Nutzt Google Ankündigungen von Algorithmus-Änderungen für eigene Ziele?

24. April 2015, 09:41

Wenn etablierte Massenmedien wie das Handelsblatt vor dem „Mobilegeddon“ warnen, so könnte man meinen, dass SEO endgültig in der breiten Wahrnehmung angekommen ist. Leider hat die Sache einen kleinen Haken: es gab, zumindest laut unserer regelmäßigen Datenchecks und Rücksprachen mit großen Seitenbetreibern, bislang keine nennenswerten Verschiebungen im Mobile-Traffic durch Google.

Hört sich bekannt an? Geschichte scheint sich zu wiederholen: vor knapp einem Jahr hatte Google medienwirksam angekündigt, dass die SSL-Verschlüsselung von Webseiten künftig ein Rankingfaktor werde. Zahlreiche Webseiten wurden in der Folge auf SSL umgestellt und Zertifikate-Anbieter dürften Hochkonjunktur gehabt haben. Ein paar Monate später hat John Müller zugegeben, dass die Auswirkungen von SSL nur „sehr gering und sehr fein“ seien:

I wouldn’t expect any visible change when you move from http to https, just from that change, just from SEO reasons. That kind of ranking effect is very small and very subtle. It’s not something where you will see a rise in rankings just from going to https– John Müller, Webmaster Trends Analyst, in einem Webmaster Hangout

 

Vielleicht kann man sogar annehmen, dass die Umstellung auf SSL gar keine Auswirkungen auf das Ranking hat. Die Tatsache, dass er sich in den letzten Tagen ebenfalls recht vage und unbestimmt zur Ranking-Auswirkungen von Pagespeed geäußert hat, rundet das Gesamtbild in der Hinsicht ab.

Google hat naturgemäß ein hohes Interesse an möglichst moderner und fortgeschrittener Technologie in der ganzen Zugangskette der Internetnutzung. Das fängt beim Zugangsprovider an – mit dem neuen Mobilfunkangebot Google Fi und der Glasfaser-Initiative in den USA deckt Google diesen Bereich gut ab. Die Darstellung auf Endgeräten wird durch Android sowie Chrome in einer Qualität sichergestellt, die Google ein weiteres Wachstum ermöglicht.

Doch wie sieht es mit Bereichen aus, auf die Google selber direkt keinen Einfluss hat? SSL-Verschlüsselung, schnelle Ladezeiten, mobile Nutzbarkeit von Webseiten – alles Themen, die Google forcieren muss, um Aktionäre weiterhin mit hohen Wachstumsraten bei Laune zu halten und zufällig auch gleichzeitig Bereiche, die künftig ein Rankingfaktor werden? Wie seht ihr die Sache?

Dieser Beitrag hat 14 Kommentare

 
  24. April 2015, 09:59

Hallo Johannes,

Du hast meine volle Zustimmung. Gerade bei der Pagespeed-Thematik konnte ich auch ganz klar keine Vorteile im Ranking erkennen. In den Absrpungraten schon, da die User heutzutage einfach schnelle Webseiten gewohnt sind dank Amazon und Co. Aber natürlich kosten langsam ladende Webseiten – z.B. zu groß eingefügte Bilder – Google ja richtig Geld in Form von Speicherplatz und Energiekosten. Was liegt da also näher, den bestmöglichen Multiplikatoren (sprich Online Marketern) zu erzählen, schnelle Webseiten würden in Zukuntf besser ranken.

Das Ganze analog zu https („diese bösen Hacker, wenn alle doch nur https einsetzen würden“) und jetzt Panikmache dank „Mobilegeddon“ („wenn alle mobile Webseiten haben, könne wir ja endlich unseren mobilen Index damit befüllen“).

Viele Grüße,
Marcell

 
  24. April 2015, 10:04

Netter Ansatz. Dass zum 21.04. keine nennenswerten Änderungen aufgetreten sind, kann ich bestätigen.

Jedoch sehe ich das ein bisschen anders. Natürlich will Google Android Nutzer zufrieden stellen und ist auch deshalb daran interessiert, dass Seiten mobil optimiert sind. Aber Google ist in erster Linie daran interessiert, dass die Suchmaschine – mit den Anzeigen immer noch das absolute Kerngeschäft – die besten Ergebnisse liefert. Und dies sind bei mobilen Suchanfragen eben eindeutig nicht, die nicht mobil optimierten Seiten. Aus meiner Erfahrung verändert Google schon seit einiger Zeit den Algorithmus in diese Richtung und ich gehe davon aus, dass es auch weiter in diese Richtung geht. Der große Schlag am 21.04. blieb aber tatsächlich aus.

 
Martin Bahls
  24. April 2015, 11:31

Hallo Jonas,
du bist nicht der einzige, der denkt, dass Google andere Ziele verfolgt, siehe hier:

http://blog.100partnerprogramme.de/2015/04/23/weltuntergang-verschoben-mobilegeddon-laesst-auf-sich-warten-oder-doch-nicht/

Gruß

 
  24. April 2015, 11:40

Google verfolgt selbstverständlich eigene Ziele mit den SSL/Pagespeed/Mobile Updates.

– SSL: Hier hab ich mal einen interessanten Artikel gelesen, das es Google vor allem darum ging, Wettbewerbern den Zugriff auf bestimmte Daten zu erschweren. Das Google den Vorreiter in Datenschutz spielt, nimmt ihnen ja nicht wirklich jemand ab…
– Pagespeed: Vereinfacht ihnen das crawlen. Ich schätze mal das es Ihnen auch Geld einspart. Rankingvorteile entstehen warscheinlich vor allem durch geringere Absprungraten usw. also indirekt.
– Mobile: Hier wollen Sie warscheinlich wie Christian schon sagt bessere Serps erreichen. Aber fast alle großen Brands und Webseiten in den Top10 sind mobile ready, von daher auch keine großen Veränderungen.

Einer der besten Artikel der letzten Zeit über die Taktik von Google ist http://www.seobook.com/peak-google
Wer den noch nicht kennt unbedingt lesen! (englisch)

Im Grunde kann man schon sagen das Google die Entwicklung des Internets maßgeblich mitbestimmt durch Ihre Updates.

Die Google Agenda zusammengefasst: Macht tollen Content, damit wir mit eurem Content mehr Geld verdienen können und als Qualitätsseite gesehen werden. 🙂

 
  24. April 2015, 12:52

Hallo Johannes,
den größten Treiber bei der Mobil-Offensive seitens Google sehe ich im Anzeigengeschäft. Was im SEO-Bereich möglicherweise nicht so starke Beachtung findet: Google agiert seit einiger Zeit sehr vehement (auch im Vertrieb) im Ad-Serving und Programmatic Buying-Bereich. Sie machen es dem Kunden (wie auch sonstwo) unglaublich leicht und schmackhaft, auf DFP umzusteigen. (BTW: Wäre ich Adserver-Anbieter, würde ich mir im Moment durchaus Sorgen machen).

Sowohl auf Buyer- wie auch auf Seller-Seite hat Google die ganze Kette gut im Griff.
Aber: Bei dem deutlichen Shift von Desktop zu Mobile wird nur ein Schuh draus, wenn das Inventar auch mobile zur Verfügung steht. Zudem hat kein Buyer Lust (der Advertiser inhouse noch viel weniger als die Agentur 😉 seine Desktop-Werbemittel auf nicht optimierten Seiten auf mobilen Geräten zu finden. Der verstärkt kommende Active-View-Ansatz tut sein Übriges dazu.
Das sind m.E. die sehr konkreten Gründe Googles, Webseitenbetreiber „aufzufordern“, ihre Seiten mobilfreundlich zu gestalten.
Gruß,
Stefan

 
Thomas K.
  24. April 2015, 16:16

Bei aller Kritik an Google.

Auch Toolanbieter wie Sistrix und Co. partizipieren natürlich an der „Panikmache“ hinsichtlich neuer Ankündigungen zu Algoänderungen, in dem man weitere kostenpflichtige Module anbietet.

VG
Thomas

 
  24. April 2015, 18:32

Thomas K., der Vorwurf ist – zumindest in Bezug auf SISTRIX – falsch. Wir haben für keines der Google-Updates neue, kostenpflichtige Module angeboten. Sowohl der Smartphone-Sichtbarkeitsindex für Deutschland als auch Features wie unser LinkRating sind ohne Mehrkosten für die Nutzer verfügbar. Es gab übrigens seit Einführung der Toolbox keine Preiserhöhung.

 
Sven
  24. April 2015, 23:33

Bis heute sind die meisten hochgelobten SEO Ansätze, besonders die Google eigene Philosophie nichts weiter als Mythen. Ob eine Website 1 Sekunde oder 5 Sekunden zum Laden braucht, hat keinen Einfluss. Auch der so gefürchtete Duplicate Content macht kaum etwas aus. Ich habe Websites gesehen, die sind exakt kopiert und unter mehreren Adressen erreichbar (ohne Redirect). Die Platzierung ändert sich nicht, sie werden genauso gut gerankt wie optimierte Websites, bei denen der Entwickler an alles gedacht hat, was angeblich von Google „abgestraft“ wird.

Sauberer Code, schnelle Ladezeit, SSL, alles Blödsinn. Das Einzige, was leider bis heute wirklich funktioniert, ist massenhafter Backlinkaufbau und Keyword-Spam. Alles andere sind größtenteils traditionell weitergetragene Wunschträume.

Zum Mobile Update: Bis heute keine Änderung. Websites mit mehreren Sekunden Ladezeit, nicht responsiv und so ziemlich gegen alle Google-Richtlinien verstoßend, stehen auch heute weiter auf Platz 1. Warum? Wie oben erwähnt: Keyword-Spam und Backlinks. Content is King? Leider nein. Google und seine Philosophie „Zuerst der Nutzer“ mit allem was daran hängt ist eine der größten Lügen, mit denen wir es zu tun haben.

Gute Meta Titel, Keyword Spam und massenhaft Backlinks – fertig ist das grundlegende SEO Paket. War früher so und ist heute leider auch noch so. Natürlich möchten das viele nicht wahrhaben, aber selbst große SEO treffen mittlerweile diese Aussage. Schade für Entwickler, die sich wirklich bemühen, guten Inhalt auf sauberem Code anzubieten, denn das bringt leider gar nichts.

 
Thomas
  24. April 2015, 23:52

Logisch wäre es eigentlich, dass stärker zu berücksichtigen, auch wenn ich bisher (leider) auch noch nichts bemerkt habe. Grundsätzlich kann aber google nur daran gelegen sein, bessere Suchergebnisse bzgl. Responsive Design anzubieten, weil nicht-responsive Webseiten auf dem Smartphone einfach besch… aussehen. Dadurch wird das Surferlebnis wesentlich mehr negativ beeinflusst als durch langsame Ladezeiten oder eine nicht-verschlüsselte Verbindung. Wenn ich als Smartphone User regelmäßig mit nicht-responsiven Webseiten bei google „genervt“ werde, wird sich das garantiert auch auf mein Suchhäufigkeit negativ auswirken und das wiederum ist negativ fürs google-Anzeigengeschäft. Ich würde alleine schon deshalb als Suchmachinenbetreiber diesen Punkt wirklich stark gewichten.

 
  27. April 2015, 11:18

Hallo,

in diesem Zusammenhang möchte ich auf http://marketingland.com/chrome-notifications-the-physical-web-and-googles-war-on-apps-126291 verweisen, warum Google Mobile so sehr pusht.

Das Resümee von Johannes ist meiner Meinung nach zu schnell gewesen. Ich vermute, dass die Auswirkungen noch größer werden. Ich wünsche mir nächste Woche eine tiefergehende Analyse von Sistrix hier im Blog, mit Gewinnern und Verlierern.

Grüße aus Hamburg,

 
  27. April 2015, 12:07

„Auch der so gefürchtete Duplicate Content macht kaum etwas aus. Ich habe Websites gesehen, die sind exakt kopiert und unter mehreren Adressen erreichbar (ohne Redirect). Die Platzierung ändert sich nicht, sie werden genauso gut gerankt wie optimierte Websites, bei denen der Entwickler an alles gedacht hat, was angeblich von Google „abgestraft“ wird.“

@Sven: Das kann ich so nicht bestätigen. Hatte schon 2 Kunden die dadurch entweder Rankings MASSIV verloren haben, oder die Rankings für die komplett falsche Domain waren.

 
  27. April 2015, 12:34

Also, zumindest im Gesundheitsbereich gibt es schon signifikante, wenn auch nicht dramatische Veränderungen. Aber wahrscheinlich sind im eCommerce-Bereich daher weniger Veränderungen erkennbar, da die meisten Seiten bereits ein mobiles Pendant haben (?).

 
  27. April 2015, 17:52

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Google diese Ankündigungen für ihre eigenen Zwecke (Miss)braucht. Ich habe bis jetzt noch keine Änderungen beim Mobile Traffic gesehen (bei Kunden), darum gehe ich davon aus, dass auch dieses Mal die Auswirkungen, wie vor einem Jahr, minim sein werden. Wir werden sehen…

 
Sybille Berger
  27. April 2015, 18:17

@Sven genau so ist es, leider
Ich kenne zig solcher Seiten die gegen alles was Google in seinen Richtlinien propagiert verstoßen und dennoch in hartem Umfeld auf Position 1 ranken.

 

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