Google: bei Links zählt Qualität, nicht Quantität

Während Google bei unternehmenspolitisch gewollten Rankingfaktoren wie der Page Experience auffällig kommunikativ ist, hören wir zu relevanten Rankingfaktoren deutlich weniger. Jetzt gibt es eine hilfreiche Klarstellung zu Links.

Johannes Müller, Search Advocate von Google hat sich in einem der regelmäßigen Google Search Central SEO-Office-Hours (was eine Bezeichnung) zum Thema Links recht klar und unmissverständlich geäußert.

Dort hat ein Teilnehmer gefragt: “Was zählt mehr? Die Anzahl unterschiedlicher, verlinkender Domains oder die reine Anzahl von Backlinks?”. Die Antwort von Johannes Müller auf diese Frage:

“… Ich würde mich nicht auf die reine Anzahl von Backlinks oder die Anzahl verlinkender Domains fokussieren, weil wir [Google] auf Links sehr anders draufschauen. […] Die reine Anzahl zählt für uns überhaupt nicht. Du könntest Millionen von Links von Millionen von Webseiten erzeugen und wir würden sie ignorieren.”

English Google SEO office-hours from February 19, 2021 (Aufzeichnung)

Im zweiten Teil seiner Antwort geht Johannes Müller dann darauf ein, was für Google bei der Bewertung von Links zählt:

“… Es kann aber auch einen richtig guten Link von einer Webseite geben, der für uns das Zeichen ist, dass wir die Seite als relevant betrachten. Beispielsweise von der Startseite einer großen Zeitung.”

English Google SEO office-hours from February 19, 2021 (Aufzeichnung)

Google bestätigt damit Aussagen aus den letzten Jahren: nicht die Quantität, sondern die Qualität von Links zählt. Bereits vor einiger Zeit hat Google ebenfalls bestätigt, dass Links zu den drei wichtigsten Rankingfaktoren zählen.

Aus der Perspektive der Suchmaschine ist das Thema damit umfassend und abschließend behandelt. Aus der Sicht von SEOs fangen die Probleme aber erst an. Das alte Peter F. Drucker-Zitat “Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken” gilt auch für den Bereich Linkbuilding.

Daher hier meine Perspektive auf mögliche Kennzahlen für Linkbuilding, ihre jeweiligen Vor- und Nachteile und auch Grenzen:

  • Dass die reine Anzahl von Links keine geeignete Metrik ist, ist der gesamten Branche schon seit längerem klar: durch Sitewide-Links lässt sich diese Zahl zu einfach manipulieren. Hier gilt weiterhin die Regel: der erste Link von einer Domain zählt voll, jeder weitere Link danach exponentiell weniger.
  • Die Anzahl unterschiedlicher Domains (Domain-Popularität, Dom-Pop) ist schon besser. Aber auch diese Zahl lässt sich durch künstliche Netzwerke erhöhen. Eine IP- oder Netzwerk-Popularität, bei der die Anzahl unterschiedlicher, hostender IP-Adressen und Netzwerke gezählt werden, ist zwar besser aber natürlich auch nicht fehlerfrei.
  • Googles Erfolg basiert ursprünglich auf der Nutzung des PageRank-Algorithmus: Seiten die häufig durch starke Seiten verlinkt werden, erhalten ein höheres Vertrauen in den Suchergebnissen. Google veröffentlicht die PageRank-Werte allerdings seit vielen Jahr nicht mehr, so dass wir diese nicht zur Bewertung der Qualität nutzen können.
  • Anbieter wie Moz (“Domain Authority”) oder auch Ahrefs (“Domain Rating”) versuchen, diesen PageRank nachzubauen. Das kann aber nicht gelingen: wie Google in dem Video selber bestätigt hat, wird nur ein Teil aller Links gewertet. Welcher Teil, ist nur Google bekannt. Ein Nachbau des PageRanks ist damit von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
  • Da ein Nachbau des PageRanks zwangsläufig zu falschen Werten führen muss, nutzen wir in SISTRIX eine andere Kennzahl zur Qualitätsbewertung: den Sichtbarkeitsindex. Die grundsätzliche Idee: nur Domains, denen Google vertraut, räumt Google auch Sichtbarkeit in den SERPs ein. Diese Domains genießen bei Google also ein hohes Vertrauen und Links von diesen Domains sind entsprechend wertvoll.
  • Zwar gibt es auch Domains, deren interner PageRank (Vertrauen) bei Google groß ist, die aber nur wenige Inhalte veröffentlichen, so dass sie eine geringe Sichtbarkeit in den SERPs haben. Unsere Beobachtung ist aber, dass die Sichtbarkeit trotzdem über alle Domains am nächsten an Googles Einschätzung dran ist, da prinzipbedingt keine eigene Berechnung in einem Parallelsystem stattfinden, sondern eine Messung der Google-Ergebnisse.

Soviel zu den Grundlagen der verfügbaren Metriken. In der Praxis sieht eine schnelle (eine Minute) Bewertung eines Linkprofils einer mir bis dato unbekannten Webseite dann so aus:

Anzahl verlinkender Domains – mein erster Blick geht auf die reine Anzahl der unterschiedlichen, verlinkenden Domains. Zwar lässt sich diese Kennzahl manipulieren, das ist aber deutlich schwieriger als die reine Linkanzahl. Auch sehe ich so, in welcher “Gewichtsklasse” die Domain unterwegs ist: hat sie nur wenige Links oder reden wir von vielen tausend, unterschiedlichen Links. (10 Sekunden)

Stichprobe verlinkende Domains – der zweite Blick geht auf die stärksten der verlinkenden Domains. Hier sehe ich schnell, ob das bekannte und vertrauenswürdige Domains aus dem jeweiligen Markt sind oder ob ich nur Domains finde, die ich vorher noch nie gesehen habe. (20 Sekunden)

Stichprobe Links mit der höchsten Sichtbarkeit – der dritte Blick geht dann auf die Links selber. In SISTRIX sind Links in der Standardeinstellung bereits absteigend nach dem Sichtbarkeitsindex sortiert, so dass ich schnell die vermutlich stärksten Link einer Domain überfliegen kann und einen guten Eindruck von der Qualität der eingehenden Links erhalte. (30 Sekunden)

Links sind und bleiben ein komplexes Thema. Google ist, abseits von allgemeinen und pauschalen Äußerungen wie in dem aktuellen Video, ziemlich verschlossen und lenkt die Aufmerksamkeit lieber auf technische Themen oder Änderungswünsche, die dem Unternehmen Google helfen (wie beispielsweise AMP). Trotzdem sind Links derzeit weiterhin eines der wichtigsten externen Signale, mit denen Google das Vertrauen in eine Webseite messen kann.

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