Google enteignet Burda, oder?

· 1. Juli 2009 · 21 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Hubert Burda hat sich in der FAZ öffentlich beschwert: Suchmaschinen wie Google würden die Content-Produzenten „schleichend enteignen“. Die Argumentation geht folgendermaßen: während Qualitätsmedien (Burda produziert übrigens auch Superillu und Glücks-Revue) für viel Geld tolle Inhalte erschaffen, würden Suchmaschinen diese Inhalte übernehmen und einen Großteil der Werbeerlöse einstreichen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass ihm das gerade während einer extremen Wirtschafts- und folglich auch (Print)-Werbekrise einfällt. Um das zu ändern, fordert er nun Hilfe vom Staat: dieser möge Gesetze doch bitte so anpassen, dass Verlage einen größeren Anteil an den Erlösen erhalten. Dass ihm als Vorbild da gerade die Musikindustrie einfällt, war vielleicht nicht so ganz geschickt.

Es ist nicht einfach, auf solche Artikel angemessen zu antworten – mögen sie in sich vielleicht noch schlüssig sein, spricht aus ihnen doch deutlich das Selbstverständnis der Verlage der Nachkriegszeit. Daraus, dass im Printmarkt lange Zeit zweistellige Renditen möglich waren, ergibt sich kein Anspruch, dass dies in diesem neuen Intarweb auch so sein muss. Entwicklungen wurde jahrelang verschlafen und jetzt, wo der Kuchen verteilt ist, merkt man, dass man nicht so gut wegkommt, wie gewohnt.

Dabei gibt es wohl keine andere Branche, die von Google so bevorzugt behandelt wird, wie Verlage: ACAP, eine Art deutlich erweiterte robots.txt wurde in enger Zusammenarbeit mit den Verlagen erstellt und auch Möglichkeiten wie „First-Click-Free“ kommen Contentproduzenten sehr weit entgegen. Trotzdem scheint es noch immer einfacher, die Fehler nicht bei sich selber zu suchen, sondern Google verantwortlich zu machen. Dass es auch anders geht, zeigt Chris Anderson von Wired: „I consider that a gift, but newspapers consider it theft.“

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Johannes Beus
1. Juli 2009

Kommentare

pip   
1. Juli 2009, 12:47

Kann dem Artikel nur beipflichten. Vor allem fällt immer wieder auf, dass lediglich die Verlierer der „Umverteilung“ rumheulen. Dass das ganze auch auch Chancen birgt, die andere längst Nutzen, fällt niemandem auf.

Dass Google quasi die gesamte Distribution übernimmt und damit auch der Kiosk und Vertrieb ist, den man sonst teuer zahlen muss wird elegant umschifft. Dass Google diesen Kiosk aber werbefinanziert wird angeprangert. Lässt man sich offline nicht auch die Vertriebskosten durch unsinnige Beilagen finanzieren???

Im Übrigen ist insgesamt das Tortenstück, was Google aus dem Werbekuchen vie Google News zieht wohl eher ein Krümel, als alles andere…

Tobi   
1. Juli 2009, 12:50

Ich kann zum Thema unbedingt die beiden folgenden Links empfehlen:

Ein Mal ein Interview mit den Chefredakteuren führender Nachrichtenportale bei MEEDIA:
http://meedia.de/nc/details/article/web-chefredakteure–mehr-geld-von-google_100021453.html

Und sehr gesunder Gegenwind mit klarer Ansage, dass man Google ja auch aussperren kann:
http://medialdigital.de/2009/06/30/dann-boykottiert-doch-google/

Zur Thematik an sich kann ich letzterem Beitrag nur zustimmen, es zwingt niemand die Webseitenbetreiber Google Tor und Tür zu öffnen. Und unterm Strich sind wohl doch alle für die gigantischen Besuchermassen dankbar. Du sagst es: Der Kuchen ist mittlerweile verteilt und das haben sich die Verlage selbst zuzuschreiben.

Jan   
1. Juli 2009, 13:12

Das die Herren von Print, Music und TV das Internet immer noch nicht verstanden haben ist wirklich staunenswert. Gerade die online Angebote von den Printmedien sollten Google lieben oder für jeden Nutzer zahlen… aber das wird wohl noch eine ganze weile dauern bis sie das verstanden haben…

Micha   
1. Juli 2009, 13:14

Interessanter Beitrag von Martin Oetting dazu, der noch etwas tiefer geht, was leider hier nicht zur Sprache kommt. Google hilft den Verlagen sogar 😉

http://www.connectedmarketing.de/cm/2009/07/denkfehler.html

Loewenherz   
1. Juli 2009, 13:14

Unter meinen Kunden als SEO befinden sich mehrere Verlage. Und keiner von denen beschwert sich. Im Gegenteil: Es wurde (grade noch) zeitig SEO eingesetzt, um in Verbindung mit entsprechenden Online-Angeboten und Monetarisierungs-Modellen die Einnahmen der Print-Medien durch Online-Einnahmen zu ergänzen und die Gesamtfinanzierung abzusichern. Gleichzeitig unterstützt die Online-Präsenz das Printmedium und umgekehrt.
Nur wer die Zeichen der Zeit verpennt, schaut nun in die Röhre, ähnlich wie oben bereits von pip geschrieben.

mapro   
1. Juli 2009, 13:20

Hubert Burda handelt nur konsequent. Nachdem wir in den letzten Monaten gesehen haben wie leicht Gesetze auch gegen die einhellige Meinung der Internetgemeinschaft durchgedrückt werden können ist es doch logisch hier nach einem Gesetz zu fordern.

Mal ernsthaft welche große Tageszeitung würde sich kritisch mit diesem Thema außeinandersetzen?

CatbirdSeat   
1. Juli 2009, 13:22

Hubert Burda ist ja jetzt nicht der erste, der polemisch auf Google los geht.
Es gibt ja schon so einige Verlage, die erste „richtige“ Maßnahmen eingeleitet haben und versuchen mit dem neuen Markt zu agieren…aber wie du so schön beschrieben hast, gibts noch einige die die Entwicklung verschlafen haben und jetzt, wo es ihnen schlecht geht, Google dafür verantwortlich machen.

Auch wenn ich nicht immer von Jeff Jarvis überzeugt bin: Einfach mal „What would Google do“ lesen und dann klappts vielleicht auch mit den Verlagen!

Jens   
1. Juli 2009, 13:34

Ich empfehle dazu diesen aktuellen Post von Danny Sullivan. Er hat eine sehr klare Meinung. http://redir.ec/SSXh

Fränk sä Dänk   
1. Juli 2009, 14:11

Guter Artikel Johannes. Eine Kurze Anmerkung zum Thema SEO und SEM.

Das Hauptproblem bei Verlagen ist meines Erachtens dass sie den Online Trend im Bereich SEM und SEO einfach verschlafen haben.

Über „klassische PR“ Agenturen verkaufen sie Anzeigen im Print Bereich mit TKPs zwischen 50 und 100 € und ruhen sich auf dem Print Geschäft aus. Online wurde im Bereich SEO meist wenig gemacht.

Schaut euch die interne Verlinkung an, Seitentitel oder die Templates der CMS (mit JS, CSS und Tabellen bis man kotzt) mal an. Da finden sich meist die Schwachstellen, die auf Grund der fehlenden Priorisierung von Online nach hinten geschoben wurden. Über die Jahre wurde dann eine (aus SEO Sicht) schlechte Seite weiter (schlecht) ausgebaut. Die Migrationskosten und Prozesse sind nun heute beachtlich hoch – was für viele ein Argument gegen eine Optimierung sein kann.

Und wenn sie schon nicht in Google News drinnen sind, organisch im Longtail Bereich schlecht ranken, dann sollten sie wenigstens konsequent AdWords schalten. Neht ne Ad-Injection direkt aus dem CMS heraus wo Redakteure nur Keywords, Titel und Text der Anzeige + Laufzeit definieren müssen und dann zack in AdWords rein parallel zur Veröffentlichung des Artikels!

Vergleicht die hier angesprochenen Online Auftritte beispielsweise mal mit die-topnews.de Einfaches Konzept konsequent umgesetzt. Dass hochwertige Content Produzenten (hallo Superillu – cooler Hinweis :)) nun sich beklagen lenkt von der eigentlichen Wurzel des Problems ab: dass sie das Online Geschäft verschlafen haben.

Also Jungs und Mädels: AUFWACHEN! Do it f***ing now!

pip   
1. Juli 2009, 14:11

Es ist halt auch schwer, für Medien-Imperialisten, die jahrelang Meinung und Politik über Publikationen und Lobby mitbestimmt haben, sich jetzt mit der scheinbaren Ohnmacht gegenüber Google abzufinden.

Die Entwicklung des WWW ist letztlich aber eine Externalität. Es bringt wenig dagegen zu kämpfen, sonders es gilt im bestehenden System optimal zu agieren. Von diesem Optimum sind die meisten Verlage noch weit entfernt, obwohl die Best Practises längst vorgefertigt vorliegen und durch Berater wie Löwenherz e.a. integriert werden können.

Stefan   
1. Juli 2009, 14:59

Ich frage mich, wie Chefredaktion und Vermarktungsabteilung (PI-Garantien ohne G dürften schwer umzusetzen sein) von chip . de über die Worte ihres obersten Dienstherren Hubert denken.

Interessanter finde ich jedoch noch den Ansatz von Würtenberger (Axel Springer):
„…Denkbar sei, dass beispielweise beim Kauf eines Computers eine Internet-Abgabe eingepreist sei. Davon könnten dann auch journalistische Angebote profitieren….“

http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Wuertenberger-stuetzt-Kritik-von-Burda-an-Google-und-befuerwortet-Internet-Abgabe-fuer-PCs_85352.html

Diese Nachtigall trapst schon bedenklich. Da müsste sich dann nur noch mal die Friede (Springer) mit der Angela unterhalten, die hat bestimmt ein offenes Ohr für ihre Freundin.

Christoph   
1. Juli 2009, 15:58

Klar mag es sein, dass bei Google News viele Leser gebündelt werden und demnach eventuell den Nachrichtenseiten verloren gehen, aber klar sollte auch sein, dass die Verlage Nutzer, die von Google News kommen, genauso auch auf dem Webangebot halten können, und zwar in dem man dem User weitere interessante Artikel anbietet.
Solche Mechanismen dürften, nebenbei erwähnt, eigentlich schon von relativ vielen Verlagen genutzt werden, schließlich will man ja auch Stammleser möglichst lange auf der Seite halten, oder etwa nicht?
Also bedarf es nur noch dem Ausbau einer solchen Funktion.

@Webmaster: Kommentartexte werden leider ins Nirvana geschickt, wenn die E-Mail-Adresse nicht angegeben wurde. Vielleicht kann man das noch anders gestalten?

pip   
1. Juli 2009, 16:05

Internetabgabe für Verlagsangebote ist dann quasi der Kohlepfennig für die dem Untergang geweihten Verlage?

Dann doch lieber Bergbaukumpels retten als leere Redaktionen, die für x Blätter und Online-Dulizierungen gleichzeitig schreiben.

Daniel   
1. Juli 2009, 19:39

Würde Herrn Burda das aktuelle Buch von Jeff Jarvis, „Was würde Google tun?“ empfehlen. Ist verständlich geschrieben und erläutert in einfachen Worten und anhand verständlicher Beispiele, wohin sich das Internet unweigerlich entwickelt bzw. bereits entwickelt hat.

Johannes   
1. Juli 2009, 19:43

Daniel, ja, habe das Buch auch gelesen und fand persönlich, dass es gewisse Längen und Wiederholungen hatte, ist aber wohl wahr, dass es für „Nicht Digital-Natives“ so etwas eingänglicher ist 😉

Marco   
1. Juli 2009, 22:43

Die Verlage haben seinerzeit ein Distributionsmonopol für Informationen aufgebaut und sich dann – gerade in den letzten 10-15 Jahren – einen Sch… um die nun bemühten Werte „fair, gerecht, gleichberechtigt“ wie auch „Qualität“ geschert.

Sich jetzt darauf zu berufen ist ein armseeliger Hilferuf eines zu recht dahinsiechenden und um ihre Pfründe fürchtenden deutschen Verlagsoligopols.

Den vielgenannten Qualitätsjournalismus kann ich schon lange nichts mehr finden, schon gar nicht in den großen Verlagen – einige wenige Blätter vielleicht ausgenommen.

Es werden einfach recherchierbare Fakten unterschlagen um zu polarisieren, Stimmungen und Ängste aufs unerträgliche auszureiten, Menschen bloßzustellen.

Andererseits werden unrecherchiert Behauptungen von Kollegen als Fakten zu
eigen gemacht und als „Qualität“ verkauft.

Warum? Auflage! Kommerz! – Nun der Hilferuf nach dem Staat, weil das Informationsmonopol von den Schultern der Verlage auf die Schultern von Google wandert ? Einfach erbärmlich…

Ein paar Jungs hatten eine Vision, eine Geschäftsidee und diese umgesetzt – so wie es jeder andere hätte tun können.

Sie haben allein durch Qualität den Markt aufgrollt, eine Marke etabliert – gerade auch in Deutschland ohne millionenschwere Imagekampagnen.

Google ist daher eines der wenigen von mir akzeptierten Monopole, weil hart erarbeitet und – in meinen Augen übrigens bis heute – zurecht verdient.

Jahn   
2. Juli 2009, 09:15

Na ja – nicht nur Burda hat einen „Trend“ verschlafen. Der Bund sponsert ja aktuell auch kräftig Banken, Versandhäuser, Industriebetriebe & Co. die sich nicht richtig auf die Zukunft eingestellt haben. Dann fragt sich eben auch mal ein Verleger-Oldie wie man einfach und unkompliziert schnell mehr Geld verdienen kann.

Was ich viel schlimmer finde ist jedoch, wenn z.B. ein kleiner Versandhändler mit 50 Mitarbeitern, der jährlich seine Steuerabgaben leisten muss, mit so einem Beschluss wie bei Quelle den Konkurrenten mit seinen eigenen Steuergelder mitfinanziert. Das tut richtig weh…

Stephan   
3. Juli 2009, 11:08

Das wäre ja noch schöner, wenn ein Taxifahrer einem/r Restaurant|Disco|Bar Geld geben müsste, weil er Ihnen Touristen vorbeibringt.

Ich möchte mal wissen welches Zeuch Herr Burda & Co rauchen.

zeitschriftenleser   
5. Juli 2009, 21:03

Dr. B. hat eher Angst vor BING, darf das aber nicht sagen, weil Microsoft ein zu großer Anzeigenkunde ist, Google dagegen bucht eh‘ kaum klassische Werbung.

Bing baut auf Transaktionen auf und das war bisher der vermeintliche Fluchgtweg der Verlage, die gegen die Kombo aus Suchmaschinen auf der einen und speziellen Contentanbietern auf der anderen Seite keine wirkliche Chance haben.

Wenn Bing nun im Bereich Transaktionen (Reise, Shopping, Gesundheit, Foto/Video/TV-Angebote) wirklich erfolgreich wird, fallen Erlösmöglichkeiten weg, mit denen man Journalismus quer finanzieren wollte. Für die meisten Inhalte finden sich im Internet keine Endabnehmer, die bezahlen wollen.

Google, Yahoo u.a. US-Werbekonzerne nehmen den regionalen Verlagen die (interaktiven) Werbeerlöse weg und Microsoft (und Amazon etc.) jetzt auch noch zunehmend die Transaktionserlöse. Abos lassen sich auch immer weniger verkaufen, am Kiosk gehen die meisten Auflagen zurück. Erst gehen die Zeitschriftenleser ins Internet zu den Online-Angeboten der Verlage, mit zunehmender Online-Kompetenz verstärkt zu reinen Online-Medien.

Im Internet ist die Konkurrenz viel direkter als im Zeitschritenregal, wo die großen 5 Verlage einfach die Regale blockieren können, sollte einmal ein neuer Mitbewerber auftauchen. Im Web kann jeder mit spannenden Inhalten und guter Suchmaschinenausrichtung vorne mitspielen. Dort gibt es hunderte ernst zu nehmende Mitspieler um den gleichen Reichweitenkuchen, statt nur 4-5.

Dr. B. hat aus meiner Sicht zu recht Bedenken, wie es mit seinem Geschäftsmodell weiter geht.

zeitschriftenleser   
5. Juli 2009, 21:04

Dr. B. hat eher Angst vor BING, darf das aber nicht sagen, weil Microsoft ein zu großer Anzeigenkunde ist, Google dagegen bucht eh‘ kaum klassische Werbung.

Bing baut auf Transaktionen auf und das war bisher der vermeintliche Fluchgtweg der Verlage, die gegen die Kombo aus Suchmaschinen auf der einen und speziellen Contentanbietern auf der anderen Seite keine wirkliche Chance haben.

Wenn Bing nun im Bereich Transaktionen (Reise, Shopping, Gesundheit, Foto/Video/TV-Angebote) wirklich erfolgreich wird, fallen Erlösmöglichkeiten weg, mit denen man Journalismus quer finanzieren wollte. Für die meisten Inhalte finden sich im Internet keine Endabnehmer, die bezahlen wollen.

Google, Yahoo u.a. US-Werbekonzerne nehmen den regionalen Verlagen die (interaktiven) Werbeerlöse weg und Microsoft (und Amazon etc.) jetzt auch noch zunehmend die Transaktionserlöse. Abos lassen sich auch immer weniger verkaufen, am Kiosk gehen die meisten Auflagen zurück. Erst gehen die Zeitschriftenleser ins Internet zu den Online-Angeboten der Verlage, mit zunehmender Online-Kompetenz verstärkt zu reinen Online-Medien.

Im Internet ist die Konkurrenz viel direkter als im Zeitschritenregal, wo die großen 5 Verlage einfach die Regale blockieren können, sollte einmal ein neuer Mitbewerber auftauchen. Im Web kann jeder mit spannenden Inhalten und guter Suchmaschinenausrichtung vorne mitspielen. Dort gibt es hunderte ernst zu nehmende Mitspieler um den gleichen Reichweitenkuchen, statt nur 4-5.

Dr. B. hat aus meiner Sicht zu recht Bedenken, wie es mit seinem Geschäftsmodell weiter geht.

Zeitungsleser   
23. Juli 2009, 10:36

Also ich muss jetzt mal eine Lanze für die Verlage brechen!
Sicher hat man es in vielen Verlagen versäumt auf „das Internet“ rechtzeitig zu reagieren. Das man sich nun überrumpelt vorkommt ist doch verständlich.
Fakt ist nur, dass es nach wie vor kein Modell gibt, welches im Web die hohen Kosten einer Qualitäts-Redaktion kompensiert oder entscheidend mitfinanziert. Alle großen Verlage fahren im Zeitungsgeschäft Miese ein.
Realistisch betrachtet müßte eine Ausgabe der Süddeutschen 15 Euro kosten um den qualitativen und quantitativen Wert der darin befindlichen Informationen zu ersetzen. Das will aber kein Mensch bezahlen!
Im Web will man aber erst recht nichts dafür bezahlen. Weil „im Web krieg und find ich alles gratis“…zu dieser Mentalität wurden wir alle von Google und Co. erzogen.
Daher steuern wir nun in die Richtung, dass Qualitäts-Journalismus von der Massenware wieder zur Luxusware werden wird. Herr Dr. Burda wird sich dann das Spiegel-Abo für 300 Euro im Monat locker leisten können.
Wir dürfen uns dann mit den kostenlosen Unwahrheiten und dem geistigen Dünnschiss im Web begnügen, den irgendwelche selbsternannten Hobby-Journalisten auf ihren Webseiten anpreisen.
Da will ich ehrlich gesagt nicht hin!
Anstatt mit dem Finger auf die Verleger zu zeigen, zeige ich ihnen lieber Möglichkeiten und Wege auf sich mit dem Web anzufreunden. (Verdiene auch mein Geld zu 99% mit dem Web als Angestellter eines Print-Verlags)
…und wieviele Web-Kollegen waren schon froh, dass ein finanzkräftiger Verleger als Sponsor eingestiegen ist, weil alle anderen erstmal nicht an den „Internet-Quatsch“geglaubt haben?…gibts ja auch ein paar nicht unerfolgreiche Fälle…
Rock on! 🙂

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