Google erlaubt Cloaking für Verlage

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
15. September 2017 11 Kommentare

Eigentlich sind die Google-Regeln einfach und seit Anfang an klar: der Google-Crawler muss genau die Inhalte sehen, die auch der normale Besucher auf der Seite sieht. Wenn das nicht der Fall ist, spricht man von Cloaking – eine Technik, die Google als Verstoß gegen die Webmaster Guidelines ansieht und entsprechende Ranking Penaltys dafür verteilt.

Nun haben Verlage vor einigen Jahren gemerkt, dass Onlinewerbung nicht ganz so fürstlich bezahlt wird wie Printwerbung und auch das Angebot an Werbeflächen im Internet deutlich größer ist als zuvor in der Offline-Welt. Kurzum: es mussten weitere Erlösquellen her. Bezahlschranken für den Zugriff auf Inhalte sind da eine naheliegende Möglichkeit. Doch wie mit dem Problem umgehen, dass nur zahlenden Nutzer ausgelieferte Inhalte auch in Google nicht mehr ranken würden?

First Click Free” war bislang die Brücke, die Google Verlagen gebaut hat, um trotz eines Bezahlsystems für Inhalte in den Google SERPs vertreten zu sein. Wenn der erste Klick aus den Google Ergebnissen auf die Bezahlinhalte für den Nutzer kostenlos bleibt, hat Google bislang trotzdem die ganzen, eigentlich versteckten Inhalte indexiert und kostenlos Besucher geliefert.

Offenbar war diese Sonderbehandlung den Verlagen nicht genug. Das Wall Street Journal (hier die quasi First Click Free Variante des Artikels) vermeldet nun, dass Google künftig darauf verzichtet, dass der erste Klick kostenfrei sein muss. Inhalte dürfen nun komplett hinter der Bezahlschranke liegen und Google wird sie trotzdem vollständig indexieren.

Google erlaubt Verlagen damit offiziell das Cloaking von Inhalten. Ich bin gespannt, wie viele neue “Verlage” nun aus dem Boden schießen und wie Google hier nachvollziehbare Grenzen ziehen will.

15. September 2017, 10:13

Hmm, hmmm. Statt wegen keiner Inhalte schießen sich die Verlage dann eben mit derben Bounceraten aus den SERPs, wäre so meine spontane Vermutung. Oder Google brät auch hier eine Extrawurst, das fiele mir aber schwerer zu glauben bzw. stünde deutlich derber im Gegensatz zu den Google-Ansprüchen an relevante, nutzerzentrierte Suchergebnisse als die Quasi-Cloaking-Lizenz.

Einer vom Verlag
15. September 2017, 14:00

Verlage haben gemerkt, dass Online Werbung nicht ganz so fürstlich bezahlt wird, wie Printwerbung.. Nunja, ich komme aus einem Verlag. Ein TKP von über 100 Euro ist dort normal. Selten dass für 1000 Views auf Werbemittel mal nur lausige 80 Euro bezahlt wurde. in der Regel war mehr Nachfrage als Angebot da und zu Spitzenzeiten/Events waren auch schon mal >10.000 User gleichzeitig(!) online auf einer Domain.

Kommt aber auch auf die Inhalte an. Wer nur Dreck produziert, bei dem will auch niemand ernsthaft werben. Dann bleiben nur die Werbenetzwerke übrig die Banner a la „Du bist heute der 1000ste Besucher, hier gewinne einen Audi A3, kein Scherz“ und ähnlichen Dreck ausliefern.

Und dennoch war der Verlag mit dabei als es darum ging mit dem Leistungsschutzrecht von Google den Arsch gepudert zu bekommen. Ich würde gerne sagen, ich habe das sinkende Schiff dann verlassen. Aber dem ist nicht so. Ich habe das Schiff zwar verlassen und was eigenes aufgebaut, aber sinken tut da nichts. Es ist nur jammern auf sehr, sehr hohem Niveau, was die Verlage da machen.

Der Grund, dass Online nicht so profitabel läuft wie Print, liegt nicht an den Einnahmen aus den Onlineablegern, sondern an mangelnder Effizienz und fehlender Online Affinität.

Beispiel gefällig? Da werden mal 50.000 Euro rausgehauen für etwas, das einer Agentur ein paar Manntage kostet und für das kein „Onliner“ der sich auskennt mehr als 3000 Euro bezahlen würde, eher die Hälfte. Und das ganze dann für jeden Auftritt separat zum jeweils vollen Preis nochmal, was keine zusätzliche Programmierarbeit, sondern nur Design-Anpassungen nötig machte.
ich wusste das, mein Vorgesetzter auch, aber es interessierrt halt nicht, weil Print die Fäden zieht und Onliner da nichts zu melden haben, obwohl es um Online geht.

Ja, da werden hunderttausende Euros in den Wind geblasen, aber wenn dann die Jahreszahlen da sind, hat Online mal wieder leicht rote Zahlen gemacht weil es ja die bösen Adblocker und das böse Google gibt.

18. September 2017, 10:04

Hallo,

interessante Entwicklung – wobei ich doch eher skeptisch bin. Gibt es irgendwelche Infos, wie das technisch funktionieren soll. Das klassische cloaking anhand des User-Agents (dem Google-Bot zeigen wir den Inhalt, dem Rest die Schranke) fällt meine Ansicht nach schonmal flach, da sich hier die Inhalte schnell sichtbar machen ließen. Doch wie will Google dann an die Inhalte kommen? Aktiver Upload durch die „Verlage“. Falls ja – wer ist ein Verlag, und wer nicht?

PS: Was in dem Artikel noch als Hinweis fehlt: Es geht grundsätzlich erstmal um Google News
– so liest es sich zumindest in dem verlinkten Google-Artikel.

Grüße,
Torsten

18. September 2017, 14:16

Ja, Torsten, lese ich genauso, nur für Google News und auch nur mit entsprechender Kennzeichnung als „Abonnement“ die dann auch in Google News erscheint.

@Richie: Natürlich ist das eine Extrawurst, da haben die Lobbyisten glänzende Arbeit geleistet. Ob das den Verlagen den erhofften Geldsegen bringt, wage ich aber zu bezweifeln. Online funktioniert nicht wie Offline, aber wie „Einer vom Verlag“ es so schön schildert, sitzen da meist noch Leute der ganz alten Schule am Drücker, die ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge haben.

[…] Beus hatte auf dem SISTRIX-Blog davon berichtet, das Wall Street Journal selbst ist die Quelle für die von Google noch nicht bestätigten […]

24. September 2017, 18:47

Bin ja mal gespannt wie Google dann kontrolliert, welches ein „echter“ Verlag ist und die schwarzen Schafe aussortiert…

Thomas
25. September 2017, 10:12

„Doch wie will Google dann an die Inhalte kommen? Aktiver Upload durch die „Verlage“. Falls ja – wer ist ein Verlag, und wer nicht?“

Ist doch nur eine Frage wie Du das Gate definierst. Das geht natürlich weit über ’ne einfache Referer/UA Abfrage hinaus.

29. September 2017, 13:19

Das wäre wirklich eine klasse Extrawurst..ich kann mir das auch nicht zwingend vorstellen.

6. Oktober 2017, 22:18

Bin ja mal gespannt wie Google dann kontrolliert, welches ein „echter“ Verlag ist und die schwarzen Schafe aussortiert…

Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ich denke früher oder später wird dieses Methode wieder ausgenutzt und vermutlich entschäft. Die Sternchen in den SERPs waren auch schneller weg als sie kamen IMHO.

Generell finde ich viele Ansätze gut und sinnvoll. Nur die Umsetzung ist automatisiert sehr schwer. Eine Whitelist benötigt händische Kontrolle durchs SPAM-Team. Eine Blacklist enthält vermutlich zu viele false-positives.

10. Oktober 2017, 17:22

wenn wir ehrlich sind, sind es doch die US-Mediengiganten á la Google und Facebook, die mit den großen Verlagen in Konkurrenz stehen und durch die kostenlosen Beiträge Besucher ziehen. Freie Marktwirtschaft würde ich mal sagen.

13. Oktober 2017, 15:18

Interessante Entwicklung! Bleibt nur noch zu klären, wie Google sicherstellen möchte, dass es sich bei einer Website _tatsächlich_ um einen Verlag bzw. ein Magazin handelt, oder um Inhalte die von SEO-Agenturen lediglich des Rankings wegen generiert wurden. Stelle mir das in der Praxis schwierig vor und gehe mal fast von einer händischen Lösung seitens Google aus..