Datenschutzgau: Google Web History

Johannes Beus
Johannes Beus
20. April 2007
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Google hat die Search History vor ein paar Tagen in Web History umbenannt und damit gleichzeitig die Breite der mitprotokollierten Handlungen massiv erhöht: Wurden bei der Search History, die seit Februar bei vielen Google-Accounts als Standardeinstellung aktiviert war, nur die Suchanfragen bei Google aufgezeichnet, wird nun, über die Google-Toolbar, das komplette Surfverhalten protokolliert. Im eigenen Googleaccount kann man dann sehr schön nachvollziehen, wann man wo, wielange und wie oft auf welchen Seite gesurft hat – alles vermutlich für die Ewigkeit auf Servern eines gewinnorientierten Privatunternehmens in den USA festgehalten.

Beworben wird Google Web History damit, dass, je mehr Google über das eigene Verhalten und die eigenen Vorlieben weiß, desto besser und genauer die Ergebnisse gesteuert werden können. Das geht soweit, dass Google anhand des Surfverhaltens eine personalisierte Liste an Adressen, die einem gefallen könnten, vorschlagen kann. Sind das wirklich Daten, von denen man möchte, dass sie außerhalb des eigenen Einflussbereiches gespeichert werden? Denn, obwohl die Möglichkeit zum Löschen einzelner oder aller Einträge besteht, so weist die „Privacy FAQ“ doch darauf hin, dass neben dem „Live-System“ noch ein weiteres Log-System betrieben wird, das diese Einträge weiterhin speichert.

Wem der Hang zum Datensammeln von Google bislang noch nicht negativ aufgestoßen ist, der sollte diese Einstellung spätestens jetzt überdenken. Es gibt genügend gute Alternativen zur Google-Toolbar und die Google-Suche kann auch (noch?) ohne einen Google-Account benutzt werden.

[Update 21.04.] Interessant ist in dem Zusammenhang, dass YouTube angekündigt hat, zu Vermarktungszwecken Nutzerdaten zu den Videos zu sammeln. So sollen Werbetreibende umfassende Informationen zu Alter oder Geschlecht der Surfer bekommen. Via heise.de

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Kommentare
Rene Kriest   
21. April 2007, 22:09

„alles vermutlich für die Ewigkeit auf Servern eines gewinnorientierten Privatunternehmens in den USA festgehalten.“

Na komm, es gibt Schlimmeres.

Sähst Du die Daten lieber in Schäubles Händern? 😉

Grüße,

René
ProBloggerWorld

Johannes   
22. April 2007, 10:51

Ehrlich gesagt traue ich dem deutschen Staat da einen weitaus sensibleren Umgang mit persönlichen Daten als Google zu …

devmag   
22. April 2007, 13:24

Wo ich mir eben Gedanken mache, ist das Google eben nicht nur noch Google ist, sondern eben dieser Rießenkonzern der Daten nicht nur über die Suche protokollieren kann, sondern auch durch Produktsuche, durch die Toolbar, durch Skype, durch Youtube, Orkut etc… das Benutzerverhalten kann von Google nicht nur durch das Suchverhalten „protokolliert“ werden, sondern durch die ganzen anderen Services auch…die Frage ist da, wie bei einem solchen Konzern die Trennung dieser Daten gewährleistet wird!

Google versucht ja die ganzen Accounts zu bündeln…

Andreas   
26. April 2007, 10:34

Ich stimme Johannes zu, dass ich dem Staat eine weitaus vernünftigere Handlungsweise zutraue als einem privaten Unternehmen, welches dem Shareholder Value ausgeliefert ist.

Als ich meine History zum ersten Mal vor ein paar Tagen sah, gab es mir einen Ruck, was die alles so wissen – Danke, für die Aufzählung von Alternativen!

Matthias   
17. Mai 2007, 21:20

Ich habe mein Suchprotokoll gerade eben deaktiiviert.
Danke für den Hinweis.

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