Mythos .Edu-Domains

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die Jagd nach Links zeigt teilweise schon absonderliche Auswüchse: neben der Produktion von Textmüll für kurzfristig heilsbringende Artikelverzeichnisse, stehen auch sogenannte „Edu-Links“ hoch im Kurs der Jäger. Die recht kurze Theorie dahinter ist, dass Links von Uni-Seiten bei Google überdurchschnittlich viel Vertrauen genießen, weil … das eben so ist. Dies führt dazu, dass Studenten an US-Universitäten sich mittlerweile genau mit der Thematik der Kreditvergabe in Deutschland beschäftigen, in Universitätsforen, gerne über Suchmaschinenoptimierung und Poker debatiert und jeder noch so kurzlebige XSS-Exploit ausgenutzt wird.

Leider liegt diesem ganzen Engagement eine falsche Annahme zugrunde: es ist nicht die Edu-Topleveldomain, die bei Universitäten dafür sorgt, dass Google ihren Empfehlungen überdurchschnittlich viel Bedeutung beimisst, sondern es liegt an der Backlink-Struktur der Domains selber. Universitäten haben nun den Vorteil, dass sie einerseits in vielen Fällen extrem früh online vertreten waren (stanford.edu wurde beispielsweise 1985 registriert) und andererseits viel Content anbieten, der freiwillig verlinkt wurde und wird. Eine Menge Zeit, um (unbewusst) eine, aus Google-Sicht „tolle“ Backlink-Struktur aufzubauen.

Wenn jetzt „pi.edu“ für 50 Dollar pro Monat Subdomains verkauft (mittlerweile übrigens komplett aus dem Index), Stanford, immerhin Wiege von Google, massiv und offensichtlich Links verkauft und jedes Forum oder Blog, das auf einer Edu-Domain liegt von Kommentar-Wieseln heimgesucht wird, so bin ich mir sicher, dass dies den Verlinkten eher schadet, als hilft. Wie Marcus immer so schön sagt: „Niemand hat jemals gesagt, dass Linkbuilding einfach ist“ – sich an der Topleveldomain zu orientieren und hier auf Links, die in 14. Linkebene vermeintlich starker Edu-Domains liegen zu setzen, ist ganz sicher der falsche Weg.

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Kommentare
Avatar Kofferblogger   
21. April 2008, 09:46

Sehr schön beschriebenes Phänomen, welches ja auch bei deutschen Uniseiten auch schon zu beobachten war. Mir ist nur nicht klar warum die Unis nicht schon dazu übergangen sind, Links gar nicht mehr in Kommentaren aufzunehmen oder zumindest ein Nofollow zu setzen – wie unlängst ja auch der Blog von O´Reilly.

Deine Analysen sind wirklich gut – freut mich immer wieder welche zu lesen!

Avatar witi   
21. April 2008, 12:12

Danke für die schöne Beschreibung. 🙂

Zum Thema Universitäten.
Ich denke, dass es vielen Unis einfach gleichgültig ist, ob ihnen das was sie praktizieren nun schadet oder nicht. Jede zweite Uniseite hat doch bezahlte Links im Footer und die verlinkten Seiten freuen sich natürlich über einen PR8 oder 7 Link. Und solange genügend Geld fließt…warum nicht.

Mal schauen, wie lange das noch gut gehen wird. So weit ich weiß, haben Google und Co Unis noch nicht/nie herabgestuft.

Avatar Kedite mit Schufa   
21. April 2008, 16:53

Ich sehe schon die Schlagzeile.
Stanford aus dem Index verband.
Frankensteins 2.0

Avatar webpixelkonsum   
21. April 2008, 18:10

Interessanter Artikel. Die erwähnten Beispiele sind ja eher im Ausland angesiedelt. Die Frage ist jetzt, wie geht Google mit den deutschen Uni’s um? Es sollte ja kein Problem für Google sein, in das Ranking der Universitäten das Herkunftsland als zusätzliches Kriterium einfliessen zu lassen oder doch?

Wie weit verbreitet ist dieses Phänomen in unseren Breitengraden?

Ralph

Avatar Loewenherz   
21. April 2008, 20:41

Absolut nachvollziehbar deine Erklärung. Ich liebe Logik 🙂 Bis Freitag…

Avatar Pelle Boese   
21. April 2008, 21:47

webpixelkonsum: Die Beispiele sind alle im Ausland angesiedelt, weil die betreffenden Edu-Domains ausschließlich an US-Amerikanische Bildungseinrichtungen vergeben werden…

Avatar ts   
22. April 2008, 13:12

Jetzt willst Du aber aus einem Mythos eine Märchen machen. Frei nach dem Motto mit starken Uni Links kann man noch besser bowlen. Ganz so einfach ist das nicht. Es soll aber tatsächlich Leute geben, die so einfach Linkbuilding machen.

Avatar philargon   
22. April 2008, 16:28

Super Artikel. Habe mich in letzter zeit stark mit dem Linkaufbau für mein Projekt beschäftigt und bin bei meinen Nachforschungen immer wieder über den .edu Mythos gestolpert. Leider glauben sehr viele wirklich daran..

Avatar Hirnhamster   
23. April 2008, 00:07

Es gibt ja bereits Seiten, die sich auf den Verkauf von .edu Links spezialisiert haben… Aber dennoch erstaunlich, dass viele .edu Betreiber auf den Zug aufspringen. Da stellt sich irgendwie die Frage der Seriösität 😉

Avatar luzie   
23. April 2008, 08:27

>>> Leider liegt diesem ganzen Engagement eine
>>> falsche Annahme zugrunde: es ist nicht die
>>> Edu-Topleveldomain, die bei Universitäten
>>> dafür sorgt, dass Google ihren Empfehlungen
>>> überdurchschnittlich viel Bedeutung beimisst,
>>> sondern es liegt an der Backlink-Struktur
>>> der Domains selber

jo.
genau so ist das 🙂

Avatar Christoph C. Cemper   
23. April 2008, 09:51

Hey Johannes!

guter Artikel der auf die komischen Fake-EDU-Blogs wie pi.edu und adison.edu hinweist…

ein wesentlicher Fehler ist aber mE da drin

„überdurchschnittlich viel Vertrauen genießen, weil … das eben so ist.“

Das ist nicht „eben so“, sondern bezieht sich auf die schon 2005 bekannt gewordenen Konzepte rund um „Trust Rank“ (ein Google Trademark und Working Paper von 2004) bei dem vertrauenswürdige Domains als „good seed“ in einen Algo zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit einbezogen werden…

Das paper ist hier

http://infolab.stanford.edu/~zoltan/publications/gyongyi2004combating.pdf

Diese „gute Saat“ stellt sich NATÜRLICH nicht durch die TLD extension .edu dar, sondern besteht aus einem handverlesenen Set von Domains – zu der eben auch einige 1000 der über 20000 .edu domains der USA gehören… Logischerweise werden in diesem handverlesenen Set an Domains auch noch viele .com und vielleicht sogar eine .de drin sein …

Aber jedenfalls hat das alles nicht nur NICHT mit der .edu domain zu tun, sondern AUCH NICHT nur mit der reinen Backlink-Struktur…

Wie gesagt – das Konzept ist seit 2005 bekannt

Ein paar weiterführende Links dazu

http://en.wikipedia.org/wiki/TrustRank
http://www.seobook.com/archives/000661.shtml
http://slashdot.org/article.pl?sid=05/04/26/1157212&from=rss
http://www.marketingfan.com/a/search-engines/trustrank-explained.php

Aber ansonsten geb ich Dir völlig Recht – diese seltsamen .edu domains die irgendwo ausgegraben und mit einer WordPress-MU oder sonstiger Multi-Blog-Umgebung „monetarisiert“ werden sind so wertlos wie nur was…

lg aus Wien
Christoph

Avatar mj   
23. April 2008, 09:58

Ich bin da ganz deiner Meinung. Es ist nicht die TLD der edu, gov, mil Seite sondern der Content, das Alter, der Trust die den Ausschlag für die Stärke geben. Einen edu Link zu bekommen ist keine Schwierigkeit mehr, aber einen wirklichen Link (laut Google Empfehlung) von einer Contentseite als weiterführende Information zu bekommen ist dagegen nicht sehr leicht, aber viel wert.

Avatar Pelle Boese   
23. April 2008, 10:03

Christoph: Johannes beschreibt die allgemeine Meinung zum Thema .edu und nicht seine eigene oder meine. Darum dreht sich ja der Artikel, nämlich, dass diese Meinung Quatsch ist. Dass es durchaus etliche .edu-Domains mit hohem Ansehen und Trust gibt und was TrustRank ist, weiß wohl jeder, der in diesem Bereich ernsthaft aktiv ist.

Avatar MarketingFan.at   
23. April 2008, 10:19
Avatar Christoph C. Cemper   
23. April 2008, 10:24

@Pelle: genau, und deshalb wollt ich Johannes diesen Part noch beisteuern, weil ich ihn schon so verstanden hab, dass er die Theorie über die Power von .edus

„an der Backlink-Struktur der Domains selber“ /zitat

sieht – das ist das weglassen von meiner Trust aus meiner Sicht nicht zulässig – auch wenn es die „alten Hasen“ schon alle wissen – der Post soll ja vor allem wieder Bewusstsein schaffen,

dass diese Discount-.edus nix bringen…

Avatar fa   
23. April 2008, 10:43

Pelle, http://www.fhm.eduwar die FH München (jetzt hm.edu – Hochschule München) – http://tum.edu ist die TU München, nur Asusland stimmt also nicht.

Johannes   
23. April 2008, 10:47

Kleiner Einschub zum Thema .Edu in Deutschland:
22.04.2008 | Found new PR for hm.edu. Old: 5, New: 3
also auch da hat Google ein Auge drauf 😉

Avatar ts   
23. April 2008, 23:34

Ebenfalls aktuell FH Köln -3

Johannes   
23. April 2008, 23:48

Ebenfalls:
opensourcecms.com von 7 auf 4
spacedaily.com von 7 auf 4
uni-siegen.de von 7 auf 4
um ein paar „7er“ zu nennen.

Avatar cts   
24. April 2008, 08:24

Wohl eher ex 7er 🙂
Und siehe da, die Unis reagieren direkt. Jedenfalls hatte die FH Köln vorher kein nofollow drin.

Avatar pare   
9. Mai 2008, 15:50

Aber nicht alle Kölner Uni´s haben dazugelernt. Siehe hier: http://www.pressoffice.uni-koeln.de/

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