IndexWatch 2020: die SEO-Verlierer des Jahres

Nachdem es im letzten Beitrag bereits um die SEO-Gewinner des vergangenen Jahres ging, soll es heute um Domains gehen, die 2020 besonders stark an Google-Sichtbarkeit verloren haben.

Organische Rankings sind ein Nullsummenspiel: gewinnt eine Domains an Positionen, muss dafür eine andere Domain Rankings abgeben. Nachdem wir uns letzte Woche mit den größten Sichtbarkeitsgewinnern des vergangenen Jahres beschäftigt haben, geht es heute um die SEO-Verlierer des Jahres 2020.

Auch hier haben wir auf Grundlage des SISTRIX Sichtbarkeitsindex von Ende 2019 und Ende 2020 die 250 Domains ermittelt, die (sowohl absolut als auch prozentual) in diesem Zeitraum am stärksten an Sichtbarkeit in den Google Suchergebnissen verloren haben.

Die vollständigen Listen und Tabellen mit allen Domains kannst du am Ende dieses Beitrages einsehen. Vorher soll es um beispielhafte SEO-Verlierer des vergangenen Jahres gehen. Diese Beispiele zeigen dir mögliche Gefahren und Risiken. Überlege jeweils, ob die auch für deine Projekte gelten können.

Nachrichtenportale: oft nicht mehr die beste Alternative

Zu den großen Verlierern an Google-Sichtbarkeit im vergangenen Jahr zählen fast alle Nachrichtenportale. Fast ausnahmslos haben Newsseiten im letzten Jahr an Sichtbarkeit eingebüßt, wie diese Auswahl an großen Domains aus dem Bereich zeigt:

Deutlich zu erkennen, dass es rund um das Mai Core Update für diese Domains ein gutes Stück nach unten ging und seitdem auch kein Aufwärtstrend zu erkennen ist: im Gegenteil – für die meisten Domains ging es im vergangenen Jahr kontinuierlich abwärts.

Schaut man sich die Ursachen etwas detaillierter an, gibt es nicht den einen, klaren Grund. In Summe ist aber zu erkennen, dass Google Nachrichtenseiten oft nicht mehr als die nächstbeste Alternative in den SERPs ansieht.

Hatten Newsseiten durch ihr hohes Alter und die hohe Anzahl eingehender Links bislang oft einen “Trust-Status” in der Nähe von Wikipedia, scheint sich das in diesem Jahr geändert zu haben.

Die meisten Nachrichtenportale werden es verkraften können: Google Discover, also der anlasslose Newsfeed von Google, ist für viele Publisher im letzten Jahr zu einer massiven Besucherquelle geworden. Mal sehen, wann Google dort auf Monetarisierung schaltet …

Reiseseiten: Google erkennt veränderte Nachfrage

Eine der Stärken des Sichtbarkeitsindex ist, dass er kein Trafficindex ist: besseres Wetter führt nicht automatisch zu einem besseren Indexwert für Domains, die Badehosen verkaufen (mehr dazu).

Umso interessanter ist es, dass viele Reiseseiten im vergangenen Jahr an Sichtbarkeit bei Google verloren haben. Hier drei Beispiele aus der Branche:

Die Erklärung: Google hat im Laufe des Jahres die veränderte Suchintention rund um viele Reisekeywords erkannt und stellt folglich die Suchergebnisse anders zusammen. Weniger Möglichkeiten zur direkten Reisebuchung, mehr Optionen für Informationen zur aktuellen Lage.

Das zeigt sich auch in den Ähnlichen Suchanfragen sehr deutlich, hier am Beispiel von “mallorca urlaub”. Viele der Vorschläge drehen sich mittlerweile um Corona und Google folgt mit den SERPs diesem Informationsbedürfnis der Nutzer:

Als Trost kann dienen, dass diese Änderungen in der Suchintention nur temporär sein werden. Sobald die meisten Googlenutzer die Absicht ihrer Suche wieder anpassen, wird auch Google (mit etwas Verzögerung) reagieren und es ist davon auszugehen, dass klassische Travelseite davon profitieren.

Bewertungsportale: auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit

Webseiten, auf denen Nutzer Produkte, Hotels, Restaurants und mehr bewerten können, waren lange eine der Säulen des kommerziellen Internets. In diesem Jahr zeigt sich, dass dieses Geschäft deutlich schwieriger geworden ist. Hier sehr plastisch am Beispiel von Yelp.de:

War die Domain in den letzten Jahren schon auf dem absteigenden Ast, hat sich diese Entwicklung im letzten Jahr massiv beschleunigt: von rund 30 Sichtbarkeitspunkten zu Anfang des Jahres auf weniger als 2 Punkte zum Ende ging es runter.

Ähnliche Entwicklungen, wenn auch nicht ganz so extrem, zeigen sich auch bei anderen Bewertungsportalen. Hier die beiden Hotelbewertungsportale Tripadvisor und Holidaycheck:

Wie es in diesem Sektor weitergeht, ist schwer vorherzusagen: auf der einen Seite hat Google mit den Bewertungen in Google Maps klare eigene, wirtschaftliche Interessen an dem Thema.

Auf der anderen Seite hat Google durch die enge Integration in das eigene Handybetriebssystem Android aber auch deutlich bessere Daten und damit das bessere Produkt als andere Marktteilnehmer.

Core Updates: Google auf der Suche nach der Wahrheit

Die drei Core Updates des vergangenen Jahres (Januar, Mai & Dezember) haben, wie zu erwarten war, ebenfalls viele der SEO-Verlierer 2020 verursacht. Auffällig ist in der Rückschau, dass Google einen Fokus auf die Wahrheit legt:

Das betraf zum einen Projekte wie hier im Beispiel aus dem Astrologie- und Horoskop-Bereich, aber auch eine globuli.de hat bei einem der Google-Updates deutlich an Sichtbarkeit verloren.

Ohne das inhaltlich werten zu wollen: Google hat in diesem Bereich eine große Aufgabe vor sich. Gut, dass sich die Suchmaschine nicht aus der Verantwortung stiehlt, sondern das Thema angeht. Viel Erfolg!

Das Übliche: Insolvenzen, Marktschließungen und Domainumzüge

Auch in diesem Jahr sind einige der Klassiker in den Verlierer-Listen zu finden: Firmen müssen Insolvenz anmelden und schließen daher ihre Webseite ersatzlos (wie beispielsweise graupner.de). Andere, wie beispielsweise rakuten.de, ziehen sich aus einem Markt oder Land zurück:

Fast zehn Jahre hat die japanische Firma versucht, in Deutschland einen funktionierenden Marktplatz zu etablieren – und dann im Herbst 2020 die Reißleine gezogen und den Rückzug aus Deutschland angekündigt. Schade um die ganze Sichtbarkeit mit kommerziell interessanten Keywords.

Es wäre kein IndexWatch, wenn es nicht auch den ein oder anderen nicht vollständig geglückten Domainumzug zu berichten gibt. Hier beispielhafte die Webseite unserer lokalen Zeitung, des General Anzeigers Bonn:

Der Umzug von general-anzeiger-bonn.de auf die prägnante ga.de war in der Theorie sicherlich richtig, in der Praxis hat dieser Umzug (inklusive Wechsel des CMS) aber einiges an Sichtbarkeit gekostet.

Vollständige Tabelle: absolute und prozentuale Verlierer 2020

Zur exakten Berechnung der Zahlen aus dem IndexWatch 2020 habe ich bereits im Beitrag zu den Gewinnern etwas geschrieben und verweise daher auf die Ausführungen dort.

Für die Liste der prozentual stärksten Verlierer des letzten Jahres habe ich für die Tabelle hier im Blog nur Domains aufgenommen, die Ende 2020 noch eine Sichtbarkeit von größer 0,25 Punkten hatten. Bei allen anderen Domains handelt es sich fast ausschließlich um Domainlöschungen, -umzüge oder vergleichbares:

IndexWatch 2020: Verlierer Prozentual
Domain30.12.201928.12.2020Verlust in %
asos.de12,340,27-98%
gruenderszene.de47,121,22-97%
apollo.io11,150,55-95%
cewe-print.de7,270,40-95%
yelp.de30,301,92-94%
sprueche-wuensche-gruesse.com4,170,27-93%
astrozeit24.de4,110,28-93%
tuifly.com7,980,56-93%
impotenz-selbsthilfe.org3,700,27-93%
zwilling-shop.com2,910,25-91%
rakuten.de7,300,66-91%
webmoritz.de2,940,28-91%
kleiderkreisel.de13,331,27-90%
lasikon.de3,970,39-90%
mrgreen.com2,880,28-90%
symantec.com2,850,29-90%
werbeartikel-discount.com2,890,33-89%
flickr.com11,581,35-88%
anthrowiki.at3,840,45-88%
viversum.de23,332,89-88%
captaincork.com3,460,44-87%
autoteile-meile.de3,670,46-87%
indeed.ch6,540,85-87%
wika.de3,090,42-86%
sprueche-plus-wuensche.de6,170,89-86%

Wie auch bei den Gewinnern kannst du die komplett, ungefilterte (Obacht, NSFW) Liste mit allen 250 Domains in einem Google Sheet einsehen.

Es folgt die Liste mit den 25 größten Verlierer nach absolutem Verlust an Sichtbarkeitspunkten:

IndexWatch 2020: Verlierer Absolut
Domain30.12.201928.12.2020Steigerung Total
spiegel.de449,88220,79-229,09
welt.de320,18172,60-147,58
zeit.de256,56123,34-133,22
sueddeutsche.de287,43177,64-109,78
holidaycheck.de287,09180,16-106,94
bild.de236,87132,83-104,04
apple.com182,6191,69-90,92
stern.de287,62199,28-88,34
focus.de392,21305,10-87,11
youtube.com628,90551,79-77,11
ab-in-den-urlaub.de177,84107,68-70,15
fti.de128,0359,86-68,17
wiktionary.org314,05247,35-66,71
duden.de307,26243,39-63,87
t-online.de344,51281,67-62,84
meinestadt.de199,57141,72-57,85
xing.com123,6066,99-56,61
morgenpost.de85,1328,68-56,45
wikivoyage.org128,6074,77-53,83
tripadvisor.de303,11254,16-48,95
gruenderszene.de47,121,22-45,90
traum-ferienwohnungen.de120,6576,05-44,60
twitter.com284,61240,19-44,42
derwesten.de64,5221,73-42,79
zu-zweit.de55,1413,18-41,95

Auch hier kannst du die vollständige Liste mit allen 250 Domains bei Google Sheets einsehen.

Fazit

2020 war spannend – nicht nur wegen der äußeren Einflüsse, auch in den Google Suchergebnissen hat sich in diesem beachtenswerten Jahr viel getan.

Google ist seinem Credo der letzten Jahre weitestgehend treu geblieben: die Suchintention des Nutzer entscheidet über die Zusammensetzung der Suchergebnisse, gute Produkte gewinnen somit.

Dass sich Google bemüht, in sensiblen Bereichen nur objektiv korrekte Suchergebnisse weit vorne anzuzeigen, ist zu begrüßen. Wie weit diese Mamutaufgabe gelingt, wird sich zeigen.

Im kommenden Jahr darf sich Google einer erhöhten Aufmerksamkeit der Wettbewerbsbehörden (besonders in den USA) gewiss sein: in fast jedem kommerziell relevantem Vertical muss sich Google verteidigen.

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