Paradigmenwechsel bei Google?

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Jahrelang hieß es, dass Computer, also Algorithmen, und nicht Menschen über die Position von Webseiten in den SERPs entscheiden sollen. Seit einigen Monaten beobachte ich, dass Google sich von diesem Grundgedanken, der auch zum Erfolg der Suchmaschine beigetragen hat, abrückt.

Die Position des Google Search Result Quality Evaluators/Coordinators wird weltweit ausgeschrieben. Nicht nur in Dublin für den europäischen Markt sondern auch in China für Asien und Mountain View für die USA. Diese Leute sind jetzt aber anscheinend nicht dafür zuständig, Fehler im Index zu finden und diese in Zusammenarbeit mit den Entwicklern zu beseitigen sondern drücken direkt auf den roten Knopf um die betreffenden Seiten aus dem Index zu entfernen. Es werden sowohl häufige Suchanfragen als auch AdSense-Accounts nach Seiten, die den Google-Qualitäts-Richtlinien nicht entsprechen, durchsucht. Das Problem, das dabei entsteht, ist, dass Menschen nicht so einheitlich beurteilen und entscheiden können, wie der Algorithmus dies kann. Während eine Seite beim ersten Check noch durchkommt, ist ein paar Tage später ein Evaluator da, dem die Hintergrundfarbe nicht gefällt und die Seite ist weg – dauerhaft und schnell. Dass es dabei auch öfter mal Seiten erwischt, die seit Jahren Mehrwert liefern und deutlich innerhalb der Qualitäts-Richtlinien stehen, wird wohl als Kollateralschaden hingenommen.

Ist das die Zukunft der technologisch führenden Suchmaschine? Menschen statt Maschinen? Vielleicht sollte Google mal bei AOL anfragen, die scheinen ja kein Interesse mehr an DMoz zu haben …

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Kommentare
Avatar Gerald Mann   
28. November 2006, 00:02

Bei den neuen Mitarbeitern wird wohl die Hausfrau/Hausmann des „Google Search Result Quality Evaluators/Coordinators“ schnell einen Lukrativen SEO Beraterjob bekommen 🙂

Johannes   
28. November 2006, 09:12

Immerhin stellte sich Google dabei nicht ganz so dämlich an, wie MSN vor einiger Zeit. Die hatten eine Evaluationsoftware, die als Login anscheinend die E-Mail-Adresse des Mitarbeiters nutze. Und diese Adresse wurde als Parameter in der kompletten Software mitgeschleift. Wenn der Evaluator jetzt einen Link nach außen angeklicht hat um sich eine Seite anzusehen, war da die E-Mail-Adresse im Referrer und man konnte bequem Kontakt aufnehmen. Schade nur, dass MSN nahezu unbedeutend ist. Hatten auch nur drei oder vier unterschiedliche Personen für den deutschen Index.

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