Hat die Ära des Linkhandels den Zenit überschritten?

Johannes Beus
Johannes Beus
26. November 2007
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Seit Google mit der Herabsetzung des PageRanks einiger offensichtlicher Linkverkäufer für reichlich Aufregung in der SEO-Szene gesorgt hat, ist mittlerweile etwas Zeit vergangen und die Wogen haben sich geglättet. Es gab noch eine zweite Runde, in der diejenigen, die weiterhin Links verkaufen ihren kümmerlichen Rest-PageRank komplett verloren haben und auch Schreiber von bezahlten Blogpostings hat es erneut erwischt – das Statement von Google ist klar: Der Kauf und Verkauf von Textlinks wird in Zukunft nicht mehr geduldet. Passend dazu hat Google die Webmaster-Guidelines dahingehend erweitert, dass jetzt sowohl Verkauf als auch Kauf von Links (und dieser Teil ist neu) unerwünscht sind, wenn man sich zukünftig im Googleindex heimisch fühlen will. Interessant ist nun, welche Konsequenzen aus dieser Entwicklung bereits gezogen wurden und welche vermutlich in Zukunft folgen werden.

Auf Seiten der Linkverkäufer gibt es zwei Lager: Das eine, deutlich größere – und dazu gehören die meisten betroffene Verlagsgruppen, mit starken und somit interessanten Seiten – haben die Links Hals über Kopf und häufig auch unter Missachtung geschlossener Verträge mit den Linkkäufern entfernt und ihre Kontakt zu Google genutzt, um den alten PageRank möglichst schnell zurück zu erhalten. Das andere Lager ist entweder nicht so auf den Google-Traffic angewiesen, dass Handlungsbedarf besteht oder zieht sich in eine Trotzreaktion zurück („Google-Boykott“). Insgesamt und mit den noch kommenden „PageRank-Herabsetzungs-Runden“ werden dem Markt somit eine ganze Menge – zumeist hochwertiger – Links entzogen.

Bei den Linkkäufern sieht die Angelegenheit – zumindest derzeit – noch entspannter aus. Bis auf wenige Linkkäufer, wie zum Beispiel ShopZilla, die Webmastern jetzt sogar Geld dafür zahlen, dass gekaufte Links wieder entfernt werden, ist man sich den Gefahren bewusst, hat aber häufig keine realistischen Alternativmöglichkeiten. Wenn die Änderung in den Webmaster-Guidelines allerdings ein Hinweis dafür ist, dass auch die Käufer von Links in Zukunft mit Neubewertungen ihrer Seite zu rechnen haben, dürfte sich auch hier einiges ändern.

Geht die „Ära des Linkhandels“ zur Beeinflussung des Suchmaschinenrankings somit dem Ende entgegen? Links werden auch in Zukunft einer der Hauptrankingfaktoren für Internetsuchmaschinen bleiben. Zu sehr basiert das WorldWideWeb auf eben diesen Verlinkungen, als dass man sie bei der Relevanzbeurteilung außen vor lassen könnte. Folglich wird es immer Versuche und auch Möglichkeiten geben, dort Vorteile zu erzielen. Allerdings wird der ganze Vorgang dadurch, dass Google sich jetzt offiziell einmischt deutlich komplexer: Footer- und Sidebarlinks, die derzeit noch über größere Netzwerke gehandelt werden und auch ihre Wirkung erzielen, werden sicherlich nicht mehr gewertet und auch weitere, ähnlich simple Einbindungen werden verschwinden. Dadurch, dass die Anforderungen für funktionierenden Linkkauf deutlich steigen, werden eine ganze Reihe von „Amateuren“ und „Hobby-SEOs“ nicht mehr mitkommen und Google hätte sein Ziel erreicht: Der Linkkauf und Verkauf wäre wieder auf ein Maß zurecht gesetzt, dass der Einfluss auf die SERPs überschaubar bliebe.

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Kommentare
Gast   
26. November 2007, 15:25

was mein ihr? Wenn ich meinen Unterkunftsbetrieb in verschieden Webportale eintrage und mich da präsentieren lasse – ist das schon Linkkauf? Die meisten Links der Präsentationen sind mit keinen no follow Attribut

cardking   
26. November 2007, 17:03

Hat die Ära des Linkhandels den Zenit überschritten? Das ist wirklich eine gute Frage. Was das Ganze so kompliziert macht, ist die schwierige Unterscheidung zwischen simpler Werbemaßnahme und der Absicht, das Ranking zu manipulieren. Es kann ja nicht Sinn der Sache sein, einen Nachteil durch das Schalten von (Textlink-)Anzeigen zu erleiden. Wie der Unterschied maschinell bewertet werden soll, ist mir perönlich noch ein Rätsel. Auf jeden Fall wird das Thema meiner Meinung nach noch weitaus spannender.

Robert   
26. November 2007, 17:18

Wer hindert den aufrechten SEO jetzt daran, dem lieben Mitbewerb ein paar leicht zu entdeckende Links zu kaufen und dann bei Google seine Pflicht als braver Webmaster zu erfüllen?

„Treffer, versenkt!“ wird der neue Schlachtruf in den SEO-Agenturen werden, und auch eine Schutzgeldzahlung von Google-Abhängigen Webshop-Betreibern an „Freunde“, die mit Einrichtung von Links auf irrelevanten Seiten drohen, ist Grundlage eines zukünftig Geschäftsmodell.

Endlich ist Google-Bowling ohne Fachkentnisse nur mit Kapitaleinsatz möglich…

Markus   
26. November 2007, 17:54

Ich verstehe nicht ganz, warum jetzt alles so viel komplizierter und komplexer werden soll. Im Grunde ist es doch relativ einfach: man muss die Links so platzieren (lassen), dass sie weder von Menschen, noch von einer Maschine als bezahlte Links erkannt werden können. Das schränkt halt das Portfolio an potentiellen Linkverkäufern und den möglichen Grad an Automatisierung ein. Deswegen wird´s aber nicht komplizierter, höchstens etwas zeitaufwändiger. Aber wenn man die richtigen Links kauft, braucht man glaube ich nach wie vor nicht zu befürchten, dass man seine Zeit falsch investiert hat.

Kralle   
26. November 2007, 18:03

Kann mich Markus nur anschließen. Für Linkkäufer eigentlich das Beste was passieren konnte, Linkverkäufer sind nun quasi dazu gezwungen nicht erkennbare Links (und damit hochwertigere Links) aus Artikeln u. Ä. zu verkaufen, um ihre Einnahmequelle aufrecht zu erhalten. Das war vorher undenkbar, wird sicher aber die einzig zukunftssichere Möglichkeit sein.

Malte   
26. November 2007, 19:12

Etwas positives hat die Aktion von Google für Hobby-SEOs aber – viele Preisvergleichseiten, welche mit gekaufeten Links gepusht wurden, werden die guten Platzierungen verlieren… mehr Chancen für kleinere Seiten!

Junkee   
26. November 2007, 19:21

Die Leute die sonst beim Linkkauf/tausch nur auf PR geachtet haben werden nun auch mal wieder mehr auf Themenrelevanz achten um nicht nur in den SERPs zu steigen, sondern auch mal Traffic über den Link selbst zu erzeugen.

Johannes   
27. November 2007, 09:48

Markus, es muss geprüft werden, auf welchen Seiten man in Zukunft Links kauft: wie ist die Vergangenheit der Seite, welche anderen Werbekunden sind dort eventuell präsent, gab es bereits PageRank-Herabstufungen; die Einbindung muss mit jeder Seite individuell ausgehandelt werden. Da man Netzwerke wie LinkLift, Teliad oder TLA vmtl. wegen irgendwelcher Footprints nicht mehr nutzen (möchte) muss man diese Strukturen selber aufbauen: Abrechnung, Support, Kontrolle für jeden gekauften Link. Sicher, alles machbar, doch dürfte es in Kombination für viele zu schwer werden.

Johannes   
27. November 2007, 09:49

Malte, gerade die Preisvergleichsseiten und ähnliche Bereiche, bei denen von der Präsenz in den SERPs enorm viel abhängt, haben entweder inhouse das entsprechende Knowhow bereits aufgebaut oder lassen sich da von spezialisierten Agenturen (gut) beraten. Ich wäre da nicht zu optimistisch, dass es gerade die erwischt 🙂

Tekker   
27. November 2007, 11:15

Meine Meinung dazu: Wer bei umkämpften Keywords die Top-Positionen erreichen und dabei nicht jahrelang warten möchte, ist auf Linkkauf angewiesen (in den meisten Fällen jedenfalls).

Daher wird es Linkverkauf und -kauf auch zukünftig geben. Ich verzichte für einige Kunden auch nicht auf diese mächtige Instrument in Sachen SEO, schaue mir aber die Seiten ganz genau an, auf denen die Links gesetzt werden.

Fakt ist auch: Wer heute noch Links auf „kritischen“ Seiten kauft, ist selbst schuld.

Sven   
27. November 2007, 12:33

„Wer heute noch Links auf „kritischen“ Seiten kauft, ist selbst schuld.“ —> Woher soll man denn als ahnungsloser Käufer wissen, welche Seite als kritisch eingestuft ist…?

Markus   
27. November 2007, 18:20

@Johannes
Denkst du wirklich, dass ein „natürlicher“ Link einer Seite, die wg. Linkverkauf abgestraft wurde (bzw. deren PageRank runtergesetzt wurde) deshalb weniger wert ist? So weit ich weiß kann Google die Wertigkeiten der Links auf einer Seite partiell doch sehr gut steuern. Ich gehe eigentlich davon aus, dass nur die Footer-/Sidebar-Links entwertet wurden und der Rest ganz normal weiterhin Trust und PageRank vererbt. Man darf halt den Link nicht an der „entwerteten Stelle“ kaufen. Footer- oder Sidebar-Links kauft der vernünftige Linkkäufer jetzt aber ohnehin nicht mehr.

>die Einbindung muss mit jeder Seite individuell ausgehandelt werden
>Abrechnung, Support, Kontrolle für jeden gekauften Link
Das ist vermutlich für professionelle oder semiprofessionelle SEOs ein größeres Problem, als für Hobby-SEOs (zu denen ich mich ja auch zähle). Denn letztere betreiben Linkkauf wohl eher selten in großem Stil (oder etwa doch?). Die Abrechnung ist daher sicher machbar, für die Kontrolle gibt´s div. Tools – was du mit Support meinst, is mir in dem Zusammenhang ehrlich gesagt nicht ganz klar.

Tomsen   
28. November 2007, 10:47

Google hält einen schon ganz schön auf Trapp. Das gilt vor allem für uns „Hobby-SEOs“. Interessanter Artikel. Vielen Dank!

Lasse   
2. Dezember 2007, 15:33

Tja, solange Backlinks das Ranking verbessern wird sich wohl nichts ändern: Pagerank 5 udn 6 Seiten werden auch weiterhin ihre Links verkaufen. Aber wer weiss, was kommen wird.

MichaelvanLaar   
2. Dezember 2007, 16:00

Woran macht Google eigentlich fest, wo Sidebar und Footer anfangen? Zumindest bei tabellenlosen, webstandard-konformen Layouts kann man prinzipiell die entsprechenden DIVs in mehr oder weniger beliebiger Reihenfolge im Quellcode verteilen und dann per CSS anordnen. Und sprechende IDs, die die Funktion verraten, müssen schließlich auch nicht unbedingt sein.

olli   
3. Dezember 2007, 02:19

Wirkliche Regeln sind kaum noch erkennbar.

1. Keine Sicherheit, selbst bei echten ehrlichen Links.
2. Ein Algo der so dramatisch, händisch, manipuliert wird ist keiner mehr — …..google schreibt ja in den Richtlinien von „Bad Neighbourhood“ … könnte schaden.

Google ist nur noch Kaffeesatzlesen auch wenn sich Johannes dagegen stemmt. 🙂 In der Sache hat Google sogar die Verantwortung dafür
das Seiten nicht von aussen manipuliert werden können faktisch abgeschafft. — Be evil. ——

Olli

Madb   
3. Dezember 2007, 16:24

Es ist doch wie immer bei Firmen die ein Monopol besitzen. Besonders wenn es um eine solch große Einnahmequelle wie das Internet geht. Im Prinzip gibt Google doch nur die Regeln für das erhalten einer Seite im Index von Google an. Wenn MSN oder Abacho solche Regeln aufstellt kräht doch kein Hahn danach. Wenn man dieses Verhalten z.B. mit der Formel eins vergleicht bedeutet das nichts anderes als dass man in seinen Tank keine Inhaltsstoffe füllen darf, die einem den Schlitten schneller machen. Trotzdem wird es immer welche geben die sich gedankten machen ( ob nun nach den Regeln oder an den Regeln vorbei aber unerkannt ), wie man die Kiste an die Spitze bringt. Es ist schon öfters mal in Blogs der Satz gefallen dass es jetzt für den 0815 SEO schwerer wird seine kleine Seite hochzubringen. Jeder der Geld verdienen möchte muss halt den Hintern hochbekommen und schauen dass er sich weiterentwickelt und das am besten schneller als die Anderen. Wenn man bedenkt dass das Internet erst in den Kinderschuhen steckt, wird es in 10 Jahren doch noch schwieriger sein eine Seite nach vorne zu bringen. Die Spielregeln sind doch für alle immer die gleichen.

Thomas   
5. Dezember 2007, 09:38

Linkverkauf ist relativ schwer nachvollziehbar, wenn die Link ganz normal ( á la „a href“) eingebunden werden und dies nicht zu extensiv betrieben wird. Werden Scripts von Linktausch Plattformen einbegunden kann dies total einfach nachvollzogen werden. Außerdem kaufen ja nur wenige große Firmen viele viele Links von kleineren Seiten, und dies fällt natürlich auf wenn sich die Linkstruktur einer Seite innerhalb von wenigen Wochen ändert. Take care von welchen Seiten ihr euch für Links bezahlen lässt und es wird sicherlich zu keinem Problem kommen.

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