Googles Angst vor kleinen Seiten

Johannes Beus
Johannes Beus
20. August 2007
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Manchmal kommt mir der Suchmaschinengigant Google wie der sprichwörtliche Elefant, der Angst vor der kleinen Maus hat, vor. Gerade, wenn man sich generische Serps, die beispielsweise aus einem Stadtnamen und einer Berufsbezeichnung bestehen, ansieht, so werden dort meistens nicht relevante Webseiten von Anbietern aus der jeweiligen Stadt sondern Branchenbücher, Meinungsportale und ähnliche Seiten angezeigt. Wie kommt es dazu? Google hat das Bestreben, dem Suchenden möglichst gute, also relevante Ergebnisse zu liefern. Um die Qualität und Relevanz und damit die Position einer Seite zu beurteilen, setzte Google in den letzten Jahren in zunehmendem Maße auf „Trust“, also einer Beurteilung, ob man den Inhalten einer kompletten Domain eher vertrauen. Dieses Vertrauen müssen sich Seiten aber erst erarbeiten: gute eingehende Links, eine gewisse Zeit bereits online und keine Aktionen auf der Domain, die zu weit jenseits des Webdurchschnittes liegen. Naturgemäß haben große Projekte mit entsprechendem finanziellen und technischen Hintergrund es einfacher, dieses Vertrauen – sei es natürlich oder „nachgebaut“ – zu erarbeiten als die Selbstdarstellung eines regional tätigen Handwerkers. Zum wirklichen Problem wird dieses Verhalten von Google allerdings erst, wenn man Überlegungen, wie sie Cho und Roy in ihrem Paper „Impact of Search Engines on Page Popularity“ gemacht haben, mit einfließen lässt: Populäre Seiten (sowohl in Bezug auf die Besuche als auch auf die Anzahl und Qualität der eingehenden Links) werden populärer während unpopuläre weiter an Boden verlieren. So erhielten eine große Anzahl hochwertiger Webseiten nicht die angemessene Besucherzahl. Für Suchmaschinen heißt das, dass die die Ablösung oder deutliche Verbesserung der bislang eingesetzten Algorithmen notwendig ist; für Seitenbetreiber, dass sie versuchen sollten, mit den Gegebenheiten zu leben und ihre Maus neu anstreichen sowie das ein oder andere Empfehlungsschreiben aus der Tierwelt einholen sollten.

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Kommentare
Olaf   
20. August 2007, 17:42

Nun gut, das ist jetzt aber ein alter Hut, dass bei welchem Ranking auch immer, die Großen immer größer werden und die Kleinen immer kleiner. Dies entwickelt sich sogar immer schneller. Die großen Sites hatten und haben mehr Backlinks, mehr Trust und natürlich auch mehr Geld um sich hochoptimieren zu lassen. Es ist ein grundsätzlicher logischer Fehler anzunehmen, dass die für einen Suchbegriff bei Google am meisten geklickte Seite auch die relevanteste für ein Thema seie. Im Zweifelsfall ist Wikipedia auf Eins und über die unterschiedliche Qualität hier kann man ja durchaus verschiedener Meinung sein.

Eigentlich müsste man die Ergebnisse komplett per Zufall sortieren aber das würde die Suche ja scheinbar nicht mehr so bequem machen.

Daniel   
20. August 2007, 19:43

Ich sehe das etwas anders, denn das Problem gerade bei vielen kleinen Handwerker-Betrieben ist doch, dass für einen Internetauftritt kein Geld ausgegeben wird. Da werden häufig nur ein paar Seiten irgendwo zusammengeklickt oder vom Sohnemann gebastelt. Klassisch steht dann auf der Startseite ein „Herzlich Willkommen“ mit einem netten Bildchen und auf den Unterseiten noch „Die Firma“, „Die Leistungen“ und „Kontakt/Impressum“. Selbst wenn der Text für die Suchmaschinen sichtbar ist, befinden sich die relevanten Keywords erst auf Seite 2 oder tiefer. Von daher ist das Problem eher hausgemacht.

Wer in diesen Bereichen mit einer textlastigen Seite und den richtigen Seitentitel aufwartet, der steht auch auf den vorderen Plätzen und zwar problemlos. So zumindest meine Beobachtungen.

Selbst habe ich das auch mit einen Produktseiten ausprobiert. Domain nur für ein bestimmtes Produkt angelegt (keine Keyword-Domains), ein paar Beiträge mit entsprechender Verlinkung in Blogs und schon ranken diese zumindest vor Idealo, eBay und Co. Lediglich Amazon (incl. AStore) sind momentan (noch) zu stark.

Johannes   
20. August 2007, 20:09

Ist es denn wirklich das Verschulden der Handwerksbetriebe, dass sie ihre Seite nicht für Google optimieren? Ich glaube, wir im SEO-Geschäft sollten auf das Thema mal von außen draufblicken und denke, dass hier eher Google in der Verantwortung ist, möglichst passende und abwechslungsreiche Ergebnisse zu liefern.

Daniel   
20. August 2007, 22:39

Ist es denn wirklich das Verschulden der Handwerksbetriebe, dass sie ihre Seite nicht für Google optimieren?

So, wie du die Frage formuliert hast, würde ich sagen: klares Ja.

Denn: stellt man den Leuten die Frage, warum sie überhaupt eine Homepage haben, kommt z.B. als Antwort „das braucht man heutzutage“, „damit wir auch eine passende E-Mail-Adresse haben“ und in seltenen Fällen „damit wir neue Kunden gewinnen“.

Ich denke, vielen ist gar nicht bewusst, dass sie auch handwerkliche Aufträge oder zumindest etliche neue Anfragen über das Internet generieren können, oder dass auch Restaurants, Friseure, uvm. neue Kunden gewinnen können, gerade wenn Leute in eine neue Stadt gezogen sind und dort niemanden kennen und sich im Internet informieren.

Da das Wissen um diese Möglichkeiten fehlt, setzt sich in vielen Köpfen die Denke fest, dass ein Internetauftritt nur kostet und nichts einbringt.

Würde man die Chancen der eigenen Homepage erkennen, dann würde man mE auch anders herangehen und auf eine entsprechend umgesetzte Homepage wert legen.

Ein anderer Punkt ist natürlich die Frage, ob Google da etwas nachbessern sollte. Googles erklärtes Ziel ist es ja, „die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.“ – Also müssten da auch Seiten mit drin sein, die nicht optimiert sind, da stimme ich dir zu.

Allerdings habe ich schon viele kleine Seiten gesehen, wo ich selbst aufgrund der vielen Flash-Animationen und Java-Menüs kaum durchblicken kann. Wie soll das dann eine dumme Maschine können?

Thomas   
21. August 2007, 09:15

Vielleicht kümmert sich Google auch deswegen momentan verstärkt um den Mittelstand, allerdings mit Google AdWords. Ich bin übrigens auch der Meinung, dass gerade kleinere Betriebe bis Mittelständler verstärkt auf AdWords & Co. setzen sollten. Das ist viel kurzfristiger umsetzbar und auch besser steuerbar. Im Vergleich zu SEO ist es in meinen Augen auch günstiger – gerade in „neuen“ Themen sind die CpCs noch bezahlbar und durch weniger Konkurrenz erreicht man oft auch gute Klickraten.
…und dann gibts ja noch sowas wie myhammer.de 😉

Brandau   
21. August 2007, 11:36

Es ist in der Tat erstaunlich, wie wenig sich gerade kleinere Betriebe um eine gewisse Verlinkung kümmern. Selbst professionell erstellte Seiten haben oft kaum Links.

Klar, wenn die Firmen den weitergehenden Service nicht bezahlen wollen, dann bekommen sie ihn auch nicht. Aber es ist nicht schwer sich hier etwas Grundwissen anzulesen und dann eine zumindest grundlegend onpage-optimerte Seite in ein paar Webkataloge und Branchenverzeichnisse einzutragen. Mehr würde es bei vielen lokalen Suchen ja gar nicht brauchen um nach vorne zu kommen.

Google scheint aber (vielleicht deswegen) mehr Gewicht auf bestimmte „Fachseiten“ zu legen und Einträge dort als positive Bewertung zu sehen. So haben im Anwaltsbereich Rechtsanwälte, die auf anwalt.de aufgeführt sind bei der lokalen Suche deutlich zugelegt und die dortige (Selbst-)Beschreibung und die dort hinterlegten Bilder werden als „Kritik“ angezeigt.

Markus   
21. August 2007, 16:07

Kleinere Unternehmen wissen mit der ganzen Thematik Suchmaschinenoptimierung einfach nichts anzufangen bzw. halten eine solche für nicht nötig: „Wir stehen doch mit unserem Firmennamen auf Position 1 bei Google“…
Daher kümmern sich eben diese Unternehmen nicht um Links oder um eine Onpage-Optimierung.
Branchenverzeichnisse sind teilweise wirklich sehr gut optimiert, und landen damit auf den vorderen Plätzen.
Sicherlich ist das traurig, dass damit kleineren Firmen die ersten Plätze verwehrt bleiben, aber das ist eben zur Zeit so.

regelbrecher   
22. August 2007, 10:20

Daniel hat vollkommen recht.

Gerade „Mittelständler“ besitzen oft ein grosses Wissen in ihrem Bereich.

Mit Beiträgen auf einem eigenen Blog könnten Sie’s, je nach Branche, auf die eins schaffen.

Oft werden aber gerade bei KMU’s die Seiten der Homepage mit Texten aus Prospekten der jeweiligen Hersteller gefüllt.

Und das machen sehr viele dieser Firmen.
Schlechter gehts fast nicht.

Dimi   
29. August 2007, 19:04

Ich finde das Problem liegt teilweise auch bei Google. Ich kenn das aus meiner eigenen Erfahrung, da ich selbst für einige lokale Handwerker Websites gemacht habe. Msn zum Beispiel platziert die kleinen Handwerkerseiten auf viel bessere Positionen, bei Google dagegen werden nur die großen Kataloge angezeigt.
Das andere Problem ist natürlich auch das fehlende Wissen der Auftraggeber. Auch nach mehrmaligem Zureden, ist es verdammt schwer diesen Leuten zu erklären, wie wichtig das Internet ist. Die Meisten sind der Ansicht, dass die Mundpropaganda ihnen mehr Aufträge bringt.
Die Idee mit den Blogs für Handwerker halte ich für sehr gut, allerdings bin ich da schon paar mal damit gescheitert. Es fehlt einfach an Verständnis.

auto insurance quotes   
7. April 2012, 06:20

Also Pressefreiheit ja, aber alles hat ja Grenzen! Hunde einschläfern, nur weil sie ne bestimmte Rasse sind? Und was ist mit dem lieben Rotti, der so brav sein Frauli jeden Tag begleitet! Die alte Dame, die ihn schon über 10 Jahre hat und über alles liebt? Weg nehmen? Den Familienmitglied töten? Weil er ein Kampfhund ist?!? Das ist doch ne Frechheit. Ich hab nen Hund- 5 kilo Hund – vor dem´haben manche Menschen auch schon Angst wegen dieser Hetze die zur Zeit in Medien so modern ist! Ein 5kg Hund muss ich zur Seite ziehen und mich davor stellen, damit ein Kind, das panische Angst hat, vorbeigehen kann ohne in die Hose zu machen! Gratuliere, sowas haben die Eltern, die den Medien so alles glauben, erreicht. Sie erziehen neuen Generation Hundehasser und alles nur dank Medien. Wie wird es in 100 Jahren ausschauen? Alle Tiere tot, nur weil sie im Weg stehen, gefährlich oder nutzlos sind?Und das schlimmste sind sogenannten Journalisten die über ein Thema schreiben, wo sie NULL Ahnung haben. Zuerst informieren, recherchieren und dann Mund auf! Im Fall von Frau CH.T. am Besten einfach nur Mund zu und ab nach Hause!

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