Linkkauf – Realitätsverlust oder Doppelmoral bei Google?

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Seit Googles oberster Spamhüter Anfang des Jahres den Kampf gegen den Kauf und Verkauf von Links angekündigt hat, ist – objektiv betrachtet – wenig passiert. Es gibt in den Webmastertools nun ein Formular, um Seiten, die Links verkaufen zu melden und die Google-Richtlinien wurden entsprechend angepasst. Der Linkmarkt jedoch wächst unbeeindruckt weiter, mittlerweile werden Textlinkbroker wie TLA oder Linklift von vielen als „legitime“ Werbemöglichkeit angesehen und zahlreich verwendet. Außer bei einigen wenigen Seiten, bei denen die Vererbung bereits vor Jahren abgeschaltet wurde, scheint Google noch keine Schritte unternommen zu haben, um den Ankündigungen von Anfang des Jahres Taten folgen zu lassen.

Wenn man sich heute stark umkämpfte und damit meistens auch kommerziell interessante SERPs, wie die zu Datenrettung, ansieht, so fällt auf, dass die Zahl der Seiten, die sich ihre Position „erkaufen“, ansteigt. Die derzeitigen drei ersten Treffer zu Datenrettung scheinen allesamt Ahnung davon zu haben, wo man Links einkaufen kann: OpenSource-Sponserenseiten, Content-Management- oder auch Forensysteme sind dort vertreten – PageRank und „Trust“. Dessen ungeachtet ist die Relevant dieser Seiten zu dem Suchbegriff gegeben. Es ist auch recht unwahrscheinlich, dass ein Webseitenbetreiber für nicht wenig Geld Links kauft und dann den Besucher mit Inhalten, die nicht konvertieren verschreckt. So wie bei diesem Beispiel sieht es derzeit bei extrem vielen „Moneykeys“, als Suchanfragen, durch die man Geld verdienen kann, aus.

Google steht hier vor einer schwierigen Situation: Wenn gekaufte Links generell entwertet werden, so dürfte die Qualität der SERPs in den Bereichen, in denen Links gekauft werden, sinken. Realistisch gesehen, dürfte der Anteil an freiwilligen Links im Internet, die eine Versicherung mit „Private Krankenversicherung“ verlinken, im unteren einstelligen Prozentbereich der kompletten Links liegen – fallen jetzt 95 Prozent der Links als Bewertungsmöglichkeit weg, dürfte das auch Auswirkungen auf den Index haben. Google wird das sicherlich alles bereits mit Testdatenbeständen durchgespielt haben und dass den markigen Ankündigungen zum Linkkauf noch keine Taten gefolgt sind, mag darauf hindeuten, dass das Thema eben doch nicht durch simple Schwarz/Weiss-Betrachtungen zu lösen ist.

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Kommentare
Avatar Knut   
16. Juli 2007, 17:18

Ich denke, außer Realitätsverlust oder Doppelmoral gibt es noch eine dritte Möglichkeit. Nämlich, daß die Algorithmen noch nicht stimmen. Ich las z.B. daß vertrauenswürdige Sites/ mit gutem Content etc. weniger hart angegangen werden sollen als kleinere – vielleicht wird es für die gar keine Einschränkungen geben. Nach der ganzen Trustbox Diskussion wäre so eine Ausrichtung nicht neu, hat sich bewährt.

Aber sei’s auch anders… vorerst kann jeder Kunde von Linkbörsen (höchstens) dort etwas ändern, um das Risiko zu mindern.

Avatar Franz   
16. Juli 2007, 18:01

Abgesehen von offiziellen Linkverkäufern, Linktauschbörsen und anderem wird es für Google wohl auch langfristig schwierig Linkkäufe zu erkennen. Lassen sich algorithmisch persönliche Absprachen erkennen? Woher weiß Google welche Links bezahlt wurden, welche schlau getauscht wurden, ein Gefallen für ein Bekannten sind oder einfach als positive Bewertung gesetzt wurden? Wenn man nicht gerade GMail oder Spreadsheets verwendet kann Google es in vielen Fällen einfach nicht wissen.

Avatar Christian   
16. Juli 2007, 22:49

Naja wenn es Google nicht weiß kann man vll. auch Pech haben so das selbst getauschte Links dann weniger gewertet werden.

Avatar Igor   
31. Juli 2007, 21:33

Ich denke auch das es schwierig sein wird Linkkäufe zu erkennen. Oder kann Google evtl. die Datenbanken von Linklift, Teliad und Co. einlesen?

Igor

Avatar SEO   
2. August 2007, 16:44

Das stelle ich mir auch sehr kompliziert vor … es sei den die Daten werden verkauft an Google …

Avatar Johannes   
2. August 2007, 17:35

Es besteht natürlich immer die Gefahr, dass Google über einen Mittelsmann als „normaler“ Käufer auftritt und einfach mal Links einkauft.

Avatar Daniel   
1. Oktober 2007, 18:21

Wie Google gekaufte Links erkennen will, wird wohl, wie alles andere auch, ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis bleiben. Stellt sich mir nur die Frage, wie unterscheidet Google einen themenrelevant getauschten Link von einem gekauften, wenn der Linkpartner beides anbietet und man als Tauschpartner davon keine Kenntnis hat. Denn mal ganz ehrlich: ohne eigenen Linkaufbau kommen heutzutage auch Seiten mit wirklich guten Inhalten nicht in den Serps nach vorne. Das Google inzwischen bei den einschlägigen Linkkauf-Anbietern selber als Käufer auftritt, ist ja ein offenes Geheimnis und bei deren Manpower auch kein Wunder.

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