Marions Kochbuch – eine SEO-Betrachtung

Die Causa „Marions Kochbuch“ ist seit einiger Zeit – je nach juristischen Aktivitäten der Betreiber mal mehr, mal weniger – Thema in Blogs, aber auch Zeitschriften wie die c’t haben schon berichtet. Kurz zusammengefasst geht es darum, dass Folkert Knieper, Betreiber der Webseite, seine Rechte an doch eher simplen Fotos, die er von diversen Lebensmitteln und Rezepten gemacht hat, rigoros durch Abmahnungen durchsetzten lässt. Inhaltlich möchte ich nicht auf die Angelegenheit eingehen, hier haben zahlreiche Blogs, die c’t aber auch die Sendung Plusminus auf der ARD unter dem Titel „Abzocke im Internet: Teure Informationsfallen“ genügend Arbeit geleistet. Entsprechend dem Thema dieses Blogs möchte ich die häufig als „Erfolgsfaktor“ genannte SEO-Komponente von Marions Kochbuch beleuchten.

Die Domain marions-kochbuch.de scheint derzeit bei Google einen recht hohen Stellenwert zu genießen. Zum einen kann man das daran festmachen, dass sogenannte Sitelinks für bestimmte Abfragen angezeigt werden, zum anderen ist der prozentuale Anteil der Platzierungen auf der ersten Ergebnisseite überdurchschnittlich hoch – Seiten wie Wikipedia sind hier zwar noch stärker, der Wert von Marions Kochbuch ist trotzdem schon sehr gut. Diese Stärke kommt zum einen sicherlich durch eine breite und ausgewogene Backlinkstruktur. Die Seite konnte im Laufe der vergangenen Jahre offenbar einige freiwillige Links einsammeln. Zwar gibt es auch Links, die nicht sonderlich „sauber“ sind und darauf hindeuten, dass sie getauscht oder eventuell gekauft wurden (hier oder hier), die Mehrheit der Links sieht allerdings natürlich aus. Auf der Seite selber wird auf eine sehr intensive und offenbar effektive interne Verlinkung innerhalb der Rezepte und Zutaten zurückgegriffen. Titel werden sauber und individuell gesetzt und dadurch, dass offenbar statische HTML-Seiten verwendet werden, geht man einer Vielzahl möglicher Probleme von dynamischen CMS aus dem Weg.

Neben dem klassischen Textindex dürfte ein großer Anteil der „Kunden“ von Kniepers Anwälten über die Google Bildersuche zu Marions Kochbuch gefunden haben. Auch hier wurden bekannte Empfehlungen für eine Optimierung der Platzierung konsequent umgesetzt: der Dateiname enthält den Suchbegriff, die Bilder haben eine „übliche“ Größe, Alt- und Title-Tags werden sinnvoll genutzt und die Suchbegriffe kommen auch in der Nähe der Bildereinbindung im HTML-Quelltext der Seite vor. Dies alles hat zur Folge, dass Marions Kochbuch in der Bildersuche bei den meisten Zutaten und Rezepten auf einem der ersten Plätzen zu finden ist.

Kann nun, wie es die c’t gemacht hat, von einer virtuosen Nutzung der Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung gesprochen werden? Ich denke nicht – Knieper hat unter SEO-Gesichtspunkten zwar weitestgehend solide und saubere Arbeit geleistet, profitiert allerdings in erster Linie von der Schwäche seiner Mitbewerber in diesem Themengebiet sowie dem Alter seiner Seite und der eingehenden Verlinkungen auf eben diese. Mit etwas Sorge betrachte ich derzeit, dass mit zunehmendem Echo in Blogs und Zeitungen auch die Anzahl der neuen Verlinkungen zunimmt – eventuell wäre es hier überlegenswert, den Gebrauch des Nofollow-Tags zu erklären …

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