nie ein schlechtes Wort“.

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