SEO 2020: Google wird dein Wettbewerber

Johannes Beus
Johannes Beus
1. Januar 2020
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Üblicherweise funktionieren SEO-Trends zum Jahreswechsel nach einem einfachen Schema: es werden nach dem Schrotflintenprinzip zehn Vorhersagen abgegeben und wenn auch nur 5 davon halbwegs zutreffen, gilt der Beitrag in der Rückschau als Erfolg.

Ich möchte es heute, zum Jahresanfang etwas anders versuchen: es gibt nur eine Prognose und ich bin mir sehr sicher, dass sie auch zutrifft. Denn auch 2020 wird Google die Websuche nicht neu erfinden, sondern bereits eingeschlagene Entwicklungen fortschreiben und intensivieren.

Das kommende Jahr wird für viele Branchen im Zeichen des steigenden Wettbewerbs durch Google selbst stehen. Waren es in den letzten Jahren hauptsächlich Wettbewerber aus der eigenen Branche, die einem die Rankings streitig gemacht haben, steigt nun immer deutlicher Google in den Ring – mit dem kleinen aber unfairen Vorteil, dass Google in den SERPs das Hausrecht genießt.

Googles Mission: 10 blaue Links?

Google ist in seiner Mission, also der prägnanten Zusammenfassung der eigenen Aufgabe als Firma, sehr klar: “Die Informationen dieser Welt organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar machen”. War der Werkzeug der Wahl lange Jahre die Auslieferung der zehn relevantesten Webtreffer zu einer Suche (“10 blaue Links”), hat sich die beste Zugänglichmachung von Informationen aus Googles Sicht in den letzten Jahren in vielen Bereichen grundsätzlich geändert: Suchen mit dem Userintent “Visit” werden durch eine Integration des Google Maps-Produktes beantwortet, für Flugsuchen gibt es das Google Flugvergleichs-Produkt, Videos finden sich oft auf Google YouTube und so weiter und so fort. Allein der Deutschland-Start von Google for Jobs und die Ausspielung der neuen Event-Integration in diesem Jahr haben uns allen sehr deutlich gezeigt, wem die SERPs gehören.

Die SERPs gehören Google

Für uns SEOs fühlt sich jedes neue Google-Produkte in den SERPs wie eine Enteignung an. Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und schlussendlich auch Besucher, die bislang nach mühevoller, oft jahrelanger Arbeit auf unseren eigenen Seiten gelandet sind, bleiben nun im Google-Ökosystem. Und auch, wenn diese Perspektive nachvollziehbar ist, ist sie falsch: die SERPs gehören Google und es gibt kein Anrecht auf Rankings und Besucher. So frustrierend der Verlust von als sicher geglaubten Besuchern aus der Websuche auch sein mag, es gibt keinen Anspruch auf diese Nutzer. Und nur, weil es viele Jahre so funktioniert hat, kann (und wird) Google die Spielregeln über Nacht ändern.

Google optimiert für seine Kunden, die Nutzer

Um weiterhin auf Erfolgskurs zu bleiben, muss Google Weltmarktführer sein. Auch, wenn es sich für alle, die jeden Monat viel, viel Geld an Google überweisen, nicht ganz so anfühlt, so ist für Google klar, wer Kunde ist: der Nutzer. Ähnlich wie andere erfolgreiche Marktplätze (Amazon zum Beispiel) optimiert Google auf maximale Nachfrage. Das führt dazu, dass die Anbieter zwingend folgen müssen – ob sie wollen, oder nicht. Aus Mangel an Alternativen können marktführende Plattformen wie Google die Spielregeln diktieren. Und schlaue Auktionsmodelle regeln dann den Rest: als Marktplatzbetreiber wird Google immer den besten Preis erhalten.

Die Luft für Aggregatoren wird 2020 dünner

Allein die Rückschau auf die letzten 12 Monate zeigt Googles Weg überdeutlich: mit Google for Jobs hat Google einen eigenen Stellenanzeigen-Aggregator in Deutschland gestartet, die Rezeptsuche wurde deutlich ausgebaut und viel präsenter in die SERPs gehoben, vor wenigen Wochen ist die neue Event-Integration in den SERPs online gegangen, die Hotelsuche wurde überarbeitet und ausgeweitet – und das waren nur die auffälligsten Änderungen im letzten Jahr. Wir müssen davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung im vor uns liegenden Jahr mindestens fortschreibt, wahrscheinlich aber sogar noch beschleunigt. Google wird die bestehenden Integrationen ausbauen und verbessern und neue, vertikale Märkte angehen.

Dass wir SEOs dabei noch meistens auf die Desktop-Version der Suchergebnisse schauen, während schon deutlich mehr als die Hälfter aller Suchen auf dem Smartphone stattfinden, verschleiert die gravierenden Änderungen dabei nur. Auf den großen Desktop-Monitoren sind die neuen Google-Elemente nicht ansatzweise so präsent, wie auf dem Smartphone. Auf dem Handy muss man oft erst einige Seiten scrollen, bis die ersten organischen Ergebnisse zu sehen sind.

Webseitenbetreiber im Gefangenendilemma

Das klassische Gefangenendilemma aus der Spieltheorie: halten zwei Gefangene zusammen und leugnen die Tat, kommen beide halbwegs glimpflich davon. Sagt einer der beiden jedoch aus, geht er aus Kronzeuge straffrei aus, während der andere Gefangene die Höchststrafe erhält. So ähnlich stellt sich die Zusammenarbeit mit Google bei der Bereitstellung von strukturierten Daten derzeit da – mit dem kleinen Unterschied, dass der Kollaborateur ebenfalls die Höchststrafe erhält, jedoch erst mit einigen Jahren zeitlicher Verzögerung.

Für viele der eigenen Aggregatoren und vertikalen Integrationen benötigt Google strukturierte Daten. Erst auf Basis dieser strukturierten Daten sind die Boxen erst möglich. Deutlich wird das zum Beispiel bei den neuen Rezept-Integrationen, die auf dem Schema.org Recipe-Type basieren sowie der Job-Suche, die auf dem JobPosting-Markup basiert. Aber auch hier gibt es Alternativen: sind einzelne Firmen im Besitz der benötigten Informationen, übernimmt Google die Firma und überführt die Daten in das eigene Produkt – wie beispielsweise bei der Flugsuche geschehen.

Der Kanal SEO im Wandel

Es wird nicht lange dauern, bis die ersten Untergangspropheten das Ende von SEO beschwören – doch das ist Unsinn. Google SEO wird auch in diesem Jahrzehnt der relevanteste Traffic-Kanal für die meisten Webseiten bleiben. Aber SEO ändert sich. Jeder Webseitenbetreiber wird sich die Frage stellen müssen: braucht Google deine Webseite? Und Strategie, Inhalte und Mehrwert entsprechend erarbeiten. SEO wird schwieriger, anspruchsvoller, komplexer und vielleicht manchmal auch ungerechter aber Nutzer sind weiterhin auf der Suche nach dem ersten Ergebnis zu ihren Fragen.

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Kommentare
Claas   
2. Januar 2020, 10:01

Wenn man als Unternehmer seine Vision verfolgt, d.h. den Grund warum man Unternehmer geworden ist, dann ist die Google Websuche und SEO nur ein Kanal, der zur Zeit gelegen kommt. Mit dieser Einstellung ist man mit Google auf gleicher Augenhöhe. Wenn man als SEO oder Agentur Kunden und Unternehmen und Ihre Missionen zusammenbringen will, ist das ebefalls ein Spiel auf Augenhöhe. Das denke ich mir immer dabei.

SEO 2020: Google wird Dich zerstören - baynado.de   
2. Januar 2020, 15:29

[…] hat und Existenzen bedroht.  Johannes Beus, der Gründer von Sistrix hat gestern ein tollen Blogpost veröffentlicht der mir aus der Seele spricht, nur bei seinem Fazit stimme ich nicht mit ihm […]

Clipart-Freak   
2. Januar 2020, 18:35

Sehr guter Artikel. Insbesondere Hypothese bzgl. der strukturierten Daten war für mich überraschend. Diese klingt aber sehr logisch. Die Frage, die ich mir stelle: warum Google kam auf die Idee früher, meinetwegen vor 10 Jahren, nicht?

Martin   
2. Januar 2020, 18:58

Vielen Dank für den guten Artikel und ein frohes neues Jahr, Johannes. Da kommt noch mehr: Google ermöglicht neuerdings einen Messenger-Button. Hier etwas mehr Info: http://www.searchcommander.com/google-my-business-changing-messaging/
In diesem Kontext treibt Google das Thema RCS (also Rich SMS) massiv voran. Damit greifen sie zwar auch Whatsapp noch mal an, aber zukünftig werden Message-Buttons in SERPs natürlich DER Kanal um Android-Nutzer (werblich) per Message zu erreichen.

Dominik   
2. Januar 2020, 21:19

Vielen Dank für das schöne, lehrreiche Kompendium. Alle nützlichen Tipps zum Thema Suchmaschinenoptimierung klar strukturiert zusammengefasst. Für neue Mitarbeiter bei uns, ist es ab sofort Pflicht Euren Blog zu lesen und zu verinnerlichen.
Beste Grüße Dominik

Michael   
5. Januar 2020, 17:15

Es bleibt jedenfalls spannend. Ich denke, die Nutzer wollen auch nicht nur die „Meinung“ von google hören, sondern suchen sich Referenzseiten. Zumindest gehe ich so vor.

Marc   
7. Januar 2020, 10:54

Ich glaube nicht erst seit 2020 sollte sich jeder „Webdesigner“ im Klaren sein, dass Webseiten nicht mehr für Google optimiert werden, sondern für seine Interessenten/Nutzer.
Denn wenn die Webseite für die eigenen Nutzer optimiert ist, gefällt das auch Google. Was wollen die User? Schnelle Webseiten, das finden wonach sie suchen etc. und auch genau das ist das Ziel von Google in 2020 und auch schon davor…

Mandy   
8. Januar 2020, 20:18

Ein sehr informativer Beitrag. Natürlich wird die Luft dünner, zumal ich merke, das neben SEO das Thema SEA immer wichtiger wird. Es ist schon interessant zu beobachten, das Eigennamen mit SEA an die erste Stelle gebracht werden, weil durch SEO diese teilweise untergehen.

Simone   
9. Januar 2020, 11:29

Sehr gute Zusammenfassung und Prognose, danke dafür! Ein weiteres gutes Beispiel für diesen Trend ist Googles Schritt, ausgezeichnete FAQs in die Suchergebnisse zu übernehmen. Daran hat sich in den letzten Monaten auch gezeigt, wie SEOs reagieren und wie man die von dir beschriebenen Veränderungen für sich nutzen kann (mehr Präsenz in den SERPs, vielfach höhere CTRs usw.).

Ronald Rassmann   
9. Januar 2020, 17:41

Es ist ja keine Neuigkeit, das Google stets bestrebt ist dem User das beste Ergebnis zu liefern. Hier wird ununterbrochen am Algorithmus gefeilt. Immer besser und immer schneller. Daher werden meiner Meinung nach und bin ich nicht der Einzigste auf den Planeten die SEOs nicht mehr hinterher kommen die Kundenwebsites zu ranken. Hand aufs Auge jeder Unternehmer will seine Seite sehr schnell und mit sehr vielen Keywords – heute schon mit Spracheingabe und Co also Sätzen gefunden werden. Daher kann man wohl schlecht kein klassiches SEO betreiben und die Zukunft ist Suchmaschinenoptimierung mit KI. Eine echte Sichtbarkeit und viel Traffic mit vielen Keywords wie Longtails und Sätzen mit stabilen Ranking da freut sich jeder Unternehmer.
Wer als Unternehmer immer noch SEOs vertraut und tausende Euro bezahlt muss sich langsam fragen für was er das Geld bezahlt? Eher für Ausreden als Ergebnisse. Viel Spass beim Optimieren!

Michael   
10. Januar 2020, 08:51

Super Artikel, vielen Dank dafür. Sehr schön herausgestellt, dass Google die Spielregeln macht. Bin gespannt auf die kommenden Entwicklungen.

Torsten   
14. Januar 2020, 08:46

Sehr schöner Vergleich mit dem „Gefangenendilemma“.

Die Herausforderung für Seitenbetreiber wird es sein, neben Google weitere Kanäle für Traffic mit einem brauchbaren Preis-/Leistungsverhältnis zu finden oder auszubauen. Ich denke, dass SEO dadurch mehr oder weniger (im Vergleich zu heute) zwangsläufig in den Hintergrund treten wird. Die Investitionen in eine Top-Platzierung sind durch Googles Strategie „eigene“ Inhalte mehr und mehr in den Vordergrund zu rücken ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zu rechtfertigen.

Spannend wird es auch zu sehen, was passiert, wenn es durch diese Strategie mittelfristig immer weniger „Content-Produzenten“ gibt. Stellt sich damit der SuMa-Marktführer selbst ein Bein? We will see…

Volkan   
15. Januar 2020, 02:54

Toller Artikel vielen Dank für die Mühe!

Mal gucken wo die Reise Google schluckt das Internet hinführt.

Dirk   
16. Januar 2020, 14:29

Ein spannender Beitrag mit spannenden Prognosen. Google verbessert den Algorithmus weiterhin und das ist auch gut so.

Torsten   
22. Januar 2020, 14:14

Super Artikel, vielen Dank für die spannende Einführung in die Google Strategie 🙂
Auch für mich sehr einfach und verständlich geschrieben! Bin mal gespannt, wie es weiter geht… LG, Torsten

Google vs. SEOs: im Wettlauf um die Gunst der Nutzer - OTTO Affiliate   
23. Januar 2020, 15:20

[…] Beus von SISTRIX wagt für das kommende Jahr keinen herkömmlichen Ausblick, denn er stellt lediglich eine […]

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