Onlinemarketing in Europa: SEO

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die Toolbox-Daten für die fünf interessantesten europäischen Märkte sind jetzt seit rund einem halben Jahr verfügbar. Ein guter Zeitpunkt, um zu schauen, welche Besonderheiten und Gemeinsamkeiten in Deutschland, England, Frankreich, Spanien und Italien erkennbar sind. Den Auslöser zu dieser Artikelserie gab übrigens Andre, vielen Dank dafür. Los geht es heute mit dem SEO-Teil, die Auswertungen für SEM und Universal-Search folgen in eigenen Postings.

Vorweg noch ein paar Worte zu der Datengrundlage: wir schauen uns jede Woche für jedes der Länder 1 Millionen Keywords an. Diese sind so ausgewählt, dass sie einen repräsentativen Querschnitt durch das jeweilige, lokale Suchverhalten bilden. Auf dieser Basis werden dann die ersten 100 organischen Treffer, die erste Seite der AdWords-Anzeigen sowie die Integrationen von Universal-Search analysiert. Los geht es mit einem Diagramm, das zeigt, wie viele unterschiedliche Domains eigentlich aus diesem Sample von 1 Millionen Keywords in den Top-100 der organischen Treffer gefunden werden:


Besonders auffällig ist hier die starke Zweiteilung: während in Deutschland und England über 5 Millionen Domains ranken, sind es in Frankreich, Spanien und Italien nur jeweils um die 2 Millionen. Auch ganz interessant finde ich die Tatsache, dass im deutschen Index offenbar mehr Domains vertreten sind, als im englischen. Hier hätte ich durch die Nähe Englands zu den USA auf andere Verhältnisse getippt. Offenbar trennt Google diese beiden Märkte aber doch effektiver als gedacht.

Die Zahlen lassen zwei Rückschlüsse zu: entweder sind die SEOs in FR, ES & IT einfach so deutlich besser, dass sie die SERPS nach Belieben dominieren oder aber in diesen Märkten ist der Suchindex kleiner. Um da etwas mehr Einblick zu erhalten, hier die gleiche Auswertung, dieses Mal allerdings nur auf die Top-10 der organischen Google-Treffer bezogen:


Der Unterschied zwischen DE und UK tritt hier schon etwas deutlicher zutage, auch rücken die drei anderen Länder näher an die Werte von Deutschland und England. Ich würde diese Zahlen so deuten, dass der Index in diesen Ländern in der Tat kleiner ist. Das kommt für die Betrachtung der Top-10 naturgemäß nicht so stark zum Tragen, bei der Auswertung für die kompletten Top-100 dafür umso deutlicher, da der Algorithmus durch den kleineren Index hier aus weniger Domains auswählen kann. Die nächste Auswertung zeigt die durchschnittliche Anzahl an Keywords, für die eine Domain in den 5 Ländern zu finden ist:


Hier treten die Unterschiede noch etwas deutlicher hervor: während man als Domainbetreiber in Italien im Durchschnitt zu 47 Keywords in Google zu finden ist, reduziert sich dieser Wert in Deutschland auf nur noch 15 Keywords. Interessant ist auch, dass England – wenn auch knapp – noch hinter Deutschland liegt. Auf Basis dieser Daten liege ich wohl nicht komplett daneben, wenn ich behaupte, dass die deutschen SERPs in der Gesamtbetrachtung die Schwierigsten in ganz Europa sind. Sicherlich wird es einzelne Themen und Gebiete geben, wo dieses anders aussieht, über alles gesehen, dürfte es aber zutreffen.

Interessant sind zu Zahlen nun, wenn man sie in Bezug zu anderen Daten setzt. Dass die Konkurrenz im einwohner- und kaufkraftmäßig größten Land Europas auch am stärksten ist, dürfte nicht überraschen. Wenn man nun aber überlegt, dass in Frankreich mehr potentielle Kunden als in England leben, so scheint dieser Markt unter SEO-Gesichtspunkten interessant zu werden. Weiter geht es im nächsten Posting dann mit der Betrachtung der SEM-Zahlen.

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Kommentare
Avatar Pascal   
18. Januar 2011, 12:39

Ein Auswertung für Österreich und die Schweiz wäre hier noch ganz interessant gewesen, weil sich diese Märkte mit deutschem Content noch am ehesten erschließen lassen.

Grüße
Pascal

Avatar Kai   
18. Januar 2011, 13:39

Wow, sehr interessante Auswertung!
Wenn ich doch in der Schule bei französisch mal besser aufgepasst hätte 😉
Pascal gebe ich Recht at und ch wäre auch spannend, wegen der Nähe zu de und einem, wahrscheinlich noch kleineren Index?

Johannes   
18. Januar 2011, 13:43

AT und CH werten wir nicht aus, da kann ich also leider nichts zu sagen.

Avatar Eric   
18. Januar 2011, 14:22

Ah. Deswegen ist Zalando nach Frankreich. Die Idee hatte Andre? Um mal wild zusammenhänge herzustellen wo (vielleicht?) keine sind 😀

Sind Links dort teurer, weil das Angebot kleiner ist oder billiger, weil auch die Nachfrage kleiner ist? Oder genauso? Oder kauft dort keiner Links? Ich glaub da hat mal jemad welche gesucht.

Avatar Stefan   
18. Januar 2011, 15:17

„Hier hätte ich durch die Nähe Englands zu den USA auf andere Verhältnisse getippt. Offenbar trennt Google diese beiden Märkte aber doch effektiver als gedacht.“

Hallo Johannes, danke zunächst für die tollen Informationen! Zu EN/USA: Was glaubst du, wie Google hier trennt – anders gefragt – kannst du eine Korrelation zwischen TLD com/co.uk oder Sprache und Platzierung (oder einem anderen Faktor) in den Top10/100 in den UK-Serps bestätigen? Ohne lokalen inhaltlichen Bezug dürfte es ansonsten ja schwer sein zu trennen, oder?
Danke & Gruß
Stefan

Avatar Felix Lüneberger   
18. Januar 2011, 15:54

Vielen Dank für diese spannende Auswertung. Ich bin sehr beeindruckt und freue mich schon auf die nächsten Kapitel.
Aber ich habe ein paar Fragen:
Wie wurden die 1 Million Keywords für die Märkte ursprünglich ausgewählt?
Findet das Tracking „nur“ bei Google des jeweiligen Landes statt, oder auch bei anderen Suchmaschinen?
Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen! Beste Grüße,
Felix Lüneberger

Avatar Robert   
18. Januar 2011, 16:02

In der Tat sehr interessant, gerade auch weil wir in all den Märkten aktiv sind, die Sistrix auswertet 😉 Johannes, weißt Du schon, wann Spanien aktualisiert wird?

VG,
Robert

Avatar MobH-SEO   
18. Januar 2011, 18:18

Irgendwie war es klar das die Italiener sich mit Keywordstuffing profilieren 🙂

Johannes   
18. Januar 2011, 18:33

Stefan, ich denke, dass Google da auf vergleichbare Methoden setzt, wie für die Unterscheidung zwischen DE und AT. Also Domain, Hoster aber auch Sachen wie Herkunft der eingehenden Links, vielleicht auch Herkunft der Besucher (messbar via Analytics, Toolbar, etc)

Felix, wir haben aus diversen Quellen recht gute Daten über das jeweilige Sucheverhalten in diesem Markt. Diese Quellen gleichen wir gegeneinander ab und kommen so zu einem sehr runden Gesamtbild, das nach unseren Erfahrungen das Suchmuster in dem Land ziemlich gut widerspiegelt. Das Tracking findet jeweils nur bei google.tld statt. Wenn Du Dir die Marktanteile von Google in den fünf Ländern ansiehst, stellt das aber kein Problem dar.

Robert, die hinken aktuell noch eine Woche hinterher. Die aktuelle Woche wird gerade eingespielt, sollte morgen nachmittag/abend da sein.

Avatar Erik   
18. Januar 2011, 20:51

Ich habe einmal SEO im „italienischen Web“ gemacht und hatte den Eindruck, daß es etwas einfacher ist, als gegen deutsche Webseiten zu konkurrieren. Frankreich ist sicher ein interessanter Markt für deutsche Firmen, leider fehlen mir aber da die Sprachkenntnisse.

Avatar SEO DIVER News   
20. Januar 2011, 09:25

Zusätzlich erfasst der SEO DIVER auch die organischen Suchergebnisse in den USA sowie die der benachbarten Länder Österreich und der Schweiz. Laut einem aktuellen Beitrag im Sistrix Blog gibt es…

Avatar bluesummit   
20. Januar 2011, 10:22

Sehr interessanter Beitrag 🙂
Kommt in absehbarer Zeit auch NL hinzu? Ich denke hier sieht die Situation ähnlich zu FR/IT/ES aus…
Grüße,
Dominik

Avatar Peter Schneider   
21. Januar 2011, 02:02

Reduziert sich SEO auf: Man macht zu einem spezifischen Thema eine eigene Miniseite – dann ist es nicht verwunderlich, dass diese Miniseite für relativ WENIGE Keywörter überhaupt in den Google Resultaten auftaucht…

Dann wären die Zahlen und die Deutung „wie weit SEO entwickelt ist“ ja zutreffend.

Ein anderer Blickwinkel wäre: wieviele Arbeitslose verbringen Zeit damit, unnütze Miniseiten in den Markt zu werfen, die vielleicht zufällig für eines der 1 Mio Keywörter ranken und dadurch den Durchschnittswert Deiner Auswertung absenken…

Dann könnte man in Bezug auf die Märkte lediglich sagen, dass in Deutschland die Mini-Seiten-Suche existiert. Mehr auch nicht.

Oekonomisch gesehen:
Der Italienische Markt müsste für eine übersetzte Miniseite mehr abwerfen als für eine neue, deutsche Miniseite. Bei den kleinen Beträgen, die manche von Euch aus Ihren Kleinstseiten erhalten, resultieren in Italien (Domain, Hostingkosten) schnell mal Fixkosten, die den Ertrag in den Misserfolg umwandeln.

Auch .fr (gesehen bei inwx):
Preis : 35,70 € / 1 Jahr
Treuhandservice: 30,00 € / 1 Jahr

Da kann man nicht mehr ein Projekt mit jährlichen Kosten von 5 Euro und einem Ertrag von 50 Euro lohnenswert betreiben.

Eventuell ist die Schlussfolgerung einfach: nicht das SEO ist in .fr und .it unterentwickelt, sondern die finanziellen Möglichkeiten zum Betrieb von Miniseiten einfach nicht optimal.

Avatar Dirk   
27. Januar 2011, 15:54

Danke für die schöne Auswertung! Muss man jetzt nur noch mit der Finanzkraft der jeweiligen Märkte multiplizieren – und natürlich den Selbstkosten, wie Peter angedeutet hat.

Avatar dbddhkp27   
31. Januar 2011, 00:46

Wir schauen uns in ein paar Ländern das SEO im Dating-Sektor schon eine ganze Zeit an. In FR, ES und IT ist SEO deutlich weniger etabliert als in DE, AT oder CH.

Selbst bei großen Portalen haben wir bei Anfragen für Verlinkunsstrategien nicht selten die Gegenfrage bekommen, weshalb man denn verlinken sollte, gute Portale wären eh von alleine vorne platziert, so so…

Schaut man sich die Metas der größten heimischen Anbieter in diesem Segment an, so fällt auf, dass sich diese meist auf die absoluten Top-Keywords beschränken, Kombis sind nahezu Fehlanzeige.

Etwas clevere Portale aus SEO-Sicht sind in FR nicht selten Anbieter aus Kanada, sicher kein Zufall.

Die Serps in IT geben uns noch gehörige Rätsel auf. Hier haben wir ein wenig den Eindruck, dass Google.it irgendwie nicht upgedatet wurde und noch auf dem Stand von 2005 oder älter ist. Hier trifft man jede Menge Seiten, die mit uralten Cloaking-Methoden oder anderen Tricks arbeiten, die in DE mit Sicherheit rausgeflogen wären, in IT aber auf der ersten Ergebnisseite stehen. Selbst Seiten mit Viren und Trojanern gehören auf der ersten Ergebnisseite anscheinend zur Tagesordnung.

Regelmäßig stolpern wir auch über Portale, die einfach mal Seiten von uns komplett kopiert haben und im Index zu finden sind, DC scheint dort nicht wirklich ein Problem zu sein, außer man meldet es Google.

Das größte Problem in diesen Ländern ist wie gesagt gute Links zu bekommen, da dieser Rankingfaktor irgendwie dort noch nicht angekommen ist. Davon profitieren natürlich uralte Seiten und sehen sich in ihrer Unwissenheit bestätigt, aber auch das wird sich mit Sicherheit ändern, wenn mehr internationale Anbieter in diese Märkte eindringen und gemeinsam Verlinkungsstrategien entwickeln. Denn hier machen sich schon wenige Links beim Ranking sofort bemerkbar, nicht zu vergleichen mit dem Aufwand, den man in DE betreiben muss.

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