Anzeigenabteilung als Blackhat-SEOs

Johannes Beus
Johannes Beus
25. Februar 2008
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Suchmaschinenoptimierung für größere Seiten basiert seit einiger Zeit hauptsächlich auf dem Vertrauen von Google in die Qualität des Contents einer Domain. Dies hat zur Folge, dass auf Domains, denen Google vertraut nahezu jede Inhalte ordentlich ranken – die externe Verlinkung ist hier häufig noch das „I-Tüpfelchen“, meistens aber nicht ausschlaggebend für ansprechende Positionen. Im deutschen Index sind es besonders häufig Verlage sowie deren Internetseiten der Print-Publikationen, die diesen Status genießen. Häufig sehr früh im Internet vertreten und in den meisten Fällen mit Content ausgestattet, der freiwillig und breitflächig verlinkt wird, hat man sich das Vertrauen Googles zu Recht erworben.

Was unter der Bezeichnung „Parasite-Hosting“ international seit langem gang und gäbe ist (als Black-Hat-Taktik), scheint nun auch hier in größerem Stile Fuß zu fassen: Domains und Subdomain, die offensichtlich Trust, also Vertrauen von Google genießen, werden genutzt, um Inhalte abzulegen, die häufig einen stark kommerziellen Hintergrund haben und die das Vertrauen von Google in diese Domain nicht rechtfertigen. Klassische Beispiele kommen hier aus dem Finanzbereich, aber auch Autos oder Immobilien scheinen beliebt. Im Gegensatz zu den USA, wo häufig Universitäten (vermutlich ohne dessen Wissen) genutzt werden, bin ich überrascht, dass sich in Deutschland zahlreiche Verlage vor diesen Karren spannen lassen. Häufig scheinen hierbei übereifrige Anzeigenverkäufer der Verlage am Werk gewesen zu sein, die in Subdomains lediglich eine Werbefläche sehen, sich freuen, Ihre Zahlen erreichen zu können und sich der möglichen Folgen für die komplette Domain nicht bewusst sind. So kann ich mir nicht vorstellen, dass beispielsweise die Süddeutsche, wenn sie sich der Folgen eines Entzugs des Googlevertrauens für ihre gesamte Domain bewusst wäre, ohne zu Zögern Inhalte zum Thema „Kredit, Altersvorsorge, DSL, Immobilien …“ auf einer Subdomain beherbergen würde. Aber auch Zeitungen wie die FAZ, das Magazin Capital oder das Manager-Magazin gehen großzügig mit Subdomains und „googleoptimierten Werbeplätzen“ um.

Ich hatte eigentlich erwartet, dass der Medienrummel um die PageRank-Abwertung einiger Linkverkäufer zur Erkenntnis beigetragen hätte, dass man das eigene „Webgrundstück“ nicht für kurzfristige, verhältnismäßig geringe Gewinne durch Werbeverkäufe aufs Spiel setzen sollte. Tja …

Ähnliche Beiträge
Kommentare
Pelle Boese   
25. Februar 2008, 10:27

Ich denke, dass die Entscheider an dieser Stelle einfach keinen Ahnung haben, was sie da zulassen. Die Partner, deren Werbung hier eingeblendet wird, erzählen denen Geschichten vom großen Reichtum. Das genügt meistens. Da die wenigstens Verlage ordentliche Inhouse-SEO beschäftigen, wird hier nicht gewarnt.

Paddy   
25. Februar 2008, 10:49

Da frag ich doch gleich mal an, ob ich nicht eine Subdomain für ein Blog bekomme 😉

Tim   
25. Februar 2008, 11:55

Wow, ganz heißes Ding…
Aber warum führt denn
http://biallo.sueddeutsche.de
zu nichts?!

Grüße,
Tim

Manuel   
25. Februar 2008, 16:47

Man muss sich einmal die Referenzen von Mano-Dienste http://www.mano-dienste.de/home/koop/index.html anschauen. Ich denke aber, dass die betreffenden Online Portale einen so starken Trust haben, dass sie auch für die Lapalie nicht großartig abgestraft werden.

Christian   
25. Februar 2008, 17:06

Also die Subseiten auf http://biallo.sueddeutsche.de finde ich schon ziemlich dreist – vor allem da die Stammseite einfach wieder auf die Süddeutschen-Hauptseite umleitet und die Subdomain daher per se eigentlich gar nicht existiert. Also wirklich reiner Werbeplatz…

Ich kann mir das nur so erklären, dass die Verantwortlichen wirklich nicht wissen, was sie da eigentlich machen. Obwohl sie sich ja schon irgendwie fragen müssten, warum ein Kreditfritze unbedingt eine Domain mit der Süddeutschen im Namen haben will – sowas unterschreibt man doch nicht einfach, ohne sich vorher bei einem Experten für Online-Marketing oder SEO zu informieren…. Oder doch…?

Olaf   
25. Februar 2008, 17:50

Also ehrlich gesagt verstehe ich Eure Aufregung nicht. Die Süddeutsche kann doch auf Ihrer Site machen was sie will. Die Fläche gehört ihr und nicht Google – das vergessen komischerweise alle immer. Und gegen eine Kooperation kann auch Google eigentlich nichts haben. Immerhin finden sich Links zur eigentlichen Domain der Website nur sehr versteckt und verlieren im dem Haufen weiterer Links komplett ihre Wirkung.

Und das Risiko für die Süddeutsche sehe ich auch nicht so stark – immerhin wird hier eine eigene Mini-Site betrieben und nicht nur einfach verlinkt.

Ich bin mal gespannt, wie Google auf solche Sachen reagieren wird.

Johannes   
25. Februar 2008, 19:54

Olaf, die Argumentation hatten wir bei den gekauften Links doch bereits. Natürlich kann die Süddeutsche und jeder andere Domaininhaber auf seiner Seite machen, was er will. Andererseite kann Google auch machen, was Google will. Dazu gehört dann auch, den Trust einer Domain den tatsächlichen Gegebenheiten (die durch „Werbekram“ verwässert werden) anzupassen. Und hier bezweifel ich eben, dass die kurzfristigen Gewinne durch den Verkauf der Subdomains/“Werbeplätze“ den langfristigen und nachhaltigen Verlust an Indextraffic kompensieren.

Michael   
26. Februar 2008, 08:21

Das Ganze ist entspannter, als es überhaupt aussieht. Die besagte Domain ist ständig auf der Suche nach Kooperationspartnern und ist dabei auch sehr erfolgreich. biallo.de/menuedown/tz_koorp.php
Die Jungs haben viele Redakteure, die für die Zeitungen die Finanzartikel schreiben und ein paar Tools bereitstellen. Deshalb sind Sie auch bei der Süddeutschen vertreten.

Davidfree   
26. Februar 2008, 12:15

Aus eigener Verlagserfahrung würde ich wetten, dass die SZ nicht weiss, dass es da ein Risiko gibt… Vielleicht wissen die nichtmal, dass es noch eine aktive subdomain gibt…

Das müsste ihnen mal jemand erklären… die sollten mal SEO-Berater engagieren 🙂

Vor 2-3 Jahren, als SEO noch nicht so in aller Munde war wie jetzt, war es nicht unüblich, auch für kleinere (eCommerce) Partnerschaften solche subdomains anzulegen und den Fremdcontent (gegen RevShare) dort hosten zu lassen. Eigentlich keine schlechte Lösung, weil der Content im Look&Feel UND bei der URL nach SZ aussehen kann… (was man verlagsseitig sehr gerne sieht)

Die Blackhat und duplicate Content Debatte ist im Zeitungs-Managment noch nicht SO lange auf der Tagesordnung….

Marcus   
2. März 2008, 23:10

Hallo Johannes,
es ist ja seit vielen Jahren normal über Whitelabel Programme seine Produkte einer breiteren Masse an Usern zur Verfügung zu stellen. Ich würde mal eher sagen, dass Verlagsseiten den Zug fast verpasst hätten. Ich kenne das seit nunmehr 8 Jahren. In Berlin in der Zionskirchstr. war das ebenso Gang und Gebe.

Whitelabelprogramme, wozu auch das sueddeutsche.de Angebot sind ein Marketinginstrument und werden durch Leute eingebunden die niemals an SEO denken würden. Sollte Google den Host solcher Whitelabelprogramme bestrafen würde sich Google keinen Gefallen tun.

Anders sieht das bei Linkverkauf aus. Das ist natürlich grob fahrlässig.

Beste Grüße
Marcus

Sascha   
24. März 2008, 23:59

Habe ähnliches Vorgehen u.a. auch bei ImmoScout24 gesehen.
Jedoch was die sueddeutsche da macht ist schon heftig!

Gally   
12. April 2008, 00:12

Was es heißt, wenn man aus dem Index fliegt hat ja BMW am eigenen Leib spüren müssen :o))

Der Starnberger   
17. April 2008, 09:15

Ich vermute mal, das Tante G das irgendwann bemerkt und negativ wertet, ehrlich währt am längsten…

Die Kommentarfunktion wird 30 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags deaktiviert.