Monokultur

Johannes Beus
Johannes Beus
30. April 2008
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Ein Beitrag in den Google-Webmaster-Groups hat mich erneut dazu veranlasst, darüber nachzudenken, wie gefährlich eine extrem einseitige Ausrichtung der Einkommensquellen sein kann. In diesem Fall hatte ein Webmaster auf die Einnahmen aus Google AdSense gebaut und mit diesen Mitarbeiter eingestellt und expandiert. Der Webkatalog, um den es offensichtlich ging, fiel vor einigen Tagen in Googles Gunst und die Einnahmen gingen entsprechend zurück. Als Folge hat er bereits Mitarbeiter entlassen und scheint mit der Situation recht unzufrieden zu sein.

Ich kann nachvollziehen, dass gerade Programme wie AdSense, wenn sie denn gut laufen, dazu verleiten, Chancen zu sehen und Konsequenzen, die sich aus dem Wegfall dieses Postens ergeben, zu verdrängen. Trotzdem hat man spätestens zu dem Zeitpunkt, zu dem man Mitarbeiter auf dieser Basis einstellt, Verantwortung übernommen und muss sich diesem bewusst sein. Zu schnell kann es passieren, dass der AdSense eCPM für einen Account drastisch sinkt oder Google das Konto aus diversen Gründen schließt, als dass man auf dieser Basis längerfristig planen kann. Ähnlich sieht es mit Webseitenkonzepten aus: wenn man sich allein die grundlegenden Veränderungen in der Behandlung von Linkkäufern und –verkäufern in den letzten 12 Monaten ansieht, so wird deutlich, wie schnell Google kompletten Geschäftszweigen das Wasser abgraben kann.

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Kommentare
soeren onez   
30. April 2008, 22:43

Mir ist etwas ähnliches mit den Ebay Relevance Ads passiert. habe einige Seiten in die Star und Sternchen Richtung, da funktioniert Adsense nicht wirklich. Nach der Neuausrichtung der Ebay Ads sind mit mal eben 30% der Einnahmen weggebrochen. Man muss sich dann eben umschauen, es gibt doch mittlerweile viele Anbieter. Einen guten teil konnte ich schon umschaufeln. Gezeigt hat es mir, dass man sich allerdings nicht zu sehr auf eine Quelle verlassen soll.

Johannes   
30. April 2008, 22:55

soeren, dann hast du aber noch Glück gehabt, dass zum einen die Einnahmen nur teilweise eingebrochen ist und es zum anderen keine Rankingprobleme gab 😉

Gretus   
30. April 2008, 23:19

Hallo,

bitter, fast nicht zu glauben. Wer mit Adsense soviel verdient, dass er Leute einstellen kann, dem sollten sich auf dem Weg dorthin auch andere Einnahmequellen geöffnet haben…

Grüße

Gretus

Johannes   
30. April 2008, 23:28

Gretus, das Problem ist hier wohl die einseitige Festlegung sowohl auf die Einnahmequelle (AdSense) als auch auf die Trafficquelle (Webkatalog via Googlebesucher). Die Einnahmequelle kann man, sofern mal weiterhin ordentlich Traffic hat, immer irgendwie auf die Reihe bekommen, bei der Besucherseite wird das schwieriger.

Silvi   
30. April 2008, 23:33

Wer sich nur auf Adsense verlässt ist „vielleicht“ eines Tages verlassen. Kann dem nur beipflichten, sich auf einem Bein auszuruhen könnte schief gehen. Leider muss ich jedoch auch sagen das Adsense gerade im Gesundheitsbereich sehr gute Anzeigen bietet die bei anderen Anbietern einfach noch ziemlich kurz kommen. Was also tun. Am besten Selbstvermarktung von diversen Anzeigenplätzen auf den Blogs !

Gruß
Silvi

Gretus   
1. Mai 2008, 07:26

Hallo Hannes,

tja, das Problem trifft wohl auf 90% aller Webseitenbetreiber zu. Kein anderer zerstört so viele Existenzen wie die Suchmaschine Google.

Auch wenn man z.B. mit aktuellen Inhalten, Feeds, einem Memberbereich usw. vorsorgt, bleibt Google das Maß aller Dinge. Einzige Lösung, selbst nicht mehr mit Google suchen…

Grüße

Gretus

Tim   
1. Mai 2008, 10:33

Sorry, aber das: „Seit wenigen Tagen […] Heute habe ich nun meine 2 Mitarbeiter entlassen“ ist in meinen Augen einfach Blödsinn.

Lolcatz   
1. Mai 2008, 10:43

Da hat wohl einer ein Artikelverzeichnis aufgebaut und wie wild Texte geschrieben um Besucher zu bekommen, nicht um den Besuchern Mehrwert zu bieten. Zumindest kommt das so rüber, wenn man den Beitrag bei Google liest. Dass Artikelverzeichnisse abgewertet werden/wurden ist ja nichts neues.

Shay   
1. Mai 2008, 11:35

Ich denke das Problem sollte jedem Webmaster bekannt sein. Genauso wie man in seinem Depot eine Risikostreuung vornimmt sollte man dies auch bei denn einnahmen versuchen!

Gerhard Zirkel   
1. Mai 2008, 13:02

Das Problem liegt in diesem und ähnlichen Fällen ganz bestimmt nicht bei google. Jeder einigermaßen versierte Unternehmer weiß dass es extrem risikoreich ist, sich nur auf eine Einkommensquelle zu verlassen.

Ein komplettes Unternehmen auf Webprojekten aufzubauen die von deren google-Position abhängen ist genauso riskant wie ein Unternehmen von einem einzigen Kunden abhängig zu machen. Das hat schon größeren Firmen das Genick gebrochen.

Bei so manchem Seitenbetreiber habe ich das Gefühl, die setzen ein Projekt auf, sehen nur die Einnahmen und sich selbst schon auf den Bahamas und schalten ihr Gehirn aus.

Gerhard Zirkel

Fireball   
1. Mai 2008, 15:29

Ist schon heftig, dass manche Leute so viel Geld mit Adsense verdienen, dass sie damit Leute einstellen und versorgen können.
Der größte Hype war ja damals beim Email Programm IncrediMail.
Diese haben ihre Einnahmen fast ausschließlich durch Adsense eingenommen.
Und was ist? Plötzlich wurde IncrediMail vom Adsense Programm ausgeschlossen und schwupps ist deren Aktie um mehr als die Hälfte eingebrochen.
Wahnsinn!

Ferdinand   
1. Mai 2008, 16:05

„Kein anderer zerstört so viele Existenzen wie die Suchmaschine Google.“

Na, das ist ja wohl auch eine sehr mutige Behauptung. Zerstörte Existenzen also, die ohne die Existenz von Google gar nicht existiert hätten?

webpixelkonsum   
3. Mai 2008, 11:42

Auf der einen Seite verstehe ich weder das Problem für den Artikel noch für einige Kommentare. Seid wann sind Monokulturen gut? Gehört es nicht mehr zur Allgemeinbildung, dass die Ernte von ein & derselben Pflanzenart auf ein & demselben Boden im Laufe der Zeit immer weniger wird? Warum soll es in anderen Bereichen anders sein? Warum soll das Problem bei Google liegen? Hat mich Google gedrängt, seine Dienste für meine geschäftliche Ausrichtung zu benutzen?

Auf der anderen Seite kann ich das Problem bei dem „Faktor“ Mensch verstehen. Probleme entstehen in Zeit des Erfolges, weniger in Zeiten des Mißerfolgs. Man freut sich, wenn man Geld verdient und keine Akquise oder ähnliche Gedanken machen muss. Die Kehrseite ist die schleichende Trägheit, die sich einstellt. Bis zum Knall hat man dann die rosa rote Brille auf und geniest das Leben 😉

Ralph

Patrick   
3. Mai 2008, 14:55

Warum soll das Problem bei Google liegen?

Weil es in Deutschland extrem schwierig ist, andere Trafficquellen zu erschließen. Bei einem geschätzten Google-Marktanteil von 95% fehlen dann eben auch 95% der Einnahmen. Läge das Verhältnis nur bei 60%-80% wäre das immer noch bitter für den Webmaster, er würde aber nicht direkt von 100 auf 0 gebremst. Und nur ganz wenigen Projekten gelingt es, auch ohne Suchmaschinen genügend Traffic zu generieren, um darauf ein Business aufzubauen.

Natürlich ist das jetzt nur indirekt die „Schuld“ von Google, man sollte sich aber als User bei der Nutzung von Google-Diensten schon bewußt sein, was man da tut. Und solche Gedanken evtl. auch mal im Bekanntenkreis kommunizieren.

Frank Wolff   
13. Mai 2008, 00:09

Hm, ich höre hier immer wieder „Einseitige Einnahmequellen“ usw.
Konkret sind hier wohl die Besucherzahlen um 95% eingebrochen.
Das er da über mangelnde Adsenseeinnahmen jammert ist eigentlich nur ein Nebeneffekt, der eher zufällig das gleiche Haus trifft.
Hätte ja auch Aamzon, ebay oder was weiß ich gewesen sein können.
Unabhängig davon was er sich da nun aufgebaut hatte und warum es nun nichts mehr wert ist, spiegelt es doch recht gut die Situation wieder. Da mag er auch etwas dramatisch gejammert haben, irgendwie sind ihm da ein paar Tausender im Monat föten gegangen und das nervt doch sicherlich jeden schon ein wenig.
Jeder von uns hat durchaus mal ein Standbein verloren (95 Verlust ist doch toll, da sind noch 5% Hoffnung!) (wer nicht, sollte sich das gleich noch mal durchlesen) und es gibt doch durchaus zu denken, dass man sich vielleicht etwas tolles aufbauen kann und der Erfolg nicht zwingend davon abhängt, wie die Nutzer, sondern auch davon, wie ein Computerprogramm oder vielleicht auch ein eher willkürlicher Rater das sehen.
Nun nichts wirklich neues und ganz sicher ()-.) kein Einzelfall, sondern schlichtweg ein trauriges Beispiel, dass einige von uns mal wieder zurück auf den Boden holen sollte, denn auch sie könnte es täglich treffen.

absynth   
19. Mai 2008, 16:46

Diversifikation ist für jedes halbwegs gesunde Haus ein Schlüsselkriterium, wir haben das selber schmerzlich feststellen müssen. In volatilen Märkten (und dazu gehört im Grunde die komplette Internet-„Blase“, ich wundere mich selber, daß wir noch nicht alle arbeitslos sind) kann es z.B. auch durch den Markteintritt eines bisher unbekannten Players echte Probleme geben. Bei uns war der Start der Gameserver-Sparte bei Strato seinerzeit ein echter Anlaß zur Sorge (und auch zum Umdenken).
Ich halte die (vermutlich nicht einmal beabsichtigte) Konzentration auf einen Hauptgeschäftszweig, womöglich gar einen Hauptkunden für einen Kardinalsfehler, den kein Unternehmer je machen sollte. Wenn ich 95% meines Umsatzes mit einem Kunden mache, muß ich mich eigentlich auch fragen: Bin ich überhaupt selbständig?

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