Eine beliebte GEO-Taktiken der letzten Monate gerät ins Wanken: Unternehmen, die sich in eigenen Listicles selbst auf Platz 1 setzen, verlieren plötzlich massiv an Sichtbarkeit. Aktuelle Daten zeigen drastische Einbrüche von bis zu 49 Prozent und ein klares Muster bei den Betroffenen.
- Was sind Self-Promotional Listicles - und warum waren sie so attraktiv?
- Einordnung: Grauzone, nicht Blackhat
- „Es funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert"
- Suche nach Hinweisen nach der Google Ranking Volatilität
- Beispiel 1: B2B-Marke mit 49% Rückgang
- Beispiel 2: SaaS-Unternehmen mit 43% Verlust
- Beispiel 3: B2B/B2C-SaaS mit 42% Rückgang
- Beispiel 4: Softwareunternehmen mit Blog-Start Juli 2025
- Beispiel 5: Digital-Marketing-Anbieter mit 29% Verlust
- Gemeinsame Muster bei betroffenen Websites
- Auswirkungen auf die KI-Suche
- Fazit
Der folgende Artikel basiert auf einer Analyse der SEO-Expertin Lily Ray, die am 3. Februar 2026 auf ihrer Website veröffentlicht wurde. Wir haben die zentralen Erkenntnisse aufbereitet und an geeigneten Stellen um SISTRIX-Kontext ergänzt. Die inhaltlichen Kernaussagen und die zugrunde liegende Analyse anhand von SISTRIX Daten stammen von Lily Ray.
Eine der meistdiskutierten GEO-Taktiken der letzten Monate könnte sich als nachhaltiges Risiko erweisen: Unternehmen, die auf ihren eigenen Blogs Listicles veröffentlichen und sich dabei selbst auf Platz 1 setzen. Aktuelle Daten aus dem Januar 2026 deuten darauf hin, dass Google beginnt, genau diese Inhalte algorithmisch abzuwerten. Lily Ray hat dieses Muster in einer ausführlichen Analyse untersucht:
Was sind Self-Promotional Listicles – und warum waren sie so attraktiv?
Die Taktik ist denkbar einfach: Ein Unternehmen veröffentlicht auf dem eigenen Blog einen Artikel mit einem Titel wie „Die 10 besten CRM-Tools 2026″ – und platziert sich selbst auf Rang 1. In Variationen wird auch das eigene Produkt als Marktführer einer Kategorie positioniert, während echte Wettbewerber darunter gereiht werden.
Besonders verbreitet ist zudem eine Art modernes Linktauschsystem: Unternehmen derselben Branche erwähnen sich gegenseitig in ihren jeweiligen Listicles – Du nennst mich, ich nenne Dich.

Das Kalkül dahinter war lange Zeit aufgegangen: Suchanfragen mit dem Wort „beste“ priorisieren, sowohl in den organischen Google-Ergebnissen als auch in LLM-Antworten, tendenziell aktuelle Inhalte. Wer seine Listicles regelmäßig mit der aktuellen Jahreszahl im Titel aktualisiert, profitiert von dieser Aktualitätspräferenz doppelt. Viele Unternehmen haben das systematisch genutzt – und damit auch Sichtbarkeit in AI Overviews und anderen KI-Suchantworten gewonnen, die auf Retrieval-Augmented Generation (RAG) basieren.
Einordnung: Grauzone, nicht Blackhat
Lily Ray ordnet diese Taktik explizit in die SEO-Grauzone ein – und diese Einordnung ist wichtig. Es handelt sich nicht um offensichtlichen Spam oder eine klare Richtlinienverletzung. Aber die Inhalte sind primär für Suchmaschinen optimiert, nicht für echten Nutzwert.
Drei Fragen aus Googles eigenem Qualitätsrahmen machen das Spannungsfeld deutlich:
- Liefert der Inhalt originäre Informationen oder echte Analyse? Kaum. Die meisten dieser Artikel behaupten umfangreiche Recherchen, untermauern sie aber nicht. Und: Es ist nahezu ausgeschlossen, dass ein Unternehmen alle gelisteten Wettbewerber tatsächlich verglichen hat. Google empfiehlt seit Jahren, dass Bewertungsinhalte nachweisliche Testerfahrung belegen sollten. Das fehlt hier fast durchgehend.
- Ist der Titel irreführend? „Beste“ impliziert eine unabhängige, objektive Bewertung. Wenn das publizierende Unternehmen sich selbst ohne transparente Methodik an erste Stelle setzt, ist diese Implikation schlicht falsch. Auch dann, wenn die Aussage technisch nicht direkt gelogen ist.
- Wirkt der Inhalt vertrauenswürdig? Nein. Wer sich selbst bewertet, ohne das offenzulegen, schreibt befangene Inhalte. Und genau das erkennt Google bei der Bewertung von Review-Artikeln als Qualitätsproblem.
Sich selbst in einem Blogbeitrag, der auf der eigenen Website veröffentlicht wird, auf Platz 1 zu setzen, widerspricht also ganz deutlich Googles Qualitätsrichtlinien. Deshalb hat Lily Ray diese Strategie schon immer kritisch hinterfragt und nicht als nachhaltige Taktik empfohlen. Diese Vorahnung scheint sich nun zu bestätigen: Google straft Seiten, die auf diese Strategie gesetzt haben, zuletzt immer deutlicher ab.
„Es funktioniert, bis es nicht mehr funktioniert“
Wer Lily auf Bühnen oder bei Linkedin verfolgt, wird diesen Satz aus ihren Analysen kennen. Er beschreibt einen bekannten Mechanismus im SEO: Sobald eine Taktik weit verbreitet und effektiv genug ist, entwickeln Suchmaschinen Gegenmaßnahmen. Lily nennt das den „Zyklus von SEO„. Es ist kein neues Phänomen, aber es trifft immer wieder Websites, die zu stark auf kurzfristig effektive Abkürzungen gesetzt haben.
Wer mehr über ihren Blick auf dieses Phänomen erfahren möchte kann sich ihre Keynote bei BrightonSEO 2025 ansehen:
Bemerkenswert ist, dass sie bereits im Laufe des Jahres 2025 mehrfach öffentlich davor gewarnt hat, dass Self-Promotional Listicles ein häufiges Muster bei Websites sein würden, die von kommenden Google Core Updates negativ getroffen werden. Auch SEO-Experten wie Wil Reynolds (Seer Interactive) und Glenn Gabe haben im vergangenen Jahr vergleichbare Warnungen ausgesprochen. Die Frage war nie ob, sondern wann.
Suche nach Hinweisen nach der Google Ranking Volatilität
Barry Schwartz vom Search Engine Roundtable berichtete im Januar 2026 über signifikante Volatilität im Google Ranking, einige Wochen nach dem offiziellen Abschluss des Core Updates vom Dezember 2025. Lily analysierte daraufhin betroffene Websites systematisch, um aufkommende Muster zu identifizieren – und war überrascht, starke Sichtbarkeitsrückgänge bei mehreren großen Marken zu sehen, die alle etwa im selben Zeitraum begannen.
Wohingegen Leistungseinbrüche während laufenden Updates viele Ursachen haben können, waren die Muster bei den betroffenen Websites dieses Mal ungewöhnlich konsistent. Lilys Einschätzung: Die Volatilität könnte laufende Verfeinerungen an Googles Reviews System widerspiegeln, das sich zunehmend darauf konzentriert, eigennützige, voreingenommene oder beweisarme Bewertungsinhalte zu erkennen. In nahezu allen Fällen war der Blog oder ein vergleichbarer Content Hub der Haupttreiber für den Sichtbarkeitsrückgang.
Gemessen wurde die Sichtbarkeit über den SISTRIX Sichtbarkeitsindex. Alle Firmennamen wurden von Lily anonymisiert.
Beispiel 1: B2B-Marke mit 49% Rückgang
Eine wohl bekannte B2B-Marke verlor zwischen dem 21. Januar und dem 2. Februar 2026 satte 49% ihrer organischen Sichtbarkeit. Der Unternehmensblog macht 77% der gesamten Website-Sichtbarkeit aus und verzeichnete seit Mitte Januar einen massiven Einbruch, während andere Verzeichnisse deutlich geringere Rückgänge oder sogar Gewinne verzeichneten.


Bei der Analyse der Blogartikel fiel Folgendes auf: viele automatisch generierte Artikel nach ähnlichen Vorlagen, überladene Informationstexte zu typischen Fragen wie „Wer, Was, Wann“ und auffällig viele Titel mit „2026“, obwohl das Jahr zum Zeitpunkt der Analyse erst vier Wochen alt war.
Aber ein weiteres Muster stach besonders hervor: Der Blog enthielt genau 191 Self-Promotional Listicles. Gemeint sind damit Artikel, die „beste“ im Titel tragen und das eigene Unternehmen auf Platz 1 setzen. Ja, 191 Artikel sind bei insgesamt rund 30.000 indexierten Blog-Artikeln rechnerisch ein kleiner Anteil. Aber 191 Self-Promotional Listicles fühlen sich eben nicht wie ein Versehen an, sondern wie eine bewusste Strategie.
Ob die eigene Domain solche Artikel enthält, lässt sich mit einer einfachen Google-Suche prüfen:
site:unternehmen.com/blog/ intitle:bestes "1. unternehmensname"oder alternativ:
site:unternehmen.com/blog/ "bestes" "1. unternehmensname"
Beispiel 2: SaaS-Unternehmen mit 43% Verlust
Ein SaaS-Unternehmen wurde ab dem 19. Januar hart getroffen und verlor 43% seiner gesamten organischen Sichtbarkeit.

Rund 85% der organischen Sichtbarkeit dieser Website stammen aus dem /guide/ Verzeichnis, das den stärksten Rückgang verzeichnete. Das Verzeichnis umfasst etwa 2.780 bei Google indexierte Artikel zu den Angeboten der Website.

Darunter: 228 selbstpromotende „Beste“-Listicles, in denen das Unternehmen sich selbst auf Platz 1 rankt.

Beispiel 3: B2B/B2C-SaaS mit 42% Rückgang
Ein B2B/B2C-SaaS-Unternehmen verlor seit Mitte Januar 2026 42% seiner Sichtbarkeit.

Die Großteil der organischen Sichtbarkeit stammt aus dem /tutorials/ Verzeichnis, das auf ein Niveau fiel, das es seit 2021 nicht mehr gesehen hatte.

Unter den 1.980 indexierten Tutorials finden sich 76 selbstpromotende Listicles. Bemerkenswert: 38 davon wurden eigens aktualisiert, um „2026“ im Titel aufzunehmen, obwohl inhaltlich keine wesentlichen Änderungen vorgenommen wurden.
Beispiel 4: Softwareunternehmen mit Blog-Start Juli 2025
Dieses Softwareunternehmen startete seinen Unternehmensblog scheinbar erst im Juli 2025. Der Blog macht bereits 93% der gesamten organischen Sichtbarkeit der Website aus.

Der Rückgang begann offenbar bereits während des Dezember Core Updates und wurde durch die Ranking-Bewegungen im Januar 2026 weiter verstärkt.

Unter den 1.420 indexierten Blog-Artikeln sind 61, also rund 4%, selbstpromotende Listicles.

Beispiel 5: Digital-Marketing-Anbieter mit 29% Verlust
Das letzte Beispiel ist ein SaaS-Unternehmen mit Fokus auf digitales Marketing, das seit Mitte Januar 2026 29% seiner organischen Sichtbarkeit verloren hat.

Das /blog/ Verzeichnis macht über 90% der organischen Gesamtsichtbarkeit aus und umfasst 1.700 indexierte Seiten.

Dieser Fall ist besonders aufschlussreich: Die Website enthält lediglich 10 Self-Promotional Listicles, eine im Vergleich zu den anderen Beispielen extrem kleine Anzahl. Dass trotzdem ein deutlicher Sichtbarkeitseinbruch eintrat, zeigt, wie stark Google einzelne solcher Seiten in der Gesamtbewertung einer Domain gewichtet, auch wenn sie zahlenmäßig kaum ins Gewicht fallen.

Gemeinsame Muster bei betroffenen Websites
Self-Promotional Listicles sind nicht die einzige Gemeinsamkeit. Lily Ray hat weitere Muster identifiziert, die sich über die betroffenen Websites ziehen:
- Alle untersuchten Websites stammen aus dem SaaS-Bereich, was nahelegt, dass diese Unternehmen aktuelle SEO- und GEO-Trends besonders genau beobachten und gezielt umsetzen.
- Viele Blogs enthielten ausgerechnet eigene Anleitungen zu GEO und KI-Suche.
- Mehrere Websites hatten ihren Content-Output in kurzer Zeit stark skaliert, ein Indiz für den Einsatz von KI zur Inhaltserstellung mit unzureichender redaktioneller Kontrolle.
- Tests mit dem KI-Erkennungstool von originality.ai ergaben für mehrere Artikel eine 100-prozentige Konfidenz für KI-generierten Text.
- Weitere problematische Muster: künstliches Aktualisieren von Inhalten ohne wesentliche Änderungen, Missbrauch von Schema.org-Markup (etwa AggregateRating auf nicht berechtigten Seiten), übermäßig verkaufsorientierte Inhalte, die vom eigentlichen Thema der Website abweichen, sowie stark automatisierte programmatische Seitenvorlagen, die über hunderte oder tausende von Seiten skaliert wurden.
Lily weist ausdrücklich darauf hin, dass Self-Promotional Listicles nur ein Teil des Musters sind. Einige Websites verzeichneten erhebliche Sichtbarkeitsverluste, obwohl sie diese Taktik kaum eingesetzt hatten. Da selbstpromotende Listicles dennoch bei allen Websites mit den größten Rückgängen zu finden waren, wertet sie sie als einen der relevanten Faktoren bei der Gesamtbewertung dieser Blogs und Content-Bereiche.
Auswirkungen auf die KI-Suche
SEO- und KI-Suchsichtbarkeit sind eng miteinander verknüpft. Glenn Gabe, der dieselben Websites beobachtet hat, dokumentierte parallel dazu, wie genau vier dieser Websites auch in Googles AI Overviews an Sichtbarkeit verloren haben.

Wer in den organischen Google-Ergebnissen verliert, verliert damit wahrscheinlich auch in Gemini, AI Mode und vermutlich auch in ChatGPT.
Fazit
Self-Promotional Listicles haben sich in den letzten Jahren als effektive Abkürzung zu organischer Sichtbarkeit und KI-Präsenz etabliert. Aktuelle Daten deuten aber darauf hin, dass Google diese Taktik zunehmend erkennt und abwertet, insbesondere in Kombination mit anderen Signalen, die auf primär suchmaschinenoptimierte statt nutzerorientierte Inhalte hinweisen.
Ja, es gibt noch Beispiele, wo dieser Ansatz kurzfristig funktioniert. Aber das Muster ist eindeutig: Websites, die stark auf selbstpromotende Listicles gesetzt haben, gehören zu den größten Verlierern der jüngsten Volatilität.
Langfristige Sichtbarkeit wird Inhalten gehören, die auf echter Erfahrung, transparenter Methodik und nachweisbarem Mehrwert für Nutzer basieren. Was heute noch funktioniert, kann morgen zum Sichtbarkeitsdämpfer.
Alle Daten, Insights und weitere Beispiele gibt es im Blogbeitrag von Lily Ray auf ihrer Website.



