Linkverkauf – ein Problem für Google

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Seit Matt Cutts in einem Beitrag in seinem Blog dazu aufgerufen hat, Seiten, die offensichtlich Links verkaufen per Spamreport zu melden, kochten die Meinungen in Blogs und Foren zu diesem Thema hoch: Einmischung, Ausnutzung der Monopolstellung oder auch Vortrieb dem Denunziantentum sind nur einige Vorwürfe, denen sich Cutts und Google ausgesetzt sehen. Dabei ist das Problem komplexer und Schwarz/Weiss-Meinungen bringen hier nicht weiter.

Ende 1999, als Brin und Page in dem Dokument „The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine“ die Grundlagen der neuen Art der Bewertung von Webseiten, die hauptsächlich aufbauend auf externen Faktoren wie der Qualität und Quantität der eingehenden Links später Industriestandard werden sollte, beschrieb, war das Internet noch ein anderes: Suchmaschinen hörten auf Namen wie Fireball und bewerteten das Vorkommen des Keywords in den Datei- sowie Verzeichnisnamen und die Manipulation der SERPs war eine Geheimwissenschaft, die laut Telepolis nur in einem kleinen, rechts-rheinischen Dorf bekannt war.

In den letzten acht Jahren ist Google vom Studentenprojekt mit Lego-Server zur dominierenden Suchmaschine mit rund 10.000 Mitarbeitern und einem Marktanteil von über 90 Prozent in Deutschland gewachsen. Die Besucherzahlen, die Google einzelnen Seiten zuteilt, entscheiden über die Zukunft kompletter Firmen und Toppositionen bei einigen Keywords können schnell viel Geld bringen. Dies führte dazu, dass der Kauf und Verkauf von Links – der Währung, auf der Google sein Ranking aufbaut – von einem Geschäft, bei dem einstmals einzelne Personen tätig waren zu einem richtigen Geschäftszweig gereift ist. Ob Text-Link-Ads in der USA oder auch Linklift in Deutschland, der Verkauf von Links und damit die Manipulation der Rankinggrundlage von Google ist Alltag und weit verbreitet.

So, wie einst bei automatisierten Linktauschnetzwerken, schaut Google sich das Treiben zwar eine Zeitlang an, schreitet allerdings ein, sobald eine Größe, die die Grundlage des Googlerankings beeinträchtigen könnte, erreicht ist. Derzeit scheint der Kauf beziehungsweise Verkauf von Links in den USA aber auch in Deutschland diese Größe und Professionalität erreicht zu haben: Für die Betreiber der Netzwerke, die an jedem Handel verdienen, sicherlich eine Art Ritterschlag, so ist dies doch für Google, dessen Kerngeschäft noch immer die Suche – und diese steht und fällt mir Qualität der Ergebnisse – ist, eine Bedrohung, der entsprechend entgegnet werden muss. Google wird also in Zukunft versuchen, gekaufte Links aus den Berechnungen, die den SERPs zugrunde liegen, herauszuhalten.

Dem Einwand, dass Google sich hiermit in die Grundlagen, des Internets einmische, kann entgegnet werden, dass diese Links nicht gesetzt werden, weil der Seitenbetreiber die verlinkten Seiten reinen Herzens empfiehlt, sondern, weil er dafür Geld erhält – die Qualität ist zweitrangig und wird den Zahlungen untergeordnet. Es steht weiterhin jedem frei, Links zu setzen wie er mag – er kann dann jedoch nicht erwarten, dass eine Suchmaschine, deren oberstes Ziel die Qualität der Ergebnisse ist, diese Links oder auch die verlinkende Seite miteinbezieht. Um Verweise, die nicht der Manipulation der Google-SERPs dienen, zu setzen, stehen Techniken wie der Nofollow-Tag oder die Abwicklung über JavaScript oder einen AdServer, der via robots.txt gesperrt ist, zur Verfügung.

Das Google seine Monopolstellung im Suchmaschinenmarkt – gerade in großen Teilen Europas – benutzt, ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Würden Suchmaschinen wie Seekport oder auch Exalead mit Marktanteilen im unteren einstelligen Prozentbereich derartige Forderungen stellen, würden diese vermutlich also lustige europäische Folklore aufgenommen – die Chance, weltweit ernst genommen und umgesetzt zu werden, bestünde jedenfalls nicht. Allerdings muss man hier auch beachten, dass Google kein Unternehmen, das sich dem karitativen Gemeinwohl verschrieben hat ist, sondern Gewinne erzielen möchte – und diese, so hat MSN schmerzhaft erfahren müssen – gehen im Suchmaschinengeschäft nun mal hauptsächlich über die Qualität des Indexes.

Dass Google für die Umsetzung nun Spamreports von Webmastern und damit häufig Mitbewerbern der Käufer/Verkäufer dieser Links nutzen will, hinterlässt allerdings einen faden Beigeschmack. Eine Firma mit dem technischen Ressourcen sowie einer Spam-Abteilung in Dublin und dem Versuch, in Deutschland derzeit etwas Ähnliches zu Errichten, sollte zuerst interne Möglichkeiten ausreizen und erst danach mit Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen. So steht zu hoffen, dass die Linie von Cutts nicht mit der offiziellen Googlerichtlinie in dieser Beziehung übereinstimmt.

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Kommentare
Avatar Andreas / Innuendo   
16. April 2007, 06:36

Kleine Korrektur: Der Marktanteil Googles ist nur im deutsprachigen Raum so exorbitant hoch. Im den USA hingegen zwar auch hoch, aber deutlich geringer.
Zur Mitarbeiteranzahl müsste man den Faktor x2 rechnen, denn Google hat laut letztem Jahresbericht schon über 10.000 Mitarbeiter und täglich werden es mehr 🙂

Abseits von diesen Kleinigkeiten – gut geschrieben, viel Power reingesteckt – Gratuliere!

Avatar Johanes   
16. April 2007, 08:55

Die Mitarbeiterzahl habe ich korrigiert, so Zahlen sollte man sich nicht irgendwo im Kopf abspeichern sondern jedesmal neu nachschlagen, wenn gebraucht. Bei dem Marktanteil habe ich ja erwähnt, dass es um den in Deutschland ging. Dass es in den USA (noch?) anders aussieht, ist auch klar – aber so riesig ist der Unterschied da auch nicht und Google gewinnt kontinuiertlich weitere Marktanteile.

Avatar Gerd-E. Günther   
16. April 2007, 10:07

Es ist schon interessant, wie ein paar Sätze für Aufregung sorgen. Sorgen machen sich sicher jetzt doch einige. Und wie immer geht es um Geld. Jedoch – sie predigen Wasser und trinken Wein – sind nicht auch über Google Anzeigen zum Linkkauf im Netz? Damit sind doch die größeren Fische bereits im Netz.
Kleinere schlüpfen noch durch und werden sich vielleicht tarnen.
Richtig ist sicherlich, dass bereits einige sich ans Werk gemacht haben, den unbeliebten Mitbewerber zu melden. Kann das größere Veränderungen in den SERP’s bewirken? Die Zeit wird es zeigen.

PS: @Johannes, bitte PM vom Forum beachten,danke.

Avatar Chris   
16. April 2007, 10:09

Sehr informativer guter Text. Habe das Blog vor einer Woche enddeckt und bin begeistert.

@Andreas Danke für die Info, dass Google in den USA nicht so viel Marktanteil hat – wusste ich nämlich nicht.

Auch Gratulatoin von mir und weiter so!

Avatar Tadeusz Szewczyk   
16. April 2007, 11:41

Wer die Marktmacht hat, hat auch das Sagen.

Avatar Jojo   
16. April 2007, 11:54

In den USA hat Google ja auch schon 50 Prozent Marktanteil, wenn man Hitwise glauben mag sogar schon 66 Prozent Marktanteil und gewinnt weiterhin Marktanteile hinzu …

Der Artikel gefällt mir auch ganz gut. Die meisten Artikel zum Thema sind doch etwas sehr einseitig. Denn letztlich ist doch klar das Google jede Art der Nutzung von Links zur Manipulation des Rankings nicht gefallen kann. Egal ob bezahlte Links, Linktausch, Linkspam oder irgendwelche Netzwerke. Bloß die Art und Weise wie Google\Matt Cutts in diesem Fall vorgeht finde ich nicht okay.

Avatar Andy SEM   
16. April 2007, 21:35

Google hat sich doch schon bei nofollow lächerlich gemacht mit einem Vorstoß der nicht zuende gedacht ist. Jetzt schon wieder. Ein Link ist doch trotzdem ein Qualitätsmerkmal, auch wenn er gekauft ist. Und der größte Linkhändler ist ja immernoch Google selbst.

Avatar Rent a SEO Blog   
23. April 2007, 19:45

Meinen Kunden habe ich schon immer von Linkkauf abgeraten, nicht erst seit Google-Sprachrohr Matt Cutts diese Praxis für “böse” erklärt hat. Automatisierter Linktausch – Finger weg! – wird wohl bald auch ins direkte Visier der Google Spam Reporter gelangen …

Avatar Christian Schmidt   
25. April 2007, 22:12

Abwarten, so einfach umzusetzen können die es sicher nicht oder Google verdreifacht mal eben sein Team um lässt die Hälfte nach gekauften Links auf Webseiten suchen.

Avatar Klaus   
27. April 2007, 17:51

Wenn ich hier lese, die Zahl der Links hätte etwas mit Qualität zu tun – das sind doch auch Vorurteile: Gelinkt wird, was gefällt und schon bekannt ist, oder „gut“ bekannt gemacht wird. Das mag „schön“ sein und mit Qualität nichts zu tun haben.
Wenn etwas den Denkgewohnheiten nicht entspricht, gefällt es nicht und wird nicht gezählt.

Avatar Georg   
16. Juni 2007, 01:12

@ Klaus

Ich denke mit „Qualität“ ist hier der Mehrwert für den Nutzer gemeint.. für mich hat eine Seite mit politischen Essays einen hohen Mehrwert, für meine Tochter eine Seite mit dem neuesten Tratsch über ihre momentane Lieblingsboyband

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