Kann Microsoft/Yahoo den Google-Index leerkaufen?

· 19. Mai 2008 · 21 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die (mögliche) Übernahme Yahoos durch Microsoft nimmt immer obskurere Züge an. Nach dem Rückzieher Microsofts scheint der US-Milliardär Carl Icahn in den letzten Wochen ein großes Yahoo-Aktien-Depot aufgebaut zu haben und will sein Mitspracherecht nun offenbar dazu nutzen, dass Yahoo wieder Verhandlungen mit Microsoft aufnimmt. Eine, auch aus SEO-Sicht interessante Wendung nimmt das Ganze jetzt, weil Mark Cuban , der anscheinend für Icahn in den Yahoo-Aufsichtsrat einziehen soll, in einem Blogposting die Idee aufbrachte, doch einfach den Google-Index leerzukaufen.

Nach einigen der üblichen Überlegungen, wie man Marktanteile im Suchgeschäft verschieben könne, bringt Mark die Idee auf, die besten Seiten im Google-Index dafür zu bezahlen, dass die künftig nicht mehr bei Google gelistet werden. Anhand der Zahlen von Mahalo.com, die meinen, eine Abdeckung der 25.000 häufigsten Keywords reiche aus, schlägt Mark vor, die jeweils ersten 5 Treffer aus Google „herauszukaufen“ und an Yahoo/Microsoft zu binden. In seinem Rechenbeispiel geht er davon aus, dass dies in etwa 100.000 Seiten sein werden – bei 1.000 USD pro Seite koste das Vorgehen nur 1 Mrd. US-Dollar.

Eine interessanter und vor allem neuer Vorschlag, der allerdings ein paar Schwachpunkte hat: Das erste Problem ist, dass ein recht großer Anteil der Google-SERPs nicht käuflich sein wird: Universitäten, Wikipedia, Vereine – gerade durch die Stärke und Qualität Wikipedias dürfte ein Großteil des Planes bereits vereitelt werden. Das nächste Problem ist, dass die Abdeckung von 25.000 Keywords nicht ausreicht – Suche wird, wie wir alle wissen, immer „long-tailiger“, die Anzahl der Worte pro Suche steigt seit Jahren, Suchende wissen immer besser und genauer, wie sie suchen müssen. Schlussendlich sehe ich auch noch das Problem der Einmalzahlung eines, vergleichsweise geringen Betrages. Ob jetzt 1.000 oder 10.000 US-Dollar, wer bei einem der Top25k-Begriffe unter den ersten fünf Treffern zu finden ist, wird mittelfristig sehr wahrscheinlich mehr Geld verdienen, wenn er bei Google gelistet bleibt.

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Johannes Beus
19. Mai 2008

Kommentare

Gretus   
19. Mai 2008, 12:06

Hallo,

es geht wohl darum, bestimmte Seiten für einen gewissen Zeitraum aus Google rauszukaufen und durch die dann offensichtlich schlechte Qualität der Suchergebnisse von Google neue Nutzer zu generieren. Je nach Zeitraum und Zahlung könnte sich das für den ein oder anderen schon lohnen…

Grüße

Gretus

Markus   
19. Mai 2008, 12:10

Hehe, auf welche Ideen die Leute kommen. Hut ab, aber ich glaube nicht, dass ein solches Vorhaben gelingt.

olli   
19. Mai 2008, 12:12

Hallo,

das ist so eine Idee, wenn’s überhaupt eine ist und keine Ente.
Ich würde den Typ entlassen.

Das stelle man sich mal vor ich schließe die Mitbewerber aus indem ich mich vor die Geschäfte stelle und jedem Kunden der dort nicht kauft 5 € bezahle. Einfach absurd!

Im Pressebereich kann man ja auch Zeitungen aufkaufen – Sinn macht es nicht besonders wenn einfach Suchergebnisse nachwachsen!! —
Die kostenlose WERBUNG für Google das NEGATIVimage für Microsoft der Schuss dürfte deutlich nach hinten losgehen.

Vermutlich will der Typ einfach ein Linkbaiting Flame lostreten um die Zugriffszahlen seines Blogs zu erhöhen.

Oliver

Christian Schmidt   
19. Mai 2008, 12:12

Also wirklich, ok die Hunde Seite von Horst G. aus Castrop Rauxel wird sich sicher kaufen lassen aber die Big Player…

Johannes   
19. Mai 2008, 12:14

Naja, Mark Cuban hat seine Firma ’99 für rund 6 Milliarden an Yahoo verkauft. Ich glaube nicht, dass er das schreibt, weil er die Zugriffszahlen auf seinem Blog zum Überleben braucht.

Einsiedlerkrebs   
19. Mai 2008, 12:41

Wenn Seiten aus dem Google-Index verschwinden, dann würden die User annehmen, dass die Seiten aus dem Interweb verschwunden sind bzw. dass die Firma nicht mehr gibt.

Aber auch für eine kurze Zeit würde kein Unternehmen so eine Aktion durchmachen. Nicht nur, dass man via Google keine neuen Kunden mehr bekommt, sie werden dann zur Konkurrenz gehen und sie somit stärken.

Martin   
19. Mai 2008, 14:42

Muss sich Google denn zwangsläufig an die robots.txt halten, wenn z.B. durch eine Robots gesperrt werden würde?

Der viSEOcoach   
19. Mai 2008, 16:42

Unglaublich. Ich würde aber schon gerne dabei zugucken, wie es nicht funktioniert. Die Leute in den Positionen 6-10 würde sich jedenfalls darüber sehr freuen 😉

Pelle Boese   
19. Mai 2008, 16:53

Ach, wie die aktuellen Entwicklungen zeigen, sind doch gerade Universitäten mittlerweile durchaus käuflich. Bei Wikipedia wird’s tatsächlich etwas schwieriger… und für $1.000 wird hoffentlich keiner so dämlich sein und seine Top-Positionierung zu einem Major Keyword aufgeben 🙂

evablis   
19. Mai 2008, 17:01

als ob google nicht das Geld hätte mehr zu bieten. Aber wie schon einige mal gesagt, die leute können es sich ja auch nicht leisten ihren Traffic gegen 1000USD zu tauschen. Ganz abgesehen vom Branding und Imageverlust.

Lokalix   
19. Mai 2008, 17:49

Mir fallen da spontan einige Websites ein, bei denen ich spontan noch einmal 1.000 USD drauflegen würde, damit sie sich freiwillig aus den SERPS bei Google verabschieden. Das Geld ist schnell zurückverdient. Hat Mark Cuban eine Kontonummer angegeben, damit man die Gebote erhöhen kann?

Wolfgang Mend   
19. Mai 2008, 18:46

Ist heute der erste April oder was? Ideen jenseits der Trampelpfade sind ja gut, aber alles was recht ist – den Google Index auskaufen? Lächerlich…

Elvis   
19. Mai 2008, 18:53

„als ob google nicht das Geld hätte mehr zu bieten.“

Hmm, eBay meets Suchmaschinen – wer bietet mehr – köstlich =)

Der Ansatz an sich ist nicht schlecht. Wird sich aber sicher nicht durchsetzen – wäre mit Sicherheit auch mehr als wettbewerbswidrig…

tba   
20. Mai 2008, 01:04

Abgefahrene Idee. Ich freue mich über so lustige Sachen.
Sollen sie mal bitte sowas machen.
Dann aber nur in Euro zahlen bitte. 😉

hannes   
20. Mai 2008, 09:23

Falls ich die Vorgehensweise richtig verstanden habe, glaube ich kaum, dass so etwas funktionieren kann.. Wurde ja hier auch schon angesprochen.
Wer verkauft seine SERP 1-Position für 1000 Dollar?? Am Tag könnte das vielleicht funktionieren, aber selbst wenn die Player das Angebot annehmen:
Es ist nicht ohne Grund, dass Google so gut da steht. Wenn die Firmen ein so starkes Branding hätten, dass die User zu Yahoo wechseln, um sie dort zu finden, dann würden direkt ihren Bookmark-Knopf oder die URL-Zeile bemühen

stefan   
20. Mai 2008, 21:06

schwachfug. aber nette idee um darüber zu philosphieren.

ts   
21. Mai 2008, 14:40

Damit sich das auch für die Eingekauften lohnt, müssen sie natürlich wieder auf die ersten fünf Plätze gesetzt werden. :o))))
Der Kaiser würde jetzt sagen: Is scho Sommerloch.

Olaf   
29. Mai 2008, 18:23

Also sooo schlecht finde ich die Idee nicht. Wenn Microsoft/Yahoo zahlen, dann muss zwangsläufig auch Google nachziehen und Amazon und Exalead und Ask usw. Das würde den Markt total umdrehen und nebenbei der Geschäftsmodell von Google ruinieren. Wenn man von den Suchmaschinen Geld bekommen würde, damit sie einen listen dürfen. Finde ich gut die Idee!

Thomas   
29. Mai 2008, 19:46

@olaf

ich glaube die zukunft wird es zeigen und es wird passieren glaubt mir wir werden eines tages auf seo und dergleichen verzichten können und uns nur noch gegen bares in den suchergebnissen einkaufen können.

LavaZZa   
30. Mai 2008, 22:15

Oh mein Gott, ich würde für kein Geld der Welt mein Webprojekt an Microsoft verkaufen..

webpixelkonsum   
1. Juni 2008, 23:22

Wie meine Vorschreiber bereits mehrfach schon geschrieben haben, ist die Idee an sich gut und regt zum Nachdenken an. Ich denke, mehr soll diese Idee auch nicht bewirken gegenwärtig. Wohin die Reise aber gehen wird, ja dies ist der spannendere Teil. Ob wir eines Tages nur noch gegen Bezahlung in den Suchmaschinen gelistet werden, kann ich mir nicht ganz vorstellen. Das Problem sind hier die Marktgesetze. Da wo Geld verdient werden kann, kommen neue Anbieter hinzu und der Wettbewerb wird verschärft. Es würden neue Arten von Suchmaschinen entstehen, die dann mit kostenlosem „Listing“ auf Kundenfang gehen werden.

Auf der anderen Seite aber hat Microsoft soviel Kohle, dass Sie dieses kleine Projekt locker finanziell durchstehen können. Auf Ihr Image brauchen Sie sowieso nicht mehr zu achten 😉

Ralph

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