Interview mit deutschem Search Quality Team

Johannes Beus
Johannes Beus
3. Mai 2008
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Ich hatte die Gelegenheit, dem deutschen Search Quality Team einige Fragen zu SEO-Themen zu stellen. Eigentlich kein Fan von Interviews (dieses ist seit Start dieses Blogs vor über fünf Jahren auch das Erste), hoffe ich, einige interessante und häufig diskutierte Punkte angesprochen zu haben.

SISTRIX: Google geht seit einigen Monaten gegen bezahlte Links vor. Seit Oktober wird der angezeigte PageRank von erkannten Linkverkäufern herabgesetzt, was empfiehlt Google Betreibern dieser Seiten?

Google: Natürlich gehen wir nur gegen bezahlte Links vor, die PageRank vererben (siehe unseren Blogpost zum Thema). Wir bitten alle Webmaster, daran zu denken, dass der PageRank ein Statement von Google ist, mit dem wir zeigen, wie sehr wir ihren Websites vertrauen und dass wir uns auf Links verlassen, die von dort kommen. Es wäre schade, wenn dieses Vertrauen missbraucht würde. Usern und Suchmaschinen gegenüber fair wäre es, bezahlte Links auch als solche zu kennzeichnen und mit dem nofollow-Attribut zu versehen.

Falls Webmaster glauben, dass ihre Website die Richtlinien für Webmaster verletzt hat, empfehle ich die Google Webmaster Tools – in manchen Fällen finden sich dort mehr Informationen. Auf alle Fälle sollten sie dafür sorgen, dass ihre Websites die Richtlinien nicht mehr verletzen, und dann einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen.

Ist damit zu rechnen, dass der Verkauf von Links neben der Herabsetzung des PageRanks noch weitere Folgen für die Verkäufer haben wird?

Auch wenn wir uns zu zukünftigen Maßnahmen und Plänen grundsätzlich nicht äußern, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es nicht nur bei der Herabsetzung des PageRanks bleiben wird, um den Verkauf von Links zu unterbinden.

Seit Anfang dieses Jahres scheint Google auch gegen die Käufer von Links vorzugehen. Dies geschieht allerdings unter weit weniger Pressegetöse als der Schritt gegen die Verkäufer. Hat Google hier Bedenken, dass der Kauf von Links zum Nachteil der Konkurrenz benutzt werden könnte?

Wir glauben, dass diese „negative SEO“ nicht nur unethisch ist, sondern sich auf lange Sicht auch nicht lohnt. Wir werden zukünftig auch weiter gegen Linkverkäufer vorgehen.

Es gibt ja einige Themen, bei denen die üblichen Tipps zum Linkaufbau (guten Content, tolle Seite, etc.) nicht funktionieren, was empfiehlt Google dort als Alterative zum Linkkauf?

Wir empfehlen allen Webmastern, eine Nische für ihre Website zu suchen. Zum Beispiel könnte sie regionalisiert oder spezialisiert werden. Sie sollten sich fragen: „Was ist der einzigartige Nutzen, den meine Seite bietet?“, und dabei nicht nur auf die SEO-Karte setzen – es gibt sehr viele Wege, eine Seite zu promoten: Pressearbeit, Offline-Anzeigen, Newsletter… Wichtig ist vor allem, in der entsprechenden Community aktiv zu sein, etwa über das Posting von Kommentaren in themenrelevanten Foren und Blogs. Und nicht zuletzt könnten es Webmaster natürlich auch mit AdWords versuchen.

Wie bewertet Google „Gewinnspiele“, bei denen auf eine Domain verlinkt werden soll, wie sieht es mit „Blogparaden“ aus, bei denen jeder zu einem Thema etwas schreibt und sich nachher alle untereinander verlinken?

Ein Link sollte ein Statement sein, mit dem ein Webmaster zeigt, dass er einer Seite vertraut und sie für nützlich hält (siehe diesen Artikel in der Webmaster-Hilfe). Die genannten Methoden funktionieren vielleicht kurzfristig, sollten aber nicht Teil einer langfristigen Linkaufbau-Strategie sein.

Nun zu einigen Fragen, die Onpage-Themen betreffen. In der SEO-Szene gibt es Meinungsverschiedenheiten, was die Nutzung des Nofollow-Tags für die Gewichtung der internen Verlinkung einer Seite angeht. Die eine Seite sagt, dass dies ein probates Mittel darstelle, die andere hält dagegen, dass man Suchmaschinen nicht signalisieren dürfe, dass interne Seiten „unwichtig“ seien. Wie sieht Google das?

Matt Cutts hat einmal gesagt, dass man damit zwar das Google-Ranking beeinflussen kann, es aber ein Effekt zweiter Ordnung ist, so als ob man überlegt, wie man sein Geld am besten ausgibt, anstatt zu überlegen, wie man mehr Geld verdient.

Mit der zunehmenden Nutzung von Schlagworten/Tags stellt sich die Frage, ob man den Googlebot diese in den Index aufnehmen lassen solle oder dies besser unterbindet, was empfiehlt Google?

Wenn zum Beispiel eine Tag Cloud einen sinnvollen Weg darstellt, Inhalte zu erreichen, ohne dass dabei zu viel doppelter Content entsteht, kann es nützlich sein, sie indexieren zu lassen. Wenn sie aber nur für die User-Interaktion auf der Website sinnvoll ist, sollten Webmaster sie eher nicht indexieren lassen.

Duplicate-Content scheint gerade bei größeren, umfangreichen Webseiten häufig ein Problem zu sein. Wie stark können doppelte Inhalte einer Seite schaden?

Im Allgemeinen filtert Google doppelte Inhalte sehr gut und zeigt nur die relevante Version an. Wenn auf einer Domain doppelte Inhalte zu finden sind, ist in der Regel das „Schlimmste“, was passieren kann, dass nur eine Version in den Suchergebnissen auftaucht. Nur wenn eine sehr große Anzahl doppelter URLs erzeugt wurde, kann das unsere Crawler „verwirren“. Über die robots.txt-Datei lässt sich dem Googlebot klar mitteilen, welche Version indexiert werden soll. Mehr zu diesem Thema finden Webmaster in unseren Blogposts zum Thema Duplicate Content.

Artikel werden häufig auf viele Seiten verteilt, um Kennzahlen wie Page-Impressions zu verbessern. Wie sieht Google dies, ist es sinnvoller, zusammenhängenden Content möglichst unter einer URL verfügbar zu machen oder stellt diese Aufteilung kein Problem dar?

Das dürfte für das Ranking keinen Unterschied machen. Als Nutzer finde ich es allerdings persönlich ärgerlich, wenn ich mich zu sehr durch Artikel durchklicken muss. Wenn ein User über eine Suchmaschine einen Artikel findet, der ihn interessiert, und er dann in der Mitte eines Artikels landet, will er sich wahrscheinlich nicht erst bis zum Anfang durchklicken. Meine Empfehlung wäre, mit verschiedenen Lösungen zu experimentieren und dann zu schauen, wie sich das auf die Zahl der Leser auswirkt.

Und zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick in die Zukunft. Welche Themengebiete und Aufgaben seht ihr für die Zukunft, in welche Richtung geht die Entwicklung im Suchmarkt?

Es ist natürlich immer schwer, allgemeine Voraussagen zu machen. Ich persönlich denke, dass die Universal Search und die mobile Suche auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen werden. Für das Search Quality Team kann ich sagen, dass wir weiter nach Möglichkeiten suchen, die Suchqualität für unsere Nutzer zu verbessern. Außerdem haben wir ein paar Ideen, wie wir die Kommunikation mit Webmastern weiter verbessern können.

Vielen Dank für das Interview. Ich kann Lesern noch die Mitgliedschaft in den Google Diskussionsforum für Webmaster und das deutschsprachige Google Webmasterblog empfehlen.

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Kommentare
Nils   
3. Mai 2008, 12:41

Grandios! Das Interview hat sich doch gelohnt, insbesondere die Aussagen zum Duplicate Content, den Linkbaits finde ich sehr interessant und unterstreicht doch einmal mehr, dass Google dort immer wieder unterschätzt wird (wenn ich mich an die ein oder andere Diskussion in Foren oder Blogs erinnere, wo es um DC bei WordPress ging, etc…).

Außerdem bin ich gespannt, wie Google die Kommunikation zu uns Webmastern verbessern will.

Schönen Samstag noch!
Nils

speyburn   
3. Mai 2008, 13:13

Wirklich interessant. Linkaufbau durch Postings in themenrelevanten Foren und Blogs… Vielleicht bringts ja doch mehr als „nur“ Besucher

Paul   
3. Mai 2008, 14:15

Ich gebe den vorherigen Kommentatoren recht, war sehr aufschlussreich das Interview.

Der viSEOcoach   
3. Mai 2008, 15:04

Sehr gute Fragen, Johannes. Natürlich wie immer bei Google-Interviews keine wirklich nützlichen/brauchbaren Antworten. Linkaufbau durch Foren und Blogs? Das kennen wir seit, hmm, 1995 (oder so, damals hießen die Blogs noch Geocities). (Für andere Linkaufbau-Techniken mal auf meinen Namen klicken.)

Die Aussage zur kurzfristigen Wirksamkeit von *-Baits (hier Gewinnspiele) ist auch witzig. Wenn es kurzfristig funktioniert, dann kann man ja jede Woche ein neues machen. So ist man kurzfristig immer vorne mit dabei 😉 Was ich daraus lese, ist, dass G noch nicht wirklich darüber nachdenkt, dagegen vorzugehen. Wenigstens nicht so, wie in den U.S.

http://www.seomoz.org/blog/widgetbait-gone-wild

Alles wohl eine Frage der Zeit. Sobald jemand damit übermäßig Erfolg hat, wird er garantiert abgestraft. Richtlinien, was erlaubt ist, wird es nicht geben. Wenigstens nicht von G. Ich glaube, das sie erst selbst noch herausfinden müssen, was hier abgeht 😉

Tim   
3. Mai 2008, 20:02

Die Fragen und angesprochenen Themen sind schon wirklich interessant, leider muss ich mal feststellen, dass den Antworten jegliche Natürlichkeit abgeht. Wirken als ob die Antworten erst wieder über den Schreibtisch ein Zensors, sorry, Supervisiors gegangen wären.

Der Duplicate Content-Teil war ganz aufschlussreich, aber schaun wir mal…

Gretus   
3. Mai 2008, 20:47

Hallo Hannes,

prima Interview 😉

Grüße

Gretus

Thomas   
3. Mai 2008, 21:04

Bezüglich der Kommentare zum erwähnten „Linkaufbau via Blogs“: Ich denke hier habt ihr die Antwort falsch verstanden. Meiner Auffassung nach geht um es um „[andere Wege, eine Seite zu promoten“, ohne „auf die SEO-Karte setzen“, also eben nicht um Linkbuildung zwecks SEO, sondern um Links zwecks direktem Traffic (Google empfahl an anderer Stelle ja auch, Blogkommentare auf nofollow zu stellen). Ein Pech ist aber, das sich bestenfalls vereinzeilte Leser die Website eines Kommentator ansehen. Falls Google, wie ein wenig angedeuted, Linkverkäufer härter als mit einem symbolischen Herabsetzen des PR bestrafen wird, wird aber Linkbuilding selbst mit bezahlten Links verdammt schwer.

Shay   
4. Mai 2008, 14:29

Super Interview. Vielen dank dafür. Auch wenn Tante G nie wirklich Informationen preisgibt.

Stefan   
4. Mai 2008, 18:18

Also die Aussagen zu DC sind seit inzwischen Jahren immer die gleichen: „Eigentlich können wir das sehr gut …“ Aber wenn ich mir Kundenprojekte ansehe, bei denen auf völlig harmlose Art und Weise DC entstanden ist, dann kann Google das alles andere als gut bearbeiten.
Und irgendwie wirken für mich die Antworten immer noch so als hätten die Antwortenden (ob Qualitäter oder Zensoren weiß ich nicht) noch nie eine eigene Website gebaut und betreut.

ulliversum.twoday.net   
6. Mai 2008, 11:28

Im Suchmaschinen – & SEO-Blog von SISTRIX hat Johannes Beus ein recht interessantes Interview mit dem deutschen Search Quality Team veröffentlicht.

Das Interview offenbart zwar keine spektakulären News, enthält aber einige interessa…

DRISOL   
6. Mai 2008, 11:29

Da habe ich gerade vor ein paar Tagen einen Artikel dazu geschrieben, dass man Linkbuilding nicht mit Blogkommentaren betreiben soll und schon Veröffentlicht Sistrix ein Interview mit dem Search Quality Team  von Google, in dem auf den ersten…

Ralf Zmölnig   
6. Mai 2008, 21:28

Ach, was uns Tante Goo immer erzählt wunder was sie können. Solange es Beispiele gibt wie wenn ich nach „Skispringen“ suche und in den Top 20 Seiten wie diese finde http://www.planet-skispringen.de/ langweilt mich dass Geschwätz von Seiten die für Besucher optmiert, Nischen besetzt, Newsletter geschrieben werden sollen etc. Backlinks ist doch immer noch der Killer, und da kann man immer noch faken bis der Artz kommt, ohne dass Tante Goo irgendetwas checkt. Siehe nicht zuletzt das Beispiel Gewinnspiele! Schade dass Google keine vernünftige Paroli geboten bekommt. R

yaph   
6. Mai 2008, 21:27

Geheimnisse hat das Webmaster-Team leider nicht offenbart aber vieles bestätigt. Bin gespannt auf die möglichen weiteren Maßnahmen von Google gegen Linkhandel.

skseo   
6. Mai 2008, 23:51

Naja, bißchen fad oder? Die guten Fragen samt guten Antworten gibts wohl nur intern, oder?

tom   
8. Mai 2008, 11:23

Hey Johannes,

vielen Dank für das Interview. So wurden wenigstens mal ein paar Sachen klar gestellt.

Viele Grüße,
ton

Nick   
9. Mai 2008, 12:54

Das Interview ist ganz nett, aber irgendwie scheint Google sich selbst nicht so ganz sicher zu sein, wie man mit gewissen Phänomenen umgehen soll. So hat ja auch z.B. das nofollow, das schon fast als Allheilmittel angepriesen wurde m.E. mittlerweile extreme Nebeneffekte => nofollow is evil.
Mittlerweile sind wir m.E. an einem Punkt angelangt, an dem zunehmen ManPower eingesetzt werden muss, um gut von böse zu unterscheiden. Das kann und will aber Google vermutlich nur sehr begrenzt.

Freund der Nacht   
9. Mai 2008, 18:33

Sind wir doch mal ganz ehrlich – hat Google, außerhalb von den Informationen bei den Google Webmaster Tools, je nütliche Informationen preisgegeben? Natürlich nicht. Und wir wissen alle wieso!

Das Katz und Maus Spiel, dass sich SEOs mit Google liefern funktioniert nun leider nicht so einfach – auch wenn sich dies einige wünschen.

Ich denke in diesem Zusammenhang muss man sich eines immer wieder vor Augen führen: Ein guter SEO braucht keine Tricks um langfristig Erfolg zu haben. Wer gute Inhalte, technisch gut aufbereitet den Webcrawlern zur Verfügung stellt – und sich über SMO ein paar Gedanken macht, ist langfristig auf der sicheren Seite.

Rudolf   
14. Mai 2008, 22:36

Hallo Johannes,
besten Dank fürs Interview!

Nach solchen Aussagen und auch den von M. Cutts ist der Algo von G sehr intelligent und hoch sensibel, die Realität sieht jedoch etwas anders aus, da muss Google noch viel mehr machen (siehe auch das Bsp. von R. Zmölnig).
Die Richtung ist jedoch klar und langfristig werden sich die meisten SEOs dahin bewegen, wo Google sie haben will: Produzenten von nützlichen Seiten für die Besucher

cheap auto insurance   
31. Mai 2012, 04:17

Also Pressefreiheit ja, aber alles hat ja Grenzen! Hunde einschläfern, nur weil sie ne bestimmte Rasse sind? Und was ist mit dem lieben Rotti, der so brav sein Frauli jeden Tag begleitet! Die alte Dame, die ihn schon über 10 Jahre hat und über alles liebt? Weg nehmen? Den Familienmitglied töten? Weil er ein Kampfhund ist?!? Das ist doch ne Frechheit. Ich hab nen Hund- 5 kilo Hund – vor dem´haben manche Menschen auch schon Angst wegen dieser Hetze die zur Zeit in Medien so modern ist! Ein 5kg Hund muss ich zur Seite ziehen und mich davor stellen, damit ein Kind, das panische Angst hat, vorbeigehen kann ohne in die Hose zu machen! Gratuliere, sowas haben die Eltern, die den Medien so alles glauben, erreicht. Sie erziehen neuen Generation Hundehasser und alles nur dank Medien. Wie wird es in 100 Jahren ausschauen? Alle Tiere tot, nur weil sie im Weg stehen, gefährlich oder nutzlos sind?Und das schlimmste sind sogenannten Journalisten die über ein Thema schreiben, wo sie NULL Ahnung haben. Zuerst informieren, recherchieren und dann Mund auf! Im Fall von Frau CH.T. am Besten einfach nur Mund zu und ab nach Hause!

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