Lasst den Content frei!

Johannes Beus
Johannes Beus
18. September 2007
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die New York Times hat bekannt gegeben, ihr Abomodell, das entweder knapp 50 Dollar pro Jahr oder 7,95 pro Monat gekostet hat, zu beenden und die kompletten Inhalte fortan kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nun ist es nicht so, dass bei der New York Times nur Philanthropen, die lediglich das Glück des Internetsurfers im Auge haben, sitzen sondern knallhart rechnende Controller, die das Vermögen des Verlages zu mehren wissen. Und eben jene haben nun ausgerechnet, dass es sich lohnt, auf die 227.000 zahlenden Mitglieder – die rund 10 Millionen Dollar pro Jahr einbringen – zu verzichten und lieber auf eine Monetarisierung per Werbung zu setzen. Vivian L. Schiller, Projektmanager der Webseite sagte, dass die Explosion des Traffics durch Suchmaschinen in den letzten Monaten und Jahren nicht in die Projektionen vor einigen Jahren eingerechnet worden sei.

Ein beachtlicher Schritt – nicht nur, dass jetzt jede Menge hochwertiger Content kostenlos verfügbar ist, sondern er wird hoffentlich auch Zeichen für weitere Verlage und Contentinhaber setzen. Wenn ich überlege, welche riesigen Mengen tollen Contents in den unterschiedlichsten Unternehmen derzeit noch hinter verschlossenen oder jedenfalls mit einem Kreditkartenleser versehenen Türen lagern, so wird mir als Suchmaschinenoptimierer beim Gedanken, diese Inhalte frei verfügbar zu machen, ganz warm ums Herz. Ich denke, dass weitere Seiten in Zukunft folgen werden – der Qualität der Suchmaschinen sowie der Konten der Contentinhaber wird dies nur förderlich sein. In diesem Sinne: Lasst den Content frei!

PS: Gulli bietet derzeit bei Ebay 8,5 TB herrlichen Content mit ungeklärten Familienverhältnissen an, vielleicht ist das ja für einen Mitleser etwas.

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Kommentare
Olaf   
19. September 2007, 15:58

Die Frage ist nur ob sich dies auch in Zukunft über Werbung und Affiliates finanzieren lassen wird. Immerhin sinken die Werbegelder seit einer ganzen Weile. Das könnte wieder einer der Punkte sein, die in den „Projektionen“ nicht ausreichend mit einberechnet sind…

Johannes   
19. September 2007, 16:01

Seit wann sinken die Werbeausgaben im Internet? Da gibt es seit Jahren beachtliche Steigerungen und der Anteil an den Gesamtausgaben fürs Internet ist mittlerweile doch echt interessant. Denke auch, dass das noch einige Jahre so weitergehen wird.

Badman   
20. September 2007, 15:03

…wie siehst du das eigentlich mit Duplicate Content. Wenn die New York Times ihren Content frei gibt, bedienen sich sicherlich tausende von Abnehmern

gulli   
23. September 2007, 21:42

danke für die erwähnung. auktion geht noch 5 tage, schnell bieten 😉

zum haupt-thema: ich erwarte da noch ein paar perlen, wenn man sich z.b. mal anguckt, dass auf duden.de derzeit auch nur ein sicherlich erfolgloser 25-cent/abruf dienst angeboten wird, von zeitungs-archiven mal ganz zu schweigen…

was allerdings auf die zeitungen für probleme zukommen, sollte auch nicht unterschätzt werden. während in print-archiven keinerlei nachträgliche korrekturpflichten bestehen (es gibt ja die pflicht zur gegendarstellung) stellt sich online ganz anders dar: da müssen auch jahre nach der tag unter umständen namen gelöscht werden, usw:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26250/1.html

Student   
9. Oktober 2007, 12:44

Mit freiem Content minimisiert man auch verluste durch Content-Klau.

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