Geotargeting von Websites

· 15. April 2012 · 9 Kommentare
Hanns Kronenberg
Hanns Kronenberg
Hanns Kronenberg ist Marketing- und SEO-Experte mit Herz uns Seele. Für SISTRIX ist er als externer Berater tätig. Wenn sich seine Gedanken ausnahmsweise einmal nicht um Nutzerorientierung drehen, rollt wahrscheinlich gerade der Hockeyball über den grünen Kunstrasen beim BTHV.

Bei der Durchsicht der Movers & Shakers der Woche sind mir bei den Daten für Deutschland heute in der Toolbox die Websites des Autovermieters Hertz aufgefallen. Die Domain hertz.de steht in den Top-3 der Gewinner und hertz.ch in den Top-3 auf der Verliererseite. Wir finden hier ein schönes Beispiel für das Geotargeting von Websites bei Google.

Ausschnitt Movers & Shakers KW 16 2012 DeutschlandAusschnitt Movers & Shakers KW 16 2012 Deutschland

Werfen wir zuerst einmal einen Blick auf die Entwicklung des Sichtbarkeitsindex von hertz.de. Seit dem Jahr 2009 ist ein grundsätzlich schöner Anstieg in der Sichtbarkeit zu beobachten, der jedoch insbesondere seit dem August 2011 immer wieder durch bemerkenswerte Einbrüche getrübt wird.

Entwicklung Sichtbarkeitsindex hertz.deEntwicklung Sichtbarkeitsindex hertz.de (Deutschland)

Häufig lassen sich starke Einbrüche im Sichtbarkeitsindex durch einen misslungenen Relaunch (ohne ausreichende 301-Weiterleitungen) oder eine Google-Penalty erklären. Da sich das Muster bei hertz.de aber ständig wiederholt, kann man diese beiden Ursachen weitestgehend ausschließen.

Solchen typischen Zick-Zack-Muster im Sichtbarkeitsindex deuten vielmehr auf ein domainübergreifendes Duplicate-Content-Problem hin. Diese Vermutung bestätigt sich, wenn wir, wie im folgenden Screenshot dargestellt, in der Toolbox die Entwicklung des Sichtbarkeitsindex für die beiden Domains hertz.de und hertz.ch vergleichen.

Vergleich Entwicklung Sichtbarkeitsindex hertz.de und hertz.ch (Deutschland)Vergleich Entwicklung Sichtbarkeitsindex hertz.de und hertz.ch (Deutschland)

Immer wenn die Sichtbarkeit von hertz.de einbricht, steigt gleichzeitig die Sichtbarkeit von hertz.ch und umgekehrt. Offensichtlich hat Google wiederholt Probleme die beiden Domains den richtigen Ländern Deutschland und Schweiz zuzuordnen. Für Hertz ist das aus zweierlei Gründen problematisch. In den Wochen, in denen hertz.de nur eine geringe Sichtbarkeit hat, ist die Summe der Indexwerte für beide Domains deutlich geringer. Insgesamt werden Treffer von Hertz in diesen Wochen also seltener in den Suchergebnissen gefunden. Zum zweiten dürfte in Deutschland die Klickrate (CTR) auf Treffer von hertz.ch geringer sein als bei Treffern von hertz.de. Die Toolbox-Daten für die Schweiz zeigen, dass mit umgekehrten Vorzeichen das gleiche Wechselspiel auch bei google.ch zu beobachten ist.

Eine mögliche Erklärung, warum Google immer wieder Probleme hat die geografischen Ziele der beiden Domains richtig zuzuordnen, findet man bei einem Blick auf das Backlinkprofil von hertz.ch. Dort sehen wir, dass die Websites nicht überwiegend Links aus der Schweiz bezieht, sondern ähnlich stark aus Deutschland verlinkt wird.

Übersicht Links hertz.chÜbersicht Links hertz.ch

Da es sich bei den Domainendungen .de und .ch um länderspezifische Domains bzw. ccTLDs (Country-Code Top-Level Domain) handelt, kann man in den Einstellungen der Google Webmaster-Tools (GWT) das geographische Ziel nicht ändern. Das ist nur bei generischen Domains wie z.B. .com, .eu oder für einzelne Sub-Domains und Verzeichnisse möglich. Google sagt, dass länderspezifische Domainendungen neben dem Serverstandort (IP-Adresse des Servers) und sonstigen Hinweisen als ein Signal für die geografische Ausrichtung der Website genutzt werden. Wie das Beispiel Hertz jedoch zeigt, kann es trotzdem zu Problemen im Geo-Targeting kommen. Dazu passt die Aussage von Google: „Die geografische Ausrichtung ist keine exakte Wissenschaft, daher ist es wichtig, an Nutzer zu denken, die auf der „falschen“ Version Ihrer Website landen.“ Sprachinformationen auf Codeebene wie lang-Attribute oder Standort-Meta-Tags wie geo.position oder distribution werden nach eigenem Bekunden von Google übrigens für die geografische Ausrichtung nicht ausgewertet.

Im Fall von Hertz bietet sich als Lösung die Auszeichnungen rel=“alternate“ hreflang=“x“ (nicht zu verwechseln mit dem lang-Attribut) im HTML-Abschnitt &#60head&#62 an. Die Auszeichnung hreflang kann dabei domainübergreifend eingesetzt werden. Als Wert des Attributs hreflang kann so z.B. de-DE (deutscher Content für Nutzer aus Deutschland) und de-CH (deutscher Content für Nutzer aus der Schweiz) gewählt werden. So kann der Websitebetreiber auf die jeweilige Version der Website verweisen. Google fällt es damit einfacher zu verstehen, in welcher Beziehung die jeweiligen Domains zueinander stehen. Ausführliche Informationen über den Einsatz von hreflang findet man in der Webmaster-Tools-Hilfe von Google.

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Kommentare

Mike   
16. April 2012, 12:40

Hallo Hanns,

schöner anschaulicher Beitrag zum de-ch-at DC Problem, aber habt ihr auch ein Beispiel parat, bei dem hreflang schon eingebaut wurde und das ganze auch schon funktioniert?
Gruß Mike

Hanns   
16. April 2012, 15:04

@Mike: Ich habe ein Beispiel, darf die Website aber leider nicht nennen. Ich sehe aber auch kein großes Risiko hreflang einfach einmal selbst zu testen.

Peer   
16. April 2012, 16:10

Hallo Hans, es wäre toll wenn Ihr euer Beispiel anonymisiert veröffentlichen könntet. Mich interessiert besonders wie weit die Sichtbarkeit z.B. einer .ch Domain in Deutschland zurückgeht. Bei uns ist die Sichtbarkeit einer .at Domain am Anfang stark gesunken, einige Rankings scheint Google aber für sooo relevant zu halten das sie erst nach und nach auf die .de Domain springen. .ch war / ist bei uns eher schwach, behält aber trotzdem eine minimale Sichtbarkeit, konntet Ihr ähnliche Beobachtungen machen?

Hanns   
16. April 2012, 18:25

@Peer: Die Situation einzelner Websites ist schwer 1:1 vergleichbar. Sind z.B. die .de/.ch/.at Versionen exakte Kopien oder gibt es doch einige Seiten mit lokal unterschiedlichen Inhalten? Sind manche Inhalte einfach besser verlinkt und aus welchem Land kommen die Links? Kannibalisieren die „falschen“ Länderversionen die .de-Version oder handelt es hauptsächlich nur um zusätzliche Treffer (die dann auch zu einer minimalen Sichtbarkeit führen) usw. Falls man Probleme feststellt, hilft hreflang auf jeden Fall, damit Google die Beziehung der Websites untereinander besser verstehen kann.

Masyu   
17. April 2012, 17:46

„… geographische Ziel nicht ändern. Das ist nur … für einzelne Sub-Domains und Verzeichnisse möglich.“ — Hm, wie geht das? Bei einzelnen Seiten ist das ja mit rel=alternate möglich, aber bei Verzeichnissen und Subdomains? In den Webmaster-Tools finde ich keine derartigen Möglichkeiten

Minix   
17. April 2012, 18:39

„Bei uns ist die Sichtbarkeit einer .at Domain am Anfang stark gesunken“ — gleiches Bild bei mir. Ich betreibe eine .at Domain, die seit 10 Jahren mit dem wichtigsten (sehr allgemeinen) Keyword bei google.de auf Seite 1 rankt, tw. sogar auf Position 1. Seit Anfang April geht es bergab, zunächst auf Seite 4, jetzt auf Seite 7. Auf google.at ist die Domain weiterhin Nr. 1, auf google.com die Nr. 2 (also keine Abstrafung, kein Linktausch, kein Linkkauf, nicht einmal Werbung).

Bei spezielleren Keywords rankt die Domain auch auf google.de weiterhin auf Seite 1, meist sogar auf Position 1.

Die Domain ist absolut nicht .at spezifisch, sie ist generisch für den gesamten deutschen Sprachraum.

Was tun?

Maxim   
19. April 2012, 19:01

Ich denke das es gerade in dem deutschsprachigen 3 Länder Suchmarkt viele Webseiten mit ihren „länderspezifischen“ Dublikaten probleme haben und auch weiterhin haben werden.

Z.B. Funktioniert das Geotargeting von Subdomains, in den WMT, nicht wirklich. Was ich wieder erst letztens etwas schmerzhaft feststellen musste.
Wenn man eine .com Domain nimmt und ch. / de. / at. Subdomainsanlegt, welche den gleichen Content aufweisen kann man zuschauen wie die Sichtbarkeit Schritt für Schritt einbricht, trotz WMT Geotargeting.

Am besten ist es, meiner Meinung nach, immernoch sich für eine Domain/Subdomain zu entscheiden welche man dann in allen 3 Suchmärkten plaziert, anstatt sich auf Google zu verlassen.
Schließlich kann man in den deutschsprachigen Suchmärkten jeder der 3 ccTLDs ranken, wenn die verweise aus der richtigen Richtung kommen.

Gruß

Maxim

Thomas Müller   
27. April 2012, 15:55

Hallo zusammen, gibtes da aktuell nicht folgende Lösung?
„Man kann nun auch die *.DE Seite mit ähnlichen Texten wie die der Schweizer Seite im Netz etablieren.

Technisch ist das nun möglich über:
Auszeichnungen rel=“alternate“ hreflang=“x“ kann Google den Nutzern die URL für die korrekte Sprache und Region liefern.“

markus   
7. Mai 2012, 21:10

ich hab mal ne frage dazu:
wenn ich nun 2 seiten habe, eine auf englisch und die andere auch auf englisch, beide auf shops linken, der eine in us-dollar, der andere in EUR,

wie zum teufel gibt man google das raus:
bist aud aus europa, gehe zu EUR-shop
bist aud aus dem rest der welt, gehe zu USD-shop

ich bin leider mit beiden domänen mit wichtigen keywords rausgeflogen

ein weiteres „Problem“ ist dass wir in 6 sprachen keyworddomains haben die alle in den jeweiligen ländern liegen auf eigenen ip´s und eigenen ssl-zertifikaten
muss man da auch die „alternate“ angeben, da wird man ja nicht mehr fgertig mit schreiben bei hunderten von seiten .. eine antwort wäre bombe, vielen dank im voraus

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