Google-SERPs bald in Ajax?

Johannes Beus
Johannes Beus
4. Februar 2009
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

In den USA testet Google derzeit für einige Nutzer die Auslieferung der Suchergebnisse als Ajax (Kein Putzmittel sondern JavaScript-Voodoo). Während das für manche Nutzer sicherlich Vorteile hat, da beim Weiterblättern nicht die komplette Seite neu geladen werden muss, gibt es auch eine Reihe von Nachteilen, die in US-Blogs (via Seofm) schon eifrig diskutiert werden. Den ersten Punkt sehe ich als nicht so kritisch an: ob Rankingchecker jetzt die (herkömmlichen) HTML-Serps oder irgendwelche serialisierten JavaScript-Daten parsen, ist egal. Es wird zwar eine Phase der Umstellung geben müssen, aber im Prinzip kein Problem – vielleicht können beide Seiten sogar noch etwas Traffic einsparen …

Der zweite Kritikpunk ist da schon kritscher und hat damit zutun, wie bei Ajax Parameter übergeben werden. Zuerst die herkömmlichen SERPs, jeweils Suche nach „sistrix“:

Aktuelle Umsetzung
Der Browser übergibt (im Regelfall) die komplette URL inklusive der Parameter als Referrer und diese Informationen tauchen dann auch im Webserver-Logfile auf und können ausgewertet werden. Bei der Ajax-Einbindung sieht das nun etwas anders aus:

Neue (AJAX) Umsetzung
Die gesuchten Keywords stehen hier im HTML-Anchor von Google. Da dies Informationen sind, die üblicherweise nur der Browser benötigt, um einen gewissen Bereich der Seite anzuspringen, übermittelt er sie auch nicht im Referrer. Die Webserver-Logfiles und alle anderen Analyse-Möglichkeiten erhalten also lediglich den Teil vor dem „#“ und somit keinen Hinweise auf das gesuchte Keyword.

Sollte Google die derzeitigen Tests als erfolgreich betrachten und die Ajax-SERPs als Standard für alle Googlesuchen einführen, haben sämtliche Analysetools und –Möglichkeiten ein Riesenproblem und ich sehe aktuell auch keinen Weg, die Keywordinformationen in der derzeitigen Ajax-Umsetzung trotzdem zu erhalten. Matt Cutts gibt in dem verlinkten Blogposting zwar erstmal Entwarnung („It is not our intention to disrupt referrer tracking, and we are continuing to iterate on this project.“), spannend wird es aber trotzdem, ob und wie diese Veränderung kommt.

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Kommentare
Hanns   
4. Februar 2009, 11:53

Die Keywordinformationen über die Refferer wird sicherlich problemlos Google Analytics liefern. Ist ja eh eine Schande, dass es noch andere Analysetools gibt. 😉

Boris   
4. Februar 2009, 12:05

Die spannende Frage die sich mir stelle ist: Was ist mit Google Analytics? Hätte Analytics weiterhin Zugriff auf die verweisenden Google-Keywords? Technisch wäre dies möglich.

Sollte dies der Fall sein, würde letztendlich (fast) niemand auf Google Analytics verzichten können und nahezu alle Seiten (die Google-Keywords tracken wollen) müssten den Analytics-Code auf der Seite integrieren. Solch ein umfangreicher Datenbestand eröffnet durchaus die Möglichkeit, in einer Such-Logik einen weiteren Parameter zu integrieren bzw. das Gewicht zu verstärken. Interessante Möglichkeit!

Otik   
4. Februar 2009, 13:39

Das wäre wettbewerbsrechtlich sehr bedenklich anderen Counter und Tracking Diensten gegenüber.

Kosko   
4. Februar 2009, 16:21

Google-SERPs bald in Ajax? http://tinyurl.com/ak79g6

loptr   
4. Februar 2009, 16:40

@Hanns – das war auch mein erster Gedanke. Aber umso mehr ich darüber nachdenke stelle ich fest, dass eine Monopolstellung in diesem Sektor wohl durch das zuständige Kartellamt unterbunden wird.
Das hört sich nach der Geschichte von Microsoft und dem IE an, welcher unbedingt „benutzt“ werden muss um mit Windows ins Inet zu gehen.

Britta Stahl   
4. Februar 2009, 16:53

Da bin ich aber sehr gespannt wie die Firmen der Webanalyse darauf reagieren werden…Tatsächlich ist Google ja aber niemanden verpflichtet…

Olly   
4. Februar 2009, 21:15

Ich kann bei den hauptsaechlich amerikanischen Kundensites keinerlei Einbruch
der Search phrases erkennen.
Dennoch hat mein Kollege genau diese Ajax Suche jetzt „am laufen“, seine Google.com Suchen liefern keine phrases mehr mit im Referrer…

Aber das waere natuerlich ein Geniestreich von Google, Search Phrases nur noch in einer Analytics Pro Version, und alle anderen Analytics Packages aussperren. Ich frage mich ob das echte Konsequenzen haben koennte… Kann ich mir aber nicht so ganz vorstellen, ist schliesslich „nur“ der Referrer…?

Pascal   
4. Februar 2009, 23:47

Da sehn wir mal wie abhängig wir von Google sind. Klar sind die Marktführer aber das das auf kurzer oder Langer zeit kommt hätte man ahnen können. Aber warten wir es erstmal ab

Jan   
5. Februar 2009, 08:19

Ich frage mich viel mehr: Was bringt es, die Suche auf AJAX umzustellen? Die Serverlast verringert sich nicht, stattdessen bekommt man Probleme, wenn User JavaScript deaktiviert haben (also müsste es immer noch die Alternativlösung wie jetzt geben -> doppelter Pflegeaufwand).

Oder macht es Google, weil es „cool“ ist?

Hanns   
5. Februar 2009, 09:21

@Jan: Google bietet ja schon seit vielen Monaten die Web-Search unter dem Stichwort „Google AJAX Search API“ als AJAX-Lösung für die Einbindung auf externen Websites an (http://code.google.com/apis/ajaxsearch/web.html). Da lassen sich schon coole Effekte erzeugen, alles wirkt unheimlich schnell und es macht einfach Spaß den Service zu nutzen. Vielleicht haben sie in dem Projekt ja so positive Erfahrungen gesammelt, dass sie AJAX jetzt auch für die eigene Site testen. Google Maps läuft ja auch über AJAX. Was passiert denn da, wenn man JavaScript deaktiviert?

Jan!   
5. Februar 2009, 11:48

@Hans – Probier es aus http://maps.google.de/?output=html

Hanns   
5. Februar 2009, 13:01

@Jan – hatte schon einmal mehr Spaß mit Google Maps – ist ja scheußlich so. Wahnsinn, wie schnell man sich bei Karten an AJAX gewöhnt hat.

MDSS   
5. Februar 2009, 14:55

Ich hoff, dass dann das Kartelamt aktiv wird. Ich mag mich nicht zwingen lassen Analytics benutzen zu müssen.

Die Tragik ist, dass einige meinen,dadurch werde deren Privatheit geschützt – viele verstehen nicht, dass Google sehr wohl trackt, bloß anderen das nicht mehr ermöglichen.

Ich kann vermuten, dass einige Browser aufrüsten werden – so dies kommt – aber in Ländern wo viele alte Browser noch im Einsatz sind, ist man dann auf Analytics angewiesen.

So sehr ich verstehe, dass man sein Geschäft ausbauen möchte, so sehr denke ich, dass Monopolstellungen auf die Dauer tödlich sind für alle Beteiligten.

Die Entwicklung bleibt dann irgendwann stehen, wenn man *eh das Monopol* hat.

lg

MDSS   
5. Februar 2009, 14:56

oopps ich bedauere, ich vergess, dass ich hier Firmenaccount habe..

lg Monika 😉

Mario   
5. Februar 2009, 15:33

Gerade jetzt wo z.B. Piwik langsam erwachsen wird und Google Analytics bei mir ablöst, kommt so eine Meldung! Super!

Ralph   
7. Februar 2009, 13:40

@Mario: Was genau ist Piwik? Hast Du dafür einen Link?

Es sieht wirklich danach aus, dass Google einen sehr genialen Einfall hat, um durch eine Erhöhung der Benutzerfreundlichkeit auf der einen Seite und dem dezenten Hinweis auf sein hauseigenes Produkt auf der anderen Seite seinen Umsatz (=Abhängigkeit ?) zu erhöhen. Dafür haben Sie meinen Respekt. Spannend bleibt es alle mal. Ralph

Andreas   
11. Februar 2009, 08:48

@ Olly – Deinen Gedanken halte ich für interessant: Analytics ohne Referrer bleibt kostenlos, die Pro-Version würde kostenpflichtig werden. Auch heute kostet ja die API-Schnittstelle für andere Tracking-Tools schon was (ich glaube ca. 0,5% des Mediavolumens).

marcok   
19. Februar 2009, 00:59

@Ralph: Google benutzen 🙂
http://piwik.org/

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