Kommentar zu „Macht Google jetzt das Internet kaputt?“

2. Juni 2014, 15:08

In der vergangenen Woche erschien auf welt.de ein Artikel mit dem Titel „Neue Suchalgorithmen – Macht Google jetzt das Internet kaputt?“. Grundsätzlich befürworte ich einen kritischen Umgang mit der stetig wachsenden Marktmacht von Google. Dieser Beitrag strotzte jedoch derart vor Fehlern, dass man ihn nicht umkommentiert lassen kann.

Zitate:
„Die Änderungen tragen putzige Namen wie Panda oder Pinguin, doch mit ihnen macht Google ernst im ständigen Kampf gegen Werbe-Spammer und Suchmaschinenoptimierer (SEO).“

„Google kämpft einen ständigen Kampf gegen die SEO-Experten, setzt seit Jahren auf immer neue Kriterien, um den Spam aus den Suchergebnissen fernzuhalten.“

In dem Artikel werden Begriffe wie Werbe-Spammer und SEO-Experten mehrfach gleichgesetzt und als Synonym verwendet. Das ist grundsätzlich falsch. Es bringt eine ganze Branche zu Unrecht in Verruf. Google kämpft keinen Kampf gegen SEOs. SEO-Experten helfen Websites barrierefrei für Google zu gestalten. SEO-Experten kümmern sich darum, dass die Website-Anbieter die Sprache der Suchmaschinen-Nutzer sprechen. Die Suchmaschine kann auf diese Weise die Inhalte besser verstehen und bessere Suchergebnisse liefern. Das ist eine klassische Win-Win-Situation.

Ohne SEOs würde Bosch seine Waschmaschinen im Internet wahrscheinlich immer noch Waschvollautomaten nennen und nicht gefunden werden. Auch wüsste Google nicht, dass in Hamburg das „Kundenzentrum der Freien und Hansestadt Hamburg“ für Melde- und Ausweisangelegenheiten zuständig ist und für Suchbegriffe wie „Meldeamt Hamburg“ sowie „Einwohnermeldeamt Hamburg“ ein guter Treffer ist.

Folgerichtig kämpft Google nicht gegen SEO-Experten, sondern unterstützt sie bei deren Arbeit. Hier möchte ich exemplarisch nur drei Beispiele auflisten:

  1. Google Ratgeber „Einführung in die Suchmaschinenoptimierung
  2. Regelmäßige Google Hangouts mit John Mueller zur Beantwortung von SEO-Fragen durch Google
  3. Google Webmaster Tools

Richtig ist, dass Google gegen Webspam kämpft. Und das ist gut so. Auch wenn ein (großer) Teil der Spammer SEO-Techniken einsetzen, sind im Umkehrschluss nicht alle SEOs Spammer.

Der Artikel lässt aber nicht nur eine grundsätzliche Differenzierung zwischen SEO und Spam vermissen, es mangelt auch an Fachwissen.

Zitat:
„Panda sucht nach Link-Spam – und bestraft ihn durch Bedeutungsverlust der verlinkten Seiten in Googles Suchergebnissen.“

Hier scheint der Autor Panda-Updates und Penguin-Updates ein wenig durcheinander zu bringen.

Zitat:

„Doch auch Giganten im Netz verlieren durch Panda 4 erheblich an Sichtbarkeit: Ebay hat laut Searchmetrics über Nacht 50 Prozent seiner Sichtbarkeit bei Google verloren, die Ratgeberseite Ask.com sogar 70 Prozent – ein Desaster für die Betreiber.“

Bei Ebay ist hauptsächlich ein Verzeichnis mit Doorway Pages für die Verluste verantwortlich und hat praktisch seine komplette Sichtbarkeit verloren. Daher spricht vieles dafür, dass Ebay nicht vom Panda 4 Update betroffen ist, sondern zeitgleich eine manuelle Penalty für das Verzeichnis erhalten hat. Eine solche Maßnahme seitens Google wäre vertretbar, da die Seiten durchaus als Brückenseiten oder SERPs in SERPs interpretiert werden können und damit gegen die Google Richtlinien verstoßen würden. Wir haben das in einem Blogpost zum Panda 4.0 Update näher erörtert.

Von diesem Spam-Versuch seitens Ebay lässt sich der Autor aber nicht seine schöne Geschichte „Ebay steht zumindest indirekt in Konkurrenz mit Googles Shopping-Seiten“ kaputt machen.

Zitat:
„Selbst die Seite des Norddeutschen Rundfunks verlor 20 Prozent ihres Google-Ranks – warum das so ist, das bleibt Pandas Geheimnis.“

Auch hier wird Korrelation und Kausalität einfach gleichgesetzt und nicht weiter hinterfragt. Wenn die Website des Norddeutschen Rundfunks zeitgleich zum Panda 4.0 Update deutlich an Sichtbarkeit verliert, dann muss ja wohl das Panda Update dafür verantwortlich sein und der Beleg ist erbracht, wie ungerecht und voller Willkür dieses Update ist.

In der Tat gehört ndr.de nicht zu den Websites, die Google mit einem Panda-Update aus den Suchergebnissen entfernen möchte. Aber anstatt reflexartig die Qualität des Updates zu hinterfragen, sollte man zuerst die Prämisse hinterfragen und sich die Mühe machen, nach anderen Ursachen zu recherchieren.

Wenn eine solche Seite mit Qualitätsinhalten deutlich an Sichtbarkeit verliert, vermute ich den Fehler eher beim Websitebetreiber. Vielleicht hat er zu wenig auf SEO geachtet, weil der Branche immer wieder zu Unrecht so ein schlechter Ruf angedichtet wird. Meist passieren solche technischen Fehler dann, wenn es größere Änderungen auf der Website gegeben hat. Eine Recherche in Form einer Google Suche nach „Relaunch ndr.de 2014“ liefert dann auch in Sekundenschnelle die Erklärung für den Sichtbarkeitseinbruch von ndr.de. Seit dem 13.05.2014 ist der neue Webauftritt des NDR online. Ohne mir die Rankingverluste näher angeschaut zu haben, gehe ich davon aus, dass nicht ausreichend 301-Weiterleitungen von den alten URLs auf die neuen URLs gesetzt wurden. Manchmal können SEOs sehr hilfreich sein, auch für die Sichtbarkeit von Qualitätsinhalten in den Suchergebnissen und die Qualität des Webs.

Ich möchte an dieser Stelle nicht Searchmetrics einen Vorwurf machen, dass ndr.de in deren Verliererliste aufgetaucht ist. Searchmetrics schreibt eindeutige Warnhinweise bezüglich der vorläufigen Analyse und möglicher Fehlinterpretationen direkt über seine Daten. Die Beachtung dieser Hinweise hätte aber wieder eine schöne Geschichte beschädigt. Wo würde die Story bleiben, wenn Google mit dem Panda Update nicht eindeutig Unschuldige wie den Norddeutschen Rundfunk getroffen hätte?

Dieses Problem zieht sich leider durch den ganzen Welt-Artikel, ohne dass ich jetzt auf jeden Punkt eingehen möchte. Was der Autor Benedikt Fuest offenbar überhaupt nicht berücksichtigt, ist die Tatsache, dass es sich bei den Rankingveränderungen immer um ein Nullsummenspiel handelt. Was die eine Website verliert, müssen andere Websites gewinnen. Das Ziel von Google ist es, die Qualität der Suchergebnisse insgesamt zu verbessern. Es geht darum, schlechte Treffer durch bessere Treffer zu ersetzten. Davon profitieren zuerst die Nutzer und dadurch natürlich auch Google.

Was Qualität in den Suchergebnissen bedeutet, bestimmen übrigens zu einem immer größeren Teil die Nutzer selbst und nicht ein bösartiger und geheimer Algorithmus, der das Internet kaputt macht. Gerade das Panda Update wurde auf Grundlage von Bewertungen der Nutzer gegenüber Websites entwickelt. Die Fragenliste zur Beurteilung der Qualität von Websites wurde von Google veröffentlicht.

So bleibt am Ende die Frage, was will der Autor mit diesem Artikel Google eigentlich vorwerfen?

Darf Google kein Spam bekämpfen? Darf Google keine Spam-Links entwerten? Darf Google nicht versuchen die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern? Sollen alte Websites ein Gewohnheitsrecht auf gute Rankings erhalten und sich nicht mehr dem fortschreitenden Wettbewerbs stellen?

Ich finde es gut, dass der Axel Springer Verlag eine öffentliche Diskussion um die Marktmacht von Google angestoßen hat. Solche Artikel wirken aber eher kontraproduktiv und sind kein gutes Argument für den Schutz des Qualitätsjournalismus.

Dieser Beitrag hat 29 Kommentare

 
Max
  2. Juni 2014, 16:05

Sehr schöner Beitrag 🙂

 
  2. Juni 2014, 16:23

Gut geschrieben! SEO ist für „außenstehende“ einfach zu undurchsichtig. Oft werden alte Dogmen herangezogen. Der Wandel und die Anpassung der professionellen SEO’s in den letzten 2 Jahren war für manche wohl zu schnell und leider gibt es noch genug old school „Websitenoptimierer“

 
Jan
  2. Juni 2014, 17:24

Sehr schöner Kommentar zu diesem grausamen Artikel. Mir haben sich schon beim Lesen des Welt-Artikels die Haare hochgestellt. Schade für die vielen Journalisten, die wirklich nachforschen, was Sie schreiben. Hier wurde allerdings mit gefährlichen Halbwissen ein Vergleich zwischen Spammer und SEOs gezogen.

Vielen Dank für die Richtigstellung, dass SEOs im Regelfall nur unterstützen, sinnvolle Ergebnisse in den SERPs aufzufinden.

 
  2. Juni 2014, 19:51

Über das meiste, was in der letzten Zeit von den angeblichen Qualitätsjournalisten über Google geschrieben wurde, könnte man lachen und weinen gleichzeitig…

 
Kerstin
  2. Juni 2014, 22:13

Meine Gedanken zum Artikel in Worte gefasst. Sehr schön!

 
Thomas
  3. Juni 2014, 09:34

Lächerlich, daß gerade WON sich so mokiert. Deren Webseiten wurden einseitig nur unter dem Aspekt der SEO-Optimierung entwickelt, eigene Inhalte blieben dafür immer auf der Strecke. Immerhin haben sie ihren Paradeartikel über Duschpinkler nicht mehr online.

 
Markus Hoffmann
  3. Juni 2014, 10:20

Es ist sehr angenehm, in all dem hysterischen Gekreisch des Internets mal einen richtigen Profi zu lesen. Vielen Dank.

 
or
  3. Juni 2014, 10:25

Lieber Hanns Kronenberg,

ich kann nachvollziehen, dass Sie als Betriebswirt Spam und SEO nicht gleichsetzen. Haben Sie ein Problem damit, dass ich als Informatiker SEO und Spam gleichsetzte?

Gruß, OR

 
Hanns Kronenberg
  3. Juni 2014, 10:42

@or: Wenn ich damit ein Problem hätte, hätte ich viele Probleme. Richtig ist die Gleichsetzung SEO=Spam aber auch aus Sicht eines Informatiker nicht. Beispiele von Biosch und Hamburg habe ich oben im Beitrag bereits genannt. Es wäre SEO gewesen, wenn der Nordeutsche Rundfunk 301-Weiterleitungen für seine beim Relaunch verschobenen Inhalte eingerichtet hätte. So hätte ndr.de seine Rankings „gerettet“. Nebenbei würden dann auch noch die Bookmarks und externen Verlinkungen funktionieren, die begeisterte Nutzer eingerichetet haben. Warum sollte man das gleichzeitig Spam nennen dürfen?

 
jj preston
  3. Juni 2014, 10:45

Schön geschrieben, aber eigentlich vergebene Liebesmüh. Ein Mensch, der Produkte des ASV liest, interessiert sich für vorgekaute Geschichten, die er glauben kann, weil sie seine Feindbilder und Vorurteile bestätigen, aber doch nicht für so etwas wie Fakten und Zusammenhänge. Das gilt auch für die WELT und ihren Online-Ableger, die ja doch nur die BILD-Version für besserverdienende Dröge und für Leute ist, die sich für intellektuell halten. Und selbst wenn sich der oder die eine oder andere dieser Klientel hierher verirren würde, verstehen würde er oder sie diesen Kommentar doch ohnehin nicht – passt ja nicht zum Feindbild…

 
Mandrenke
  3. Juni 2014, 10:49

@or

Wenn Sie als Informatiker SEO und Spam gleichsetzen, empfehle ich Ihnen, sich genauer mit den beiden Themen zu befassen. Solch Aussagen sind oberflächlicher Populismus auf Stammtischniveau und sprechen nicht gerade für das Fachwissen des Verfassers.

 
jj preston
  3. Juni 2014, 10:57

@or
Warum sollten andere ein Problem damit haben, wenn Sie es angesichts Ihres Berufes eigentlich besser wissen müssten?

Sie würden also keine aussagekräftigen Seitentitel und Keywords verwenden und die Metatags leer lassen? Sie haben kein Interesse daran, Ihre eigene Webseite für potenzielle Kunden auffindbar zu machen? Oder dass die Seiten Ihrer Kunden aufgefunden werden? Dann sind Sie also verbeamtet?

 
  3. Juni 2014, 12:27

Mal abgesehen von aller berechtigter Fachkritik, die so selbstbewusst und auf breiter Front doch erst seit wenigen Jahren möglich ist, sollte vielleicht die Kernaussage des Artikels stärker in den Blick geraten. Hanns Kronenberg hat es (nur) angedeutet: Das (‚Sichtbarmachungs‘-)Monopol Googles steht hier eigentlich zur Diskussion. Dass Suchmaschinenoptimierer und -innen sich nun als Kooperationspartner – oder doch eher als Laufburschen? – des G-Konzerns verstehen und hierüber argumentieren, scheint mir dann auch bedenkenswert zu sein.

 
  3. Juni 2014, 12:51

Da weiß man wirklich nicht, ob man Lachen oder Weinen soll… dass da der interne SEO bei denen nichts sagt?

Gute Antwort…

Apropos Kommentare: die Kommentare im Welt-Artikel machens auch nicht wirklich besser.

 
Hanns Kronenberg
  3. Juni 2014, 12:59

@Ralf Ehlert: Es gibt regelmäßig ausreichend Kritik aus der SEO-Branche, wenn Google sein Quasi-Monopol zu missbrauchen scheint. Als Beispeil sei hier einmal der Beitrag „Worüber Google Morgen (wieder) nicht sprechen wird“ (http://pip.net/google-werbemarkt) genannt. Die Kritik sollte aber mit Argumenten geführt werden, die zutreffend sind. Das war bei dem Welt-Artikel nicht der Fall. Was konkret ist bedenklich daran, wenn sich SEOs als Kooperationspartner von Google verstehen? Was wäre die Alternative? Als Dieb? Dann wären wir wieder beim Thema Spam. Laufbursche darf man auch sagen, wenn man Journalisten im Gegenzug als Laufburschen der Verleger und Werbekunden bezeichnen darf. Ich kann auf solche herablassenden Äußerungen aber auch gerne verzichten. Sie machen weder die Argumente besser noch den Blick in den Spiegel angenehmer.

 
jj preston
  3. Juni 2014, 14:25

@Ralf Ehlert
Es besteht nun einmal eine Symbiose zwischen Webseiten- und Suchmaschinenbetreibern. Der eine will gefunden werden, der andere will, dass der Benutzer die Seite findet – sofern sie dem beabsichtigten Suchziel möglichst stark entspricht. Und SEOs sind genau dazwischen. Sie müssen mit beiden kooperieren.

Googles einzige „Schuld“ an der Monopolstellung ist, dass sie zu effektiv sind. Ein Beispiel: Ich verfasse regelmäßig bei einem eigenen Projekt Artikel. Und die sind nicht mal SEO-optimiert. Ich habe mal spaßeshalber ein Stichwort eingegeben, bei Google, Yahoo und Bing. Der erste Link, der zu meinem Projekt führt, ist bei Yahoo und Bing jeweils ein 10 Monate alter Artikel; der zweite Link ist ein 6 Monate alter Artikel. Google hingegen findet als ersten aus meinem Projekt einen 5 Tage alten Artikel, der auch der aktuellste auf der Seite zu diesem Stichwort ist. Der zweite gefundene Artikel ist auch der zweitaktuellste. Und das ist zu dem Thema durchgehend. Auch alle anderen Informationen, die ich dazu bei Google finde, sind aktueller als bei Yahoo und Bing. Kurzum: Googles Suchalgorithmus stellt die Ergebnisse zu dem, was ich suche, zuverlässiger nach vorn. Und genau das ist die Aufgabe einer Suchmaschine: Das zu finden, was ich suche.

Ich bin wahrlich kein Google-Freund. Ich habe, nicht mal auf meinem Smartphone, ein GMail-Konto, nutze weder Google+ noch andere Dienste mit Ausnahme der Suche und ab und zu mal Translate.Ich bin – aus dem gleichen Grund – auch nicht bei Facebook oder Twitter oder Reddit oder #TheLatestBigThingOnTheInternet#.

Aber man sollte die ASV-Kampagne auch als solche erkennen und benennen. Denn letztlich ist die Kernaussage nicht die bedenkenswerte Marktmacht von Google (nebenbei: Die Marktmacht der Deutschen Bahn, der Post oder der Stromversorger hält der ASV nicht für bedenklich – warum nur?), sondern dass Döpfner und Co. beleidigt sind, wie sehr ihr schwarz-gelbes Gefälligkeitsgesetz namens Leistungsschutzrecht ins Leere gelaufen ist.

 
Geier
  3. Juni 2014, 15:10

Sehr schön geschrieben. Besonders gut gefällt mir folgender Satz im vorletzten Absatz:

„Sollen alte Websites ein Gewohnheitsrecht auf gute Rankings erhalten und sich nicht mehr dem fortschreitenden Wettbewerbs stellen?“

Aus der Sicht der Welt (und anderer Springer-Qualitätsmedien) bestimmt. Die sind ja auch der Meinung, gedruckte Zeitungen sollten ein Gewohnheitsrecht auf Verkaufszahlen erhalten und sich nicht mehr dem fortschreitenden Wettbewerb stellen (müssen).

 

[…] Kommentar zu “Macht Google jetzt das Internet kaputt?” […]

 
SeofromtheSouth
  3. Juni 2014, 17:10

Leider sind viele SEO Agenturen im Rahmen Ihrer Offpage Angebote im Spam Bereich angesiedelt. Wenn ich von einer großen Agentur mit drei Buchstaben und einer Zahl aus Berlin lese, dass diese jetzt anstatt Linkbuilding „Online PR“ anbietet hilft das sicher nicht dem Ruf der Branche. Auch andere Agenturen (kleiner und große) verbessern Ihren Ruf nicht mit der Umbennnung des Linkbuildings in Content Marketing. Unabhängig davon, dass viele Unternehmen (Publishing und E-Commerce) immer noch keine SEO-Strategie entwickelt haben oder diese gar für nicht notwendig erachten. Leider ist Google mit dem Panda4.0 wieder zurückgerudert und hat viele Projekte die Zurecht verloren hatten wieder da. Das erste Update über das 95% der SEOs gefreut haben – sagt im Prinzip alles über die Wirkungsweise aus.

 
Zwergengine
  3. Juni 2014, 22:32

Als Inhouse-SEO spricht mir der Kommentar aus der Seele. Mit den darin enthaltenen Argumenten muss häufig erstmal Überzeugungsarbeit geleistet werden, bevor Menschen (egal ob Entscheider, Entwickler oder Journalisten) umfassende und tiefgreifende SEO Awareness entwickeln und die Abgrenzung von Spam und (zu Teilen) Agentur-SEO verstehen.

„Das Ziel von Google ist es, die Qualität der Suchergebnisse insgesamt zu verbessern. Es geht darum, schlechte Treffer durch bessere Treffer zu ersetzten. Davon profitieren zuerst die Nutzer und dadurch natürlich auch Google.“

Hier würde ich gerne noch ergänzend betonen:

Google profitiert nicht lediglich davon, sondern Google hat begriffen, dass die Nutzer die bedingungslose Grundlage Ihres Erfolgs sind. D.h.: Google ist sich längst im Klaren, dass das Internet ein nutzerbestimmtes Medium ist. Manche klassischen Medienunternehmen währenddessen handlen das Internet immernoch viel mehr als angebotsbestimmtes Medium oder sogar nur als Kanal.

Auf Google als Quasimonopol wird teils zu Recht rumgehackt, ja. Ja verdammt, die kriegen alles vom Werbekuchen ab und man selbst hat nur niedrige TKPs. Aber dann muss man sich doch auch mal fragen, warum das so ist. Doch obwohl jedem privatwirtschaftlich organisiertem klassischen Medienunternehmen eigentlich bewusst ist, dass die goldenen Zeiten vorbei sind, pochen immer noch viele auf ihr Gewohnheitsrecht, anstatt zu akzeptieren, dass ihr Anspruch auf Geld keine Geltung mehr findet.

 
  5. Juni 2014, 09:57

Zitat: „Hintergründiger Qualitätsjournalismus und Debattenkultur passen nicht gut durch die Filter, durch die Google und Facebook die Sicht der Mehrheit der Nutzer auf das Internet definieren“

Könnte das der Grund für die Kritik der Welt an Google sein? Denn weder hintergründigen Qualitätsjournalismus noch Debattenkultur finden sich für gewöhnlich auf Springer-Servern. Dagegen dominieren meist reißerische, schlecht recherchierte Artikel, wie der hier Kommentierte. Darunter die obligatorischen, plumpen Kommentare von AfD-Fanboys, Montagsdemo-Spinnern und selbst ernannten Weltverbesserern mit viel Meinung, aber wenig Plan.

Aber genug der Polemik und zurück zum Thema: Sich mit der zunehmenden Marktmacht Googles kritisch auseinander zu setzen, ist meiner Meinung sehr wichtig. Denn mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Internets steigt auch die gesellschaftliche Bedeutung der Suchmaschine, welche die Wahrnehmung des Mediums von über 90 Prozent der Menschen hierzulande prägt. Ich denke es ist Zeit für eine breitere Diskussion auch in den „Mainstream-Medien“. Aber:

1. Bitte nicht auf Grundlage solcher Artikel, die wie Hanns angemerkt hat, nur so von fachlichen Fehlern strotzen. Hat die Welt denn keinen Inhouse-SEO, bei dem der Redakteur mal nachfragen könnte, was der Unterschied zwischen Penguin und Panda ist? Oder hat er sich schlicht nicht die Zeit genommen?

2. Man kann Google nicht wirklich vorwerfen, dass der Suchmaschinenanbieter alle gesetzlichen Grenzen ausreizt, um Geld zu verdienen. Wo immer es möglich ist, auf legalem Weg Geld zu verdienen, wird das auch getan. Nötig wäre vielmehr eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir das Internet wahrnehmen, welchen prägenden Einfluss Google dabei spielt und welche Konsequenzen daraus erwachsen. Auch abseits von SEO-Blogs, die zwar fachlich-fundiert mit der Thematik umgehen, aber nicht die gesellschaftliche Reichweite haben, welche dieses Thema eigentlich verdienen würde.

 
  5. Juni 2014, 13:01

Das Missverständnis liegt einfach in den unterschiedlichen Definitionen des Begriffs „SEO“ bzw. „SEO-Experte“. Manche meinen SEO ist Alles, von Content-Marketing bis hin zur Web-Entwicklung.
Also alles was irgendeine Auswirkung auf die Suchmaschine hat ist irgendwie SEO. Und hier sind wir wieder bei der Korrelation-Kausalität-Geschichte in Bezug auf die Definition des Worts. Ist dann Unternehmensberatung auch SEO? Ein Grafiker welcher eine perfekt strukturierte Landingpage gestaltet ist SEO und der Redakteur sowieso?
Auch wenn’s weh tut der Begriff SEO stirbt. Es gibt nur noch Online-Redakteure, Web-Entwickler, Programmierer, etc. welche über Wissen verfügen um Webseiten für Suchmaschinen zu optimieren – also es Google leichter machen wollen diese zu bewerten. Google meint selbst dazu: „Ist zwar nett aber wir kommen auch so klar. Macht einfach nur gute Inhalte und guten Code, den Rest bekommen wir schon hin“. Der Begriff SEO definiert dann eher den Versuch zur Suchmaschinen-Manipulation. Und wenn ich mir als SEO krampfhaft irgendwelchen Content einfallen lasse, nur um besser zu ranken, dann könnte man das vielleicht schon als SPAM definieren?.

 
  5. Juni 2014, 13:34

Toller Kommentar. Danke für dein offenen Umgang mit Google und die saubere Recherche.

 

[…] Einen lesenswerten Kommentar zu einem haarsträubenden Artikel von „DIE WELT“ mit dem Titel „Macht Google jetzt das Internet kaputt?“ gab es in dieser Woche von Hanns Kronenberg zu lesen. In dem Beitrag werden u. a. Begriffe wie “Werbe-Spammer“ und “SEO-Experten“ in einen Topf geworfen, womit eine gesammte Branche recht schnell zu Unrecht in Verruf gebracht werden kann, nicht unkommentiert (Danke hierfür) bleiben kann. Hanns Kronenberg nimmt den besagten Artikel äußerst sachlich auseinander und zeigt, dass ein gesunder kritischer Umgang mit dem Medium Google durchaus zu befürworten ist, jedoch auch nur dann, wenn die Rahmenbedingungen für Qualitätsjournalismus insbesondere von großen Verlagshäusern (was man an dieser Stelle erwarten kann) auch eingehalten werden. Anhand von exemplarischen Beispielen verdeutlicht er noch einmal sehr schön, wie Google durchaus gegen Webspam vorgeht, nicht aber gegen SEO-Experten kämpft, sondern diese in ihrer Arbeit unterstützt: Kommentar zu “Macht Google jetzt das Internet kaputt?” […]

 
  6. Juni 2014, 17:36

Vollkommen einverstanden mit diesem Artikel, hat Google die Macht des Internets und macht grob Missbrauch!

 
  24. Juni 2014, 22:28

Ich weiß nicht wie es euch geht aber irgendwie beobachte ich im Moment ein ganz komisches Vorgehen im Internet. Da ich in einigen Foren unterwegs bin sehe ich es wirklich deutlich.

 
  1. Juli 2014, 14:48

Ich bin auch vollkommen einverstanden mit Hanns. Aber Achtung: Google ist nicht das Internet ! 🙂

 
  2. Juli 2014, 17:05

Ich finde es gut, dass Google versucht die sogenannten „schwarzen Schafe“ zu bekämpfen. Also all diejenigen, welche versuchen mit „Tricks“ und „unsauberen Methoden“ das Ranking zu beeinflussen.

Ich denke das ist im Sinne aller !

 

[…] Kommentar zum Welt-Artikel „Macht Google jetzt das Internet kaputt?” (2.6.2014, Sistrix, dort auch Link zum Weltartikel) […]

 

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