Auswirkung negativer Nutzersignale auf das Google Ranking

13. August 2014, 14:27

Die Startseite der Domain hotel-bonn.de bietet ein sehr schönes Beispiel dafür, welchen Einfluss Nutzersignale auf das Google-Ranking zu einem bestimmten Keyword haben können.

Bei der Domain handelt es sich um eine uralte Exact-Match Domain für das Keyword „hotel bonn“. Die beiden Wörter „Hotel“ und „Bonn“ kommen auf der Startseite vor und sind ebenfalls in einigen externe Backlinks enthalten. Für Google gibt es also deutliche Rankingsignale die Website hotel-bonn.de für das Keyword „hotel bonn“ relativ weit oben als Treffer anzuzeigen.

Schauen wir uns den Rankingverlauf der Domain für das Keyword an, so sehen wir ein stetiges Auf und Ab.

Rankingverlauf hotel-bonn.de zu dem Keyword

In gewissen Abständen ist die Domain für wenige Wochen in den Top 10 zu finden und verschwindet dann wieder für einen längeren Zeitraum von der ersten Suchergebnisseite. Zeitweise schafft sie es bis auf Platz 2 für die attraktive und umkämpfte Suchphrase „hotel bonn“.

Hotel BonnDas Problem ist, dass es bei der Website nicht um ein Hotel in der wunderschönen Bundesstadt Bonn geht, wie man eigentlich vermuten könnte. Vielmehr handelt es sich um die Seite eines Hotels in Baunatal am Stadtrand von Kassel. Es wird von einer Familie mit dem Nachnamen Bonn betrieben und heißt deshalb „Landgasthaus Hotel Bonn“.

Der überwiegende Teil der Google-Nutzer dürfte bei der Suche nach „hotel bonn“ ein Hotel in der Stadt Bonn suchen (User Intent). Ein Hotel 2,5 Stunden Fahrzeit von Bonn entfernt am Stadtrand von Kassel ist für die meisten Nutzer daher kein besonders guter Treffer für ihre durchgeführte Suche.

Treffer Hotel Bonn

Viele Suchende werden erst gar nicht auf den Treffer klicken, weil sie im Snippet des Treffers bereits „Hotel und Landgasthaus am Stadtrand von Kassel“ gelesen haben. Ein weiterer Teil klickt ihn an, kehrt aber im Vergleich zu den anderen Treffern überdurchschnittlich oft zu Google zurück, um ein anderes Ergebnis auszuwählen (hohe Return-to-SERP-Rate).

Als Ergebnis kann man dem Google Algorithmus bei der Arbeit zuschauen. Aufgrund der vorhandenen positiven Rankingsignale testet Google den Treffer von hotel-bonn.de alle paar Monate in den Top 10 zu dem Keyword „hotel bonn“. Bei den Nutzern fällt der Treffer jedoch durch, so dass Google in für einige Zeit aus den Top 10 wieder entfernt.

Entsprechend volatil ist dann auch die Entwicklung des Sichtbarkeitsindex der Domain hotel-bonn.de

Sichtbarkeisindex hotel-bonn.de

Gerade weil das Beispiel so simpel ist, zeigt es sehr anschaulich, vor welchen Problemen Google und Websitebetreiber stehen, wenn Rankingsignale und User Intent nicht übereinstimmen. Stark schwankende Rankings können ein Signal sein, dass eine Website einfach die falschen Signale an Google sendet.

Dieser Beitrag hat 29 Kommentare

 
  13. August 2014, 16:06

Interessantes Fallbeispiel, danke dafür. Interessant finde ich v.a. die Intervalle, in denen Google es wieder versucht. Nach ca. 3 – 4 Monaten scheinen sich negative Usersignale aufzulösen, und die Links oder Onpage-Signal greifen wieder. Aber wenn es nicht mit den Usersignalen zusammengeht, ist erst mal wieder Strafsitzen angesagt.
Btw: Ich würde das über den Title lösen: einfach „Hotel Bonn in Kassel“ – und fertig ist die Laube 🙂 Ob das Hotel für „Hotel Bonn“ rankt, ist ja egal, entscheidend wäre ja, mit „Hotel Kassel“ nach vorne zu kommen.

 
  13. August 2014, 16:39

Stellt sich die Frage, ob man das für negatives SEO auch verwenden kann und wieviele Klicks und IPs man dafür braucht um den Mitbewerber zu kicken.

 
tobi
  13. August 2014, 19:05

Rankt das Hotel für „hotel kassel“?

 
Hanns Kronenberg
  13. August 2014, 19:10

Für „hotel kassel“ noch nie in den Top-100 gewesen https://next.sistrix.de/sl/WLn3HISA

 
  14. August 2014, 08:58

Perfektes Beispiel. Vielen Dank für die anschauliche Darstellung.

 
Marcus
  14. August 2014, 09:13

Super Beispiel! Und wie erwähnt tatsächlich wohl gerade aufgrund der Einfachheit des Falls. Bischen irritierend finde ich jedeoch, dass die gedachte Trendgerade auf die SERP-Positionen eine positive Steigung hat. Würden (!) alle anderen Faktoren konstant bleiben sollte man meinen, dass das durchschnittliche Ranking im Laufe der Zeit sinkt. Eine Bestätigung mehr dafür, wie geduldig Google sein kann 🙂

 
  14. August 2014, 09:28

Ich habe mir erlaubt, Ihren Artikel auf meinem Blog zu empfehlen. Das Beispiel ist so schön plakativ. Ich habe als Illustration die Google „Fieberkurve“ verwendet. Ich hoffe, das ist OK für Sie.

 

[…] Einfach. Spannend. Hier lesen! […]

 
  14. August 2014, 09:33

Ok… für „hotel kassel“ noch nie in den Top-100 gewesen, aber für „hotel bonn“ …. das bestätigt aber auch, das mann mit Keywotd-Domains noch gut ranken kann… haben wir selbst auch in einigen aktuellen Test festgestellt.

 
  14. August 2014, 09:44

Was mit der Domain anfängt, setzt sich dann (unglücklicherweise) mit der URL-Struktur fort:
/pages/bonn_hotel.html
/pages/bonn_restaurant.html

Ich glaube, da müsste man grundsätzlich einmal Onpage einiges überarbeiten und bspw. auch den Text und die Überschriften anpassen. Aber grundlegend genauso wie Martin sagte, schon mal den title-Tag ändern. Das sollte einiges bewirken.

VG,
Ronny

 
  14. August 2014, 10:00

Mein Gott, wie verliebt in seinen Nachnamen kann man denn überhaupt sein, dass man diesen sogar in die URL-Strukturen mit aufnimmt. Da sollte wirklich mal jemand beratend tätig werden.

 
  14. August 2014, 10:05

Vielen Dank für den Beispiel!
Mich würde auch interessieren ob bei den Ausbrüchen nach oben am Content oder generell an der Seite was gemacht wurde, um zu sehen ob Google das als Anlass genommen hat der Seite wieder eine Chance zu geben.

 
  14. August 2014, 10:24

Eine Keyword-Domain macht sinn, nur wenn sie dem gewünschtem Ziel nutzt, Traffic ist in diesem Fall alles, denn er läuft ins leere, man muss immer den Menschen im Blickpunkt haben.

 
  14. August 2014, 10:45

Schöne Mini-Studie! Vielen Dank dafür.

@Stefan: Beim Lesen habe ich mich auch gefragt, wann der erste Service in dieser Richtung angeboten wird. Die Umsetzung ist allerdings nicht gerade trivial. Interessant aber alle mal.

@Horst: Viele bekannte Firmen bestehen aus dem Gründernamen (Siemens, Bosch, Porsche……..). Insofern mach Hotel Bonn schon sinn. Vor allem wenn man noch nicht von SEO gehört hat.

@Martin: Kann man leider nicht nachvollziehen (http://web.archive.org/web/*/hotel-bonn.de). Die Erebnisse zeigen nur, dass die Startseite umgeleitet wird. @Hanns: Weißt du etwas über Veränderungen auf der Seite?

 
  14. August 2014, 10:53

Mal sehen, wie sich der Rankingverlauf nach diesem Sistrix Artikel auf die Domain auswirken wird. Schaden wird er sicher nicht.

 
  14. August 2014, 11:22

Wirklich interessant, wäre zu überlegen dem Betreiber der Domain nahezulegen, die Seite für das lohnende Key zu verwenden und für das eigene Hotel eine neue Seite aufzubauen. Ich möchte nicht wissen wie viele Leute versehentlich dann doch dort buchen oder zumindest anrufen.

Das Beispiel ist doppelt gut gewählt, da man recht gut erkennen kann, dass bei der Seite kein Seo am Werk ist.

 
Maik
  14. August 2014, 11:44

alles schön und gut, aber Am Ende des Tages entscheidet doch ob das Landgasthaus Hotel Bonn mit den Anfragen zufrieden ist und die Kapazität zu den möglicherweise optimierten Anfragen passt. Also auch hier ein gutes Beispiel dafür, dass auch mit simplen Mitteln die vielleicht veraltet sind und hervorragend für Analysen geeignet in der Praxis doch das erreicht wird was man will, in diesem Fall ein volles Haus, neue Zimmer lassen sich nicht so schnell beschaffen wie neue Links.

 
mcf
  14. August 2014, 12:20

Tja, Hotel in Bonn aufmachen, würde ich sagen:-)

 
hessebub
  14. August 2014, 12:35

Wurde schon analysiert, wie gut die lokale Wahrnehmung der Seite ist? -Ich als alter Romantiker würde immer denken, dass Google „Hotels aus Bonn“ durch geographische Angaben etwa im Impressum und/oder Google my business mit eher durch den Website-Content oder die URL ermittelten „Bonn-Angaben“ vergleicht und auf diese Weise eine Gruppe Matches erhält, wo ein „Hotel Bonn“ auch ein Bonner Hotel ist. Dass dann ein Kasseler (oder Kasselaner? Kasseläner?) Hotel in der selben Liste steht, kommt mir gerade viel zu simpel vor.

 
  14. August 2014, 13:20

Das erinnert mich ein bisschen an eine Beobachtung, die ich vor einiger Weile in Österreich gemacht habe. Da war tatsächlich in den Top-10 unter dem Begriff „Hotel Wien“ ein Haus mit dem „sinnvollen“ Namen „Hotel Stadt Wien in Zell am See“ zu finden. Wien ist von der Marktgemeinde Zell am See gute 400 KM entfernt und ich hab mir immer gedacht, wieviele Gäste vielleicht irrtümlich dort ein Zimmer buchen, in Wien z.b. am Flughafen ankommen und dort vom Taxifahrer erfahren, dass Zell am See nur ein paar Stunden in einem anderen Bundesland entfernt liegt. Das Leben schreibt die besten Geschichten 🙂

 

[…] Auswirkung negativer Nutzersignale auf das Google Ranking – sistrix.de […]

 
  17. August 2014, 18:34

Ich habe vor ein paar Monaten gehört, dass Keyword – Domains nicht mehr so gut ränken würden und das eine Keyword – Domain auch negativ von Googel bewertet werden kann. Aber dieses Beispiel zeigt mir das Gegenteil. Danke für diesen Beitrag.

 

[…] Auswirkung negativer Nutzersignale – Die Startseite der Domain hotel-bonn.de bietet ein sehr schönes Beispiel dafür, welchen gravierenden Einfluss Nutzersignale auf das Google-Ranking zu einem ganz bestimmten Keyword haben können. Weiter… […]

 
Florian
  19. August 2014, 09:38

Unglaublich.

 
Olli
  20. August 2014, 08:32

Danke für die coole Analyse.

 

[…] Google weiß das – Google weiß, dass SEOs und Webseitenbetreiber gerne gute Platzierungen bei Google ergattern, dass diese aber deswegen noch lange nicht unbedingt das bieten, was der Suchende wünscht. Seit einigen Jahren bereits wertet Google daher auch das User-Verhalten auf der Seite aus. Der bekannte SEO-Anbieter Sistrix hat nun in einem Artikel eine Domain näher analyisiert, bei der das deutlich wird: Auswirkung negativer Nutzersignale auf das Google Ranking. […]

 
  21. August 2014, 13:49

Spannende Analyse. Es ist immer wichtig die vorhandenen Daten richtig zu interpretieren.

 
top
  28. August 2014, 07:56

Eine andere Möglichkeit wäre es vermutlich, wenn man dem Seitenbesucher der ein Hotel in Bonn sucht einfach ein paar Unterseiten anbietet auf denen er Informationen zu Hotels in Bonn findet.
Wenn der Hinweis dazu auffällig genug auf der Startseite positioniert würde, könnte man sicherlich viele verlaufene Seitenbesucher dazu animieren ein paar Klicks mehr auf der Seite zu machen um dann auf eine andere „Empfehlung“ zu klicken und nicht zurück zur Google-Suche zu wechseln.

 
  7. September 2014, 17:17

Danke für das tolle Beispiel. Bedeutet das, dass eine hohe Return-to-SERP-Rate schlecht fürs Ranking ist? Was aber bei Seiten die Ihre Informationen auf der Einstiegsseite präsentieren und nicht erst 3 Seiten später? So haben wir auf dieser Seite http://goo.gl/6ASqmS eine 92% Ausstiegs und ebensohohe Absprungrate. GA zeigt aber eine durchnittliche Besuchszeit von rund 6 min an. Bin hier ein bisschen ratlos vor allem weil auch Eventtracking oder ähnliches zwar in GA die Ergebnisse verbessern kann, wohl aber keinen Einfluss auf Google haben wird.

 

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