Dreht die öffentliche Meinung gegen Google?

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

In den USA war in den letzten Tagen und Wochen eine interessante Bewegung zu beobachten: zahlreiche Artikel und Postings haben sich mit Problemen bei Google beschäftigt. Bei vielen davon ging es um ein angebliches Qualitäts-Problem, das Google in den SERPs habe, andere haben sich mit den zahlreichen Fehlschlägen im letzten Jahr beschäftigt und wieder andere kommentieren die fehlenden Wachstumschancen, die Google (im Gegensatz zur „sozialer Suche“ von Facebook) habe. An so gehäufte und aus unterschiedlichen Ecken kommende Kritik an Google kann ich mich seit Gründung der Firma nicht erinnern.

Sicherlich, Google steht und stand kontinuierlich in der Kritik. Diese Kritik ist in den letzten Jahren allerdings an der Firma abgeperlt: zu perfekt waren Produkte, Ergebnisse und Zahlen. Doch bei der aktuellen Welle der Google-kritischen Veröffentlichungen scheint das etwas anders zu sein – andere Firmen haben in Googles Kernkompetenz (der Verarbeitung riesiger Datenmengen) dazugelernt und bieten häufig das objektiv bessere Produkt an. Google versucht diesen Unterschied dann mit reiner Marktmacht und den passenden Integrationen der Universal-Search wettzumachen – ein Vorgehen, das zu Recht in der Kritik steht. In Europa haben zahlreiche AdSense Publisher in den letzten Tagen ausführliche Fragebögen zum EU-Verfahren gegen Google erhalten, in den USA schauen sich Wettbewerbsbehörden gezielt Übernahmen wie die von ITA an. Kommen dazu dann noch länderspezifische Ressentiments wie bei uns gegen die häufig ungefragt Datenspeicherung (Street View, Analytics), so entsteht ein für Google gefährliches Meinungsgemisch. Das kann schnell dafür sorgen, dass Google in Zukunft nicht mehr als die sympathische Suchmaschine, sondern als der gierige Datensauger gesehen wird.

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Kommentare
Avatar Sebastian Brinkmann   
13. Januar 2011, 22:35

Genau genommen kann Google doch nur verlieren, oder? Der Marktanteil bei Search kann nur sinken und die jüngsten Entwicklungen (genannt sei Wave) hatten keinen durchschlagenden Erfolg.

Wenn man böse ist, könnte man behaupten, dass Google so etwas wie ein zweites Microsoft werden könnte: Beide Unternehmen basieren fast vollständig auf ein oder zwei Erlösquellen. Bei Microsoft sind das Windows und Office, bei Google eben Adwords. Und Google hat es bisher nicht geschafft, ein richtiges zweites Standbein aufzubauen. Ganz anders Apple, der strahlende Dritte: Die erobern ein neues Geschäftsfeld nach dem anderen.

Avatar Valentin   
13. Januar 2011, 22:57

Gute Zusammenfassung des aktuellen Stimmungsbild. Interessanterweise hat mein damaliger Chef genau das vor rund einem Jahr vorhergesagt. (Das musste ich jetzt einfach mal loswerden.)

Meine Meinung zu dem Thema: In den eigentlich wichtigen Kernbereichen (Suche, Adsense) kann bisher keiner Google das Wasser reichen. Von daher wird es so laufen wie bei Microsoft zuvor auch: Die User werden weiterhin die Produkte nutzen, aber auch meckern.

Die angesprochenen, objektiv besseren Produkte bilden, meiner Meinung nach, nur einen kleinen Teil des Google-Könnens ab. Noch kein Grund zu wechseln.

Avatar Ronny   
13. Januar 2011, 22:57

Sebastian Brinkmann hats quasi schon vollständig formuliert. Google kann nur verlieren. Und das tun sie auch. Ich schätze in 2-3 Jahren wird das Unternehmen nicht mehr so doll dastehen wie es das jetzt vielleicht gerade noch macht.

Und wenn das passiert, müssen sich SEOs quasi neu erfinden. Dann heißt SEO bspw. Social Engine Optimization .. oder so 😉

Avatar Yves   
14. Januar 2011, 03:22

Google wird meiner Meinung nach unterschätzt. Android wird denke ich riesige Marktanteile bekommen in den nächsten Jahren. Ich traue Google noch einiges zu. Deren Produkte waren eigentlich bis auf ein paar Ausnahmen immer Top.

Irgendwie typisch. Einer hetzt und alle springen auf den Zug auf. Das die Medien da mitmachen ist auch nicht weiter verwunderlich. So große Google Freunde sind die ja nun bekanntlich auch nicht.

Nicht zu vergessen: Negatives über Google eignet sich prima als Linkbait 🙂
Funktioniert fast so gut wie „SEO ist Tod“ 😉

Avatar Makkus   
14. Januar 2011, 04:11

Nun ja – Trendwende hin – Trendwende her …

Wir sollten nicht vergessen, daß die Jungs mit Android ein soooo extrem heißes Eisen im Feuer haben – daß deren Marktmacht und Daten-Pools garantiert und sogar überproportional wachsen lässt.

Und wo gehen wir hin. Genau. Zu Google. Weil nämlich deren Suchergebnisse (ich suche z.B. viel in anderen Sprachen … Thai z.B.) halt immer noch besser sind als andere. Nicht nur auf Deutschland oder die 1. Welt schauen !!!

Da ich seit 14 Jahren hier in Bananen-Thailand lebe und die Geschwindigkeit erlebe, mit der die Wirtschaft nach oben jagt. Leute – davon können wir in Europa nur TRÄUMEN 😎

Die Musik spielt demnäxt woanders. Glaubt es mir.

– Mobil auf Android (weil ist halt einfach günstiger zum mal eben Infos aus dem Internet holen). Die meisten Schwellenländer-User gehen doch jetzt schon per Mobil-Phone ins Internet

– Die Tab-Euphorie. Klar, ich als Programmierer denke im Traum nicht dran so ein Dingen zu benutzen. Es sei denn zum Couch-Surfen. Aber wenn sich jemand mal mit der Viren-Verseuchung von Bananen-PCs herumgeschlagen hat … der wird mit absolutester Freude den Hard-Reset-Knopf oder -Button zu schätzen lernen. Und natürlich auch die User in diesen Ländern.

– und … siehe da … schon wieder ein paar Hundert Millionen mehr Benutzer für Google.

—————————–

Technisch gesehen ist diese Diskussion korrekt. Aber bitte nicht vergessen, daß es viel viel mehr Menschen in 2.-3.Welt-Ländern gibt, die diese Hintergrund-Informationen gar nicht interessieren.

Hier, in TH z.b. wird vom Staat grundsätzlich ein Fingerabdruck gefordert – und freiwillig (weil obrigkeits-hörig) geliefert. Seit ca. 3-4 Jahren bekommst Du hier eine Chipkarten-ID auf der Deine ganzen persönlichen Daten gespeichert werden. Keiner regt sich auf. Jau und kontakloses Zahlen per RFID-Karte habe ich schon vor gefühlten 10 Jahren in der Singapur-U-Bahn und Bussen benutzt.

Alles Gute

Avatar Volksbank   
14. Januar 2011, 08:14

Warum kann Google nur verlieren?

Ich halte das nicht für richtig. Jeder kann in Zukunft richtige oder falsche Entscheidungen treffen. Google hat in der Vergangenheit viel richtig gemacht. Deshalb ist es auch wahrscheinlich, dass es in den nächsten Jahren so bleibt. Oder haben die Ihre fähigsten Köpfe verloren?

Avatar Alexander   
14. Januar 2011, 08:15

Ich denke man sollte Google tatsächlich nciht unterschätzen, denn auch wenn viele Fehlschläge entstehen muss das zumindest nicht zwingend heißen, dass sie den Laden bald dicht machen müssen. Sicherlich richtig ist aber, dass im Bereich Suchmaschinen gerade bei uns in Deutschland für Google ja wirklich so gut wie keine ernsthaften Gewinne gemacht werden können. Das ist als Markführer eben meistens so, wenn sich etwas verändern wird dann negativ. Auch die Bedrohung durch Konkurrenten wächst natürlich und da kann immer mal ein Umschwung passieren. Eigentlich sollte man aber davon ausgehen dass momentan noch kein Wechsel zu sehen ist. Andere Bereiche wie Android sollte man sowieso getrennt beurteilen, da eine Firma genau deshalb breit aufgestellt sein will, weil einzelne Märkte sich immer verändern können.

Avatar filoo_chris   
14. Januar 2011, 08:21

Der beeindruckendste Fehlschlag ist m.E. Wave, das viele (auch ich) mit Spannung erwarteten. Ich habe in meinem Wave-Account etwa folgenden Content: „Testwave1 – dies ist ein Test für Wave“, „Test zurück“.

Satz mit X. Auch im Bereich Social Networks kriegt Google in Europa kein Bein an den Boden; Orkut hat ja eher Südamerika als Markt erschlossen. Da müssen sie wohl Xing kaufen… 😉

Avatar Alexander Holl   
14. Januar 2011, 08:30

Ich denke bei viel gerechtfertigter Kritik gegenüber Google, sollte man aber auch bedenken das das Monopol von Google durch uns Nutzer zustande kommt. Zieht man den Vergleich zu Microsoft, beruhte das Monopol bei Betriebssystem und Anwendung auf einem engen Schulterschluß zwischen, Microsoft und Intel, die wenig Spielraum für alternative Lösungen gelassen haben. Das Monopol von Google beruht eher auf der Trägheit anderer Marktteilnehmer, die es bis heute nicht geschafft haben ein konkurrierendes Adsense Modell auf die Beine zu stellen.

Ich denke die starke Kritik an Google wird auch stark von den Verlagen getragen, die bis heute ein hohes Potential zur Beeinflußung von Bevölkerung abeer auch Politik haben. Mir erscheint zum Beispiel die neagtive Berichterstattung in Hinsicht auf Google seit der „Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums“ aus dem Juli 2009 damals unterzeichnet von 166 eruopäischen Verlegern.

Avatar Domi   
14. Januar 2011, 08:42

Keine Firma bleibt ewig an der Spitze, wenn Google „nur“ noch 70% Marktanteil hat belebt das den Wettbewerb und macht die ganze SEO Geschichte wieder spannender.

Facebook dürfte auch bald im Zenit stehen, auf die nächsten 4-5 Jahre gesehen werden die mit Sicherhheit auch wieder verlieren.

Avatar Oli   
14. Januar 2011, 09:56

Ich gehe auch nicht davon aus, dass Google seine Marktmacht verlieren wird. Ähnlich wie Microsoft mit der Geschichte des PCs im allgemeinen verwoben ist, ist es Google mit der Geschichte des Internets.

Dazu kommt auch noch, dass Google in verschiedenen Bereichen stark wächst. Android wurde ja bereits genannt. Man kann aber auch noch Chrome nennen, der in Europa im vergangenen Jahr den prozentual größten Zuwachs bei den Browsern gehabt hatte.

Ist es nicht eigentlich sogar so, dass die wachsende Kritik eher als Zeichen für die wachsende Macht Googles zu werten ist?

Avatar Tom   
14. Januar 2011, 10:00

Wenn man über google diskutiert müssen meiner Meinung nach immer zwei Dinge getrennt voneinander betrachtet werden, denn diese werden oft vermischt. Einmal den Anteil der Suchmaschine am weltweiten Markt (der sicher weiter steigen wird, da google bei weitem nicht in allen Märkten vertreten ist und die Internet Nutzung in vielen Ländern steigen wird).

Zweitens die Gewinne, die google einfährt, die meiner Meinung nach nicht weiter so stark wachesen werden wie zuletzt, zudem google in nächster Zeit mehr investieren wird und Unternehmen und damit Technologie kaufen wird.

Wenn immer Wave als größter Flop angesehen wird, stelle ich mir die Frage wie profitabel der Kauf von Youtube war…

Avatar Thomas   
14. Januar 2011, 10:28

Ich finde den Beitrag gut und richtig beoabachtet, allerdings entschärft dein letzter Satz alles zuvor Geschriebene. Dass Google als gieriger Datensauger betrachtet wird, war in den letzten Jahren auch schon so (Stichwort: Datenkraken). Außerdem steht meiner Meinung nach Facebook (was in den meisten Fällen von Social Media ja wohl gemeint ist) nicht weniger in der Kritik, gerade wenn es um den Datenschutz geht. Auch in den USA.

Avatar Matthias Steinforth   
14. Januar 2011, 11:20

Vor einigen Monaten habe ich in der Brand Eins einen interessanten Artikel über Google („Zum Wachstum verurteilt“, http://is.gd/OEpoW4) gelesen. Google muss in anderen Geschäftsbereichen als AdWords/AdSense wachsen.

Ich bin davon überzeugt, dass Facebook mittelfristig sein Werbeprogramm ausweiten wird und dann – ähnlich dem Konzept von AdSense – auch die Vermarktung externer Seiten ermöglicht. Die entsprechenden Targeting-Möglichkeiten für Werbetreibende wären enorm, da die jeweiligen Webseiten den Nutzer anhand des Facebook-Profils erkennen und gezielter als Google Werbung ausliefern könnten.

Im Vergleich zu Facebook ist der Nutzer nicht so abhängig von Google. Sollte irgendwann doch eine bessere/freundlichere/schönere oder „politisch korrektere“ Suchmaschine auf den Markt kommen, könnte das Monopol wackeln. Die aktuellen Investitionen von Google z.B. in die klassische Werbung für Chrome zeigen, wie sehr das Unternehmen versucht weitere Standbeine zu entwickeln und die Marktposition zu halten…

Avatar Stefan Heidrich   
14. Januar 2011, 12:27

Erfolg verpflichtet.

Aber: Warum soll Google nicht auch mal Fehler machen? So ziemlich jeder, der sich im Netz bewegt und mal was von SEO, SEM etc gehört hat wird doch wissen, dass Google viel ausprobiert.

Wie soll man sonst feststellen, aus welchen Möglichkeiten auch Trends werden können? Grundlage hierzu sind die sehr umfangreichen Datenmengen und -Strukturen über die Google verfügt.

Probieren geht eben immer noch über Studieren.

Es wäre daher sicher vermessen, Google zu unterschätzen.

Um bei Alexanders Kommentar weiter oben noch anzuknüpfen:

Als erste Informationsquelle im Internet dient in der Regel Google. Wer Informationen liefert, der generiert auch Werbeeinnahmen und Verkäufe für die Anzeigenkunden. In der Offline-Welt ist das ja nicht anders. Die Gewichte zwischen Online und Offline verschieben sich.

Die Verlage setzen durch die eher negative Berichterstattung Offline (und Online!) über Google bei der Psychologie der Leser an: Wohin Google geht ist heute noch nicht abzusehen und wird es morgen auch noch nicht sein. Was solls? Die Welt ist doch ständig im Wandel. Doch der Wandel verlangt auch ständige Veränderungen der Gewohnheiten – die haben ja was mit dem Gefühl der Sicherheit zu tun – der Menschen. Sowas macht viele unsicher. Da kann man dann als „anerkannter“ Verlag bzw. Printmedium einiges draus machen. Zum Beispiel Ängste schüren – eine ziemlich billige Tour.

Für die Zukunft denke ich, dass Google mit Facebook enger zusammen arbeiten wird: Der Eine hat die „Macht“ über die Daten, der andere die „Macht“ über die Sozialen Strukturen von derzeit etwa 8% der Weltbevölkerung.

Nach wie vor liegt es an uns selbst, wieviel wir und was wir preisgeben.

Avatar Sebastian   
16. Januar 2011, 13:14

Nostradamus lässt Grüßen 🙂

Ich habe in den letzten 10 Jahren Internet gelernt, dass sich vieles ganz schnell ändern kann. Aber habe ich auch gelernt, dass die allermeisten Spekulationen sich nicht im geringsten bewahrheitet haben.
Google hat einen sehr guten Vorsprung. Den zu dezimieren wird für die Herausforderer eine wirklich große Herausforderung.

Avatar Heinrich   
18. Januar 2011, 16:44

Interessante Beitrag. Die Menge an Änderungen und die Menge an Produkten ist nicht mehr überschaubar. Daran wird Google leiden. Es fehlt eine Qualitätsverbesserung bei die Produkten. Und nicht zu vergessen, dass alle Produkten von Google, bis auf den search leicht austauschbar sind oder haben keine tiefe Wert. Das verwirrt die Kunden (ganz normale User). Die ganze Änderungen in die Letzte halbes Jahr wie Preview, Instant Caffeine und so weiter bringen viel dazu bei.
Es ist deswegen sehr gut wenn man eine direkte Wert für die eigene Webseite sucht. Allein auf den Google Trafic zu setzen ist sehr schlecht und auf Dauer nicht mehr Erfolgreich. Die Ganzen Apps, Modile, Social Media addons und was weiß ich für andere online Marketing Maßnahmen werden nötig.

Avatar Tarifvergleich   
19. Januar 2011, 13:56

Google wird in Zukunft richtige oder falsche Entscheidungen treffen,das spielt doch keine Rolle, Google hat in der Vergangenheit vieles richtig gemacht und deshalb ist es auch sehr wahrscheinlich, dass es in den nächsten Jahren so bleibt, Google ist und bleibt ebend Google.

Avatar lois   
27. Januar 2011, 11:28

Gruss aus thailand.

Das google nun direkt unsympathisch wird kann ich nicht bestaetigen. was sind die paar einsprüche von Silberner-Kaffeelöffelbesitzern-die-angst-vor-den-boesen-rumänen haben gegen die Menge an leuten die tagtäglich ihre stimme mittels tastatur abgeben? ihr seht die sache etwas anders weil ihr jeden tag die medien konsumiert, aber vergesst nicht, dass google das stärkste medium in deutschland ist.

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